Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 11 (1.5.1895)
- Date
- 1895-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 11. in den Armen halten, bis ein Anderer ihn ablöste. (S. Joma 68, b). Der אריץ, der Behälter der Thora, war nicht, wie es heute der Fall ist, au der Mauer befestigt, sondern ganz ftci ausgestellt und konnte darum leichter von einer Stelle zur anderen gebracht werden, was zu gewissen Zeiten auch geschah. An den in bestimmten Fällen angeordneten Fasttagen wurde die heilige Lade aus der Synagoge getragen und aus einen freien Platz gesetzt, woselbst Bußeübuugen und bestimmte Gebete abgchalten wurden; Las geschah meist zur Zeit, w.eun Rcgeumangel eingetrcten ist. (S. Tanis 15 a). Erst in späterer Zeit hatte man für die bewegliche Lade eine Nische in der Mauer angebracht, in welcher die Lade ihren Platz hatte, diese Nische wurde היכל genannt. (S. Toss. Megila 3). XU. Das בר תמיד in der Synagoge. Wir lesen in Ben Chananja (3. Jahrg. S. 581) von Rabbiner I. Wicsncr, als Beitrag zur synagogalcn Archäologie folgendes: ״Zur inneren Einrichtung der Synagoge gehört gegenwärtig auch die ewige Lampe בר תמיד, die wohl nicht leicht Ln einem jüdischen Gotteshaus!: fehlt und in unserer Zeit Lei der Synagogeu-Einrichtung eine hervorragende Rolle spielt. Wie, wann und durch wen ist dieser Gebrauch in der Synagoge cingesührt worden? Mit dem beständigen Feuer ans dem Opferaltare (3. M. 6, 13.) hat die ewige Lampe durchaus nichts gemein, die talmudische Litteratur kennt sic nicht und auch die Kasuistik gedenkt ihrer mit keinem Worte. Die Sache an und für sich ist so übel nicht, denn wenn wir dem Ucbcrsinnlichen einen sinnlich wahrnehmbaren Ausdruck geben wollen, so haben wir eben nichts Passenderes als das Licht. Die Seele des Menschen ist ein Licht (Spr. 20, 27.), die Gottcslehrc ist ein Licht (das. 6, 23.), im Lichte offenbarte sich Gott (Ezecli. 48, 2.). Aber dcßungeachtct scheint das Xer Tomid in der Synagoge nicht jüdischen Ursprungs zu sein, und der Verfasser ist bemüht zu beweisen, dass diese Einrichtung von der christlichen Kirche in die Synagoge den Weg gefunden." Wir behaupten das Gegentheil, dass die Kirche der Synagoge hierin nachahmte. Kommt doch der Ausdruck ב״ תמיד mehrmals in der Bibel vor, wir wollen nur diese eine Stelle vorführcn. ״Gebiete den Kindern Israels, sprach Gott zu Moses, dass sie dir bringen Olivenöl, reines, ausgepresstes zur Bclenchtung, um ein beständiges Licht בר תמיד zu unterhalten, ein ewiges Gesetz sei cs für alle Zeiten חקת עולם von den Kindern Israels" (2. M. 27. 20). Ein ewiges Gesetz, so heißt es hier, ein Gesetz für die Kinder Israels. Ist daran zu zweifeln, dass dieses Gebot auch für alle Zukunft besteht für jedes Gotteshaus, also auch für die Synagoge? Wir finden aber auch im Midrasch einen Anhaltspunkt dafür (Jalk. 4. M. 8), daselbst heißt cs: Alle Stämme haben zur Einweihung des Altars Opfer dargebracht, nur der Stamm Lewi war ausgcschlossen, Da beklagte sich Ahron bei Moses und sprach: Wehe mir, vielleicht liegt an mir die Schuld, dass mein Stamm ausgeschlossen. Da sprach Gott: fürchte dich nicht, für dich ist eine größere Würde aufbewahrt. Wohl haben die Fürsten aller anderen Stämme Opfer zur Einweihung des Altares gebracht; aber der Opferkultns dauert nur, so lange das Hciligthum in Jerusalem besteht, אבל הכרות לעולם, jedoch die Lichter, die du anzündest, werden sich ewig im Gotteshause erhalten". Ans dieser Stelle ist doch deutlich genug zu. ersehen, dass die Einführung des Ner Tomid in den jüdischen Bethäusern aus jüdischer Quelle erwiesen ist. Das beständige Licht kann ja nicht als Zweck zur Erleuchtung des Tempels cingesührt worden sein, da cs dicht vor dem Vorhänge des Allcrhciligsten stand und nur eine sehr unbedeutende Helle geben konnte, auch wäre in diesem Falle die Beleuchtung in der Nacht überflüssig gewesen. Das beständige Licht sollte Israel stets an die Erkenntnis Gottes Des Chasens Klole. Erzählung von M. Büßgang, Aalkenau. (Nachdruck verboten.) ILI. Hirsch war zu klug, um nicht die Vortheile zu erkennen, die diese Verbindung ihm bringen könnte. Dass diese Dame um Mnige Jahre älter als er sei, ihr Vorleben nicht ganz sitten- .j#i» war, geuirte ihn nicht. Er hatte seinen Liebestraum ausgeträumt; und seitdem er von Chanele zurückgewiesen wurde, Hhfte er in sich das Gefühl der Liebe zu einer Frau erstorben. Me'Herben Prüfugeu und bitteren Erfahrungen ließen ihn nun -die)West in einem neuen Lichte erscheinen. Voll leidenschaftlicher f PM nach Glanz und Reichthum, Ehre und Ansehen hatte er MMch ^eine Aussicht, aus eigener Kraft sich empor zu arbeiten, 'aber'Äese.Heirath konnte ihm zu allem verhelfen. Er hatte also Mch^Wtße'zu überlegen, hielt um ihre Hand an, und so wurde LnüturzeriZeit aus Beiden ein Paar. unmTGMMld führte seinen Schwager bald in sein Geschäft ein, Wd^MxH,,Keniat verstand es in kurzer Zeit, sich so practisch rn demselben ^iuzuarbeiten, dass er als Repräsentant des Hauses crüf die Wiendv 'Börse geschickt wurde. Daselbst gelang es ihm, durch glückliche Spekulationen, die er nebenbei auch für sich ,DkLMachen verstanh, ein nicht unbedeutendes Vermögen zu er- HWcheW: welches.ihn in den Stand setzte, eurer alten Vorliebe ch^e.Kaudtvir^chgst folgend, das große Landgut ״Weittritsch" zu erwerbend Er wollte sich durch diese Passion gewissermaßen für seine unglückliche Ehe entschädigen, denn zwischen ihm und ffßiner״Gürtin-׳ herrschteschon bald nach ihrer Verheirathung Megeu^der.Verschiedenheit ihrer Charaktere keine Harmonie. )Bernds ftchltemstene Eigenschaften, die zur Grundlage einer rgWKichen Ehe..unhAingt,, uothwendig sind. Seine Frau, die eine wohlerzogene, feingebildete Dame war, fühlte sich durch seine Herzenskälte, sowie durch sein robustes, abweisendes Wesen sehr verletzt und zog sich immer mehr von ihm zurück. Er hatte oft durchblicken lassen, dass er sie nur pecuniärer Vorth eile halber geheirathet hatte, und die Kluft zwischen beiden Gatten ward dadurch von Tag zu Tag größer. Auch die Geburt eines Sohnes hatte nicht vermocht, ihre Herzen zusammen zu führen. Schließlich gieng jeder seinen eigenen Weg und kümmerte sich um den Anderen nicht. Frau Bernat widmete sich ganz dem Kinde, an dem sie in überaus zärtlicher Liebe hieng, und suchte ihren Schmerz über ihr verlorenes Glück tief in ihrem Herzen zu begraben. Ueber das Haupt des armen Chasen und seiner Familie aber begann mit der Ankunft des neuen Gutsherrn der Horizont sich zu verdüstern und ein fernes Wetterleuchten verkündete ein nahes Gewitter. Einige Jahre hindurch schien sich Bernat für die Cultusverhältniße seines Gutes gar nicht zu interessiren und erschien selten im Gotteshause. Er war sehr überrascht, als er erfuhr, dass Feigenbaum daselbst Chasen sei, und betrachtete es als Spiel des Zufalls, mit seinem, einstigen Rivalen wieder zusammen zu treffen; er begegnete ihm indessen mit Gleichmuth und Ruhe. Dennoch war es eine unheimliche, unnatürliche Ruhe, die er zur Schau trug. Der tiefgewurzelte Hass, der durch sein unglückliches Familienleben durch viele Jahre Nahrung gefunden, erwachte in seiner ganzen Stärke, als er sich wieder in Feigenbaums Nähe fühlte, und er war entschlossen, an dem vermeintlichen Urheber seines Unglückes bittere Vergeltung zu üben. Doch durfte er nicht so rasch zur Ausführung seines Racheplanes schreiten, wenn dessen verwerfliche Motive nicht verrathen werden sollten. Und so unterdrückte er eine Zeit lang seinen verzehrenden Groll. Feigenbaum, der wohl instinktives Mißtrauen gegen seinen