Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 5 (13.2.1895)
- Date
- 1895-02-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. Vesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite ». nicht 'verschwendet"oder 'unnütz aitsgegeben wird. Nur das gerade ftirdie betreffende Leistling, nöthige Quantum soll verwendet werden: Ein zu starker Luftstrom erhöht den Ton über Gebühr, demmuß.dann wieder durch eine besondere MnsielzusamMenziehung im Kehlkopf entgegengearbeitet werden und dies erfordert natürlich eine sonst unnöthige Anstrengung. Oder der Luftstrom wird mit solcher Schnelligkeit ausgestoßen, dass etwas von demselben ׳ hindurchgeht, bevor die Stimmbänder. den nöthigen Schluss ״ haben, oder aber der Luftstrom ist so stark, dass er die Stimmbandränder auseinander drängt. In beiden Fällen wird Kraft verschwendet. Außerdem' verliert der Ton an Glanz und Fülle. Der richtige Absatz, d. h. das genaue Zusammentreffen des aufsteigenden Luststromes mit der Einstellung der Stilnmbänder ist eine sehr wichtige Sache. Weder Bücher noch Anatomie können ihn lehren; der einzige Führer ist der von einem richtigen Lehrer geleitete Muskelsinn. Der Muskelsinn ist das uns innewohnende Gefühl von der Stellung unserer Gliedmaßen. Er hat seinen Sitz in den Muskeln und darf nicht mit dem Ge- . sühlssiun verwechselt werden, der seinen Sitz in der Haut hat. Frau Seiler warnt mit Recht davor, die Stimme bis zu dem äußersten Punkt ihrer Leistungsfähigkeit auszubilden, weil bei. diesem die Lungen ganz übermäßig angespannt sind, so dass der Luftstrom gewissermaßen wie aus der Kanone geschossen herauskommt. Sie glaubt vielmehr, dass ans ein gutes Pianosingen mit besonderer Berücksichtigung der Reinheit und Weichheit des Tones in erster Linie geachtet werden muß. Hiedurch wird sowohl die Herrschaft über die Stimme befestigt, als auch den Beschädigungen derselben am besten vorgebeugt. Die Physiologie lehrt uns, dass die Muskeln, um den höchsten Grad ihrer Leistungsfähigkeit zu erlangen, eine Zeit lang bis zur vollen Anspannung geübt werden müssen. Nach 'der Tradition war in diesem Sinne auch die ursprüngliche 'Methode der alten Italiener. Die Physiologie hat hier dem Lehrer keine neue Methode gegeben aber sie hat das Verdienst . die Richtigkeit der vorhandenen theoretisch erwiesen zu haben. - Das Athmen soll unter Controle stehen und so vollkommen zur Tonbildung allein verwendet werden, dass eine vor dem Sänger stehende Kerze während des Singens nicht flackert. Dieser Ver- .such ist zugleich die beste Probe, ob die Stimme und der Athem . in richtiger Weise verwendet wird. Gareia hat die Wichtigkeit ' dieser Methode ganz besonders betont. Vielleicht ist er der Begründer derselben. Ein, anderer Gegenstand, der große Auftnerksamkeit er- - fordert, ist die Art und Weise, wie der austretende Luststrom : durch den Mund dirigiert wird. Er muß gegen das Dach der Mundhöhle dicht hinter der oberen Zahnreihe geworfen werden und von hier aus scharf und rein nach außen ricochettieren. Wenn ich das sage, will ich keineswegs mit den Gesanglehrern rivalisieren, die allen Ernstes ihren Schülern ratheu, ihre Stimmen so herauszuspritzen, als wenn der Hinterkopf eine Spritze wäre oder sie aus der Nasenwurzel oder gar aus dem Unterleib herauskommen zu lassen. Die Sänger selbst haben das Gefühl, dass sie bis zu einem gewissen Grade den Luftstrom dirigieren können, und dieses Gefühl kann durch Uebuug noch verfeinert werden. Vollkommen ist die Kunst des Athmens erst dann erlernt, wenn sie vollständig automatisch ist. Ich habe verschiedene Dilettanten gesehen, die. aus lauter Pflichtgefühl fortwährend nur daran dachten, ihre von ihren Lehrern für das Athmen gegebenen Regeln auch recht genau zu befolgen, inzwischen aber den eigentlichen Zweck, das Singen, vollständig vergessen hatten, so dass man statt einer kimstlerischen Gesangsleistung nichts als nervöses Zistern und einen mechanischen Singsang zu hören bekam. ' Alle Muskeln, die nicht direkt cm der Stimmbildung be- Lheiligt sind, sollen sich so wenig als irgend möglich bewegen. Die hässlichen Verzerrungen des Gesichts, das Verdrehen des Halses, das Anschwellen der Adern find entweder hässliche Gewohnheiten oder Zeichen, dass dem Organ eine seine Kräfte übersteigende Leistung zugemuthet ist. Vollkommene Beherrschung der Kunst zeigt sich bei jeder Dache an der Leichtigkeit und Grazie und dem Fehlen unnöthiger Bewegungen und Kraftanstrengungen bei der Ausführung. Der ungeübte Billardspieler hält das Queue krampfhaft fest, als ob er in beständiger Furcht sei, dass man es ihm entreiße, und der Neuling im Violinspiel streicht die Saiten so kräftig, als ob er statt des Bogens eine Schuhbürste hätte und Stiefel wichste. Das Gefühl der Ermüdung im Hals stellt sich stets ein, wenn die Stimme in imgeeigneter Weise gebraucht wird, besonders aber bei der Benutzung eines verkehrten Registers. Dieses Gefühl entsteht wahrscheinlich durch übermäßige Zusammenziehung oder sebft durch leichten Krampf der Rachenmuskulatur. Dieses Ermüdungsgefühl kann sich auch über die Production des ganzen Stimmuinfanges erstrecken. Es vermindert die Reinheit des Tones und kann auch die Präzision des Stimmanfatzes benehmen, da es die genaue Einstellung des Resonators verhindert. Regelmäßige Uebungeu in der Mittelstimme und des Pianogesanges mit mäßigem Anschwelleu des Tones sind die besten Mittel, um diesen Mangel zu beseitigen. Von Wichtigkeit ist es, dass die Uebuug gleich beendet, wird, sobald sich das Ermüdungsgefühl einstellt. Offener Sprechssal. Tab, 1. Februar 189». Hoch geehrter Ber einsvo r st and! Der jüngst vom hochgeehrten Vereinsvorstande an Cantoren und sonstige Cultusbeamte ergangene Aufruf behufs Beitritt zur Pensionscasse liegt mir vor, und nachdem ich denselben durchgelesen habe, drängt sich mir die folgende Frage aus: Wie wird es, da der Verein sich nun zur Pensiouscassa eonstituirt, mit denjenigen bestellt sein, die seit einer Reihe von Jahren dem Vereine als Mitglieder angehören? Welcher Modus wurde für diese getroffen und welche Berücksichtigung ist ihnen gegen ein neueintretendes Mitglied in Aussicht gestellt? Gefertigter gehört z. B. seit 14 Jahren dem Vereine als Mitglied an und war bei feinem Eintritte 34 Jahre alt. Wie wird nun in Hinkunft dessen Jahresbeitrag bemessen sein? Da ich hierüber im Unklaren bin, erlaube ich mir an den hochgeehrten Vereinsvorstand erwähnte Frage zu stellen und bitte, mir diesbezüglich gütigst Ausschluss zu geben. Hochachtungsvoll Jonas S ch ö n s e l d. Die obige Frage, sowie die in voriger Nummer enthaltenen Anfragen des Herrn Rabbiner und Eantor M. Reiß in Jiöin und des Herrn Eantor H. Löwy in Neunkirchen finden in dem Artikel ״Zur Gründung des Penfionssondes" eingehende Beantwortung. Dem Ersteren diene noch zur Kenntnis, dass auch Lehrer an jüdischen Gemeindeschulen als Cultusbeamte zn betrachten sind und demgemäß in der zu gründenden Pensionscasse ausgenommen werden. Zu den 5 Fragen des Herrn Obercantors Lamm in Brüx (siehe Nummer 4 der Cantoren-Zeitung) ist Folgendes zu bemerken: Ad. 1. Invalidität ist die durch den Eintritt geistiger oder körperlicher Gebrechen bedingte Unfähigkeit eines Mitgliedes,