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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-07-15 · Heft 17 (15.7.1895) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 17 (15.7.1895)
Date
1895-07-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 3. der sehnlichst erwartete Termin für alle jene sein, denen die bisherige kirchliche Rechtsordnung in Ehesachen nicht gestattete ihrem Herzensbund gesetzliche Weihe und Stärke zu verschaffen. Das neue Eherecht bedeutet all diesen Erlösung, Vielen von jahrelanger Pein. Der Staat hat es da auf sich genommen, den gordischen Knoten so mancher dramatischen Verwicklung mit seinem Machtworte radical zu lösen. Mit der Ermöglichung der Eheschließung bei verschiedenem Glaubensbekenntniße wird auch die betrübende Erscheinung des massenhaften Religions- Wechsels, der nicht zugleich auch einen Glaubens Wechsel bedeutet, sicherlich verschwinden. Das Dilemma, entweder auf seine angestammte Religion, oder auf den Gegenstand seiner Liebe zu verzichten, wird immer seltener werden und mit dem Häufigerwerden der Mischehen wird auch jene confessionelle Schroffheit aufhören, die hervorzurufen und zu verschärfen nahezu das gesammte Programm der neuerstandenen Kampf- Partei bildet. Für jeden intelligenten Menschen muß es aber schon heute klar sein, dass in unserem Vaterlande jene Ehen allein auf den kirchlichenSegen verzichten werden, denen die Kirche diesen Segen auch bisher versagte. Die ministerielle Verordnung thut wohl alles Mögliche, um die kirchliche Trauung nicht entbehrlich zu machen. Die bürgerliche Eheschließung soll zwar mit entsprechender Feierlichkeit und dem gebührenden Ernst vor sich gehen, aber sie darf nicht als Nachahmung der kirchlichen Ceremonien erscheinen, und der Standesbeamte muß bekanntlich die Parteien darauf aufmerksam machen, dass sie durch die unter seiner Mitwirkung erfolgte Schließung bCr Ehe ihren bezüglichen religiösen Pflichten noch nicht Genüge geleistet haben. Die Civiltraunng soll daher ohne Sang und Klang, ohne salbungsvolle Reden und ohne Anrufung von Gottes Segen vor sich gehen. Allein, die ministerielle Instruction hätte sich in dieser Hinsicht nicht so viele Mühe zu geben gebraucht. Wie schön immer sich auch die Cercmonie im Standesamte gestalten sollte, im Sinne unserer gesellschaftlichen Auffassung wird das Standesamt doch stets nur der Vorhos des Gotteshauses, der Standesbeamte nur der Registrator des Priesters sein. Das neue Gesetz wird noch keinen Monat gewirkt haben, und all die confessionellen Bedenken, die sich an dasselbe geknüpft, werden sich als eitle Chimären erweisen. Unsere Gebildeten werden es als Sache des guten Geschmacks betrachten, aus die bürgerliche die kirchliche Trauung folgen zu lassen, und unsere Ungebildeten — nun, dass denen die Hölle recht heiß gemacht werde, das brauchen wir nicht unsere Sorge sein zu lassen. Dr. Moritz GrünwslÄ. ,.Zar 11 olechn, 00111 Jonathan.“ Wie leid ist mir um Dich, geliebter Freund und Landsmann! Al bomossecho 0110101! Auf der Höhe und in der Blüthe Deines Daseins bist Du aus dem Felde der Ehre gefallen, eben im Begriffe, neue Lorbeeren im Kampfe für's Judenthum zu erringen, für Deine Stammesbrüder und Gemeindeglieder auch in der Ferne zu wirken. Möge Dein tragischer Tod dazu beitragen, die Glaubensgenossen aufzurütteln, entsprechend dem alten Gebote in Betreff des Hohepriesters: 6-aäälohn michol echow, einen Pensionssond für die Cultusbeamten ins Leben zu rufen, damit dieselben ruhig ihrem hohen und heiligen Berufe leben und sich ihm ruhig widmen könnten, ohne Sorge um die Gestaltung der materiellen Zukunft ihrer Angehörigen, wie dies bereits bei anderen Eonfessionen und Ständen eingeführt ist. Bevor wir eine biographische Skizze unseres verewigten Mitarbeiters wiedergeben, wollen wir, abgesehen von den bei uns veröffentlichten Aussätzen, dessen hervorragendste Werke registriren. 1. Ueber den jüdisch-deutschen Jargon 1878.11. Aust. 1888. 2. S. D. Lnzzatto's Autobiogr. aus dem Jtal. 1882. 3. Zur Geschichte d. C. G. Diehrensurth 1882. 4. Katalog der hebr. Manuscripte der kgl. Bibliothek in Modena 1883. 5. Zur romanischen Dialectologie 1883. 6. Ueber den Einfluss der Bibel auf die Bildung von Redensarten in den europ. Sprachen 1883. 7. Zur Geschichte der Judengemeinden Pisek und Mirotitz 1894. 8. Jungbunzlauer Rabbiner 1888. 9. Geschichte der Juden in Böhmen 1885. 10. Ueber den Einfluss der Psalmen aus die Entstehung der kathol. Liturgie und Hymnologie (I. Kaufmann Franks, a. M. 1891.) 11. Ueber das Verhältnis der Kirchenväter zur talmudischen Litteratur 1891. In I. W. Pascheles Volkskalender erschienen nebst anderen Beiträgen folgende Monographien aus der Feder Dr. Grünwalds: 12. David Ganz 1889. 13. Mordechai Meisel 1890. 14. Jakob Baffewi von Treuenberg, erster jüd. Adeliger des heil, römischen Reiches 1891. 15. Rabbi Sal. Ephraim Lentschütz 1892. Im Separat- Abdruck bei I. Kaufmann, Franks. a./M. 16. Predigten Belovar 1883, I. Fleischmann. Dr. Moritz Grünwald wurde am 29. März 1853 in Ung.- Ostra bei Ung.-Hradisch geboren, wo er das Gymnasium besuchte und zugleich bei seinem Vater, Religionsiehrer und Rabbinatsverweser daselbst, für den theologischen Berus lalmudische Vorstudien trieb. In Wien srequentirte er die philosophische Facultät und das Bethamidrasch, gieng aber später nach Leipzig und Paris zu wissenschaftlichen Forschungen. 1877 war er Professor der sranz. Sprache in der Realschule zu Budweis. Darauf absolvirte er die rabbin. Studien in Breslauer Seminar. 1881 übernahm er die Stelle als Comitatsrabbiner in Belovar (Croatien.) 1883 gieng er nach Pisek und darauf nach Jungbunzlau. 1893 erhielt er die Großrabbiner-Stelle in Sofia, wo er in spagnolischer und bulgarischer Sprache Vorträge hielt. Ueberhaupt besaß er, ein zweiter Mezzofanti, enorme Sprachkenntniße. In London sollte er in mehreren Synagogen predigen, allein im Rathe Gottes war es anders beschlossen. Am 7. Juni erkrankte Dr. Grünwald und schon am 10. hauchte er seine reine Seele aus. Tags daraus fand die Beerdigung unter großer Betheiligung der dortigen Glaubensgenossen statt, darunter Chiefrabbi Dr. H. Adler, Rev. Dajan Spiero, Chacham D. Gaster. Die Todtengebete sprach Rev. Mr. Elaff von der New-Read-Synagoge, die Trauerrede Hielt Rev. Z. Maccoby. Auch in Sofia selbst wurden mehrere Trauerandachten abgehalten, in deutscher und spagnolischer Sprache, wozu die höheren Beamten der Regierung erschienen. Die Geschäfte blieben während . der Ceremonie geschlossen. Sache der 22 bulgarischen Gemeinden wird es nun sein, für die doppelt-

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