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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-03-21 · Heft 8 (21.3.1895) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr,M *־ Gesterreichisch-ttngarische Lantoren-IeiLung. Seite 5. ׳״:'. •v'S«־ Musik -er Allen ־; ... .״•; von R-ich ard Wintz e r... ... Aus der New-Uorker Staatszeitung mitgetheilt von׳ Rev. Osias Hochglück,. - ^, 7 - (früher Ober-Cantor in St. Gallen, Schweiz.);Allgemein leitete man im Alterthum den Urspnmg der Musik von den Göttern her, in Folge dessen sie auch als veredelnd und bildend, oft sogar als wunderwirkend angesehen wurde.' Schon das älteste Culturvvlk der Erde, die Inder, verehrten in ihrem obersten Gott ״Brahma" zugleich den Schöpfer der Musik und in seinem Sohn ״Nared" den Erfinder des nationalen Musikinstrumentes, der ״Vina". Ihrer göttlichen Herkunft gemäß schrieb man der Musik die wunderbarsten Wirkungen zu; eine Weise, zum Beispiel, hatte zur Folge, dass der, welcher sie anstimmt, vom Feuer verzehrt würbe; eine andere vermochte die Sonne zu verfinstern, eine dritte Regen hervorzubringen rc. Diese Phantastik der Anschauungen bewirkte auch, dass es die Inder ׳nie zu einem abgeschlossenen, für musikalische Production' aüsreichendeit System brachten, das der weiteren Entwickelung fähig gewesen wäre. Hingegen schwelgten sie in einem Meer von Intervallen und Tonarten, welche sich nach Mittheilungen des Musikgelehrten ״Soma" auf circa 960, der Säge nach sogar 16.000 beliefen! Eine stattliche Zahl, wobei allerdings erwähnt werden muß, dass man im Alterthum alle durch Vertiefung oder Erhöhung von Tönen entstandenen Barianten als ״Tonarten" bezeichnete. — Eine Eigenthümlichkeit, die unserem modernen Ohre unverständlich, besaß die Musik sämmtlicher alten Völker, nämlich in der Verwendung von Vierteltönen. Wie unsere heutige Octave aus zwölf Halbtönen besteht, so theilte man diese im Alterthum noch fast alle, so dass Lei den Indern an zweiundzwanzig Halbtöne auf die Octave kamen. Erzielten sie einerseits dadurch einen großen Reichthum an melodischem Material, so vermochte sie anderseits, wie erwähnt, aus dieser in kleinliche Theile ausgehenden Masse kein System zu entwickeln, aufdem logisch hätte weitergebaut werden können. Auch den sonst so klugen Chinesen gelang es nicht, die Musik auf eine ihrer hohen Cultur angemessene Stufe zu heben. Dazu fehlte ihnen namentlich die Phantasie, das wichtigste Erfordernis für künstlerische Entwickelung. Trotzdem aber nahm die Musik im öffentlichen Leben eine hervorragende Stellung ein, ja man betrachtete sie geradezu als Förderin der Sittlichkeit. Der weise Confuzius (500 v. Ehr.) selber behauptete, um zu erfahren, ob ein Land gesittet und gut regiert sei, müsse man seine Musik hören. Der ganze conservative Geist des Chinesen, der sich auf allen Gebieten als Hinderungsgrund für höchste Entfaltung unangenehm bemerkbar machte, war auch dem Aufschwung ihrer Musik in hohem Grade entgegen. Jeder Fortschritt galt als schlimmstes Vergehen, und ein Aufgeben hergebrachter Formen glich in den Augen der Richter einem Abfall von! ״Wahren״. So war es bis ins 16. Jahrhundert (n. Ehr.) hinein z. B. nicht möglich, die uralte chinesische, nur aus fünf Tönen bestende Scala zu ergänzen und die fehlende Quarte und Septime hinzuzufügen. Selbst dem im nämlichen Jahrhundert an der Spitze der musikalischen Fortschrittspartei stehenden chinesischen Prinzen Tsai-Iu, der als Musikgelehrter anerkannt ist, gelang es nicht, den Widerstand zu brechen. In ganz ähnlicher Weise gestaltete sich auch das Geschick der Musik bei den künstlerisch noch weit begabteren Aegyptern. Hier war es eine Jahrtausende hindurch im Geheimen wirkende Priesterkaste, welche der Kunst die Wege vorzeichnete, die sie unbedingt zu gehen hatte; d. hr mit anderen Worten:׳ sreaufhielt. Gewisse, stets zu wiederholende Typen waren" geboten, niemand durste wagen, daran zu ändern. So berichtet Platon im vierten Jahrhundert vor Christi von den Aegyptern, ״dass man dort gute Musik und schöne Formen wohl zu schätzen wisse, dass aber diese Formen von ihren Priestern bestimmt, würden, und dass es weder Malern, noch Musikern oder irgend welchen anderen Künstlern gestattet sei, von den einmal als schön erkannten Mustern im Geringsten abzuweichen. Natürlich hatte dieser Zwang zur. Folge, dass die vor 10.000 Jahren gesch affinen Kunstwerke nicht im Mindesten in ihrem Werthe oder in Art und Weise ihrer Auffassmtg von den zu seiner Zeit entstandenen abwichen." Und doch hatte die Musik bei den Aegyptern viel zu bedeuten, man ersieht es noch heute aus den-zahlreichen bildlichen Darstellungen von Sängern und Spielern, oft auch ganzen Chören und Orchestern. Dazu war die Verschiedenheit der Instrumente eine große, und die reichbesaitete Harfe lässt aus iippige Klangwirkung der ägyptischen Musik schließen. Zn der Vielseitigkeit ihrer Darstelküngsmittel stand aber der geistige Inhalt keineswegs im Verhältnis; was eben in dem starr conservativen Sinn der bestimmenden .Priesterkaste seinen hinreichenden Grund hatte. - - Wenn Aegypten in der Musik, durch ein ungünstiges Geschick gehindert, auf dem halben Wege der Entwickelung stehen blieb, so gebührt ihm doch das Verdienst, den großen Cultur- Völkern des Alterthums, den Hebräern und den Griechen, die Wege zum höchsten Ziel gewiesen zu haben. Leider besitzen wir keinerlei Ueberlieferungen, weder schriftliche, noch etwa solche aus den Monumenten der alten Hebräer, und sind daher lediglich auf Vermuthungen über ihre Musik angewiesen. Selbst die im alten Testament verzeichneten Angaben über musikalische Einrichtungen und Instrumente bieten hier keinen genügenden Ersatz. Doch aber lässt sich mit Sicherheit eine hohe Bedeutung der hebräischen Musik annehmen, sprechen doch auch die Psalmen David's dafiir, von denen Herder sagt: ״Sie sind vom Geist der Tonkunst so durchdrungen, dass sie in jedem ihrer Glieder Jubel und Klang gleichsam mit sich führen." Um so mehr ist es zu bedauern, dass es dem Historiker nicht gelingen will, das Dunkel zu lichten, die Hilfsmittel sind eben zu geringe. (Schluss folgt.) Wien, den 20. März 1895. Der dritte Sohn des Herrn Baron Albert von Rothschild, Louis Nathaniel, feierte Samstag, den 16. März in der Seitenstettensynagoge seine Bar-mizwoh. Zum feierlichen Acte fanden sich außer dem Vater auch die beiden älteren Brüder des Bar raizMvb, sowie der Vice- Präses der Cnltusgemeinde, Herr Gustav Simon, Herr Dr. Steiner, Herr Dr. Stein und die Herren Bethausvorsicher Adolf Stiassny, Dr. Spitzer und Moyses u. A. ein. Der Confirmand, Baron Louis Nathaniel, wurde nach der Väter Sitte zur Thora gerufen und recitirte die Bloches und die ziemlich umfangreiche Hafthara mit lauter stimme in verständnisinniger Weise, worauf'Herr Obercantor Singer den üblichen Mischeberaeh recitirte und Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann in deutscher Sprache die Einsegnung vornahm. Der Vater, Herr Albert Freiherr von,Mothschild, spendete bei dieser Gelegenheit 2000 Gulden für äwohlthätige Stiftungen. Mittags 12 Uhr fand im Palais in der Heugaffe ein Diner zu 25 Gedecken statt, zu welchem der Onkel des Bar mizwob, Herr Nathaniel Freiherr von Rothschild, erschien und außer den

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