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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-02-01 · Heft 4 (1.2.1895) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 4. Bezug auf den zu gründenden Pensionsfond. Zur Beantwortung aller einzelnen Fragen und zur Discussion der etwa auftauchenden Bedenken eröffnen wir von der heuügen Nummer ab einen ״Offenen Sprechsaal", in welchem die Redacüon bestrebt sein wird, den geehrten Fragestellern erwünschte Aufllärung zu ertheilen, welche jedesmal in der nächstfolgenden Nummer erfolgt. Für die zu gründende Institution ist es jedenfalls von Vortheil, wenn recht viele College» von der nunmehr eröffneten Rubrik ausgiebigen Gebrauch machen. Durch lebhafte Discussion werden die bisher noch unklaren Anschauungen am besten geklärt werden. -r- * -i- Neuern, im Jänner 1895. Geehrter Herr Redacteur! Der erste Artikel Ihres geschätzten Blattes Nr. 1 1895 bespricht unsere im Entstehen begriffene Pensionscassa seit ihrem Urbeginn bis auf den heutigen Zustand wahrheitsgetreu, wohldurchdacht und begründet. Meine Wenigkeit hat einer solchen Pensionscassa für Cantoren bereits vor Jahren das Wort geredet und mein diesbezügliches Schärflein in der jüngsten Cantorenversammlung fchristüch beigetragen, so ich diesem Vorhaben auch stets getreu bleibe. Der Schlusspassus Ihres Artikels will heute sämmtliche Gemeinden der österr.-ungar. Monarchie zusammenläuten, damit sich dieselben zu einem Pensionsfonde für sämmtliche Cultusbeamten und Religionsdiener associren. Das wäre ja wohl das löblichste Bestreben, dessen sich die Gemeinden in ihrem eigenen Interesse befleißigen sollten. Ein Band würde diese Gemeinden fest umschlingen, Engherzigkeit und Misgunst könnte man ihnen wahrlich dann nicht vorwerfen und das sogenannte Achdus würde Triumphe feiern. Machen wir theilweise die Runde, halten wir eine kleine Umschau m den einzelnen Kronländern inclusive Ungarn, so werden wir die erfreuliche Thatsache constatiren, dass allenthalben Seminäre und gleichartige Bildungsanstalten erfolgreich prosperieren, zu denen die jüdischen Landesfonde mehr als namhafte Jahresbeiträge beisteuern und an welchen auch einzelne größere Gemeinden reichlich participieren. Warum sollte nicht auch ein ״Pensionsfond für sämnitliche Cultusbeamten Oesterreich-Ungarns" ins Leben treten können? In diesem Sinne wolle sich der löbl. Vorstand des österr.-ungar. Cantorenvereines an die Leuchten und Größen unseres Volkes wenden, d. s. die berühmten Prediger, deren Zunge ein zweischneidiges Schwert, d. s. die Reichen Israels, deren frommer Sinn, guter Wille und edle Thatkraft noch nicht erloschen ist. Lo almon Jisroel, Israel ist doch nicht verwitwet oder verwaist. Wahrlich, eine wechevollere Jubelfeier könnten die Juden unserer Monarchie nicht begangen haben. Rabbiner und Cantor M. Reiser. * * * Brü x. am 28. Jänner 1895. An den löblichen Vorstand d. österr.-uug. Canto ren-V er eines in Wien. Bein! Empfange des Circulärs, betreffend die Gründung einer Pensionscasfe für jüdische Cultusbeamte, begab ich mich sofort zum Vorsteher, Herrn Dr. Spitz, und besprach mit ihm eingehend die Chancen des Projectes. Bei der eminenten Wichtigkeit, welche diese Anregung für Gemeinde und Beamten hat, halte ich es für meine Pflicht, ganz rückhaltlos über das Resultat unserer Besprechung zu berichten. Herr Dr. Spitz hat es zunächst lobend anerkannt, dass der Verein die Initiative ergriff, einem gefühlten Uebelstande so wirksam zu begegnen. Anderseits aber eonstatirte er einige Cardinalmängel, die geeignet erscheinen, namentlich größere und Mittelgemeinden von dem Beitritte abzuhalteu. 1. Was ist Invalidität? Wenn ein Cantor, der gleichzeittg Lehrer ist, die Stimme verliert, ist er berussunfähig? 2. Kann ein Beamter, der 20 Jahre dem Pensionsfond augehört und dann berussunfähig wird, mit einer Pension von 240 fl. sein Auskommen finden? 3. Warum ist nicht die Verfügung getroffen, dass ein Beamter durch höhere Jahresbeittäge sich eine entsprechend höhere Pension sichern kann? Nach dein vorliegenden Projekte erhielten Rabbiner und Schames die gleiche Pension. 4. Was sollen Witwen und Waisen mit dem Abfertigungsbetrag von 500 fl. beginnen. Gerade da wäre die weitgehendste Humanität dringend geboten. Der lebende Vater kann für Weib und Kind betteln gehen, aber der todte? Es kann der Fall eintreten, dass ein Beamter durch 25 Jahre eine jährliche Prämie von 50 fl. zahlt, das ist ohne Zinsen 1250 fl.; nun stirbt er, und die Witwe erhält — 500 fl.! 5. Worin und in welcher Form besteht die Garantie, dass die angestrebten Pensionen richüg und pünktlich ausgefolgt werden? Der böhmische isr. Lehrerverein reduciert nach Maßgäbe der vorhandenen Mittel selbst bereits bewilligte Pensionen aus der Kaiser Franz Josefs Jubiläums-Stiftung. Im Interesse dieser hochwichtigen Sache wäre es angezeigt, dass der geehrte Vorstand des Cantoren-Vereines sich über diese 5 Punkte äußern möge. . Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung zeichnet ergebenst Obercantor I. Lamm. * * Sicht, 24. Jänner 1895 Löblicher Vorstand! Mit Beziehung auf das geschätzte Circular des verehrlichten Vorstandes erlaube ich mir nachstehende Fragen zu stellen: 1. Bis zu welchem Alter wird man als Mitglied in den Verein der zu gründenden Pensionscasse ausgenommen? 2. Wie groß ist der höchste Jahresbeitrag? 3. Werden auch Lehrer der jüdischen Gemeinde-Schulen aufgenommen? Indem ich selbst beitreten möchte und für den Verein auch bei anderen Cultusbeamten die Aufforderung zunt Beitritt stellen will, muß mir die Beantwortung der obigen Fragen wenigstens annähernd bekannt sein. Diese Aufklärungen höflichst erbetend, zeichnet hochachtungsvollst M. Reiß, Rabbiner und Cantor. -i- Neunkirchen, N.-Oe., 28. Jänner 1895. Löbl. Vorstand d. österr.-ung. Cantoren-Vereines! Als Mitglied des Cantoren-Vereines seit seiner Gründung, stelle ich die Bitte um güttge Aufklärung, ob ich, indent ich bereits schon das 60. Lebensjahr erreicht habe, dennoch in der zu gründenden Pensionscasse au f g en o tnm e n werde, und wie viel ich günstigenfalls jährlich zahlen müsste? Hochachtungsvoll Heinrich L ö w y, Cantor. Meine Chronik. Wien. (Nothnagel-Stiftung.) Im Laufe des letzten Halbjahres ist ein Comits zusammengetreten, tun an der Wiener Universität eine ״Nothnagel-Stiftung" zu gründen. Nachdem die Sammlungen in erfreulicher Weise fortgeschritten sind, giettg das Comitä an die Fittalisirnng dieser Stiftung und begab sich zu Hofrath Professor Nothnagel woselbst der Vorsitzende des Comitös folgende Ansprache hielt: ״Hochverehrter Herr! Wir kommen zu Jhnett im Namen einer großen Zahl von Männern und Frauen, welche Ihnen in dankbarer Verehrung ergeben sittd und lebhaft wünschen, diesen Empfindungen sichtbaren Ausdruck zu geben. In ihrem Aufträge bitten wir Sie, eine Stiftung creiren zu wollen, zu welchem Zwecke die Summe von über 50.000 fl. zur Verfügung gestellt wordett ist. Die Einrichtung dieser Sttftung bitten wir nach Ihrem freien Ermessen zu ordnen uttd erlauben uns im Namen unserer Auftraggeber einige Wünsche attszusprechen: 1. Dass die Stiftung für immerwährende Zeiten den Namen ״Nothnagel-Stiftung" tragen möge; 2. dass Sie bei Verleihung der Stipendien einen maßgebenden Einfluß ausüben; 3. dass die Stiftttng einen interconfessiottellen Charakter habe, Stundenten aller Confessionen zugänglich sei. So hoffen wir, dass sie segensreich wirken wird durch die Hilfe, welche würdigen jungen Männern gewährt wird, sie wird ein Baustein sein an dem Werke des Friedens, dem unsere heißesten Wünsche gelten und ein Gedenkzeichen Ihrer Arbeit an diesem Werke!" Hofrath Nothnagel dankte in warmen Worten und

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