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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-03-11 · Heft 7 (11.3.1895) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 7 (11.3.1895)
Date
1895-03-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 7. Wir sind keine Mathematiker, auch stehen Mts nicht die Daten zur Verfügung, welche dem österreichischen Vereine als Basis der Berechnung dienten. Doch scheint es uns als sehr problematisch, dass ein winziger Verein im Stande wäre, einen Fond auszubringen, aus welchem die Pension für viele Tausende eines Beamtenstandes fließen könnten, deren Lebens- und Dienstverhältniße nichts weniger als geordnet sind. Angenommen, dass sich tausend Cautoren finden, welche jährlich 50 fl. diesem Zwecke opfern, und angenommen, dass in den ersten zehn Jahren keine Pension ausgefolgt wird. Wie viel könnte im elften Jahre von Seite des Pensionsfond es zur Unterstützung von nur 100 Mitgliedern verwendet werden, welche mittlerwelle dienstunfähig geworden sind? Gesetzt den Fall, dass der Fond während dieser Zeit auf 00.000 fl. angewachsen wäre, genügen die 4<>/v-igen Interessen hievon, also 2400 fl. um 100 Pensionisten jährlich 150 fl. oder gar 400 fl. zuwenden zu können? Hiezu sind 15.000 bis 40.000 fl. jährlich notywendig. Es müssten also die laufenden Einzahlungen mit in Anspruch genommen werden. Wie aber, wenn neue Mitglieder sich nicht melden, ja sogar viele bisherige, weil die hohen Gebühren unerschwinglich geworden, nach und nach ausbleiben u. s. w. Welche Garantie bietet der österreichische Cantorenverein dafür, dass er stets in der Lage sein wird, seine übernommenen Pflichten pünktlich zu erfüllen? Und in erster Reche, welche Behörde wird dieses problematische Unterfangen sanctioniren? Wir glauben hiemit genug gesagt zu haben, um unser hierländischen ist. Cultusbeamten zu warnen und hoffen, dass dieser unser Mahnruf seinen Zweck nicht verfehlen wird." Der citirte Artikel verfolgt augenscheinlich den Zweck, ungarische Gemeinden und Cultusbeamten vom Anschluss an die vom österr.-unger. Cantoren-Verein projectirte Pensionscasse zurückzuhalten, darum wird der Titel des Cantoren-Vereines absichtlich verkürzt, darum der Appell an den ungarischen Patriotismus und darum muß auch schließlich die Richtigkeit der umthematischen Grundlage der Pensionscasse angezweifelt werden. Wenn der geehrte Autor über die Wirksamkeit des Cantoren- Vereines so genau orientirt ist, so müsste er doch auch wissen, dass derselbe seit seinem mehr als zehnjährigem Bestände fast die Hälfte der Unterstützungen ungarischen Cantoren zu Theil werden ließ und dadurch seinen Namen als ״öfterreich.- ungarischer Cantoren-Verein" vollauf gerechtferügt hat. Was hat ferner collegiales Zusammenwirken und das Streben nach Verbesserung der materiellen Lage unter den jüdischen Cultusbeamten mit dem Patriotismus zu thun? Haben wir jemals darnach gefragt, ob ein nothleidender College dies- oder jensells der Leicha angestellt war, wenn er oder seine Angehörigen an die Hilfe des Cantoren-Vereines appellirten? Und wenn die Annahme einer Jnvaliditäts- oder Witwenunterstützung aus den Fonds unseres Vereines bisher nicht für unpatriotisch galt, so kann auch der Beitritt zur Pensionscasse nicht vom Standpunkte des Patriotismus beurtheilt werden, umsoweniger als unseres Wissens eine Pensionscasse für jüdische Cultusbeamte in Ungarn nicht besteht. Solche Auswüchse des Chauvinismus erscheinen geradezu lächerlich, und wir würden gegen Windmühlen fechten, wollten wir uns länger mit denselben befassen. Lassen wir sie also ruhig bei Seite und wenden wir uns den weiteren Argumenten des geehrten Artikelschreibers zu. Herr Dr. T. gesteht selbst ein, dass er kein Mathematiker ist. Wir glauben ihm dies austs Wort, denn bei seinem eigenen Rechenexempel ist ihm ein kleiner Jrrthum von 540.000 fl. in der Kapitalsberechnung ünd21.600 fl. in der Zinsenberechnung unterlaufen. Wird der Fehler richtiggestellt, so fallen alle aus dem falschen Resultate gezogenen Schlüsse in Nichts zusammen. Mit derselben Oberflächlichkeit scheint nun auch Herr Dr. T. die mathematische Grundlage der Pensionscasse geprüft zu haben, und er konnte demgemäß leicht zu einem abfälligen Urtheil gelangen. Hätte er aber die von uns aufgestellten Berechnungen genau untersucht, so wäre er sehr bald zu der Ueberzeugung gelangt, dass alle Deductionen auf streng wissenschaftlicher Basis ruhen und jedem, selbst fachmännischen Einwande standhalten. Zum Schluffe wird noch die Behauptung aufgestellt, dass sich kaum eine Behörde finden wird, die einem solchen ״problematischen Unterfangen" die Sanction ertheilen würde. Diesbezüglich möge der geehrte Autor vollkommen beruhigt sein. Die von uns projectirte Pensionscasse beruht, wie wir ausdrücklich erklärt haben, auf dem Hilfscassengesetz vom Jahre 1892, und da allen Anforderungen dieses Gesetzes Genüge geleistet wurde, ist die behördliche Genehmigung über jeden Zweifel erhaben. Nur derjenige, der sich die Mühe nimmt, das citirte Gesetz, sowie das vom k. k. Ministerium des Innern herausgegebene Musterstatut zu studieren uud mit unseren Aufstellungen zu vergleichen, wird einen richtigen Einblick in die gewiss schwierige Frage erhalten, dann wird er aber auch zu der Ueberzeugung kommen, dass der Vorstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines mit jenem Ernste an die Gründung der Pensionscasse geschritten ist, wie er von gebildeten und charakterfesten Männern in einer so wichtigen Angelegenheit vorausgesetzt werden muß. In diesem Bewusstsein müssen wir auch mit aller Entschiedenheit den Ausdruck zurückweisen, dass der Cantoren-Verein einen ״Lockruf" an die Collegenschast ergehen ließ. Die Männer, welche an der Spitze dieses Vereines stehen und demselben uneigennützig ihre Dienste widmen, haben es nicht nothwendig. Lockrufe auszustoßen, denn ihre Zukunft ist vollkommen gesichert. Wenn sie trotzdem, unbeirrt durch alle Anfeindungen, für das Zustandekommen der Pensionscasse eintreten, so geschieht dies lediglich im Interesse der Gesammtheit der jüdischen Cultusbeamten, deren Wohl und Wehe ihnen am Herzen liegt. Was wir versprechen, das werden wir auch halten. Niemand soll verführt, niemand verlockt werden, und wer sich nicht freiwillig und im vollsten Bewusstsein, seinem eigenem Interesse zu dienen, dem österr.-ungar. Cantoren-Verein anschließt, der möge nur fein zu Hause bleiben, die Zukunft wird schon lehren, ob er recht gethan hat. Der geehrte Autor des Artikels im ״Ungar. Israelit" beklagt sich mit vollem Rechte über den unter den jüdischen Cultusbeamten herrschenden Jndifferentismus, aber viel ärger als Jndifferentismus ist das Bestreben, ein gemeinnütziges Werk, das einen großen Kreis von Berufsgenossen einer glücklichen Zukunft entgegenführen soll, durch Entstellung und Verunglimpfung zu stören. Solchem Beginnen, das gemeiniglich mit einem sehr harten Ausdrucke bezeichnet wird, werden wir jederzeit entgegentreten, und wir hoffen, dabei auch die Unterstützung aller gutdenkenden collegialen Kreise zu finden. Eine Lücke auf synagogalem Gebiete. Wer sich heut' zu Tage anschickt, auf dem Gebiete des Synagogen-Gesanges etwas Neues zu schaffen, dem dünkt es

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