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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-04-21 · Heft 10 (21.4.1895) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 10 (21.4.1895)
Date
1895-04-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Säte 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 10. auch der ganzen Menschheit ohne diese beiden Momente bewähren und rm anderen Falle haben wir nur eine beschränkt nationale Bedeutung. Der Fehler - der früheren Reform- LifftrMmgen lag daäu, dass deren Vertreter das Kind mit mit dem Bade ausgeschüttet, nebst den Schlacken auch das edle Metall ßortgeschleudert und fast Alles über Bord geworfen hüben. tSapienti sat! Hochachtend Ihr ergebener Prediger Grün. Wrrn. Herr Emil Frankel, Religionslehrer der israel. Cultusgemeinde ün den commmralen Bürger- und Volksschulen im 3. Und 6. Bezirke, wurde zum Ortsschulrathe für den 6. Bez. ernannt. Herr Emil Frankel wür durch Jahre Religionsprofessor in Innsbruck mW vordem Obercantor in Strükonitz, woselbst es seinen Bemühungen gelang, dem österr. Ungar. Cantoren-Vereine eine Jahressubvenüon seitens seiner Gemeindezü erwirken. Wien. Dem Caütor der ist. Cultusgemeinde im XVHI. Bezirk, Währing, Herrn I. Serebrenik, ist für seine überaus ge-- lungenen Functionen an den verflossenen Feiertagen ein Anerkennungsschreiben des Cultusvorstandes zugekommen. Wien. Im Minjan-Vereine I. Judengasse Nr. 12, hat an den Pessach-Feiertageu Herr Abraham Kirschbäum, früher Cantor in Großwardein, vorgebetet und daselbst vielen Beifall gefunden, Wien. Erew Peffach wurde Herr Weinstein, der in der ehemaligen Spiegelschule 39 Jahre hindurch als Chasen fungierte mW fänen Dienst bis in die allerletzte Zeit voller Aufopferung versah, zu Grabe getragen. Der in! 73. Lebensjahre Verblichene war durch 40 Jahre bei der Wiener Cultusgemeinde als Schochet Mgestellt und erfreute sich in Folge seines stommen Lebens- Wandels mW seines biederen Charakters allgemeiner Sympathien. ת׳נ׳צ׳ב׳וז» Steyr. Nüttwoch den 17. d. M. fand hier unter großer Thcilnahmc der Bevölkerung das Leichenbegängnis des sehr geachteten Realitäteu-Bcsitzcrs Herrn Joachim Wintcrnitz statt. Unter den Traucrgästen befanden sich auch der Bürgermeister und Eicebürgermcistcr, mehrere Gemcindcräthc, sowie die ganze Arbeiterschast der großen Fabrik. Im Traucrhause hielt der hiesige Rabbiner und Cantor, Herr I. Schulhof, eine kurze Ansprache, während ׳Oberrabbiner Dr. Ai. Güdcmann aus Wien eine ergreifende Trauerrede am Friedhofe hielt, welche bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck zurücklicß. Budapest. Die Reise des ungarischen Minister-Präsideuten nach Wien scheint auch den Zweck gehabt zu haben, dem Kaiser über die Situation im Magnatenhause zu berichten. Die Regierung hat die Absicht, den vom Magnatenhause nicht angenommenen dritten Abschnitt des Gesetzes über die freie Religionsübung mW das Gesetz über die Reception der Juden umnittelbar nach Ostern wieder zur parlamentarischen Verhandlung zu bringen. Man wird sich erinnern, dass auch Minister- Präsident Wekerle jedesmal nach Ablehnung der confesfionellen Gesetze im Magnatenhause dem Monarchen besonderen Bericht erstattet hat. Diese Gepflogenheit dürste auch unter dem Mimsterium Banffy eingehalten worden fein. Das jetzige Cabinet ist in Wien keineswegs auf eine Schwierigkeit gestoßen, wie schon aus der Thatsache hervorgeht, dass die Gesetze neuerdings im Magnateichause zur Verhandlung kommen werden. Ueber diese Angelegenheit wird aus Budapest telegraphirt: Der Mnister-Präsident Baron Banffy hat während seiner An- Wesenheit in Wien dem Kaiser unter Anderm auch über die weitere Behandlung der kirche »politischen Vorlagen Bericht erstattet. Beide kirchenpolitischen Gesetze gelangen uumittelbar nach Ostern im Abgeordnetenhause und gleich darauf im Magnatenhause zur Berathung. Durch die Eröffnung der neuen Session hat sich in dein Stimmenverhältnisse des Maguatenhauses eine kleine Verschiebung vollzogen, da einige Mitglieder desselben, wie der Jesuitenpater Graf Eugen Esterh a z y mW Baron Simon R e v a y, ihr Stimmrecht v e rlvren haben. An chre Stelle treten allerdings neu hinzugekonunene erbberechtigte Mitglieder, die Verschiebung kann aber eher zu Gunsten der Vorlagen ausfallen. Für die Position des Eabinets Banffy ist es immerhin bezeichnend, dass der Miuisterrath für den einzigen durch den Tod des pensionirten Senats-Präsidenten Mihajlovics erledigten Sitz eines ernannten Mitgliedes eine andere Persönlichkeit demnächst schon Vorschlägen und deren Ernennung zu einer Zeit erfolgen wird, dass sie an der Abstimmung wird theilnehmen können. Lrurberg, 9. April. Nach einer polnischen Blättern aus Petersburg zugekommenen Meldung ist dort eine Deputation der jüdischen Bevölkerung aus dem Gouvernement Jekaterinoslaw angclangt, um dem Czar die Bitte vorzutragen, cs möge die Regelung des Rechtsverhältnißes der jüdischen Unterthanen ehestens durchgcführt werden. Der Czar empfing' die -Abordnung sehr freundlich und versprach, ihre Bitte zu berücksichtigen. Berlin. (Bedenkliches Lob.) Die ״BerlinerKreuz- Zeitung" ist endlich einmal mit dem österreichischen Coalitions- Ministerium zufrieden und drückt diesem seine Anerkennung darüber aus, dass Juden in Staatsanstellungen überhaupt nicht oder nur in vereinzelten Ausnahmsfällen gelangen können. Das Berliner Junkerblatt schreibt: ״Seit Jahren zeigten sich die verschiedenen Regierungen in Oesterreich bestrebt, das Aufkonunen der antisemitischen Bewegung zu verhindern, und dennoch haben sie nur unerhebliche Zugeständniße gegenüber dem jüdischen Andrange gemacht, ja man ist sich im Grunde genommen stets darüber klar gewesen, dass die Zulassung jüdischer Juristen in größerer Zahl das Vertrauen der Bevölkerung zur Rechtsprechung wie das Ansehen des Nichterstandes überhaupt Herabdrücken muß. So sind im Gebiete des österreichischen Ober-Landesgerichtes höhere Richter jüdischer Religion überhaupt nicht vorhanden. Alle Mitglieder desselben wie des höchsten Gerichtshofes, ferner sämmtliche Staatsanwälte sind Christen. Unter 171 Landesgerichtsräthen befindet sich nur Ein Jude, der vor zwei Jahren ernannt wurde. Von 130 Bezirksrichtern gehören 6 von 266 Adjuncten (Assessoren) nur 8, von 193 Auscultanten (Referendare) nur ein einziger der jüdischen Religion an, so dass in Oesterreich Alles in Allem nur 16 jüdische Richter anzutreffen find. Eine zeitlang schien man geneigt, den Juden die richterliche Laufbahn ein wenig zu öffnen. Aus der Thatsache, dass gegenwärtig nur ein einziger jüdischer Auscultant zugelassen worden ist, geht indessen hervor, dass selbst das Coalitions- Ministerium bestrebt ist, das jüdische Element vom Richterstande fernzuhalten. Wo an einem Gerichtshöfe jüdische Richter vor- Händen sind, nimmt man jüdische Auscultanten nicht an, weit bereits Juden genug vorhanden sind, und wo die Gerichte sich bisher noch judenrän erhalten haben, da wollen sie von der Annahme jüdischer Richter erst recht nichts wissen. Selbst in- Galizien ist die Zahl jüdischer Richter unverhältnismäßig gering; unter 120 Landesgerichtsräthen findet man nur einen, unter 173 Bezirksrichtern nur drei, unter 311 Adjuncten nur 18 Juden. Außerdem haben sich die jüdischen Auscultanten wie in Oesterreich stark vermindert. Seit ״ckst Jahren soll kein jüdischer Auscultant ernannt worden sein. In Galizien sind die jüdischen Richter anscheinend auf dem Aussterbe-Etat gesetzt worden. In die übrigen Verwaltungszweige, abgesehen von den Wiener Polizei-Direction, haben die Juden bisher überhaupt noch keinen Eingang finden können. Der Finanzminister soll verboten haben, dass bei der Ueberwachung der Branntweinsteuer-Erhebung in Galizien jüdische Beamte beschäftigt werden l Ja, es wird erzählt, dass Herr v. Plener, dessen Liberalismus über jeden Verdacht erhaben ist, unlängst einem jungen jüdischen Juristen, als er sich um eine Stelle bei der Finanzverwaltung bewarb, sagen ließ, er möge lieber Advokat werden. Die Post- und Telegraph en-Verwaltung in Galizien nimmt Juden an, aber nach ihrer bisherigen Praxis, obwohl die jüdische Bevölkerung 12 Percent ausmacht, nur bis zu 6 Percent des Beamtenstandes, und sie hat mit Bezug darauf jüdische Bewerber wiederholt zurückgewiesen, sie will von diesem Grundsätze nicht abweichen." Es gibt wohl nichts Bedenklicheres für das Coalitions-Ministerium, als dieses Lob der Kreuzzeitung und des Herrn v. Hammerstein, der neuestens seinen Beruf zum Antisemitenführer in so unbestreitbarer Weise dargethan hat. Petersburg. Die Hoffnungen der Juden in Rußland auf eine Besserung ihres Geschickes scheinen vorläufig von der Erfüllung noch weit entfernt zu sein. Man theilt uns ein Circulär des Kriegsministers mit, welches im Gegentheile bittere Enttäuschung Hervorznrufen geeignet ist. Dieses Circulär besagt:

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