Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-06-01 · Heft 14 (1.6.1895) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 14 (1.6.1895)
Date
1895-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453349--4294-3458740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr.14 י.. Oesterreichifch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. Baronin- Charlotte von . Königswarter, die Freiherren . Herrmänn und Wilhelm von Königswarter, der-Präsident der Staatseisenbahn-Gesellschaft Ritter v. Taussig, Generaldirector Ritter, von Borken au, Hofrath Angelo Ritter von Kuh, der Präsident der.Cultusgemeinde, Gemeinderath Simon, mit-den Vorstandsmitgliedern Baurath St.iaßny, Ritter von Goldschmidt und Dr. Stern, Die Professoren Dr. Ritter v. R e d e r, O s e r und Politzer, Primarius Dr. Rosanes, Landesschulrath Dr. Gustav Kobu, Schriftsteller Emanuel Baumgarten, Sanitätsrath Dr. Witlacil, eine Abordnung des Konvents der Barmherzigen Brüder, die Beamten der Cultusgemeinde 'mit dem Secretär Dr. Lieben und die Familienmitglieder. Unter den Klängen des ,״Jc^ohew besesser" wurde der Sarg abgehoben und ein endloser Trauerzug bewegte sich nach dem Centralfriedhofe. In der Ceremonienhalle hatten sich viele Trauergäste und zahlreiche Deputationen von Vereinen eingefunden. Als der Sarg daselbst angelangt war, stimmte Obercäntor Singer tief ergriffen das ״Hazur. tomim" an und Oberrabbiner Dr. Güd emann hielt dem Dahingeschiedenen einen warmempfundenen. Nachruf, in dem er seiner Verdienste um die Armen und Leidenden der Menschheit gedachte. Hierauf wurde die Leiche zur Erde bestattet. ת׳ב׳צ׳ב׳ה• Wien, 27. Mai. Die Abgeordneten Dr. Exner und Genossen haben in der Reichsrathssitzung vom 14. Mai an die Regierung nachstehende Interpellation gerichtet: ״Nach übereinstimmenden Zeitungsnachrichten hat angeblich der Herr Pfarrer Dr. Deckert in Weinhaus in der allerjüngsten Zeit abermals Predigten gehalten, durch welche strafrechtlich verbotene Handlungen begangen wurden. Auf die gleiche Art der Amtsthätigkeit des Herrn Pfarrers Deckert wurde die Regierung schon im Vorjahre durch Interpellation aufmerksam geinacht. Nach der Art der Beantwortung derselben müssen wir voraussetzen, dass die Regierung amtliche Kenntnis von den wirklichen Thatsachen besitze, demnach wissen muß, ob die Zeitungsnachrichten jenen entsprechen oder nicht. In letzterem Falle Hütte die Regierung die Obliegenheit, gegen die Verbreitung falscher und beunruhigender Nachrichten -einzuschreiten. Beruhen aber die Zeitungsnachrichten auf Wahrheit, so ftelfeu wir die Frage: ״Was gedenkt die Regierung zu verfügen, um strafrechtliche Handlungen des Herrn Pfarrers Deckert der gesetzlichen Sühne zuzuführen und deren Wiederholung zu verhindern?" Diese Interpellation fand heute durch den Minister- Präsidenten Fürst W i n d i s ch g r ä tz folgende Beantwortung: puppt, die man verachtet, denen man aber nicht ausweichen kann. Es gab hinfort keinen Menschen im Dorfe, der nicht Schmerzliches durch ihn erfahren, dem er nicht einen finsteren Schatten auf dem Lebensweg geworfen hätte. * Vor dem Hause des Vorstehers stand der CH äsen Nathan Feigenbaum mit klopfendem Herzen und einem Gefühl von Schwindel, der seine Augen umflorte. Nur einen Moment verweilte er noch, wie mit sich kämpfend, vor der Schwelle des Zimmers, das er aber dann fest entschlossen betrat. Wortlos standen sich die Beiden eine Weile Aug in Aug gegenüber. Im Zimmer herrschte geisterhafte Stille, die nur. von den tiefen, schweren Athemzügen Feigenbaums unterbrochen wurde. Dem Geiste Bernats mochte die schöne Zeit vorgeschwebt haben, in welcher ihn einst herzliche Freundschaft mit dem jetzt in tiefer Demuth vor ihm stehenden Greise verbunden hatte, und ein Schatten der Rührung flog über sein Antlitz. Aber nur einen Augenblick dauerte diese edle Regung, denn er überwand diese bald und richtete sich hochmüthig auf, mit der Hand über die Stirne streichend, als wollte er eine momentane Schwäche wegwischen. Eine finstere Falte legte sich zwischen seinen Brauen, und ein Zug höhnischer Verachtung zuckte um seine Lippen. ״Was willst Du?" herrschte er ihn barsch an, während sein scharfer Blick sich forschend bis . in das Innerste der Seele Feigenbaums versenken zu wollen schien. ° Der Chasen fuhr erschrocken zusammen, und sein bleiches Gesicht erschien noch farblosen ״Ich bitte Dich", sagte er, in Ich habe die Ehre, im Namen der k. k. Regierung diese Anfrage dahin zu beantworten, dass die Staatsanwaltschaft in Wien die drei ihr am 13. Mai 189b von der Polizeidirection über diese Predigten zugekommenen Anzeigen unverzüglich, also schon ehe die Interpellation eingebracht wurde, an den Untersuchungsrichter mit dem Anträge auf Vorerhebungen in der Richtung des Vergehens nach § 302 Strafgesetz geleitet hat und dass diese Vorerhebungen thatsächlich eingeleitet worden sind. Es lässt sich also darüber, ob die Predigten des Pfarrers Dr. Deckert den Thatbestand einer strafgesetzlich verpönten Handlung enthalten, ein definitives Urtheil heute nicht aussprechen und kann selbstverständlich das competente Gericht allein und ausschließlich hiezu berufen sein, ehe dies von irgend einem anderen Faktor geschieht. Allein unter allen Umständen muß die Regierung erklären, dass sie es auf das schwerste bedauert und auf das entschiedenste mißbilligt, wenn von geweihter Stätte Worte fallen, die geeignet sind, den Frieden zu stören (Beifall), oder wenn von wem immer aufreizende und gehässige Angriffe gegen bestimmte, individuell bezeichnete Theile der Gesellschaft gerichtet werden. Auch bin ich in der Lage zu erklären, dass das hochwürdigste fürsterzbischöfliche Ordinariat, an welches heranzutreten ich nicht unterlassen habe, die Zusicherung gegeben hat, dahin wirken zu wollen, dass Alles vermieden werde, was geeignet ist, Störungen des Friedens in der Gesellschaft zu veranlassen und zu Hass und Verachtung von Klassen derselben aufzureizen. (Lebhafter Beifall.) Wien. (Antisenntische Ausschreitungen bei einem Leichenbegängniße.) Samstag Abends ereigneten sich, wie die ״Neue Freie Presse" meldet, in Hernals beim Leichenbegängniße eines Mädchens ungemein widerwärtige Scenen, welche unverkennbar antisemitischen Charakter trugen. In Hernals, Schumanngasse Nr. 54. war ein 23jähriges Mädchen, Charlotte Schwarz, an Lungentuberkulose gestorben und zur Beerdigung aus den Centralfriedhof überführt worden. Nach dem jüdischen Ritus darf nun am Samstag eine Leiche erst dann vom Hause weggebracht werden, wenn schon Sterne am Himmel sichtbar sind. Der Leichenwagen kam jedoch etwas früher und hielt vor dem bezeichneten Hause. Nun sammelte sich eine größere Menge um das einfache Geführte an, und bald erhob sich ein wildes Lärmen und Schreien. Man hörte die Rufe: ״Hurrah, Hurrah, wieder ein Jud! Nieder mit den Juden!" und Äehnliches. Endlich rückte der Moment heran, wo die Leiche auf den Wagen gehoben und auf den Centralfriedhof gebracht demüthig, flehendem Tone, ״um unserer alten Freundschaft willen, Erbarmen mit mir zu haben!" Bernat unterbrach ihn mit rauher gebieterischer Stimme, indem er ihm einen drohenden Blick zuwarf. ״An die alte Freundschaft soll ich mich erinnern? Wagst Du es, mich zu höhnen?" schrie er außer sich vor Zorn. ״Du Haft von mir kein Erbarmen zu erwarten," fuhr er nach einer Pause, bitter fort, ״denn Du scheinst zu meinem Unglücke geboren zu sein, um mir mein ganzes Lebensglück zu rauben!" Er holte tief Athem und starrte mit einem finsteren Gesichtsausdruck einen Augenblick vor sich hin, dann fuhr er in einem Tone fort, aus dem noch immer tiefe, leidenschaftliche Erregung hindurchdrang : ״Erst nahmst Du mir, was mir einst so lieb und theuer war, und nun auch das Letzte, was mir geblieben, mein einziges Kind, hast Du mir abwendig gemacht, dass es mich verließ. Bei Gott, ich könnte Dich umbringen!" stieß er zwischen den Zähnen hervor. Plötzlich stürzte seine Gattin, von dem ungewöhnlich lauten Zwiegespräch herbeigelockt, ins Zimmer und prallte vor Angst zurück. Sie sah erschreckend in ein zornverzerrtes Gesicht, sah, wie er mit drohender Geberde die Hand gegen den vor Angst zitternden Chasen erhoben, und begriff sofort die Situation. Em Gefühl des Mitleids überkam sie, als sie in das todtbleiche Antlitz Feigenbaums blickte, der einem Bilde des Jammers glich. Der Chasen sah die Frau, die ihm wie ein schützender Engel erschien, einige Sekunden forschend an, und ein rettender Gedanke kreuzte sein Hirn. Er trat ihr einige Schritte entgegen, und indem er seine Hände flehend emporhielt, sprach er mit vor

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.