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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-02-13 · Heft 5 (13.2.1895) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 5 (13.2.1895)
Date
1895-02-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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S eite 4. GMweiHMWgärWe^Läntoren-Aeitimg.? Nr. 5. Die Sprache dieser Gebetstücke, die Lob-, Bitt- und Dankgebete euchalteü, ist rein und schmucklos ohne alle rethorische Zu- ׳ that, avodurch sie geeignet wurden, fiir Alle fasslich zu sein. Die innere Ursache der Abfassung dieser Gebete war das Be- Lürfnis, allgemein giltige Gebete zu besitzen, um dadurch Einheit in die religiösen Bestrebungen der Zeit zu bringen. Manche Gebete sind auch gegen die sogenannten Minim, Abtrünnige, ׳ gerichtet. In den achtzehn Segensprüchen ist ein eigener Spruch, von Samuel den: Kiemen verfasst, eingeschaltet, der eine Art Excommunion enthält, gegen die Minäer gerichtet. (Berach. 27.) An diesen achtzehn Segensprüchen, von denen Samuel einen abgekürzten Auszug verfasste, welcher auch auf uns gekommen ist und הביננו anfängt (Das. 29.), reihen sich noch andere Gebete au. die ebenfalls zum allgemeinen Gebrauche׳ bestimmt wurden und eben im Ausdrucke rein und schmucklos sind. Bei außerordentlichen Ereignißen, bei Unglückfällen oder freudigen Vorkommnißeu, wurden auch öffentlich eigene Gebete recitirt, welche den Charakter von Litaneien oder Hymnen haben, die auch auf uns gekommen find, als: מי שענה לאברהם welches der Talmud (Tanis 15) erwähnt; ferner das Gebet אבינו מלכנו welches schon Rabbi Akiba kannte und in späterer Zeit erweitert wurde, jetzt noch in den Bußetagen als eines der heiligsten Gebete recitirt wird. Für Fasttage waren ebenfalls besondere Gebete angeordnet, deren Inhalt mit der Geschichte des Tages stimmte. Im jerusalemischen Talmud (Tanis Absch. 2) ist bereits das ׳בנינו erwähnt, sowie auch נהם für den Jahrestag der Zerstörung Jerusalems. Im Laufe der Zeit fühlten einige Talmudisten sich bewogen, noch andere Gebete fiir sich zu verfertigen, so Raw und Samuel, die beide Lehrer waren in babylonischen Akademien. Von einigen Rabbinen wird sogar erzählt, dass sie täglich ein neues Gebet oder einen neuen Segensspruch vortrugen, sie pflegten diese zu Ende der gewöhnlichen Gebete für sich zu recitiren. Manche dieser Zusätze sind im Talmud gar hoch angeschlagen. Ihr Inhalt ist größtentheils ganz allgemeiner Natur, stylistische Documente der damaligen Periode. Diese Gebete find in beiden Talmuden zerstreut und mit Namen ihrer Verfasser bezeichnet (siehe babylonischen Talmud Berach. 28 und jerusalemischen Talmud Berach. 4. Perek.) V1LL. Nachtalmudische Gebetstücke. Der Sidur, wie wir ihn heute mit seinen Gebetsordnungen, für Wochen-, Sabbath- und Festtage für die öffentliche oder häusliche Andacht besitzen, ist ein Werk vieler Jahrhunderte, es lässt sich auch kein Verfasser desselben, der alle diese Gebete, so geordnet und zusammengetragen, namentlich angeben. Alle Gebete im gelvöhnlicheu Sidur lassen sich dem Inhalte nach auf Stellen aus den Psalmen zurückführen. Die sogenannten ״Pesuke de-Simrah“ im Morgengebete, wie ״lechu Neranuo“, ״Halle!“, ״borchi Nafeelii“ und dergleichen, find ganz den Psalnren entnommen; aber auch in andern verfassten Gebetstücken find viele Verse aus den Psalmen eingeflochten. Die Psalmen sprechen die allgemeinen menschlichen Bedürfniße und Angelegenheiten mit einer Stärke aus, wie es in keiner Nation und keiner Religiouspartei je geschehen ist. Was die menschliche Brust bewegen kann, alle Abstufungen der geistigen Freuden und Leiden, welche der Mensch zu empfinden fähig ist, sind in ihnen mit einer Wahrheit und Kraft ausgedrückt, welche mit Recht die Bewunderung aller Zeiten sich erworben haben. Sie wurden auch deshalb das Handbuch aller Andächtigen nicht nur bei den Juden, sondern auch bei anderen Glaubensgesellschaften. Wir hätten auch kein anderes Betbuch als die Psalmen, die überhaupt für alle" sieben Tage׳ in * (rer1 Woche 1 emMheilt sind, benöthigt. ' '׳ : > ׳' ' •׳ Und doch würden in jeder Zeitperiode neue Gebete als Zusätze eingefügt, Gebete ohne "Zahl, wie sie keine Nation ׳ auf Erden besitzt. Das mag aus verschiedenen Gründen 'geschehen sein. Die Rabbiner im Mittelalter billigten es und wäreitl ja selbst Verfasser mehrerer Gebete, theils in der Absicht, manche neue Fassung der. Religionsbegriffe dem Volke .geläufig zu machen, um es gegen Jrrthümer zu schützen, theils auch um dasselbe im frommen Sinn zu. stärkend Im Laufe der drückenden Verhältniße, in Zeiten der Noch, der Verfolgung, der sich häufenden Unglücksfälle, von denen das Gottesvolk so oft heimgesucht wurde, mögen auch an verschiedenen Orten die Vorbeter nach eigellem Gutdünken Stücke zu den bereits bestehenden Gebeten hinzugedichtet haben; und das Volk, welches nur im Gebete seinen Trost, im Gebete zu Gott sein Alles fand, nahm solche Zusätze gerne auf. Was von solchen Einschaltungen Beifall fand, wurde dann auch von anderen Vorbetern aufgenommen und blieb stehende Formel. Auf diese Weise bildeten sich auf dem alten Grunde in verschiedenen Ländern von einander abweichende Gebetstücke. Die eigentliche Folge der Ver- Mehrungen und Veränderungen solcher Zusätze ist bei den unendlich verschiedenen Berichten nicht mehr vollständig zu erinitteln. Nur einzelne Stücke lassen sich der Zeit ihrer Entstehung nach erkennen, wie «״ ,"ברוך שאמרgepriesen sei Gott, der da sprach, es werde die Welt"; ferner das sehr alte Gebet .,נשמה" für Sabbath und Festtage; die bekannten aramäischen Stücke: יקום פורקן und מי שברך wie das Schlussgebet "עלנו". Diese und dergleichen Gebete gehören ohne Zweifel der Geonimzeit an (von 691—1055), wo die litterarische Thätigkeit, welche seit dem Abschlüsse des Talmud schlummerte, wieder erwachte. Im Laufe der Zeit wurden noch andere verschiedene Gebete für Sabbath, Fest- und Fasttage gedichtet, die in eigenen Gebetbüchern, ״Machsorim“ genannt, zusammengetragen find und Pintim heißen, wie deren Verfasser Peitanim genannt werden, von denen Rabbi Elieser Hakalir einer der berühmtesten ist. Ein ausführliches und sehr interessantes Werk hierüber hat Leopold Dukes unter der Aufschrift: ״Zur Kenntnis der neuhebräischen reliaiösen Poesie", dem wir so Manches entnommen haben, verfasst. (Fortsetzung folgt.) Sprechen und Singen. Nachdem die einzelnen Theile genügend gedrillt sind, muß das Zusammenwirken derselben geübt werden. Die Regulierung der Stärke des gegen die Stimmbänder blasenden Luftstroms, die Stellung der letzteren in die für die gewünschte Wirkrmg passendste Position und die Direction der aus dem Kehlkopf ausströmenden Luftsäule, das sind die drei Grundbedingungen der künstlerischen Leistung. Die Bewegungen müssen koordiniert sein, — (mir dem Ausdrucke: Koordination bezeichnen die Physiologen die controlierende Arbeit des Gehirns, vermittelst welcher dasselbe das harmonische Zusammenwirken der verschiedenen Körpertheile bewirkt. Die parallele Haltung der Augen beim Sehen, der Gehact, bei welchem zugleich die Beine den Körper nach vorne bewewegen, die Muskeln den Körper im Gleichgewicht erhalten und die Augen die Schritte controllieren, das sind bekannte Beispiele coordinierter Handlungen) — gewissermaßen!alle eine einzige Handlung bilden. Der Schüler soll angehalten werden, dieselbe möglichst automatisch vorzunehmen. Bezüglich des Luftstroms ist es von höchster Bedeutung, dass derselbe

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