Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 16 (28.6.1895)
- Date
- 1895-06-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite 5. der in derselben enthaltenen Bestandtheile in den Rachen und die Athmungsorgane einen Reiz ausübt. Das Fischen ist im allgemeinen für Sänger nicht Passend, weil man sich leicht dabei erkältet. Wettlaufen und Bergsteigen sind, obgleich dieselben auf die Ausdehnung der Lunge günstig wirken, nicht empfehlenswerth. Indem ich mich nun zu der mehr speciellen Hygiene wende, möchte ich vor allen Dingen es den Sängern ans Herz legen, der Stimme vollständige Ruhe zu gönnen, sobald eine Erkältung vorhanden, oder die Stimme aus irgend einem anderen Grunde nicht in Ordnung ist. Ruhe lässt sich allerdings nicht immer erreichen. Manche können nur mit Schwierigkeit, andere überhaupt keinen Urlaub sich gönnen, wenn auch das Singen schwer fällt und schmerzhaft ist. Ich weiß sehr wohl, wie schwer selbst eine kurze Periode unfreiwilliger Muße einem Sänger mitten in seiner Karriere werden kann, und wie schmerzlich einem strebsamen Jünger der Tonkunst selbst nur eine Woche unthätiger Ruhe ankommt. Trotzdem ist es eine Regel der Vorsicht, mit den zur Verfügung stehenden Fähigkeiten, welche die Bedingungen der Existenz sind, haushälterisch umzugehen, damit sie nicht ganz verloren gehen. Keculer pour mieux sauter heißt Vorwärtskommen und nicht Rückwärtsgehen, eine Wahrheit und eine Lebensregel, deren Bedeutung in unserer schnelllebigen Zeit eines erbarmungslosen Kampfes ums Dasein nur zu oft unterschätzt wird. Ich könnte aus meinen eigenen Erfahrungen eine große Anzahl von Fällen citiren. in denen die Mißachtung dieser Regel oder die Unmöglichkeit, sie zu befolgen, vollständigen Verlust der Singstimme und dadurch den Ruin einer brillanten Carriere nach sich gezogen haben. (Forstetzung folgt.) Zur Schechitafrage. Adamcha achancha w’lo j’daticha! Ad 1. Der verehrte, mir unbekannte Autor,*) der meine *),Durch ein Versehen des Setzers ist der Name hinweggclasscn worden. Der Autor der Antwort ist Herr A. B. Kauders in Humpoletz. (Anin. d. Red.) Drei Monate nach dem Tode Hirsch Bernat’s, sehen wir die Familie Feigenbaum in Begleitung eines jungen. Mannes dem Hamburger Hafen zuschreiten, um sich nach Amerika einzuschiffen. In dem hochgewachsenen, kräftigen Begleiter derselben mit wettergebräuntem Gesicht, auf welches männlicher Ernst und starre Entschlossenheit ihren Stempel gedrückt hatten, erkennen wir Adolf Bernat. Unter dem Drucke von Härte, Lebensenge und Sorge verstand er es, muthig zu bleiben und in seinem Streben nicht zu wanken. Nach einigen Jahren harten Ringens gelang es ihm, eine Farm zu erwerben, die er durch fachmännische Bewirthschaftung zu einer sehr einträglichen Besitzung machte. Dass sein Vater das Vermögen eingebüßt, darüber empfand er nicht den geringsten Aerger. Er hatte nie Anspruch auf dasselbe, zu erheben gedacht. Nur sein eigener Erwerb gereichte ihm zum Stolze, da er auf eine selbst errungene Existenz blicken konnte, die ihm das Zeugnis seiner Brauchbarkeit und Tüchtigkeit ausstellte. Nun ist die heißersehnte Stunde gekommen, und er erschien, sich den hohen Preis seines׳ schwer errungenen Sieges zu holen. Aber nicht Jittele allein sollte die Früchte seiner Errungenschaften genießen, sondern auch deren Eltern und Schwester, die mit ihm gekämpft und gelitten. Wenn auch diese mit׳? Schmerz und Wehmuth auf die alte Heimat zurückblickten, an der sie so viele Erinnerungen und manche enge Bande knüpften, so gingen sie doch einer ftohen und hoffnungsvollen Zukunft entgegen — in der neuen Welt. jüngst aufgeworfene Schechitafrage in Nr. 13 beantwortete, verweist mich auf eine Stelle im ״siwre sehlamim“ und auf eine zweite im ״Ca’sam sofer״, aus letzterer sollte hervorgehen, dass eine sercha t’luja auf einem gawschuschith koscher sein sollte. Mit Staunen lese ich, dass ein solcher gaon-olom eine ausgesprochene tarte-l’rese als koscher erklären sollte. Nach erfolgter Einsichtnahme finde ich aber, dass der große Ch’sam sofer weit entfernt davon war, eine solche Behauptung auszusprechen, vielmehr lehrt derselbe, was der primagadim schon früher lehrte, u, zw. Eine von einer buah gebliebene Erhöhung kann als gawschuschith nicht betrachtet werden, weil in dieser nicht Fleisch, blos Eiter ist, welcher geheilt werden wird. (Ohel jizchak 21. Abs. 9). Dass aber ein gawschuschith m’gabe mit einer sercha t’luja koscher sein sollte, daran denkt niemand, es könnte nur der Fall fein bei einem gawschuschith m’kame, weil selbes nach bet-eüajim und liwusche srod nicht als rese betrachtet wird und primagadim unschlüssig ist, ob es als rese zu behandeln ist oder nicht, (siwche-tamim 44. Abs.) Ad 2 Legt der verehrte Autor den Schwerpunkt auf den Ausdruck ״l’mokom acher“. Weder im simla chadscha bezw. tewuat schor oder ohel jizchak kömmt dieser vor, vielmehr heißt es: sercha meal habuah im hi dwuka rc. im hi t’lnja rc. Unter dem Ausdrucke ״dwuka" ist sowohl eine locälisirte sercha m'mokom als auch eine nicht localifirte sch’lo k’sidron verstanden worden. Zugegeben, dass man unter ,dwuka" eine sch’lo k’sidron begreift, bleibt doch die Frage offen, wo ist die Behandlung in dem gegebenen Falle, über sercha mimokom l’mokom? Es sollte doch heißen im hi t’luja au mimokom l’mokom. Hadre Kuschte l’dochte. Meiner Ansicht nach ist die Lehre des Moses Münz die richtige, dass jede sercha meal habuah jeder Kategorie immer gelöst werden muß, um sich zu überzeugen, ob die buah unter der sercha meclrase ist, wenn auch ganz schowo libosor harae ist. Bei diesem Anlasse erlaube ich mir eine zweite Frage: Auf welchem Orte der Lunge ist ein gawschuschith ohne einer zweiten rese trete? Jacob Herz Cantor u. Schächter in Troppau. Kleine Chronik Wien. (Verein zur Abwehr des Antisemitismus.) Im Saale des ״Hotel Müller" fand jüngst die diesjährige (fünfte) ordentliche Generalversammlung des ״Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" statt. Eine große Zähl brieflicher Zustimmungs-Kundgebungen aus dem In- und Auslande gelangte zu Beginn der Versammlung zur Verlesung. Besonderen Beifall erregte eine Zuschrift des Ehrenpräsidenten, Herrenhaus- Mitgliedes Baron Friedrich Leitenberger, in der es heißt: ״Ich beklage es, der Versammlung nicht beiwohnen zu können, und dies umsomehr, als es mir ein Herzensbedürfnis gewesen wäre, im Kreise theurer und wackerer Gesinnungsgenossen angesichts der Entsetzen und Widerwillen erregenden Ausbreitung des verruchten Antisemitismus über die Waffenausrüstung für den bevorstehenden harten Kampf zu berathen. Mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln müssen wir dahin wirken, dass unser geliebtes Heimatland in jene Bahnen zurügeführt wird, die eines modernen, aufstrebenden Staates würdig sind." Consistorialrath Dr. Schoepf schrieb, dass er mit ganzer Seele jedem Schritte zustimme, der den verfolgten Mitmenschen Erleichterung bringen könnte. Gottes