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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-03-21 · Heft 8 (21.3.1895) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite 7. Gottesdienst mit geradezu glänzendem Erfolge gefeiert. Vor Beginn des Abendgottesdienstes sang der Chor den. D-dnr Mätowu von Sulzer und vor und nach der Predigt zwei große deutsche Chöre. Alle drei Chöre haben eine mächtige Wirkung auf die Andächtigen, die das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen ausfüllten, ausgeübt.Der Chor, der vorläufig ca. 60 Mitglieder zählt, veranstaltete aus Anlass des ersten Mitwirkens beim Gottesdienste am selben Abende eine gesellige Unterhaltung. Dieselbe wurde durch einen schwungvollen Prolog, von Fräulein Buchbinder mit vielem Verständnis vorgetragen, eingeleitet. Hieran schloß sich ein Chor und ein Prächtiges ״Purimfest- Gedicht", verfasst von Herrn Rabbiner Dr. Blüh und von dessen Ftäulein Tochter Adele sehr hübsch vorgeträgen. Es sangen dann noch einige Damen und Herren sehr hübsche Lieder, so Fräulein Helene Metzer, Herr Controlor Oberländer, dessen synlpathische, schöne Stimme und verständnisvoller Vortrag großen Beifall fanden. Ein reizender deklamatorischer Vortrag von Fräulein Boxhorn und zwei Duette, vorgetragen von Frau Donnath und HerrnObercantor Singermann, entfesselten stürmischen Applaus. Ferner wurden einige gemischte und Männerchöre, sowie zwei Solo-Quartette zu Gehör gebracht, die ebenfalls beifällige Aufnahme fanden. Nach Erschöpfung des Programmes folgte ein gemüthlicher Tanz, der bis Tagesanbruch dauerte. Bei dem schönen Feste waren der Präses der Cultusgemeinde, Herr Dr. S o n n e n s ch e i n, der Vorstandshllvertreter, Herr Fabrikant Spitzer, sowie eine große Anzahl von Vorstands- und angesehenen Gemeindemitgliederu anwesend, die sich sämmtliche in höchst lobender Weise über die ganze Veranstaltung aussprachen. Der provisorische. Vorstand der Chorvereinigung, Herr Ferd. Do nnath, der mit warmem Interesse sich der Sache annimmt, sowie Herr Obercantor Singermann, der mit Liebe und Hingebung die Leitung des Chores versieht, ferner die Herren Finanz-Commissäre Bachrach, Dr. Eckstein und Controlor Ober- Länder׳ haben sich große Verdienste um das Zustandekommen dieser Vereinigung erworben. Die Herren können mit wahrem Stolz auf ihre erste Veranstaltung zurückblicken. In der ganzen Gemeinde gibt es nur eine Empfindung für die edlen und schönen Bestrebungen dieser Herren, nämlich die des wahrhaften Dankes und der ungetheiüen Anerkennung. Möge dieses schöne Beispiel in recht vielen Gemeinden Nachahmung finden. H. Arad. (Ein 40-jähriges Jubiläum.) Am 9. Februar ״Parschoth schiroh“ feierte der hiesige Chordirigent und Musikmeister, Herr Adolf Grünzweig, sein 40-jähriges Amts-Jubiläum als Dirigent und Compositeur. Die Verdienste des Herrn Grünzweig in Betreff seiner vorzüglichen Leistungen auf synagogalem Gebiete sind in diesen Blättern schon oft gewürdigt und in einer der letzten Nummern von der vortrefflichen Feder des Herrn Obercantor Singer in Wien in sehr schmeichelhafter Weise beleuchtet worden. Darum wollen wir heute nur über den Verlauf des erwähnten Jubiläums Bericht erstatten. ״Schabbath schiroh“ war der Tempel, trotz der ungünstigen Witterung, voll von Andächtigen, besonders war die Damenwelt stark vertreten. Der Jubilar wurde ״hoch" zur Thora gerufen und nach der zweiten ״Broche" trug unsere stimmbegabte Solistin Fräulein Emma Kugel ein Solo .,Zidkos’cho 10 chisisi (Ps. 40. Composition des Jubilars) vor. Sodann wurde von dem verstärkten Chore ein sehr schöner Choral gesungen, der auf den Gefeierten, sowie auch auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Als.die letzten Orgeltöne verklungen waren recitirte Obercantor Kohn, wohl tief ergriffen aber dennoch mit sonorer Stimme, einen von Herrn Professor Wilh. Ottenberg verfassten ״Mischeberach“, in welchem die Verdienste des Jubilars hervorgehoben wurden. Bei Einhebung der Thora widmete Herr Religions-Professor Jonas Krauß, als Stellvetreter des Oberrabbiners, bei offener Bundeslade dem Jubilar und seiner Familie ein ergreifendes Gebet. Nach beendigtem Gottesdienste erschien in der Wohnung des Jubilars eine Deputation des Cultusvorstandes und der Gemeindebeamten, u. zw. die Herrn Wilhelm Preisäch, David Weiß, S. N. Kohn, Obernotär Leopold Rosenberg, Obercantor Kohn, Professor Krauß, die Lehrer der israel. Schule M. Grünbaum und M. Eckstein, die Cantoren Brust und Heller, das Chorpersonal geführt von unserem trefflichen Organisten Kapellmeister Hößly, wobei die üblichen Ansprachen an den Jubilar gehalten wurden, die der Gefeierte mit von Rührung zitternder Stimme dankend erwiderte. Nebst sinnreichen Geschenken wurde im Namen vieler Verehrer und Freunde von der Solistin Fräulein Kugel ein Geld-Ehrengeschenk im Betrage von 500 Kronen überreicht, mit der Motivirung, dass der Jubilar ohnehin an diesem Tage mit diversen silbernen Lorbeerkränzen, Tactirstöcken, Pokalen rc. reichlich bedacht wurde. Sämmtliche Blätter der Hauptstadt Budapest anerkannten das Wirken des Jubilars, ja einige wie ״Politisches Volksblatt" und ״Magyar Genius" brachten auch gut getroffene Bllder und Biographien. Auch die hiesigen Tageblätter brachten schöne Artikel, Gedichte, unter welchen besonders das am Tage der Feierlichkeit erschienene herrliche Festgedicht des Herrn Lehrer Eckstein hervorgehoben zu werden verdient, das die Leistungen des Jubilars als Dirigent, Compomst und Lehrer der Musik in schwungvoller Weife pries.- Von Nah und Fern liefen über 100 Telegramme, Briefe und Ehrenadressen ein. Es ist unmöglich alle hier anzuführen, und darum sei mir gestattet, nur zwei Adressen besonders zu erwähnen. Eine von der Cantorenschule des Herrn Obercantor Bauer in Wien, unterfertigt von sämmtlichen Cantor-Eleven, sinnreich verfasst und in kalligraphischer Ausführung, die zweite von Herrn Obercantor Berger aus Baja in ähnlicher Form. Unser hochverehrter Oberrabbiner, Herr Dr. Rosenberg, der jetzt in Nizza weilt, sandte eine höchst sinnreiche hebräische Depesche folgenden Wortlautes: Asclire loch schekojamto arboim schono: oschiro ladonaj. Von einem Bankette, welches projecürt war, musste aus localen Gründen Umgang genommen werden, daher nur im Familienkreise ein opulentes Souper stattfand, welches bis in die späten NachtstundenÄvührte. Selbstverständlich wurde׳.! hiebei viele Toaste ausgebrächt, so auf -den Jubilar, auf seine liebenswürdige Tochter, Frau Barna, deren Gemahl Herrn Theodor Barna, Administrations-, und Bureauchef des ״Pesti Naplo", wie auch auf die Söhne des Jubilars Armin uud Sandor Grünzweig, die sämmtliche zu dem Jubiläum ihres Vaters aus Budapest erschienen waren. Die Ehren, die dem Jubilar von so vielen Seiten erwiesen wurden, ehren nicht nur ihn, sondern auch unsere Gemeinde und unsere Stadt, in welcher er seit 40 Jahren lebt und erfolgreich wirkt. Das Eine ist sicher, dass die hiesige Gemeinde seine Verdienste um die Veredlung des Gottesdienstes stets Hochhalten und in stetem Andenken bewahren wird. Diakvdar» den 7. März 1895. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde im Vereine mit der ״Chevra Kadischa" veranstalteten am 3. März l. I. "ז״ אדר eine dem Andenken unseres großen Lehrers Moses und gleichzeitig weiland Sr. k. u. k. Hoheit Erzherzog Albrecht geweihte Trauerfeierlichkeit. Aus diesem Anlasse waren der ״Aron hakodesch“ als auch der Altar schwarz drapirt. Dem Trauergottesdienste, welcher für 3 Uhr Nachmittags anberaumt war, wohnten nebst dem Gesammtvorstande und sämmtlichen Gemeindemitgliedern auch viele Notabilitäten bei. Nach dem üblichen Nincha-Gebet, welches von Herrn Ober- Cantor Josef Weißmann mit Chor und Orgel in erhebender Weise vorgetragen wurde, wurden von demselben auch die Psalmen 80 und 81 recitirt, worauf Herr Rabbiner Herman Sommer die Kanzel bestieg, um in einer ergreifenden, tiefempfundenen Trauerrede Züge aus dem Leben Moses und des unvergesslichen, jüngst verschiedenen Feldmarschalls zu schildern. Der Redner schloss mit dem Wunsche, der Allmächtige möge unser erhabenes Kaiserhaus ferner vor Leid und Kummer schützen. Rührend war es, als sich der greise Rabbi zum Zeichen der Trauer auf den Stufen der heiligen Lade niedersetzte, worauf Herr Obercantor Weißmann das ,.Dl mole rachamim“ in wahrhaft ergreifender Weise anstimmte, welches die Gemeinde leise mitbetete. Anr 1. April beginnt das IL Nuartak des heurigen Jahrganges und werden die geehrten Herren Abonnenten Zur Erneuerung des Nbonnements HWiMt eingekaden. Me Administration.

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