Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 12 (11.5.1895)
- Date
- 1895-05-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. . Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 12. glücklichen Zukunft zuführen soll, sich anzuschließen. Dieser Herr setzt ja alle unerdenklichen Hebel in Bewegung und scheut selbst vor dem Heiligsten eines ehrlichen Staatsbürgers nicht zurück, indem er sogar den Patriotismus derer wanken sieht, welche sich der Pensionscasse des ״Oesterreich.-ungarischen" Cantoren- Vereines anschließen wollen! Da haben Sprache und Ausdruck ihre Kraft verloren, diese Auslassungen mit dem richtigen Namen zu bezeichnen. Ich möchte nur noch alle geehrten Collegen aus das bekannte Sprichwort verweisen: ״Irren ist menschlich" und ebenso wie Herrn Dr. T. seine Mathematik irre geführt hat, so befindet er sich auch mit seinen Ausführungen in einem Labyrinth von Chauvinismus. Darum auf Collegen und zaudert nicht! Unsere Monarchie heißt auch ״österr.-ungar. Monarchie" und unser erhabener Landesvater hat seinen Sitz ebenso in Wien, von wo er die ganze Monarchie segensvoll behütet. Zerstören wir also nicht muthwillig eine glückliche Eingebung unseres verehrten Vereinsvorstandes, anlässlich des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums unseres allergnädigsten Kaisers und Königs diese schöne, hochwichtige Institution zu gründen, und Vertrauensvoll können wir unsere Zukunft in die Hände der Männer legen, welche au der Spitze des Vereines stehen, uneigennützig ihre Zeit und ihre Kräfte dem Vereine weihen und über jeden Zweifel erhaben sind. Hochachtungsvoll Kohn Adolf, Cantor u. Religionslehrer. 4- 4- 4! Verehrte Redaction! Zufolge der in Ihrem geschätzten Blatte wiederholt erscheinenden Aufsätze, welche das Leben und die Zukunft der Cantoren, resp. Cultusbeamten, tangiren, fühle ich mich bemüssigt, wenn auch als einer der Jüngeren, diesbetreffend meine ״objective" Anschauung zu äußern, in sicherer Erwartung, dass viele meiner Herren Collegen, speciell die in kleinen Provinzstädten, mir beipflichten werden. Es ist weder meine Absicht noch Zweck dieser Zeilen, die wohlthuenden Seiten wie die Mängel des neuen Cultusgesetzes nochmals zur Sprache zu bringen, diese sind uns vollauf bekannt, allein mit dem ewigen Lamentiren wird und kann nichts erreicht werden. Die That macht den^Mann, hier heißt es handeln und nicht klagen, wie Weiber. Die werthen Herren Collegen, sowohl die großen, wie die kleinen, sollen oder müssen solidarisch vorgehen. Einer für Alle —Alle für Einen — Keiner soll sich eben aus ״ein Jahr provisorisch" gleichsam vermiethen. Wenn sich Alle nach dieser Richtung verpflichten würden, könnte diese Mißwirthschaft, wie dies jetzt leider der Fall ist, keinen Raum finden und der Functionär würde nicht vom eigenen Collegen zum Marionettenspieler oder Marktfahrer herabgezerrt werden. Der löbliche Cantorenverein, der sehr ehrenwerthe Bestrebungen verfolgt, hat in seiner letzten General-Versammlung zwar sehr vieles besprochen — allein wo sind die Resultate? Gleich Seifenblasen verdufteten all die schönen Pläne und Vorsätze, nur das Gute war dabei, dass einige, besser situirte Herren sich den Luxus gestatten konnten, in Wien mit anderen Herren Collegen einige Tage zu verbringen; der eigentliche Zweck — Pensionsfoud, Mitgliederbeitrag u. v. A. steht heute auf demselben Flecke wie vor Jahren. Pensionsfond — dieser Marterpfahl der Cantoren-Zeitung — ist da nicht ״schade ums Schmalz", denn gerade hiedurch hat sich der Cantorenverein eine Blöße gegeben, da die Herren Collegen, welche bereits längere Zeit ihrem Berufe obliegen, gewiss schon einer der vielen Gesellschaft angehören und nicht gewartet haben, bis es einigen ״wohlmeinenden" Herren einfällt, einen Pensionssond zu besprechen. Und den jüngeren Berufsgenossen, denen scheint überhaupt die ganze Geschichte Zweifelhast, und viele meiner Freunde und Bekannte gehören zumeist dem ״Israel. Lehrervereine in Böhmen", bei dem ein Pensionssond bereits gegründet ist. Ueberhaupt erlaube ich mir diese Bereinigung der gewiss viele Berufsgenossen in Böhmen als Mitgliäer angehören, als Beispiel anzuführen. Hier geschieht etwas, hier werden nicht Probleme jahrelang besprochen, sondern frisch gewagt und auch gewonnen. Die anderen Beschwerdepunkte in der Zuschrift eines Collegen vom 1. dlpril sind zumeist währ, lassen sich jedoch nicht ändern, denn es ist schön so der Lauf der Welt, dass für das. Alte stets das Junge blüht. Im Uebrigen werden diese Verhältniße bald ein Ende haben, da das Normalstatut noch diesen Sommer heräblangen wird, wodurch wohl die Stellung der Functionäre eine vielleicht günstigere sein dürfte. ■ Jedoch, um dies sicher und bestimmt zu erreichen, ist es unbedingt nothwendig, dass ein einiges, strammes Zusammenhalten und Vorgehen in unseren Reihen herrscht, kein Kasten- und Ranggeist sich geltend macht, dann wird Stabilität und Achtung in unserem Stande platzgreifen, dann werden auch alle Ziele erreicht werden können, die man sich gesteckt hat. Indem ich Sie bitte, diese wenigen Zeilen den verehrten Genossen zur gütigen Berücksichtigung vorzulegen, zeichne ich im Voraus bestens dankend, mit vorzüglichster Hochachtung Luk b. Carlsbad. Eduard H. Spiel mann. 4- 4- 4- Trotzdem die vorstehenden Zeilen in ganz ungerechtfertigter Weise die Thätigkeit des Cantorenvereines einer keineswegs wohlwollenden Kritik unterziehen, haben wir dieselben dennoch der Oeffentlichkeit nicht entzogen, um damit neuerdings unsere vollste Objectivität in allen die Pensionscasse berührenden Fragen zu bekunden. Auf eine Widerlegung der einzelnen Ausführungen glauben wir nicht eingehen zu müssen, da Jedermann, der den Verlauf der Dinge mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat, wohl weiß, dass der Vorstand des Cantorenvereines seine Pflicht vollauf erfüllt hat, und, wenn die Pensionscasse noch nicht acttvirt ist, dies nicht einer Unterlassung, oder einem Fehler seinerseits, sondern einzig und allein der Lässigkeit und der Apathie der jüdischen Cultusbeamten zuzuschreiben ist. Für den Hinweis auf den Lehrerverein in Böhmen danken wir bestens. Der Pensionsfond dieses Vereines wäre wohl auch nicht ohnedie Mithilfe und die ausgiebige materielle Unterstützung der böhmisch-jüdischen Landesrepräsentanz zu Stande gekommen, und trotz alledem steht dieser Fond, wie die Leitung selbst erklärt hat. heute vor der Erkenntnis seiner materiellen Ohnmacht^ Dahin möchten wir denn doch nicht gelangen. Wir erfreuen uns wohl nicht einer solch' ausgezeichneten Protection, aber nichtsdestoweniger hoffen wir, unser Project einer glücklichen Lösung entgegenzuführen — natürlich vorausgesetzt, dass diejenigen, iu deren Interesse wir thätig sind, uns nicht im Stiche lassen. Die Redaction. Meine Chronik Wien. (Prediger Mannheimer-Verein.) Am 17. October d. I. gelangen die Zinsen des Prediger Mannheimer- Vereines zur Vertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbiner, Prediger und Lehrer in Oesterreich-Ungarn, welche dienstunfähig geworden sind, oder deren Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstes durch zehn Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni d. I. an die israel. Gemeindekanzlei in Wien unter der Adresse: ״Vorstand des Prediger Mannheimer-Vereines" zu übersenden. Wien. Der durch seine ersprießliche humanitäre Wirksamkeit bekannte Kranken-Unterstützungsverein ״Montefiore" hat einen Witwen- und Waisen-Fond ins Leben gerufen, durch welchen jedem Mitgliede eine Lebensversicherung auf 500 fl. ermöglicht wird. Die Consütuirung dieses als Zweigverein gedachten Fondes hat am 30. April 1895 stattgefunden. Um das Zustandekommen desselben haben sich der Vereinspräses, Herr Isidor Weiß, und der Schriftführer, Herr Moritz B o n d y besonders verdient gemacht.. Wien. Ueber Einladung der vor Kurzem gegründeten ״Eth.-Gesellschaft" wird unser geschätzter Mitarbeiter Herr Prediger Grün am 10. Mai im ״Wissenschaftlichen Club" (Eschenb.ach-