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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-03-01 · Heft 6 (1.3.1895) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 6 (1.3.1895)
Date
1895-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. *Kr. (5. sich birgt, können wir durchaus nicht theilen. Jeder Cultusbeamte | wird, so ist weingstens der logische Gedaukengang, den Eintritt der Invalidität so weit als möglich hinauszuschieben suchen, da die Invalidität doch immer den Verlust oder, im Falle der Pensionirung, die Reduction des Einkommens mit sich bringt. Der Eintritt der Invalidität, namentlich der vorzeitige, ist als ein Unglück zu betrachten, und derjenige, der nur ein Amt versieht, kann von diesem Unglücke leichter betroffen werden, als derjenige, der mehrere Aemter bekleidet. Der erstere wird schon bei Versagung einer Fähigkeit berufsunfähig, dem letzteren ist in diesem Falle noch die Möglichkeit gegeben, die übrigen Functionen zu versehen und weiter activ, d. h. bei größerem Einkommen zu bleiben. Um jedoch dem vom Collegen Lamm geäugten und in manchen Gemeinden geübten Mißbrauch vorzubeugen, könnte die Bestimmung getroffen werden, dass die durch chellweise Invalidität bedingte Gehaltsreduction nur bis zu einer gewissen Grenze stattfinden kann, und wenn diese überschritten ist, ist der Betreffende als invalid zu betrachten und hat Anspruch auf die Invaliditäts-Pension. Den Hinweis auf die Concurrenz der Versicherungsgesellfchasten braucht die Pensionscasse nicht zu fiirchten. Ein Vergleich unserer an leitender Stelle veröffentlichten Tarife mit Len Tarifen jedweder Versicherungsgesellschaft beweist den Vor- Heil zu Gunsten der Pensionscasse. Bleiben wir bei dem vom Collegen Lamm angeführten Beispiele. Wenn sich ein 35 jähriger Mann bei der ״Equitable" auf eine nach 25 Jahren zu beziehende Pension von 300 fl. versichern will, so zahlt er jährlich fi. 51.03. Versichert er sich aber bei der Pensionscasse auf die Maximalpension von 400 fl., so bezieht er nach 25 Jahren im Falle der Invalidität nahezu die gleiche ׳Pension wie bei der ״Equitable", bezahlt aber hiefür nur fl. 34.32 jährlich, also um fl. 10.71 weniger. Dabei hat er noch den Vortheil, dass er, im Falle die Invalidität schon nach 10 oder 15 Jahren Monderisch. Novellette von Leopold Sacher-Masoch. Aus dem New-Uorter Herold mitgetheilt von Nev. Osias Hochglück (früher Obcrcantor in St. Gallen, Schweiz.) Das Leben für den Zaren ist eine sehr schöne Arie, aber wäre dem Zaren gedient, wenn alle seine Soldaten für ihn das Leben hingeben würden? Ist es nicht besser, wenn sie sich für ihn am Leben erhalten? Die Lebenden sind es, welche die Siege gewinnen, und nicht die Todten. Ist es also nicht weiser und sogar patriotischer, ün Kriege am Leben zu bleiben? So dachte Monderisch, der Sohn des Abraham Edelstein aus Kamienez Podolski, als er in den türkischen Krieg zog. Er schien kein Held zu sein, und doch war er eigentlich nicht feige. Wenn es bei einem Brande zu löschen, bei einer Ueberschwemj mung Menschen retten galt, hatte er sich niemals besonnen. Er war muthig unter Umständen und unter Umständen ein Held, aber ein kluger Held. Seit einiger Zeit stand die Armee am Lom dem Feinde fast unthätig gegenüber. Es gab nur Vorpostengefechte und Leme Reiterscharmützel. Monderisch gefiel diese Art Kriegführung ausnehmend gut. ״Wir haben einen guten General," pflegte er zu den Kameraden am Lagerfeuer zu sagen, ״Wenn die Türken einen ebenso guten haben, da kommt es niemals zueiner Schlacht." Jedoch eines Tages, beim Appell, verkündete Oberst Bakschiroff, dass er entschlossen sei, diesem Zustand ein Ende Zu machen und seine Soldaten mit türkischen Gewehren zu verscheu. ״Wer wie?" fragten die Offiziere, die ihn staunend ansahen. ״Schr einfach", sagte der Oberst, ״jeder Soldat, der mir ein türkisches Gewchr und eine Patronentasche nebst Munition bringt, bekommt von mir fünf Rubel." eintritt, ohne weitere Einzahlungen auch eine Pension bezieht, während er bei der Versicherungsgesellschaft vor 25' Jahren gar nichts erhält. Der Vortheil, dass er nach 25 Jahren in jedem Falle die Pension bezieht, ob er invalid ist oder nicht, fällt nicht besonders in die Wagschale, da er ja, so lange er berufsfähig, auf die Pension leichter verzichten kann. Auch bei der Witwenversorgung auf fl. 1000 hat die Pensionskasfe günstigere Bedingungen. Bei der Pensionskasse zahlt der 35 jährige zu diesem Zwecke fl. 21.52 jährlich, bei der ״Equitable" jedoch fl. 26.38. Beide Versicherungen zusammengenommen bietet ihm die Pensionskaffe eine Ermäßigung von fl. 21.57 jährlich. Wie weit die strenge mathematische Grundlage eine Garantie bietet, ist bereits an leitender Stelle bemerkt worden, hier sei nur angeführt, dass der Hinweis auf den böhmischen Lehrerverein nicht stichhältig ist. Ein von dem genannten Vereine publizirtes fachmännisches Urtheil gesteht selbst ein, dass die bei der seinerzeitigen Gründung aufgestellte mathematische Grundläge eine ungenaue ist und dass darum die stipulirten Pensionen nicht ganz ausgezahlt werden konnten. Heute sind die diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen viel strenger und wir sind überzeugt, dass mit dem gegenwärtigen Statut des böhmischen Lehrervereines ein Pensionsfond von der Regierung nicht bewilligt würde, u. zw. weil die mathematischen Berechnungen den Ansprüchen einer Pensionskasse nicht entsprechen. Die Anregung bezüglich des Gründungsfondes, die wir selbst schon in früheren Publicationen in Erwägung gezogen, verdient jedenfalls vollste Beherzigung. Die Ausführungen und Wünsche des Herrn Rabbiner Dr. Unger in Jglau, sowie des Herrn Rabbiner Dr. Jordan in Fogaros finden in dem Leitartikek der heutigen Nummer, sowie in den obigen Auseinandersetzungen eingehende Berück- | sichtigung. Die Frage des Letzteren, welche Bestimmungen für I den Fall getroffen sind, wenn einer der versicherten Functionäre Als die Soldaten wieder im Biwak lagen, da überlegte ein jeder, wie er sich am besten ein türkisches Gewehr verschaffen könne. Mehr als alle anderen brütete Monderisch darüber. Das Gewehr war ihm Nebensache, aber die fünf Rubel! Zehn Gewehre fünfzig Rubel, hundert Gewehre fünfhundert Rubel, ein kleines Vermögen. Damit konnte man schon etwas anfangen, ein Geschäft. Er träumte weiter, und neben dem Gewehr und den fünf Rubeln erschien jetzt ein schönes Mädchen in einer Pelzjacke, Lewa Davidowitsch, die Tochter eines reichen Vieh- Händlers in Kamienez Podolski war. Dieser Viehhändler war der Unstern, der über Monderisch schwebte, der nur ein armer kleiner Handelsmann gewesen war. Monderisch und Lewa liebten sich. Aber als Monderisch's Väter, der würdige Araham Silberstein den ״Schadchen" Wolf Veigelbaum zu dem reichen Davidowitsch sandte, erklärte dieser 1 dem verblüfften Schadchen, er bemühe sich umsonst, niemals werde er seine Tochter einem armen Schlucker zur Frau geben, der nicht einmal edler Abkunft sei. Ja. wenn es noch einer vom Stamme Levi wäre, wie er selbst, oder ein Talmudgelehrter, aber so — niemals! Monderisch ließ seine Nase, die ohnehin nicht allzu kurz gerathen war, noch länger hängen, aber Lewa sprach ihm Muth zu. Sie werde auf ihn warten, gelobte sie ihm, bis er sich ein kleines Vermögen erworben haben werde. Gerson Davidowitsch dagegen hielt es für besser, der ganzen Sache gleich ein für allemal ein Ende zu machen. Ein paar gute Worte, ein paar noch bessere Flaschen alten Tokayers und ein paar von den besten Rubelscheinen thaten bei dem Polizeimeister ihre Schuldigkeit, und eines Tages wurde Monderisch unter lautem Wehgeschrei sämmtlicher Edelsteine und der mit ihm verwandten Silbersteine, Goldberge und Bernsteine von

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