Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 15 (15.6.1895)
- Date
- 1895-06-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Gesterreichisch-üngarische Lantoren-Aeitung. Nr. 15. Saucen, Ingwer, Curry und ähnliche Reizmittel, Thee und Kaffee trinke man niemals zu heiß. Bezüglich der Speisen ist jeder verständige Mensch am besten sein eigner Doktor. Schon Bacon von Verulam bemerkt sehr richüg: ״Die Beobachtung des eigenen Körpers und dessen, was ihm wohlthut und was ihm schadet, ist der beste Wächter der Gesundheit." Mit Leichtigkeit könnte ich hier Tabellen sür die Diät geben, in welchen die Menge des zu genießenden Fleisches, Brotes und Gemüses grammweise bestimmt ist, so dass das Menu wie ein Doktorrezept aussieht, aber derartige feierliche Vorschriften würden doch nur für die fanatischen Gesundheitsüger interessant sein. Jeder soll das essen, was seinem Gaumen behagt und seinem Magen nicht widersteht. Jedem Erwachsenen hat in der Regel der große Praktikus Erfahrung schon gelehrt, was chm zuträglich ist. Wer regelmäßig isst und seine Speisen ordentlich kaut, der kann nach Tische die Diätchrannen mit dem ״Gesetzbuch des Menu" weidlich auslachen. Wie man ficht, bin ich kein Freund dogmatischer Diät- Vorschriften, aber ein paar Worte über die physiologische Bedentung der Ernährung werden hier doch ganz am Platze sein. Wie die meisten der verehrten Leser wissen werden, braucht der Körper Nahrung, wie das Feuer Brennmaterial, um das fortwährend verbrauchte Gewebe neu zu ersetzen. Dieser Verlust erhöht sich bei der Thätigkeit, daher wird jeder um so mehr Nahrung verbrauchen, je angestrengter er arbeitet. Die beiden Hauptaufgaben der Ernährung sind die Bildung von Fleisch und die Erzeugung von Wärme. Die erste Aufgabe erfüllt der Kohlenstoff, die zweite der Stickstoff. Es muß daher in einem gewissen Zeitraum stets eine bestimmte Menge Stickstoff und Kohlenstoff eingeführt werden. Man hat berechnet, dass 1800 Gramm Stickstoff und 28800 Gramm Kohlenstoff nöthig sind, um den Organismus eines Erwachsenen im Gleichgewicht zu erhalten. Stickstoff bildet den Hauptbestandtheil der thierischen, Kohlenstoff der pflanzlichen Nahrungsmittel; indessen enthalten beide Arten etwas von beiden Bestandtheilen. Da jedoch um den Stickstoffbedarf des Körpers durch Pflanzennahrung zu Des Lhasens Mole. Erzählung von M. Büßgang, Falkenau. (Nachdruck verboten.) VII. Wem an Geld, aber reich an Erfahrungen kam Feigenbaum mit seinerFamilie nach Prag, woselbst ihm noch schwere Enttäuschungen bevorstanden. Seine Töchter waren tüchtige Schneiderinnen, und so hoffte er, dass es ihm dort mit deren Hilfe gelingen werde, sich eine bescheidene Existenz zu gründen. Allein Monate verstrichen, ohne dass es ihrem eifrigen und rastlosen Bemühen gelungen wäre, das Geringste zu erwerben. Die wenigen Ersparniße schwanden bald, und Noch und Elend, mit allen ihren Folgen, stellten sich in nie gekanntem Maße bei dieser hartgeprüften Familie ein. Wer kennt nicht das hervorragende, wohlchätige Wirken der altehrwürdigen Gemeinde Prag auf dem Gebiete der wahren Humanität. Wie viel Noch und Elend wird da von den zahllosen, verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten in großmüthigster Weise gelindert, wie viel Heil und Segen füll und geräuschlos gestiftet! Zahlreiche Familien, die sonst dem herbsten Elende verfallen wären, verdanken ihren moralischen Halt einzig und allein diesen edlen Humanitätsanstalten. Uuvergängliche Verdienste aber hat sich der ״Verein zur Unterstützung verschämter Armer" durch seine lobenswerthe Thäügkeit erworben. Süll und unerkannt, wie ein unsichtbarer Engel, lindert er die 9!oth vieler würdiger und in unverschuldeter Weise herabdecken, eine ganz außerordentliche große Menge von Material erforderlich ist, mit welchem der Verdauungsapparat ganz ungebührlich belastet werden würde, so ist. die Ernährungsweise der Vegetarianer eine durchaus unzweckmäßige. Der Alkohol, obgleich selbst kein Nahrungsmittel, besitzt die Fähigkeit, den Verbrauch des Gewebes zu verlangsamen, daher bedürfen die Temperenzler einer größeren Menge von fester Nahrung, als mäßige Alkoholtrinker. Sie Henry Thomson sagt zweifellos sehr richüg: ״Der Engländer isst im allgemeinen zu viel Fleisch" und empfiehlt die Fischnahrung, ״jene milde Speise, die der nahrungsspendende Ozean fort und fort dem hungrigen Menschengeschlecht aus seinem großen Meerbusen spendet". Nicht allein die Qualität der Nahrung, sondern auch die Art der Zubereitung ist für den Sänger von der größten Wichtigkeit, da ihn Verdauungsstörungen zeitweilig seiner Stimme oder, was noch schlimmer ist, seines Gehörs berauben können. Nicht jeder ist in der glücklichen Lage, derartige Zufälle stets zu vermeiden, wie Adelina Patti, die auf. allen ihren Reisen sich von einem Kochkünstler ersten Ranges begleiten lässt. Die Mahlzeiten sollten zwei bis drei Stunden vor dem Singen eingenommen werden. . Mäßiges Rauchen kann ohne Schaden gestattet werden, dagegen muß vor dem Einziehen des Rauchs in die Lungen, was manche Cigarettenraucher thun, gewarnt werden. Der Rauch muß nothwendigerweise auf die tieferen Luftwege, die fast noch empfindlicher sind, als das Auge, eine nachtheilige Wirkung ausüben. Ebenso halte ich das Rauchen durch die-. Nase sür Sänger für höchst schädlich. (Forstctzuug folgt.) ' Eine neue jüdische Ackerbauschulr. In nordwestlicher Richtung von der Stadt Hannover liegt ein Gebiet, das für den Freund der Industrie ebensoviel Anziehungskraft besitzt, wie für den Liebhaber der Natur. Asphaltbergwerke, umfangreiche Steinbrüche und Schwefelquellen sind hier auf der Grenze zwischen dem Bergland und der norddeutschen Tiefebene verstreut, Salinen liegen nicht weit entfernt. gekommener Familien, die lieber in ihrer Noth zu Grunde gehen wollen, als den Schleier ihres Elends der öffentlichen Mildthätigkeit zu lüften. Ein Nachbar, der die bittere Lage Feigenbaums errieth, verständigte davon den letztgenannten Verein, und die Noth dieser Familie hatte nun ihr Ende erreicht. Hochgestellte Damen wetteiferten, die Töchter Feigenbaums mit Arbeit zu überhäufen, und auch der alte Chasen erhielt eine Anstellung als Aufseher in einer Fleischbank; und so war ihre Existenz für eine unabsehbare Zeit gesichert. -i- -i- * Nach Abzug der Familie Feigenbaum, gieng eine auffallende, tiefe Wandlung mit Bernat vor, als habe er plötzlich allen Lebensmuth verloren. Seine Frau war bald darauf gestorben. Sie hatte die Trennung von ihrem einzig geliebten Kinde, das ihre einzige Freude auf der Welt bildete, nicht lange überleben können. Bernat verkaufte seine Besitzung, übersiedelte in die Hauptstadt und lebte zurückgezogen, mit sich und der Welt zerfallen. Allmählig ward er zum menschenscheuen, verbitterten Sonderling geworden. Wohl überkam ihn oft die Reue, seinen einzigen Sohn in die Fremde, vielleicht iws Unglück getrieben zu haben, und gern würde er ihm verziehen haben, wenn er zurückkehrte. Aber dieser ließ gar nichts' von sich hören, und der Einzige, der vielleicht desseit Aufenthat kannte, war Feigenbaum. Doch Mit dem'Manne, dem er so viel bitteres Leid zugefügt, konnte er sich nicht entschließen in Berührung zu kommen. So verstrichen einige Jahre. (Schluß folgt.)