Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-05-11 · Heft 12 (11.5.1895) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 12 (11.5.1895)
Date
1895-05-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453347--4275-3458719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 12. Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. volles Leben führte, sehnte er sich doch nach der theuren, lieben Heimat, und wünschte sehr, dort, wo die Asche seiner Väter ruht, einst zur ewigen Ruhe bestattet zu werden, denn das Band der Liebe, das ihn mit seinen Eltern verknüpfte, sollte auch der Tod zu lockern nicht im Stande sein. Haueehowim wehaneimim beehajeliem uwemaussom lau nifrodu. Und als Jakob sein Ende herannahen sah, rief er seinem Sohne Joses zu: ״^esehahatti im awausai, ich will mich zu meinen Vätern legen, trage mich daher aus Egypten weg und lege mich in ihr Begräbnis." Ja, die wahre, echte kindliche Liebe reicht weit über das Grab hinaus. Und wie Jakob, ebenso hatte Josef es sehnlichst gewünscht, bei seinen Angehörigen zur ewigen Ruhe bestattet zu werden. Nicht in den Königsgräbern Egyptens, sondern bei seinen Vätern wollte er schlafen. ״Wenn Gott wird nun bedacht sein, so nehmet meine Gebeine mit hinaus." Und wie Josef pietätsvoll dem Wunsche seines Vaters entsprochen, ebenso hatte Moses, und zwar am Tage, da er Israel aus Egypten führte und für zwei Millionen Menschen zu sorgen hatte, nicht vergessen, dem Verlangen Josefs nachzukommen, wajikach Mausche es azmaus Jausef imau — Diese Pietät gegen die theueren Dahingeschiedenen, diese Treue gegen die Todten bildet zu allen Zeiten den Grundzug des jüdischen Charakters, dieser weit über das Grab hinausreichenden Liebe und Treue hatten unsere Ahnen in Egypten ihre Befreiung und Erlösung zu verdanken, sehelau scliinu es schemom 2c. und ihr verdankt das Judenthum seine um verwüstliche Lebenskraft, seine fast viertausendjährige Existenz. Und dass diese Treue auch heute noch nicht aus Israels Mitte geschieden ist, beweist die Hasekarah. So oft in Israels Gotteshäusern die Seelengedächtnisseier stattstndet, sind dieselben in allen ihren Räumen dicht gefüllt, Des Chasens Nole. Erzählung von M. Büßgang, Falkenau. (Nachdruck verboten.) IV. Feigenbaum war übrigens dieser Feier gänzlich fern geblieben. Er fühlte sich durch die ihm zu Theil gewordene Zurücksetzung ttef verletzt, da er als tüchtiger Chasen durch seinen seelenvollen, zu Herzen gehenden Gesang noch immer viel Anerkennung in der Gemeinde fand. Auch war er ein Feind der neuen gesanglichen Richtung und bettachtete die Function dieses Cantors wie eine Entweihung der Synagoge. Dass die Balbatim, die chm übrigens ihr Bedauern über die chm zugefügte Zurücksetzung ausgedrückt und ihn versichert hatten, dass sein Gesang ihnen besser gefalle, ihn nicht bei dem Vorstcher in Schutz genommen, konnte er ihnen nicht verargen, da chm die Abhängigkeit derselben von Bernat hinlänglich bekannt war. Auffallend war aber in der ganzen Gemeinde das freundschaftliche, fast innige Verhältnis, das zwischen Adolf, dem einzigen Sohne des Vorstehers, und der Familie des Chasens bestand. Von der Schulzeit an dattrte dessen reger Verkehr in dem Hause Feigenbaums, zu dessen älterer Tochter Jittele er frühzeitig eine freundschaftliche Neigung fasste, die sich nach und nach, je mehr die beiden heranwuchsen, zu einer innigen, unumstößlichen Liebe entwickelte, obwohl sie chren Gefühlen niemals in Worten Ausdruck gaben. Adolf wusste, dass es nicht nur die Macht der Gewohnheit war-, die chu seit Jahren mit unwiderstehlicher Gewalt in das Haus des Chasens zog, und Jittele gab sich dem Zauber seines Umganges ganz und voll, mit jener Unbefangenheit hin, wie sie nur einem reinen, unschuldigen Mädchen- Herzen entspringen kann. In beider Herzen keimte die Liebe, und sie fühtten, dass es fitt sie keine Schranken geben könne, die stark genug wären, sie dauernd zu trennen. weil das Bedürfnis, ein ttefempfundenes Gebet für die theueren Heimgegangenen zu sprechen, eine heiße Thräne einem alten Schmerze zu wechen, in den meisten der Andächügen rege geworden. Die Thränen allein aber genügen nicht, um uns unserer hohen Aufgabe als treue, zärtliche Kinder unserer theueren entschlafenen Eltern zu entledigen, wir müssen uns vielmehr bestteben, in ihrem Sinne und Geiste zu wirken und zu schaffen, die von ihnen ins Leben gerufenen religiösen Anstalten und Humanitären Institutionen, für die sie die größten Opfer gebracht, zu erhalten und alles, was ihnen heilig war, hoch und heilig zu halten, damit einst unsere Nachkommen auf ebenso würdige und weihevolle Weise unser Andenken feiern, wie wir das Andenken unserer theuren Lieben feiern. Frage. Eine aus einer בועה (Blase) vorkommende סרכה (ein erstarrter Feuchtigkeitsausfluss) hat, wie bekannt, dermaßen behandelt zu werden: Ist diese סרכה דבוק (an beiden Enden an der Lunge gehalten), so ist es gestaltet, diese nur dann abzulösen, d. h. תרתי לריעותא (doppeltes Gebrechen ist ausgeschlossen) wenn die בועא von dem Lungenfleisch vollkommen gedeckt, ohne Erhöhung ist und den übrigen Lungentheilen gleicht. .שוה לבשר תו־יאדז Ist aber obenerwähnte סיכה blos eine תלויה (an einem Ende an der Lunge gehalten), so braucht man diese nicht abzulösen. Nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten hat man es im gegebenen Falle nicht mit einer פרכה שלא כפידק (ein Ausfluss, welcher unbedingt abgelöst werden muss), zu thun, vielmehr mit einer סרבה ממקום למקום (an einem und demselben Lungentheil gehalten), welche ,פרבד mit einer פרכה תלויה Hand in Hand geht, sogar in gleichem Stadium hinsichtlich ריעותא Dem jungen Manne war zwar später das zunehmend feindliche Verhältnis zwischen seinem Vater und dem CH asm immer mehr aufgefallen und er gab oft, trotzdem Letzterer ihm gegenüber es geflissentlich mied, von dem Vorsteher zu sprechen, seinem Bedauern mit dem Bemerken Ausdruck, dass zwischen Beiden ein Mißverständnis obwalten müsse, das durch das beharrliche Fernhalten Feigenbaums von seinem Vater hervorgerufeu wurde und dessen Stolz verletze. Seiner Meinung nach bedurfte es nur einer Annäherung seitens des Ersteren, um das Missverständnis zu beseitigen. Der Chasen pflegte dabei gewöhnlich zu schweigen. Er hielt es nicht, für angemessen, dem jungen Manne, von dessen Gerechtigkeitssinn er überzeugt war, den wahren Sachverhalt mitzutheilen, weil er wusste, dass durch solche Eröffnungen die väterliche Achtung bei demselben erschüttelt würde. Hirsch, dessen ganzes Trachten und Sinnen auf den Gelderwerb gerichtet war, weil ihm überhaupt der Sinn für das Familienleben fehlte, kümmerte sich wenig um seinen Sohn und überließ dessen Erziehung ganz seiner Frau, die mit überaus zärtlicher Liebe an dem einzigen Kinde hieng. Er nahm daher auch später keine Notiz von seinen! Verkehr. Auch Feigenbaum sah anfangs nichts Ungewöhnliches darin, dass der junge Mann die Anhänglichkeit an sein Haus auch ferner auftecht hielt und oft dasselbe besuchte. Er hatte Adolf schon als seinen Schüler, dessen gutes Benehmen und musterhafte Aufführung zu den besten Hoffnungen berechtigten, lieb gewonnen und es freute ihn später sich in seinem Charakter nicht getäuscht zu haben. Endlich aber blieb es auch von ihm nicht unbemerkt, dass die jungen Leute sich liebten, und er suchte mit all ihm zu Gebote stehenden Mittel seine Gattin zu veranlassen, den Verkehr Beider womöglich zu beschränken und seiner Tochter die Hoffnungslosigkeit ihrer Liebe vor Augen zu führen. Seine Gattin dagegen bettachtete den Verkehr Jitteles

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.