Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-06-28 · Heft 16 (28.6.1895) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 16 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453351--4310-3458758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 16 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 3. Dr. Moritz Grünivsld Großrabbincr von Bulgarien. Aus London kommt die traurige Nachricht, dass daselbst der bulgarische Oberrabbiner Dr. Griinwald plötzlich gestorben sei. Diese Nachricht wird nicht verfehlen, in den Gemeinden, in denen er gewirkt, in den Kreisen der Herren Rabbiner sowie in denen der Cantoren schmerzliche Ueberraschung hervorzurufen. Was Dr. Griinwald dem letztgenannten Stande gewesen, das hatten seine gediegenen Aufsätze in der Oesterr.-ungar. Canto ren-Zeitung bewiesen; was dem Schreiber dieser Zeilen als Freund und Mitarbeiter verschiedener geistiger Produete, das ist zu Händen vieler Berufsgenossen gelangt; was er dem ganzen Judenthum geleistet, das haben seine Werke im Allgemeinen, sein hohes Ansehen bei den mitlebenden Dichtern und Philosophen offenbart. Wenn auch Dr. Grünwald nicht zu jenen Männern der der strenggläubigen Richtung gehörte, die durch asketische Frömmigkeit sich den Ruf der Heiligkeit erwerben, wenn auch sein Wort nicht jene zündende Wirkung übte, wie bei den leuchtenden Sternen der Kanzelberedtsamkeit, so war er wieder anderseits ein fürsorglicher Hirt seiner Gemeinde, ein pflichttreuer Functionür, und vor allem ein treuer Berather der Armen und Hilflosen, und manche Thräne in den Augen einer Wittwe und Weise wird dem Andenken des Verblichenen gewidmet sein. Hatte er doch für jeden, der ihn aufsuchte, sei es in Fragen von religiöser, familiärer oder Standesangelegenheit immer ein Wort zur rechten Zeit, und Niemand verließ zwecklos und unbefriedigt sein gastfreies Haus. Möge er, der so rastlos hienieden gearbeitet, gearbeitet in Wissenschaft und Religion, die ihm nur Triebfedern waren, die Ehre Jehovas zu erhöhen, das Heil des Judenthums zu fördern, möge er, der es so oft' anderen am Grabe nachgerufen, süße Ruhe, tiefen Frieden und himmlische Freuden genießen! 'ת׳נ׳צ׳ב׳ה B. Singer, 1. Cantor, Jnngbunzlau. Des Lhasens Mole. Erzählung von M. Büßgang, Falkenan. (Nachdruck verboten.) VIII. (Schluss.) Es war im Herbste des Jahres 1873, eine Zeit, in der drückende Schwüle und verzehrende Aufregung die Geschäfts- und Handelswelt beherrschte; denn der weltbekannte Börsenkrach mit seinen grausigen Folgen stand bevor. In einem einfach eingerichteten Zimmer eines Prager Vorstadthauses saß eines Tages Bernat, in seinen Stuhl zurückgelehnt, anscheinend in tiefstes Nachdenken versunken. Er sah bleich und abgestumpft aus, ohne dass er eigentlich krank gewesen wäre. Aber gerade heute fühlte er sich äußerst elend und verlassen, und wie ein Alp drückte eine böse Vorahnung seine Brust. Er dachte an seine bewegte Vergangenheit, an seinen Sohn, und ein schwerer Seufzer entrang sich seiner Brust, als er sich gestehen musste, dass sein Leben in so mannigfacher Beziehung ein verfehltes gewesen. In diesem trüben Gedankengange wurde er durch den Eintritt des Postboten unterbrochen, der ihm zwei versiegelte Briefe überreichte. Mit zitternden Händen zerriss er hastig den Umschlag des einen, doch kaum hatte er die ersten Zeilen gelesen, als er mit einem gellenden Schrei ohnmächtig zusammenbrach.- ״ In diesem Zustande wurde er einige Stunden später von seiner Bedienerin gefunden. Die erschreckte Frau eilte bestürzt Sprechen und Singen. Die Kleidung der Sänger ist von hoher Wichtigkeit, und manche Schriftsteller haben diesen Gegenstand mit solcher Liebe behandelt, dass ihre Bücher sich wie Modejournale lesen, welche ja eine sehr erbauliche Lectüre sind, aber auf wissenschaftlichen Werth doch nur geringen Anspruch erheben können. Sie haben sogar Damenkleider erfunden^ welche sie mit dem Redeschwall einer angehenden Putzmacherin beschreiben und mit der überzeugenden Beredtsamkeit eines gewandten Verkäufers anpreisen. Ich habe natulich nichi den Ehrgeiz, diesen Herren in Sachen der Mysterien der weiblichen Toilette ihren Rang streitig zu machen, sondern muß mich darauf beschränken, diejenigen Grundsätze der Bekleidung darzulegen, welche für Sänger und andere Leute, welche den Wunsch haben, ihre Gesundheit zu erhalten, die gleichen sind. Das große Geheimnis der richtigen Bekleidung liegt darin, dass sie dem Wetter und der Jahreszeit angemessen sei. Allerdings ist es oft geradezu unmöglich, in einem so launischen Klima, wie das unsere ist, sich genau saisonmäßig anzuziehen. Wir können hier nur versuchen, dem Ideale so nahe als möglich zu kommen. Flanell oder Merino sollte stets auf bloßem Leibe getragen werden. Die übrige Kleidung sei genügend warm, aber nicht zu schwer. Die vom Säuger in erster Linie zu beriicksichtigenden Theile sind Hals und Brust. Der erstere kann kaum warm genug gehalten werden; die Brust sollte jedoch nicht zu sehr eingepackt werden, außer wenn das Wetter gar zu bitterlich kalt ist. Abends, besonders wenn man aus dem warmen Zimmer oder dem überfüllten Theater ins Freie kommt, soll die Brust warm eingehüllt und der Mund geschlossen gehalten werden. Bei besonderer Neigung zu Erkältungen oder oder bei Nebelwetler gewährt ein Respirator einen recht günstigen Schutz. Sehr empfehlenswerthe Respiratoren führen Robert & Co., New-Bond Street, London. Der Rand desselben besteht aus Filz, welcher in einer spirituosen Schellacklösung gehärtet ist. Dieser Rand kann in der Wärme genügend erweicht werden, um ihm eine der individuellen Gesichtsbildung entsprechende zum Arzte, welcher große Mühe hatte, den anscheinend leblosen Greis ins Leben zurückzurufen, und einen Schlaganfall constatirte. Die unglücklichen Briefe aber, von denen der eine von einem Bankier aus Wien, der andere von einem Advocaten aus Prag waren, hatten einen kurzen, aber schwerwiegenden Inhalt und lauteten: Wien, am 15. November 1873. Herrn Hirsch Bernat, Prag. ״Bedaure Ihnen mittheilen zu müssen, dass durch den Börsenkrach ihre Effecten fast werthtos geworden und eine Deckung von mindestens fl. 20.000 unumgänglich nöthig ist." Hochachtungsvoll E. Rosenfeld. Prag, am 16. November 1873. ״Als Curator im Concurse der Wenzelssparcassa ersuche ich Sie, mich morgen behufs einer Besprechung besuchen zu wollen." Dr. L. Ben dien er. Bernat lag vom Schlage gerührt, am halben Körper gelähmt, hoffnungslos danieder. Er hatte den Gebrauch der Sprache wieder erlangt und sein Kopf war klar und frei. Der Arzt hatte äußerste Ruhe und sorgsame Pflege angeordnet. Allein, als es bekannt geworden, dass Bernat sein ganzes Vermögen, das er zur Hälfte in der Sparcassa angelegt und mit der anderen Hälfte an der Börse engagirt, nicht nur verloren, sondern auch bedeutende Zahlungen zu leisten haben werde, wollte Niemand bürgen, und so musste er ins Spital gebracht werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.