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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-02-01 · Heft 4 (1.2.1895) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 4 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. höchster Wichtigkeit, und eine sehr hohe Autorität, Frau Jenny Lind - Goldschmid t, behauptet, dass die Reinheit des Tones Ln erster Linie von der richtigen Haltung des Zäpfchens abhängt. Diese hochbegabte Dame, welche die höchste eigene Künstlerschaft mit einem ungewöhnlichen Lehrtalent vereinigt, legt bei der Ausbildung ihrer Schüler auf die Erziehung des Zäpfchens den höchsten Werth. Zweifellos thut sie dies mit vollem Recht, denn dies kleine Organ kann ebensowohl durch «ine. verkehrte Stellung eine sonst vortreffliche Stimmleistung zerstören, als auch durch seine positive ventilähnliche Leistung, durch seine Beziehung zur Nasenathmnng, zur guten Wirkung ivesentliches beitragen. Die sogenannten Kehltöne entstehen meist dadurch, dass der Zungengrund in zu hoher Lage gehalten wird. Dieser Fehler muß sorgfältig vermieden werden und. es ist große Sorgfalt darauf zu verwenden, dass der Mund bei jedem Vocal in der passenden Stellung gehalten werde, ohne dass dabei zu viel Gesichter geschnitten werden. Specielle Erziehungssysteme für diese Bewegungen sind von manchen Lehrern ersonnen worden und verdienen gewiss, wenn sie je nach den individuellen anatomischen Eigenthümlichkeiten in den Details variiert werden, nachgeahmt zu werden. ׳ Musik bei den Hebräern. Nach Quellen bearbeitet und erläutert von Emanuel Roth, Obercantor in Veröcze. Die Musik ist als Gesang so alt wie das Menschengeschlecht und auch das Jnstrumentenspiel reicht in das graueste Alterthum hinauf und ein Sohn Lamech's, Jubal, wird 1 Mos. 4, 21, als der erste Erfinder musikalischer Instrumente genannt. Wir finden die' Vöcal- und Instrumentalmusik seit der Patriarchenzeit in gewöhnlicher Hebung (1 Mos. 31, 26 f.) und sie erscheint auch in der Folge in vielfacher Anwendung. Sie ist die Begleiterin der Poesie und des Tanzes (2 Mos. 15, 1 ff. Nicht. 11, 34), und wurde auch zur prophetischen Erweckung und bei prophetischen Vorträgen gebraucht, weshab sie zu den Lehrgegenständen der Prophetenschulen gehörte. (1. Sam. 10, 5. 6. 2. Kön. 3, 10—16.) Sie diente der geselligen Freude (Jes. 5, 12.), öffentlichen Feierlichkeiten (1 Kön. 1, 40.), frühzeitig auch dem Kriege (4 Mos. 10, 2. Jos. 6, 4 ff, 2 Chron. 20,19 ff.) und der Trauer (1 Kön. 13,29 f. 2 Chron. 35, 25.) Ein Hauptförderer der Musik war David, welcher sie selbst schon in früher Jugend übte und mit seiner Kunstfertigkeit im Saitenspiel den Saul erquickte, wenn der Geist der Schwermuth ihn befiel (1 Sani. 16, 23.) Als König fiihrte David die Musik mit der heiligen Poesie in den Cultus ein. Er bestimmte 4000 Leviten zum Gesänge und Jnstrumentenspiel, (1 Chron. 23, 5.) diese wurden in 24 Elasten getheilt und jeder derselben 12 Directoren vorgesetzt; an der Spitze standen als Leiter aller Chöre Asaph, Heman und Jeduthum. (1 Chron. 25, 1—31). Wie Salamo im Allgemeinen den Cultus erweiterte und verherrlichte, so geschah dies auch mit der gottesdienstlichen Musik. Wenn die Angaben bei Josephus (Aut. VlLL. 3, 8.) richtig sind, so hätte er für die Ein- Weihung des von ihm erbauten Tempels und zum ferneren gottesdienstlichen Gebrauche nicht weniger als 200.000 Trompeten und 40.000 andere musikalische Instrumente verfertigen lassen. Nach Josaphat zerfiel die Tempelmusik, wurde aber von Hiskias und Josias wieder hergestellt. (2 Chron. 29, 27 ff. 35,15). Im Exil verstummte Gesang und Saitenspiel; ״An den Strömen Babels saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dächten; an den Weiden hingen wir unsere Zithern auf". (Ps. 137, 1 f.) Doch wurde die Musik nicht ganz vernachlässigt, denn in der ersten großen Caravane, die unter Serubabel und Josua in die Heimat zurückkehrte, befanden sich mehrere hundert Sänger nnd Sängerinnen. (Esr. 2, 65.) Nach dem Wiederaufbau des Heiligthums wurde auch die Tempelmusik wieder eingerichtet (Esr. 3, 10. Neh. 12, 27 ff.) und nach ihrem abermaligen Zerfalle hat sie später Juda Makkabäus von Neuem hergestellt. (1 Makk. 4, 54.) Sie erhielt sich so fort bis in die letzten Zeiten des jüdischen Staates, obschon im weiten Abstande von der Davidischen und Salamonischen Großartigkeit. Aber der besondere Charakter und die Kunststufe der hebräischen Musik liegt im Dunkeln, und wir müssen uns diesbezüglich mit Vermuthungen begnügen. Am sichersten scheint zu stehen, dass sie nur Melodie, d. i. einstimmige Musik, war und die Harmonie, die gleichzeitige Verbindung höherer und tieferer Töne oder Stimmen nach dem Verhältniße des Wohlklanges, ausschloß, worauf die Analogie bei andern orientalischen Völkern und auch die Beschaffenheit ihrer Saiteninstrumente hinweist. Man darf weiter annehmen, dass der Gesang ihr Hauptbestandtheil war und die Instrumente fast durchgängig in dessen Dienste standen, ihn vorzubereiten und zu begleiten, von einer Tonart in eine andere überzuführen, Ruhepunkte auszustillen u. dgl. Streitig ist, ob die Hebräer eigentliche Gesangweisen hatten, oder nur Cantilation, d. i. eine gesangartige Declamation oder Recitation, ähnlich jener, mit welcher jetzt noch in den Synagogen die Thora abgelesen wird. Der Canülatton ist aber außer der Verschiedenscheit der Tonart und des Zeitmäaßes immer eine große Gleichförmigkeit eigen, während die Psalmen mannigfaltige Gesangformen anzeigen und so die Annahme eigentlicher Weisen unterstiitzen. Es wird nämlich in Ueberschriften mehrmals angegeben, dass der Psalm nach der Melodie von diesem oder jenem bekannten Liede, das mit seinen Anfangsbuchstaben oder nach dem Inhalte angeführt wird, abzusingen ist; z. B. Ps. 22 ״ על אילת השחרNach der Hindin der Morgenröthe" Ps. 56: אל יונת אלת דחקים ״Nach der stummen Taube der Fernen" (oder nach einerzweilen Punktation ״Taube der fernen Terebinthen") Ps. 57, 58, 59 ״ תל אשחחVerdirb nicht!" u. a. Unzweifelhaft ist das häufig (71 Mal) in den Psalmen und auch bei Habakuk vorkommende Wort תלה ein musikalisches Zeichen, über dessen Bedeutung aber verschiedene Ansichten herrschen. Am wahrscheinlichsten ist die Erklärung nach שלה-תלה syr., schweigen, ruhen, mit Pause (Rosenmüller, Gesenius, Kramer, de Wette), so dass damit der Stillstand des Gesanges und Zwischenspiel der Instrumente angezeigt würde, was vermuthlich auch durch die Uebersetzung der Septuaginta mit diapsalma ausgedrückt ist. Sonst hält man es auch fiir ein Zeichen der Erhebung der Stimme oder Wiederholung der Melodie um einige Töne höher, nach der Bedeutung von תלה erheben (Kimchi, Forkel, Herder) oder mit Annahme einer Abbreviatur und Auflösung derselben durch: לשבות ך״,קול fö'D ״Zeichen den Ton zu ändern", statt dessen andere sie anflösen mit: ״ סב למאלה ד1שרKehre hinauf, Sänger k" Das jetzt übliche italienische da Oapo. *) Offener Sprechfaal. Von verschiedener Seite gelangten in den letzten Tagen sowohl an den Vorstand des ״österr. ungar. Cantoren-Bereines" als auch an die Redaction der ״Cantoren-Zeitung" Anfragen in *) Eichorn, Alkg. Bibk. V. S. 54s f.

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