Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 5 (13.2.1895)
- Date
- 1895-02-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Säte 6. Gesterreichisch-ungarische Lantsren-AMmg. feinem Berufe fernerhin zu obliegen/ Wenn ein Cultusbeamter Moch mehrere Aemter in seiner Person vereinigt, so ist. er. nur dann als berufsunfähig zu. betrachten, wenn er keines dieser Aemter mehr Väschen tat. Dass der Begriff der Invalidität, im gleichen Interesse der Mitglieder und der Pensionscaffe, im Süttut auf das genaueste präcisirt sein muß, ist wohl selbstversKndWH. Ad. 2. Die Fragen ob Jemand mit 240 st. jährlich sein Äktskommen suchenkann, wird sicherlich die verschiedenste Beant- Wortung erhalten. Int Hinblicke auf viele Concurse, die ein Gehalt von 300—400 fl. jährlich füpuliren, ist eine Pension in der Höhe von 240 st. gewiss eine nicht unbedeutende, andererseits ist sie un Verhältniße zu einem Gehalte von 1000 fL, 1500 fl. und darüber minimal zu nennen. Allein derartige Erwägungerr sind firr die Gründung der Pensionscaffe nicht maßgebend. Hier handelt es sich zunächst darum, ob die in Aussicht gestellten Pensionen den jährlichen Einzahlungen entsprechen, und in dieser Richtung muß die Frage mit Rücksicht auf Misere Pensionscaffe entschieden bejaht werden. Wenn z. B. Jemand im 35. Lebensjahre sich bei einer Versicherungs-Gesellschast auf eine nach 20 Jahren beziehbare Pension von 240 fl. versichern würde, müsste er nahezu 90 fl. jährliche Prämie zählen, während er bei rmserer Pensionscaffe nicht einmal die Hälfte einzahlt, da ein Theil der jährlichen Einzahlung für die WitwenveHorgung in Abzug zu bringen ist. Ad. 3. Das Verlangen nach höheren Pensionssätzen ist im Entwürfe ohnehin berücksichtigt. Ad. 4. Für die Witwenversorgung ist nur jährlich circa 12 fl. berechnet, das macht nach 25 Jahren nicht 1250 fl. sondern 300 fl. aus, ganz abgesehen davon, dass die Witwe auch nach 5 Jahren schon den stipulirten Betrag erhält. Uebrtgens ist auch hier ein höherer Satz von 1000 fl. und in zweiter Linie die Versorgung der Witwe durch jährliche Pensionen in Aussicht genommen. Ad. 5. Die Garantie für die richtige und pünktliche Auszahlung liegt Ln der streng machemaüschen Berechnung. Wir haben schon ftüher bemerkt, dass die Regierung kein Pensionsstatut bewilligt, welches nicht den genauen ziffermäßigen Nachweis für seine Leistungsfähigkeit erbracht hat. Dass der böhmische Lchrerverein die Pensionen reduciren musste, lag gerade in seiner unsicheren machemaüschen Grundlage, .was auch in einem durch den genannten Verein von einem Fachmanne publicirten Urtheile zugestanden wurde. Rlenre Chronik. Wierr. In den letzten Tagen sind zwei Glaubensgenossen Ln Folge chrer verdienstvollen Wirksamkeit von Sr. Majestät dem Kaiser besonders ausgezeichnet worden. Dem Präsidenten des Verwaltungsrathes der Böhmischen Westbahn, Max Ritter v. Gomperz, wurde der Stern zum Comthurkreuze des Franz- Josef-Ordens, u.-dem Generalsecretär u. Chef der Central-Direcüon der genannten: Bahngesellschaft, Regierungsrath Dr. Angelo Ritter v. Kuh. der Titel eines Hofrathes verliehen. Wien. Montag, den 11. d. M. fand im türk, sephard. Tempel anlässlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Sultan Abdul Hamid II. ein Festgottesdienst statt, an welchem der neue tüEscheBotschafter, Se. Excellenz Galib Bey, mit dem gesammten Botschästspersouale in officieller Weise theilnahm. Von den anderen anwesenden Honoratioren seien noch genannt: Regierungsrath W a ch l e r, Cotyul Thalberg, Stadtrath Mtter v. Goldschmidt, Gemeinderath Tagleicht, Tempel- Vorsteher Moses, kais. Rath Wilhelm, Banquier Leon, Banquier Hildesheimer rc. Unter den Klängen eines stimmungsvollen Präludium wurde die Botschaft vom Vorstande, unter Führung der beiden Präsidenten Marcus M. Russy und Licco Adutt, in das im Festglanze strahlende Gotteshaus geleitet. Als die hohen Gäste Platz genommen hatten, wurden von Cantor und Chor Ma-towu und hierauf eine Festhymne Ws. 11) mit Orgel- und Harfenbegleitung angestimmt. Beide Eomposiüonen sind ein Werk des bekannten Musikers H. E li a s. Nach der Rede des Rabbiners M. Papo wurde die Bundes¬ Nr. 5. lade geöffnet und nachdem, die beiden-Vorsteher G. H. Adutt und R. Maz lia.ch mit zwei festlich geschmückten ThyrarollM auf. der Estrade Aufstellung genommen hatten, verrichtete Obercantor I. Bauer das Gebet für den Sultan, das von der ganzen Versammlung stehend angehört wurde. Die Absingung der Sultanshymne beschloss die schöne Feier. Mit dem Ausdrucke besonderer Anerkennung über die prachtvolle Synagoge und den erhebenden Gottesdienst, welchem der neue Botschafter zum ersten Male anwohnte, verließ derselbe sammt seiner Begleitung den türkischen Tempel. Wien. Sonntag, den 7. März, findet die General-^ Versammlung der Chewra-Kadischa der Wiener israel. Cultusgemeinde statt und am Abend desselben Tages wird in den Sälen der Gartenbau-Gesellschaft das übliche Brudermahl veranstaltet. Wien. Am 29. v. M. hat in Kis-Szanto in Ungar» die Taufe des Herrn Hermann Baron König smarter und seiner Gemahlin, geb. v. Blaskowich, durch Cardinal Dr. Schlauch stattgefunden. Gleichzeiüg wurde auch der erstgeborene Sohn des Paares, Johann Freiherr von Königs- Wärter, getauft. Als Taufpathen der Eltern fungierten Herr v. G e r l i c z y und Gräfin K o r n i s, als Taufpathen des Knaben Herr und Frau v. Blaskov ich. Der am 14. November 1893 verstorbene Baron Moriz Königswarter hatte bekanntlich zu seinem Universal-Erben den obengenannten Baron Hermann Königswarter eingesetzt. In das Testament hatte der Erblasser auch die Bestimmung eingefügt, dass die große mährische Herrschaft Schebetau an seinen Enkel Johann Freiherrn v. Königswarter fällt, dass dieser jedoch im Falle eines Religionswechsels die Summe von einer Million Gulden an mehrere des. Näheren bezeichnte Wohlthätigkeits-Jnsütute auszuzahlen habe. Dieser Fall ist, wie eingangs bemerkt, nun eingetreten, und der Vater des unmündigen Herrn von Schebetau — der Letztere ist am 10. Februar 1890 geboren — hat, um die letztwillige Versitzung des Erblassers sofort zu respecüren, durch die Centralkanzlei des Königswarter'schen Hauses schon jetzt alle Anordnungen treffen lassen, damit die Legate laut der testamentarischen Vorschrift sechs Monate nach erfolgtem Uebertritte, also noch im Juli 1895, für die Humanitären Jnsütute flüssig gemacht werden können. Da die Nachricht von diesem Millionen-Legat in zahlreichen Kreisen bekannt wurde, stellten die Vorstehungen vieler Humanitäts-Jnstiürte das Ansuchen, aus dem betreffenden Fond einen Antheil zu erhalten, doch war eine Berücksichügung dieser Petiüonen nicht möglich, da die einzelnen Wohlthätigkeits-Anstalten, wie erwähnt, im Testament genau fixirt worden sind. Nach diesen Besümmungen entfallen: 400,000 fl. auf die Commune W i e n zur Errichtung eines Kinderspitals, und zwar in einem solchen Gemeindebezirke, in dem sich noch keine derarüge Heilanstalt befindet. Das Spital, das nach dem Namen der Mutter des Verstorbenen ״Josefine v. Königswarter'sches Kinderspital" zu heißen hat,, soll hauptsächlich der arb eit e n d en B ev ö l k er un g dienen, die am schwersten flir kranke Kinder sorgen kann.. Confession und Zuständigkeit der Hilfesuchenden dürfen nicht in Betracht gezogen werden; je 100,0(X) fl. auf die Armenanstalt der israeliüschen Cultusgemeiude, das israelitische Blinden-Jnsütut auf der Hohen Warte und den Wiener Wärmestuben- und Wohlthäügkeitsverein; je 50,000 fl. für die von dem. Urgroßvater des Erblassers (David Wertheim) im Jahre 1764 gegründete fromme Bruderschaft ״Olls^rL-Ladisollg.", den israelitischen Waisenverein und den israeliüschen Handwerkerverein; je 25,000 fl. für das Israeliüsche Taubstummen-Jnstiült und den von der Urgroßmutter des Verstorbenen (Frau Eleonore Wertheim) gegründeten israeliüschen Frauen-Hilfsverein; 20,000 fl. für das Haus der Barmherzigkeit für unheilbare Kranke in Währing, das auf einer interconfessionellen Grundlage errichtet wurde; je 10,000 fl. für die Reconvalescenten-Casse des israelitischen Spitals, die Stephanie- Stiftung in Biedermannsdorf, den israeliüschen Studenten-Unterstützungsverein, den Ersten Wiener Feriencolonien- und Spar- und Untecstützungsverein, das Asyl flir skrophulose Kinder in Rovigno, den Verein zur Verkösügung armer Schulünder und das Frauen-Reconvalescentenheim in Gersthof; je 5000 fl. für den israelit. Volksküchenverein und die Prediger Mannheimer-Stiftung.