Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-05-11 · Heft 12 (11.5.1895) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 12 (11.5.1895)
Date
1895-05-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453347--4276-3458720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 12. Gesterreichisch-ungarische (Lantoren-Aeitung. Seite 5. stehen, da doch beide ריעותות סתמות (mittelmäßige Gebrechen) sind, warum ist die Behandlung der erwähnten סרבות derschiedener Art vorgeschrieben? Sollte vielleicht die Ursache darin süßen, weil man קורם נפיהה (bevor die Lunge aufgeblasen war) diese בועא gesehen haben, was erschwerend dafür spricht, ähnlich einer מראה פסורה (tödtlicher Fleck) welche sich לאהר בפיחר. . in eine מראה בעררה umwandelte, nur ב״ה״פ״ט bei großem Verlust als בשר erkärt werden. kann, nachdem doch jede מראה בשירה an und für sich בשר ist? ש״מ״ח סימון ל״ח ׳״ב. Diese Ansicht ist aus doppelten Gründen unrichtig. 1) Befindet sich diese בועא unter der Lungenhaut, welches als Gebrechen nicht angesehen werden kann חסרין מבפנים לא שמיי חס רץ (ein unter der Lungenhaut stehendes Gebrechen wird als solches nicht betrachtet.) 2) Zugegeben, wir neigen uns der Ansicht zu. wie Raschi und Rambam, welche es als Gebrechen anerkennen, so sind die zwei ריעותות doch nicht als סמו־בוח naheliegend zu betrachten, da doch die Lungenhaut dazwischen ist. דת מ״ד ס״ק כ״ה לעידן ריאה שנש פח כקיתון. Einer gefälligen Aufklärung gewärtig, Jacob Herz, Cantor und Schächter, Troppau, Oesterr. Schlesien. Offener Sprechsssl. Mähr.-Budwitz, 3 Mai 1895. Löblicher Vor st and! Indem ich meinen Beitritt zu dcr projectirten Pensionscassa hiermit anmelde, motivire ich mein bisheriges Säumen durch den Umstand, dass dem hiesigen Cultnsvorstande bis nun noch kein Aufruf zum Anschlüße an die Pensionscassa zugekommen ist. Woran dies liegt, ist mir eben unbekannt und bitte ich darum das Versäumte nachholen zu wollen. Was nun die Angelegenheit der zu gründenden Pensionscassa selbst betrifft, erlaube ich mir, ohne unbescheiden zu denken etwa einen sensationellen Aufsatz zu veröffentlichen, wie unser hochverehrter Herr Präses in der letzten Nummer unseres Vereinsorganes ganz treffend ironisiert, ganz einfach und schlicht zu erklären, dass ich mich über die aufgestellte Definition ״Invalidität" den Ausfiihrungen des Herrn Collegen Lamm in Brüx vollkommen anschließe. Der Widerlegung des geehrten Vorstandes jedoch möchte ich noch folgendes entgegenstellen: Wenn bei einem Collegen, der mehrere Aemter bekleidet, eine Fähigkeit versagt, erscheint er meines Erachtens weit unglücklicher als Derjenige, welcher nur einem Amte vorsteht. Dieser hat es mit einer größeren Gemeinde zu thun und seine Fähigkeiten schließen eine Anstellung in einem anderen Amte nicht aus, während jener, weil in einer kleinen Gemeinde, nur mit vielfachen Fähigkeiten in derselben existenzberechtigt ist, da doch mit Sicherheit angenommen werden muß, dass eine kleine Gemeinde auch mit dem besten Willen zwei für einen Berusszweig anzustellen, nicht in der Lage ist. Ueberdies gibt es auch mitunter solche Gemeinden, welche eine Verstimmung dieses vielbesaiteten Instrumentes, die doch logisch zumeist bei älteren Collegen anzunehmen ist, sichtlich und stillvergnügt benützen werden, um es mit einem neuen umzulauschen. Es lässt sich also über diesen wichtigen Punkt nicht so leicht hinwegschreiten und soll demnach ernstlich in Erwägung gezogen werden, ob erstens bei einem solchen Unfall des Betroffenen Verbleiben in seiner Gemeinde sicher ist, und es müsste auch, wie der geehrte Vorstand schon bemerkte, die Bestimmung getroffen werden, dass die durch theilweise Invalidität bedingte Gehaltsreduction nur bis zu einer gewissen Grenze stattfinden kann, bei deren Ueberschreitung der Betreffende als invalid zu betrachten ist und Anspruch aus die Invaliditäts-Pension habe. Lächerlich und zugleich bedauerlich finde ich die Einwände des Herrn Dr. T., nennen wir ihn Terrorist, denn als Schreckensmann präsentirt er sich in seinen Entstellungen und Verunglimpfungen und terrorisieren will er mit denselben alle verehrten Collegen Transleithaniens, welche die Absicht haben, dem gemeinnützigen Werke, welches alle Berussgenossen nur einer mit dem Sohne des Vorstehers als einen rein freundschaftlichen und wollte ihrem Kinde, wie sie bemerkte, ״dieses unschuldige Vergnügen" nicht rauben. ״Thue was Du willst, aber verlange nicht, dass ich diese unglückselige Liebe als ein freudiges Ereignis betrachten soll," erwiderte darauf erregt der Chasen. Dem Gutsherrn schien es nur um den Anfang der Repressalien gegen den Feigenbaum zu thun gewesen zu sein; denn seit der Zeit, wo er zum ersten Male öffentlich gegen denselben aufgetreten, unterließ er es nicht, ihn bei jeder Gelegenheit seinen versteckten Grimm und seine Verachtung fühlen zu lassen, so dass sich zwischen Beiden nach und nach ein ununterbrochener Kampf entwickelte, über dessen Ausgang der Chasen nicht im Unklaren war. Er zweifelte nun auch nicht mehr, dass der Augenblick nicht mehr fern sei, wo Bernat, um seinen Rachedürft zu stillen, sich nicht scheuen werde, ihn brotlos zu machen. Und dieser Augenblick sollte bald genug kommen.-Wieder saß Kohol um den grünen Tisch in der Gemeindestube. Eine dumpfe Schwüle und drückende Sülle herrschte in derselben, und den ernsten, verstört aussehenden Gesichtern der Balbatim konnte man es fast ablesen, wie schmerzlich der Gegenstand sie berührte, der die Tagesordnung dieser Sitzung bildete. Mit etwas unsicherer Stimme begann diesmal der Vorsteher seinen Antrag auf ״Enthebung" des Chasen von der Ertheilung des Unterrichtes, und gleichzeitiger Anstellung eines pädagogischgebildeten Lehrers zu begründen. Feigenbaum, meinte er, sei nicht in der Lage den Kindern jenen gedeihlichen Unterricht zu ertheilen, den diese fiirs praktische Leben benöthigen, oder als Grundlage zum weiteren Studium benützen können. Der anzustellende Lehrer soll übrigens auch ״zeitgemäßer Cantor" sein, denn der alte Chasen sei nicht mehr im Stande, die Andacht zu fördern. ״Mir kommt es so vor, wir hätten jetzt ein schönes Vogelhaus und keinen Vogel drin! Feigenbaum könne nur noch als Schochet und Schames verwendet werden." Mit wachsendem Staunen und unverkennbarem Unwillen hatten die Gemeindemitglieder die Ausführungen Bernats angehört, und eine beklemmende Pause enstand nachher; es schien schon, als fehle wieder Einem der Muth zu eitler Entgegnung. Da erhob sich plötzlich Arvlt Heller, der ehemalige, langjährige Vorsteher höchst aufgeregt von seinem Sitze. Mehrere Male öffnete er seinen Mund, ohne jedoch ein Wort Hervorbringen zu können. Das maßlose Vorgehen des Vorstehers, gegen den langjährigen, alten Chasen, den er sehr achtete, hatte ihn schon längst empört, ohne dass er bis jetzt den Muth gehabt Hütte, diesem excentrischen Manne entgegenzutreten. Nun konnte er sich nicht mehr enthalten. Sein Gewissen sträubte sich energisch dagegen, solchen Ungerechtigkeiten Vorschub zu leisten. ״Ich weiß nicht, welche Ursache Sie bewegen kann", begann er mit bebender Sümme, ״gegen einen verdienstvollen Mann, den wir alle hier," er deutete auf alle Anwesenden, ״hochachten, in so empörender Weise vorzugehen. Gesetzt der Fall, dass derselbe nicht die Fähigkeit besitzt, in der Weise zu wirken, wie Sie es eben angedeutet haben, müssen wir doch Rücksicht mit einem Manne nehmen, der so viele Jahre bei uns wirkt und sich unleugbar viele Verdienste um uns und unserer Gemeinde erworben, hat. Haben unsere Kinder so lange keinen klassischen Unterricht genossen, so kann es meines Erachtens ihnen nicht schaden, wenn es noch einige Jahre geschieht, denn wie lange," trug er, und ein tiefer Seufzer entrang sich dabei seiner Brust, ״kann dieser alte Mann noch leben? Wir dürfen nicht so undankbar sein, wenn wir uns gegen Gott nicht versündigen wollen!" Ein Gemurmel des Beifalls unterbrach seine letzten Worte. (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.