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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-06-01 · Heft 14 (1.6.1895) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 14 (1.6.1895)
Date
1895-06-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Gesterreichifch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 14. tzas versammelte Publicum mit Begeisterung aufnahm. Die Wahl des Theuias, sowie die Ausführung desselben bewiesen uns, dass Herr Dr. Schmiedel die Bedeutung des jüdischen Cantorates für den'synagogalen Dienst zu schätzen versteht und neidlos hat er darum seine Beredtsamkeit in den Dienst einer Feier gestellt, die einem der hervorragendsten Vertreter des Cantorates galt. Hiesür gebührt ihm. öffentlicher Dank und vollste Anerkennung. Wie der Jubilar das Mußaphgebet verrichtete, ist doch überflüssig zu schildern, dass er an diesem Tage mit Vortrag und Stimme besonders brillirte, ist selbstverständlich, mit einem Worte es war ein schöner, feierlicher Gottesdienst. Nach dem Gottesdienste gieng der Jubilar in seine Wohnung, um Deputaüonen und einzelne Gratulanten zu empfangen. Gleich am Anfänge erschienen die oberwähnten Herren Vorsteher, welche ihn in herzlicher Weise beglückwünschten. Das Festcomitä, welches unter Führung des Herrn Albert K o h n den! Jubilar einen mit Ducaten gefüllten silbernen Pocal nebst einer Adresse überrreichte, war schon am Abend vorher erschienen, ebenso hatte Herr Bethaussecretär Königsberger schon am Freitag das Gratulationsschreiben und die Ehrengabe des Vorstandes überreicht. Herr Cantor Blatt hielt eine treffliche Ansprache und übergab den früher recitirten Mischeberach, kalligraphisch ausgesührt in einem kostbaren Rahmen. H^^uus gratulirten sämmtliche Cantoren, die am Gottesdienste theilgenommen hatten, ferner Sekretär Dr. Lieben, Friedhofverwalter Becker, Obercantor Singer, eine Deputation der Religionslehrer mit dem Jnspector Dr. Kanitz an der Spitze. Das Chorpersonal brachte ebenfalls seine Wünsche dar, wobei ein Chorknabe eine sehr hübsche Ansprache hielt, und außerdem kamen noch viele Gemeindemitglieder und Freunde des Jubilars. Unter den schriftlichen Gratulationen, die nebst Telegrammen auch sehr zahlreich vertreten waren, seien besonders erwähnt die Gratulationen des Cultus- und Bethausvorstandes, des Vorstandes des österr.-ungar. Cantoren-Vereines und der Cultusgemeinde in Neutra. Der Tag war flir den Jubilar ein wahrer Freudentag, reich an Ehren und Geschenken. Wien. (Ottakring.) Sonntag, den 26. Mai fand im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Jda S ch l es i n g er, Tochter des 1. Cantors Moritz Schlesinger, mit Herrn med. Dr. Alois H aus er statt. Das zahlreich anwesende Publicum, welches die Räume des Gotteshauses bis auf das letzte Plätzchen erflillte, gab einen Beweis der außerordentlichen Sympathie, deren sich Herr Cantor Schlesinger sowohl in seiner! Drs Lhasrns Mole. Erzählung von M. Büßgang, Falkenau. (Nachdruck verboten.) VI. Trotz aller Vorstellungen Feigenbaums ließ sich Adolf von seinem Entschlüsse nicht abbringen. ״Mein Vater", erwiderte dieser, ״hat mich verhöhnt, als ich ihm meinen Entschluss, in Amerika mir eine Existenz zu gründen, kundgab. Ich will ihm nun beweisen, dass man mit Fleiß und gutem Willen Alles zu erreichen vermag!" Nach einigen Tagen verließ Adolf das Elternhaus und begab sich nach Hamburg, um sich von dort nach Amerika einzuschiffen. Welche Worte vermögen den verzehrenden Gram der verzweifelten und nunmehr gänzlich verlassenen Mutter zu schildern! Vergebens hatte sie ihren Sohn und ihren Gatten beschworen, von ihren Vorsätzen zu lassen, aber alles Flehen und Bitten prallte au dem Trotze Beider ab. Bernat, der anfangs das Vorhaben seines Sohnes als eine leere Drohung und eine momentane Aufwallung betrachtet hatte, wurde nach seiner Abreise förmlich rasend vor Zorn und die ganze Verworfenheit seines hässlichen Charakters trat bei dieser Gelegenheit deutlich zu Tage. Hass und Wuth flammten mächtig in ihm aus und eine Fluch von Verwünschungen schleuderte er auf das Haupt des armen Chasens. dem er die ganze Schuld beimaß. ״Der alte Charlätan״, schrie er, am ganzen Körper bebend, ״sucht Söhne Gemeinde als auch im Kreise seiner College» und Freunde erfreut. Unter den Anwesendem bemerkten wir den gesummten Vorstand der Gemeinde Ottakring; in Verttetung des österr.-ungar. Cantorenvereines: Obercantor Singer, Obercantor Bauer, Cantor Blatt und Vereinssecretär Dr. Löwy; ferner Secretär Dr. Lieben mit mehreren Beamten der Wiener Cultusgemeinde, weiters die Cantoreu Rothwein, D. L. Rotier, Silbermann, S a l o m o n, S t r a n s k y, P e k a r n i k, Rabbiner Dr. Grün und Deputationen verschiedener Vereine. Die cantorale Function versah der Brautvater, der iu seinem freudig ergriffenen Vortrage durch den gutgeschulten Chor trefflich unterstützt wurde. Den Trauuugsact vollzog Herr Rabbiner Dr. Deutsch, der eine schöne Ansprache an das Brautpaar richtete. Wien. Samstag, den 25. Mai ist der bekannte Arzt und Philanthrop kaiserlicher Rath und Direktor des Rothschild- Spitals, Dr. Bernhard Wölfl er, in hohem Alter gestorben. Bernhard Wölfler wurde im Jahre 1816 zu Praschno-Aujezd in Böhmen geboren, studirte in Prag und absolvirte die medizwischen Studien in Wien. Nach vierjährigem Dienste als Arzt des freiweltlich-adeligen Damenstiftes in Prag übernahm er 1849 die ökonomische und administrative Leitung an dem Krankenhause der israelitischen Cultusgemeinde, dem sogenannten Rothschild-Spital in Wien, wo er im Verein mit seiner Gattin eine segensreiche Thätigkeit entwickelte. Als man daran gieng, das alte, baufällige Gebäude des Spitals durch eineu entsprechenden Neubau zu ersetzen, besuchte Wölfler die Krankenanstalten im westlichen Europa, um alle nothwendigen Reformen in dem neuen Hause einzubürgern. Seiner Fürsorge ist es zu danken, dass hiedurch eine mustergiltige Krankenanstalt erstand. Ihm gelang es auch, erfüllt von den Gefühlen der Menschenliebe, einen Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande zu gründen, dessen Schützlinge nach Kierling gebracht werden. Wölfler wurde ferner mit dem Präsidium im Vorstande des israelitischen Blinden-Jnstitutes auf der Hohen Warte bettaut. Im Jahre 1866 wurde ihm das Ritterkreuz des Franz-Josephs-Ordens und 1873 der Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Anlässlich seines siebzigsten Geburtstages im Jahre 1886 war Wölfler Gegenstand zahlreicher Ovationen. — Das Leichenbegängnis fand Montag den 27. d. M., 3 Uhr Nachmittags vom israel. Spitale aus. Währing, Gürtelstraße Nr. 95 statt. Der Sarg war im ersten Stockwerke der Anstalt aufgebahrt. Unter den Trauergästen waren zu sehen: Herr Emi< l Horner in Vertretung des Baron Albert Rothschild wohlhabender Leute zu verführen und an sich zu fesseln, um seine Betteltöchter gut zu versorgen! Aber das soll er mir büßen!" stieß er zwischen den Zähnen hervor, indem er zugleich die geballte Faust in der Richtung des Tempels, wo Feigenbäum wohnte, drohend schüttelte. ״Weg muß das Gesindel aus der Khile, und kost es mich mein halbes Vermögen!" Und weg musste der arme Chase». — Dass Bernat, um feine Rachsucht zu befriedigen, eine ganze unschuldige Familie brotlos und elend machte, nahm er sich nicht sehr zu Herzen, im Gegentheil, er hätte Feigenbaum gerne noch ärger mitgespielt, wenn er es gekonnt. Freilich siel die Entlassung des Chasens, wenigstens der Form nach, nicht so aus, wie der Vorsteher es in seinem unversöhnlichen Hasse beantragt hatte, sondern sie sah mehr einer ״Versetzung in den wohlverdienten Ruhestand" ähnlich. Aber dies änderte nichts an der Thatsache. Denn mit jährlich fl. 120 exclusive Wohnung, wie es in der betteffenden Zuschrift hieß, konnte doch Feigenbaum mit seiner Familie nicht leben, ohne zu verhungern. In der ganzen Khile herrschte nach diesem Ereigniße eine aufgeregte Stimmung, Jeder empfand aufrichtiges Mitleid mit dieser bedauernswerthen Familie, denn man hätte es als einen Act der Pietät gerne gesehen, wenn der langjährige Chasen bis zu seinem Lebensende im Amte geblieben wäre. Aber Alles stand unter dem Banne der Furcht um die eigene Existenz, und der ״Fall Heller" war noch allen zu frisch im Gedächtniße,׳ als. dass Einer Lust verspürt hätte, dessen Schicksal zu theilen. Bernat hätte sich schon längst als einer jener Menschen ent-

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