Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 6 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-ZeiLung. Seite 5 seinen gegenwärtigen Posten verlässt, werden wir in nächster Nummer beantworten. Für heute sei nur bemerkt, dass auch diesbezüglich in den Statuten genaue Bestimmungen enthalten sein werden. Sprechen und Singen. Die Ausbildung der Kinderstimme. Wenn mit Nutzen gelehrt werden soll, so muss der Unterricht individualisieren, d. h. er muss auf einem sorgfältigen Studium der Eigenschaften der einzelnen Sttmme gegründet sein. Eine Sir masse Stimmausbildung hat so wenig Sinn wie die Universalmittel, die gegen alle Krankheiten helfen sollen. Bei einer Anzahl von Stimmen ist es sehr wichtig, dass man sie anhält, nur innerhalb ihres natürlichen Umfangs zu singen. Wenn aber ein Haufen von Sängern beisammen ist. so wird sich die Neigung, einander zu überbieten, geltend machen und I dann wird bald in die Wette geschrieen und getrillert. Daraus entsteht dann ein großer Wettkampf, aus dem derjenige als Sieger hervorgeht, der am lautesten schreien kann. Das ist sogar bei den Kirchenchören der Fall, bei denen das ernstliche Bestreben, die Stimmen zu bilden, vorhanden ist und bei denen die Lehrer in jedem Falle musikalisch sind. Die Erfahrung, dass aus den Kirchenchören selten gute Sänger hervorgehen, hat sich so oft bewährt, dass gegen einen Sänger, der im Kirchenchor ausgebildet ist, von vornherein schon ein in gewisser Weise berechtigtes Vorurtheil besteht. Der erste Gedanke einem Kirchenschüler gegenüber besteht in dem neutestamentarischen Wort: Was kann Gutes kommen von Nazareth. Da!chon die Ausbildung im Kirchenchor so mangelhafte Resultate liefert, so ist dieses natürlich noch mehr von solchen Anstalten zu erwarten, die auch die Vorzüge des ersteren nicht theilen. Der Gesangunterricht in den Volksschulen und anderen gemeinsamen Lehristituten, ob er nun nach dem ״Tonie Sol Fa System'•‘ geleitet wird, ist zweifellos ganz geeignet, den Schülern die musikalischen Grundbegriffe beizubringen, ist aber für die höheren Stufen der Stimmausbildung gänzlich ungeeignet, da die meisten Lehrer hierfiir weder die nöthigen Kenntnisse noch die erforderliche Geschicklichkeit besitzen. lieber das Alter, in welchem die Stimmausbildung beginnen soll, herrscht große Meinungsverschiedenscheit. Große Autoritäten auf diesem Gebiete haben sich dafiir ausgesprochen, mit der Ausbildung, besonders bei Mädchen, erst nach vollendeter Reife zu beginnen. Manche Lehrer verweigern es über- Haupt, Schüler vor jener Lebensperiode anzunehmen. Der daftir angeführte Grund ist die Anschauung, dass eine zu frühzeitige Ausbildung durch Uederanstrengung des noch kindlichen Organs dauernden Schaden bringt und dass auch der Gesammtorganisums durch die Ueberbürdung benachtheiligt wird. Um die Fragen! richtig beurtheilet! zu können, muss man über den Begriff der ״Ausbildung" sich vorher verständigen. Einem Kinde musikalische Kraftproductionen zuzumuthen, die von Erwachsenen nur mit Anstrengung bewältigt werden, würde ebenso lächerlich sein, als wenn man dasselbe aufforderte, an einem Preiskegeln oder bei einer Regatta sich zu betheiligen. Ich kann indes nicht einsehen, weshalb nicht bis zu einem gewissen Grade mit einer Stimmschulung schon im fünften oder sechsten Jahre, oder vielleicht noch früher begonnen werden könnte. Allerdings soll das Sprichwort: Quid valeant humeri ferre recusent nie außer Acht gelassen werden. Kleine Liedchen, die keinen zu großen Tonumfang haben, dürfen gerne gesungen werden und auf diese Weise das Zusammenwirken des Ohres mit den Kehlkopfmuskeln (das Gehör ist das Gewissen der Stimme) schon frühzeitig ausgebildet werden. Das geschieht am besten dadurch, dass man! jede falsch gesungene Note sogleich tadelt und verbessern lässt.! Zu dieser Zeit hat man auch mehr Aussicht, Rauheit der Kamienez Podolski in ein Regiment gesteckt, das noch dazu im fernen Lithauen lag. Dies alles gieng Monderisch beim Lagerfeuer durch den Sinn, und er fragte sich immer wieder, ob er es wagen sollte, das große Geschäft mit den hundert Gewehren zu machen oder nicht, denn hundert mußten es sein, und endlich sagte er: ״Ja, mein lieber Monderisch, du thust es, aber mit Vorsicht." Am nächsten Tag rückte das Regiment wieder in die erste Linie, und abends kam Monderisch auf Vorposten. Am Morgen meldete er sich bei dem Obersten und brachte ihm das erste türkische Gewehr und die erste wohlgefüllte Patronentasche. ״Wie hast du das gemacht?" fragte der kaukasische Held erstaunt. ״Fragen Sie mich nicht, goldener Herr Oberst", erwiderte Monderisch ״dann werde ich bringen noch mehr." ״Hier, deine fünf Rubel!" ״Ich bitte, Herr Oberst, sie zurückzulegen für mich, bis das Hundert voll ist." ״Was? Du wirst hundert Gewehre bringen?" ״Zu Befehl, Herr Oberst." Am nächsten Morgen brachte Monderisch gleich drei Gewehre auf einmal. ״Mehr konnte ich nicht tragen" sagte er, ״sonst hätte ich noch mehr gebracht." Und so gieng es jetzt fort. Jede Nacht verschwand Monderisch, und jeden Morgen brachte er mindestens ein Gewehr; in der Regel aber mehrere, sammt den gefüllten Patronentaschen, so dass der Oberst die Mannschaften, die den Vorpostendienst versahen, rasch mit den weittragenden Gewehren ausrüsten und die Türken mehr und mehr in achtungsvoller Entfernung halten konnte.. Als das Hundert voll war, bat Monderisch den Obersten, ihm jetzt die Hälfte der Summe auszahlen zu wollen. ״Warum gerade die Hälfte?" fragte Bakschiroff, dem die Sache mehr und mehr auffiel. ״Das ist ein Geschäftsgeheimnis", erwiderte Monderisch. Der Oberst gab ihm die zweihundertundfünfzig Rubcl. ließ ihn aber fortan durch den Korporal Wisnoski, der ein schlauer Kleinrusse war, beobachten. Nach einigen Tagen erstattete dieser eine Meldung, die den Obersten nur noch neugieriger machte und ihn veranlasste, Monderisch sofort scharf ins Verhör zu nehmen. ״Du tödtest wohl jedesmal einen oder mehrere Türken?" begann er. ״Nein, gnädiger Herr Oberst, ich habe noch keinen getödtet." ״Gut, dass Du die Wahrheit sagst", fuhr der Oberst fort, ״wie heißt also der Mann, der Dir die Gewehre liefert?" Monderisch schwieg einen Augenblick, dann zog ein ganz reglementswidriges Lächeln über sein schalkhaftes Gesicht. ״Da sie es schon wissen, gnädiger Herr Oberst, so kann ich ja die ganze Geschichte erzählen." ״Also!" ״Wie ich bin gegangen in der ersten Nacht", berichtete Monderisch, ״mit klopfendem Herzen zu holen ein Gewehr. Hab" ich gebetet zu Gott, mich finden zu lassen einen Türken, der eingeschlafen war. Gott hat es aber noch besser gemacht. Plötzlich steht ein Türke vor mir und zielt auf mich und ich — ich ziele auf ihn — da sprechen wir beide zu gleicher Zeit den Na men Gottes auf Hebräisch aus und wir setzen beide die Mordgewehre ab. (Schluss folgt.)