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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-04-21 · Heft 10 (21.4.1895) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 10 (21.4.1895)
Date
1895-04-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Oesterreichisch-ungärischeLantoren-Ieitung. ' m: .10: " Mt einem Satz, ist Franz im Hausflur uni) bemerkt gar nicht'den Stoß, , den ihm die erzürnte Mutter von hinten versetzt; Ich war ungesehen Zeuge dieser Scene gewesen , und konnte mir deshalb, wohl das Verhalten des. kleinen. Franz am Aufnahmetäge erklären. . Mit scheuen Blicken, betrat er . hinter seiner ÄÄtter den Raum, der chm so oft als Folterkammer.geschildert wurde. Mit ängstlichen Blicken starrte er mich, den geschilderten Kinderfeind, an und klammerte sich bei der Vorstellung zitternd an seine׳ Mutter. Jnuner nur die Mutter anstarrend, ließ er sich von dieser rückwärts in die Bank schieben. Kaum machte diese aber Miene, ihn zu verlassen, da hielt er sich' entsetzt, an ihrem Kleide fest. Eine tödtliche-Angst .sprach aus seinem ganzen Wesen und drückte sich in seinen Worten. aus: ״Atutter! Mutter! lass mich nicht hier! Lass mich nach Hause gehen! Ich wer'-.Dir ja immer folgen, aber lass mich nach Hause geh'n, ich bleib' nicht hier, ich sürcht' mich so sehr!" Jetzt sollte eine Zuckerdüte die Aufregung beseitigen, die vielleicht schon wochenlang genährt wurde. Ich schob die Mutter ärgerlich zur Seite und hieß sie gehen.. : Das Weinen des Kleinen nach ihrem Weggange war herzzerreißend; vergeblich waren meine liebreichen Worte, veraeblich die Beschwichtiqunaen der älteren Schwester, die sich in derselben Masse befand.' Noch lange Zeit erschütterte ein stoßweises Schluchzen den Körper des Knaben; dann ergab er sich mit stummer Resignation in sein Schicksal, mit umflorten Augen starrte er vor sich hin — der Traum seiner Kindheit war vorüber! — Kleine Chronik Wmn. Vorige Woche gelangte das Ehrendenkmäl des Dichters Ludwig August Frankl Ritter v. Hochwart auf dem Centralsriedhofe zur Aufstellung. Das Denkmal ist von dem Freunde des Verewigten, Bildhauer Johannes B en k, ausgeführt:mrd wurde' vom Vorstande^der׳ israelitischen: Culttls- Gemeinde gewidmet.-. Pas Epitaph . ist altaWrttg<^Mfgebau^ Auf Stufe und Sockel erhebt sich ein PilasterMundbogen, der eine Widnningstafel emschließt/^).DM)MWtzH.MMöMmentes bildet ein Aussatz, welchen , die mit Lorbeer.dnHAHtene, durch einen׳-Schleier halb -verhüllte Dävid'sharfe krörck:--׳Ju den Pilastern und Zwickeln des Rundbogenssind; iw stacheln Reliefs mehrere Symbole׳ Frankl's. gemeißelt. .:, Sie :haben Bezug ans die - Gründung einer Schule, in Jerusalem.. (die Ceder), des Blinden-Jnstitütes auf. der Hohen Warte in Wien (8äs: blinde Kind),׳die Errichtung des Schillerdenkmals in Wien׳ (das Ein- Horn) und die Doktorwürde des Verblichenen (der Aeseuläpstab). Die. Verse. auf. der Widmungstafel •7 rühren, von 7 eiuein. ckreuen Freunde Frankl's, von Ferdinand v. S a ar, Her.--!;Sie lauten: Es war ein Dichter, der da schied, — Wie Harfenton erklang sein Lied. — Den Werken hoher Menschlichkeit' ^-. Hat. er des Daseins Kraft geweiht. — Er lebt mit seines Namens Ruf ׳— Was er in Geist-und Herzen schuf. -׳: - - Wien. Ein Mitarbeiter, des. ״N. Wr. Tagblattes" hatte vor einigen Tagen die Ehre, von dem Ordensprovinzial der Gesellschaft Jesu, Pater Franz de. Widmann, der den Preßburger Jesuitenpater Findenik in Folge einer aüfreizenden Fastenpredigt vom Amte suspendirte, empfangen zu werden, und es wird nun gewiss auch von Interesse sein, jene Aeüßerungen zu hören, welche der Ordensprovinzial über die Unzulässigkeit der Politik auf der Kanzel im Laufe des Gespräches gemacht hat. Pater Widmann sagte im Wesentlichen: Die Rechte der Kirche sind uns heilig und wir werden sie immer vertheidigen, allein gegen die Hebung, von der Kanzel herab Politik zu predigen, werde ich stets mein Veto einlegen. Der Seelsorger steht über allem Parteigetriebe,, er hat höhere Aufgaben: Ich-mißbillige es auch — warf Pater Widmann auf eine diesbezügliche Anspielung hier ein — wenn ein Christ irgend wem gegenüber, sei ein Israelit, ein Heide rc., den Racenstandpunkt einnimmt, das ist ganz unchristlich. Ein wahrer Christ kann das nicht thun, er achtet auch Jedermanns Ueberzeugung in Gläubenssachen, und die Frage ist nur, wer von den Menschen den wahren Glauben hat. Der Mensch irrt und wir sehen, wie beispielsweise-Philosophen, gleicki dem von einem Rande zum andern oscillirenden Pendel, von einem Extrem in das. andere fallen; da—das eine Extrem — steht der Pantheist, am andern der Materialist, Des Lhafens Rlole. Erzählung von M. Büßgang, Falkcnau. (Nachdruck verboten.) II- Nathan Feigenbaum war schon im jugendlichen Alter als Chasen in die Khile Weittritsch gekommen, die damals in ihrer höchsten Blüthe stand. Durch 35 Jahre theilte er mit derselben Freud und Leid mrd. wurde daher überall gleichsam als zur Familie gehörend bettachtet und seines überaus biederen Charakters wegen von Jedernrann hochgeehrt. Als später die Gemeinde ihrer allmähligen Auflösung entgegengieng und die reichen Mitglieder in den nahe gelegenen Städten neue Gemeinden begründeten, erhielt er unter den vortheilhastesten Bedingungen so manchen Ruf als Chasen. Allein Feigenbaum konnte sich nicht entschließen, die ihm so lieb gewordenen Khile. in der er so . manchen Triumph gefeiert, zu verlassen. Es widersprach dies seinem Charakter und hätte in seinen Augen gewissermaßen als Verrath gegolten. Zudem war er eine jener beneidenswerthen Naturen, die sich in allen Lagen und Verhältnißen zufrieden sichlen und keine all zu großen Ansprüche an das Leben stellen. Sein Familienleben war in jeder Beziehung ein musterhaftes und glückliches. Von seiner Frau und den beiden Töchtern wurde er fast vergöttert. Aber die Wahrheit des Spruches: ״Mit den Schicksalsmächten ist kein ewiger Bund zu flechten", sollte sich auch bei chm bewähren und den Abend seines Daseins durch so manche trübe Stunde verdunkeln. Nathan Feigenbaum war der einzige Sohn unbemittelter, aber fleißiger mrd strengreligiöser Eltern, und sein Vater hatte nur den einzigen Ehrgeiz, seinen Sohn einst als Rabbiner zu sehen. Er verbrachte-auch einige Jahre auf: der Preßburger Jeschibah, aber einem innnern Drange folgend/ wendete er sich dem ״Chasonus" zu, zu dem er große Vorliebe fasste. Der berühmte Preßburger-Chasen, Kaschtian, nahm ihn bereitwillig in seinem Chor auf, denn er erkannte in dem jungen Manne jenes große Talent, das nur einer Ausbildung bedarf, um seine ganze Bedeutsamkeit zu erlangen; und Nathan fand daselbst die beste Gelegenheit, sich in seinem Fache auf das Vorzüglichste vorzubereilen. Feigenbaum wusste sich durch seinen schönen Gesang, sowie durch sein liebenswürdiges Benehmen das Herz aller Balbatim zu erobern, und die Söhne der angesehensten Familien warben um seine Freundschaft. Unter seinen zahlreichen Freunden war es aber der Erzieher Bernat, dem er sich am engsten anschloß. Hirsch Bernat war ebenfalls der Sohn armer Leute und schon in frühester Jugend verwaist. Entfernte,, wohlhabende Verwandte nahmen sich des hi'ibschen talentirten Knaben cm und ließen ihn studiren. Er absolvirte das Pädagogium und wurde nachher Erzieher der Kinder des Fabrikanten Eisenstätter in Preßburg. Feigenbaum führte ihn in das. Haus Kaschtians ein, und es gelang bald Bernat, durch seine Bildung und sein meisterhaftes Geigenspiel, sich die Gunst und Werthschätzung des Chasens und seiner Familie zu erwerben. Anfangs war es die Leidenschaft zur Musik,, die ihn so oft' ins׳ Kaschtianische Haus lockte, später aber musste er sich gestehen, dass einganz anderes Gefühl ihn mit so unwiderstehlicher Macht hinzog. :. Chanelk) die schöne geistvolle Tochter -des Chasen, hatte es ihm ganz angethan! Sie war für ihn die Verkörperung des Ideals; sein) Herz jauchzte ihr begeistert entgegen, sie hätte sein Leben fordern können und er hatte es mit tausend Freuden

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