Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-03-21 · Heft 8 (21.3.1895) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453343--4241-3458681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. beiden oben genannten Herrn Synagogen-Functionäre auch der Religionslehrer des Hauses, Herr Schulinspector Dr. Kanitz, wie Herr Gustav Simon, Herr Moriz Karpeles, Herr Baürath Süaßny, Herr Dr. Stein, Herr Polizeirath Frankl, Herr Horner, und andere dem freiherrlichen Hause nahe stehenden Personen zugegen waren. Beim Servicen des Champagner ergriff Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann das Wort, mm zuförderst in ergreifender Weise .der im vorigen Jahre Heimgegangenen Herrin des Hauses zu gedenken und m trefflich bewerkstelligtem launigen tlebergehen aus das fernere Gedeihen des Lar mizwoh und auf das Glück und Wohlergehen des Freiherrlichen Hauses zu toastiren, worauf der Confirmand eine geradezu rührende Ansprache an seinen Papa und Oheim wie an die gesamnrte Gesellschaft richtete und zum Schluffe seiner Ansprache mit Rührung betonte, dass er stets dieses Festes eingedenk bleiben und sich dankbar an die Herrn, die ihn heute eingesegnet, an Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann und Herrn Obercantor Singer, wie an seinen verchrten Lehrer Herrn Dr. Manch erinnern werde. Hierauf erhob sich der Hausherr, Herr Albert Freiherr von Rothschild, und dankte in überaus freundlicher Weise den Anwesenden insgesammt für die Theilnahme an seinem Hansfeste und ermahnte seinen Sohn, bei allen Vorkommnißen semes Lebens stets nur seiner inneren Herzensstimme zu folgen. Diese Ansprache übte auf alle Anwesenden eine mächtige Wirkung. Das Tischgebet wurde der aljüdischen Sitte gemäß vom Lar mizwoli in ausgezeichneter Weise vorgetragen und von Herrn Obercantor Singer nur ein feierlicher Loraobamon für den Lar mizwoli, dessen Herr Vater, Oheim und Brüder, wie für die übrigen Anwesenden hinzugefügt. Die Gesammtleistung des jugendlichen Barons an seinem Lar mizwob-Tage erbrachte den Beweis, dass die didaktische Leitung des Herrn Religionslehrers Dr. Kanitz eine vortreffliche sei, dass aber auch der Zögüng mit Verständnis und Fleiß seinen diesbezüglichen Studien obliegt. Die Speisen zum Feste wurden von Herrn Restaurateur Tonello beigestellt, dessen bekannt ausgezeichnete culinarische Leistungen auch an dieser Tafel volle Würdigung fanden. Möge dieses schöne Fest des Freiherrlich Rothschildschen Hauses als Weckruf dienen, dass das Judenthum und seine Satzungen noch nicht verwaist sind, und möge dessen Strahlenglanz hineinleuchten in den Häusern aller Glaubensgenossen der Residenz zu Nachahmmrg und Kräftigung des jüdischen Bewusstseins. Wierr. In der am 17. März stattgehabten Sitzung des Polenclubs brachte Reichsrathsabg. Dr. B l o ch die in der Wiener Zeitung vom 7. Februar d. I. enthaltene Concursausschreibung wegen Besetzung der Stelle eines Salinenarztes in Hallstatt zur Sprache und lenkte die Aufmerksamkeit darauf, dass dieser Concurs von den Bewerbern nebst anderen Nachweisen die Beibringung des Taufscheines fordert, worin eine Verletzung der Staatsgrundgesetze gelegen sei. Abg. Dr. Bloch verwies darauf, dass sich der Club vor ungefähr einem Jahre schon mit der Frage der Zurückweisung der Juden bei Bewerbung von Staatsämtern beschäftigt habe und dass die Mitglieder der Regierung damals ersucht wurden, diesen Gegenstand im Ministerrathe zur Sprache zu bringen. In der principiellen Ausschließung der Juden bei der Bewerbung um Staatsämter liege eine Verletzung der Staatsgrundgesetze, die auch die Minister beschworen haben. Redner bat um die Erlaubnis des Clubs, den bezüglichen Fall bei dem Concurse für die Anstellung eines Salinen-Arztes in Hallstatt im Wege einer Interpellation im Hause zur Sprache zu bringen. Abg. Chotkowski glaubt, dass, da es sich um eine consessiouelle Frage handle, die gewünschte Erlaubnis ertheilt werden sollte. Wg. Kopyezynsky warf dem Dr. Bloch vor, derselbe kümmere sich nur um jüdische Fragen und erschwere durch sein Vorgehen die Bekämpfung des Antisemismus in Galizien. Wg. Dr. Bloch replicirte, er habe mm seit zwölf Jahren sich-strenge an die Statuten des Polenclubs gehalten und sei von dem ftüheren Obmanne Ritter v. Grocholski seiner Haltung halber belobt worden. Wenn er sich immer mit Fragen Nr. 8. er sich nicht erinnere, dass ihn: vom Club ein directer Auftrag, die Frage der Ausschließung von Juden bei Besetzung von staatlichen Stellen im Ministerrath zur Sprache zu bringen, gegeben worden sei, und fügt bei, dass diese Frage bisher im Ministerrathe nicht discutirt wurde. Abg. Dr. Byk constatirt, dass es sich allerdings nicht um einen directen Auftrag seitens des Polenclubs gehandelt habe, sondern um eine bloße Anregung zur Feststellung der Haltung der Regierung zu diesem staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechte. Obmann Ritter von Zaleski erklärt, es empfehle sich nicht, dass sich der Polenclub in diesem Fall der Verletzung des Staatsgesetzes einmischeder nicht Galizien betreffe. Der Club habe an dem Gedanken der Autonomie festzuhalten und sich nur um galizische Angelegenheiten zu kümmern. Er überlasse es den anderen Parteien׳ des Hauses, wo es ihnen nöthig erscheint, die Staatsgrundgesetze zu vertheidigen in Fällen, die Galizien nicht betreffen.^ Abg/ Dr. Bloch zog hierauf seine Interpellation zurück. Da sich auch in der liberalen Partei, die in erster Reihe dazu berufen wäre, eine Verletzung der Staatsgrundgesetze zu rügen, kein Fürsprecher für die Interpellation gefunden hat, ist es um so dankenswerther, dass dieselbe von zwei außerhalb ״der Parteien stehenden Abgeordneten ausgenommen wurde. Abgeordneter Kronawetter, Pernerstorfer haben am 19. d. M. im Abgeordnetenhause die diesbezügliche Interpellation an den Finanzminister gerichtet. Finanzminister Dr. Plener beantwortete in der Sitzung vom 20. März die Interpellation dahin, dass der beanständete Concurs neuerlich ausgeschrieben und dein Verlangen der Interpellanten Rechnung getragen werden wird. Dein Abgeordneten Dr. Bloch gebührt jedenfalls das Verdienst, diese Frage zur öffentlichen Discussion gebracht zu haben. Wien. Samstag, den 16. März feierte Herr Cantor Isaak Schiller mit seiner Gattin, geb. Blüml, das Fest der silbernen Hochzeit und gleichzeitig sein 40-jähriges Cantorjubiläum. Der Jubilar wurde zur Thorax aufgerufen, mid nach Verlesung des Abschnittes recitirte Obercantor Singer einen aus Anlass des Jubiläums verfassten Mischeberach. Nach dem Gottesdienste erschienen die Herren Vorsicher Moyses, Dr. Spitzer und St'iaßny in der Wohnung des Jubilars und übermittelten die Glückwünsche des Bethausvorstandes. Im Laufe des Tages stellten sich aus den Kreisen der Gemeindemitglieder und Gemeindebeamten, sowie aus Freundes- und Collegenkreisen zahlreiche Gratulanten ein, die Gratulationen und sinnige Geschenke brachten. Auch aus der Ferne sind dem jubilirenden Ehepaare viele Glückwünsche zugekommen. Wien. Dienstag, den 19. d. M. fand die Verlobung des Fräulein Sophie Blatt, Tochter unseres verchrten College» und Vereinscassiers Cantor Moriz- Blatt, mit Herrn Hermann Schneider statt. — Die Tochter des israel. Blindeninstituts- Director Heller, Fräulein Paula! Heller, hat sich mit Herrn Dr. Max Reiner verlobt. , Protznitz, im März 1895. Heute wurde der langjährige Polizei-Juspicient der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Josef Schnabel, der nach langem schwerem Leiden im 76. Lebensjahre verschieden ist, zur ewigen Rühe bestattet. Die Merkmale seiner vielfachen Verdienste sowohl im heißen Gefechte unter Radetzky als auch im Kreise unserer Stadt schmückten mehrfach seine Brust. Aber auch das überaus׳ ehrenhafte Leichenbegängnis setzte selbst die auskejmende Jugend von seiner aufopferungsvollen Hingebung an den Staat und seine Heimatgemeinde in Kenntnis. Nebst einigen hundert Veteranen und der Gendarmeriebesatzung unseres Kreises mit der vollständigen Wachmannschaftbegleiteten . tausende Menschen den Leichenwagen, dem eine Musikcapelle voranschritt. Nur .-langsam konnte sich der ungeheure Zug fortbewegen. Nachdem derselbe am Friedhofe angelangt war, hielt Sr. Ehrwürden, Herr Dr. Emil Hoff, dem verdienstvollen Manne einen tiefempfundenen Nachruf, der die ganze Trauerversammlung zu Thränen rührte. In kraftvoller Darstellung zeigte uns der Redner, wie ein Mann von schlichter Abstammung durch seine großen Verdienste um Staat und Stadt zu großen Ehren gelangen kann. der Juden beschäftigte, sei das erklärlich, da er jüdischer Geistlicher sei. Er gestehe zu, dass ihm ein Talent mangle, über Dinge zu sprechen, die er nicht verstehe, ein Talent, das andere sehr reichlich üben. Minister Ritter v. Jaworski erklärt, dass .״Friede sei mit ihm". ׳' ׳ >•' TvoppÄU, 12. März. Der. hier gegründete Synagogenchor hat bereits sein erstes Debüt im Tempel beim Purim-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.