Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 13 (21.5.1895)
- Date
- 1895-05-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite.4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung Nr. 13. an deren Bewältigung alle rescheu Geisteskinder der Cultusgemünden ihre liebe Noch haben mögen. Sei es nun/dass man; hie und da geneigt ist, Männchen zu machen, was von'staats-: wegen unzulässig erscheint, sü es auch, dass alle guten Dinge; nicht über Nacht geboren werden — das Eine steht fest: Mit den Statuten null cs nicht recht vorwärts kommen. Inzwischen; hat die Regierung die im § 3 des Gesetzes umschriebene Ab-; grenzuug der einzelnen Cultüssprengel der alten und ueuge- ' schaffeneu Gemeinden längst beendet, ohne dadurch ein rascheres Tempo in der Vollendung der Statuten erzielt zu haben. Freilich ist das nicht so wie bei der Apfclfrau. (Schluß folg!). Vergangenheit und Zukunft desrantorslrn Amtes. Von SalomonSulzcr. V. (Schluss.) ׳ Was die Vorlesung aus der Thora anbelangt, so hat der Verfasser bereits den Synoden zu Leipzig und Augsburg Vorlagen unterbreitet, nach denen sich, ohne den dreijährigen, unsere Kalenderordnung konsundirenden Cyclus einzuführen oder der Integrität der Thora nahe zu treten, durch eine Vertheilung der Perikopen auf den sabbatlichen Morgen- und Nachmittags-, wie aus den Früh-Dienst an Montagen und Donnerstagen wesentliche Zeiterspärniße herbeigeführt werden könnten^ Die traditionelle, ״der Trop" genannte Deklamationsmelodie, die ursprünglich doch nur eingeführt wurde, um dem Verständniße zu Hilfe zu kommen, hätte ebenfalls modisicirt zu werden, dass sie der modernen Vortragsweise und somit dem heutigen Redetone näher gebracht werde. Entschieden verwerflich, und sogar im Widersprüche mit dem Geiste der -heiligen .Verordnung über Ausübung der Wohlthätigkeit find die zeitvergeudenden Reclamen, welche den Spendern vor der Thora in Form einer Segenertheilung (Mi sclieberaeh) gemacht werden. Sie entfremden die Gemüther jeder andächtigen Stimmung und lenken die Aufmerksamkeit vom Gottesdienste ab und auf die durch sie prövocirte Ostentation hin. Sie verletzen jene Mahnungen der Bibel und des Talmuds. die da auf' Natliau d'sstller, auf Heimlichkeit der Gaben und auf Verschwiegenheit bei Ausübung von Wohlthätigkeitsacten drangen, und sind inmitten des jüdischen Volkes, dem Milde, Liebe, Barmherzigkeit und hochherzige Münificenz von den Vätern ererbte und angestammte Tugenden stets waren und immer bleiben werden, auch für die Erzielung der materiellen Erfolge entbehrlich. Wie sehr sie aber dem Gottesdienste selber jede Weihe rauben, jeden Aufschwung der Seele zu höheren und religiösen Ideen lähmen, weiß wohl Jeder aus eigener Erfahrung. ' Dieselben Motive, wie für die Abrogirung der Spendenreclamen müssen wir jedoch auch gegen den Brauch der Aufrufung zur Thora geltend machen. Dem Character der Oeffentlichkeit des Gottesdienstes widerspricht es, einige Privatpersonen aus der Versammlung herauszuheben und ihnen Functionen am Altäre zuzuweisen, wie es denn überhaupt zu Competenzüberschreitüngen herausfordert, wenn die Betheiligung des Publikums an der Cel'ebrirung der Synagogenandacht nicht auf das Mitsingen und Mitbeten beschränkt wird. Es gewährt schon einen wunderlichen Anblick, wenn alle Frequentanten des Gotteshauses, im Halbornate des Betmantels und der Philäcterien erscheinen, als wären sie beamtete Functionäre. In früheren Zeiten hatte die Democratisirung der Synagogen allerdings dahin mißleitet, dass Des Ehssens Mole. Erzählung von M. Büßgang, Falkenau. (Nachdruck verboten.) V. Bernat schnellte wuthschnaubend von seinem Sitze empor, ein stolzer, vernichtender Blick traf Heller, und mit donnernder Sümme schrie er ihn an: ,,Sie wagen es, mir Morallehren zu ertheilen, das soll Ihnen theuer zu stehen kommen!" Und mit erhobener Sümme, die einen drohenden Klang hatre, wandte er sich an die bestürzten Balbatim: .Wollen Sie meinen Antrag accepüren, ist gut, sonst lege ich mein Amt sofort nieder, nach welchem Aron Heller so sehr zu streben scheint." In seiner Haltung, wie in seinem Wesen gab sich jetzt die Ueberlegenheit eines Mannes kund, der sich vermöge seiner Autorität und Macht viel zuguthe thut. Nach üner kurzen Pause erhoben sich zustimmend außer Heller alle Balbaüm. Der Vorsteher verließ hierauf, Ersterem einen triumphierenden Blick zuschleudernd, die Gemeindestube. Das mannhafte Auftreten Aron Hellers sollte jedoch für chn die nachtheiligsten Folgen haben. Aron, ein alter Balbos, dessen Ureltern schon in Weittrisch wohnten, war ein gut situirter Kauftnann miüziemlich ausgebreiteter Kundschaft, die hauptsächlich aus den Herrschastsbediensteten bestand. Plötzlich blieb diese ostentativ aus, so dass Heller nicht nur nichts verkaufen konnte, sondern auch dadurch großen Schaden erleiden musste, weil mit Der Kundschaft auch deren Rückstände verloren giengen. Es geschah dies, wie allgemein behauptet wurde, auf Befehl Bernats. Heller sah sich, um nicht zu Grunde zu gehen, dadurch gezwungen, seine Heimath zu verlassen und sich anderweitig eine Existenz zu gründen. Adolf war. als sich dies alles zutrug, in Geschäftsangelegenheiten verreist, und als er nach einigen Monaten heimckehrte und von dem letzten empörenden Vorgang seines Vaters gegen Feigenbaum erfuhr, konnte er sich nicht enthalten, demselben in freundlicher, aber entschiedener Weise dessen Unrecht tzorzuhalten. Es war dies das erste Mal, dass er sich gezwungen sah, in dieser Angelegenheit seine Stimme zu erheben, weil er nun instinktiv fühlte, dass der maßlose Hass und die Rachsucht seines Vaters gegen den alten Chasen, nicht wie er früher geglaubt, die Frucht eines gewöhnlichen Vornrtheils sei, sondern einer ganz anderen Quelle entspringen müsse. Kaum hatte er jedoch einige einleitende Worte gesprochen, als ihn Bernat unwillig mit einer abwehrenden Geberde unterbrach. ״Aha, du kommst als Fürsprecher für den Vater deiner Geliebten?" sprach er in höhnisch-frivolem Tone. Der junge Mann schnellte, wie von einer Natter gestochen, in die Höhe, sein bleiches Gesicht färbte sich dunkel von dem heiß in die Schläfe emporsteigenden Blute. Eine tiefe Erregung hatte sich jetzt Beider bemächtigt. Adolf wusste, der Moment war da, wo er nicht mehr schweigen konnte von dem, was ihn schon so lange brannte. Er wusste, dass das Wort, das ihm auf der Zunge lag, die Flammen hoch aufleuchten und ihre Entfremdung unabwendbar machen werde; aber einmal musste es doch geschehn! ״Wage es nicht, von dem achtbaren Mädchen, das ich hochschätze und das mir das Theuerste auf der Welt ist. in solch' herabsetzenden Tone zu sprechen", sagte er mit bebenden Lippen, ״wenn ich nicht vergessen soll, dass du mein Vater bist"! Wie vom Blitze getroffen, stand Bernat eine Weile sprachlos da. Die unerhörte Kühnheit seines Sohnes hatte ihm fast die Sprache geraubt. ״Bube"! schrie er endlich, und seine Stimme hatte einen ganz fremden Klang und war in ein förmliches Kreischen übergegangen, ״du wagst es, in einem solchen Tone mit mir zu sprechen? Ha, ist das die Ehrfurcht, vor dem Vater, die dich, dein gleisnerischer Lehrer, der dich zur Auflehnung gegen mich trieb, gelehrt hat? Weißt du nicht'", fuhr er mit wachsender