Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite 7. erklärte sich mit der Gründung der Stiftung einverstanden. Die Schritte der Activirung derselben werden unverzüglich eingeleitet. Wien. Herr Nathan Königsberger, Kanzleiadjunkt der israel.-Cultusgemeinde und Secretär des Bethausvorstandes, ist von! Stadtrathe zun! Armenrath für den II. Gemeindebezirk ernannt worden. Herr Königsberger ist für dieses Ehrenamt eine besonders geeignete Persönlichkeit, da er in seiner amtlichen Thätigkeit vielfach Gelegenheit hatte, einen tiefen Einblick in das Wiener Armenwesen zu thun und wie selten Einer die Verhältniße namentlich der jüdischen Armen des 2. Bezirkes kennt. Wien. Aus Arad erhalten wir folgende Zuschrift: E w. Wohl geboren! Das gefertigte Comite erachtet es für seine Pflicht, Sie davon Höst, in Kenntnis zu setzen, dass Herr Adolf Grünzweig, Chordirigent am hiesigen isr. Cultustempel, am 9. Februar l. I. sein vierzigjähriges Dienstes-Jubiläum in dieser Stellung feiert. Indem wir Sie bitten hievon gütigst Notiz nehmen zu wollen, empfehlen wir uns hochachtungsvoll das Jubiläums-Comits. Grvtz-Kamzsa. Die weiten Hallen unseres elektrisch reich beleuchteten Kasinos, die sonst nur der Terpsichore, dem Gesänge und humoristischen Vorträgen geöffnet sind, erhielten dieser Tage eine nahezu patriarchalische Weihe durch den gediegenen biblischen Vortrag unseres Herrn Oberrabbiner Dr. Neumann über Prophetismus. Nach kurzer Einleitung und philologischer Erörterung des Wortes ״Nabi", durch treffend angezogene verwandte Wortstämme aus dem Syro-chaldüiscben hob der gelehrte Redner im blühendsten ungarischen Style den Unterschied zwischen heidnischen Wahrsagern und bibl. Propheten scharf hervor und schilderte die Geschichtsperioden jener Zeit, bestätigt durch die Ergebuiße der neuen Entdeckungen keilschriftlicher Documente in wahrhaft anziehendster Weise. ׳Den Nationalgöttern der Nachbarvölker Palästinas gegenüber, verkündeten jene begeisterten Seher einen Weltengott, Schöpfer des Lichtes und der Finsternis, der alles regiert und alles beherrscht. Die blutigen Opfer verpönend, jeden Aftergottesdienst verwerfend, predigten sie schon in jener grauen Vorzeit den wahren, heute noch angestrebten Humanismus und förderten durch ihr zündendes Wort Wahrheit, Bölkerfreiheit und Menschenrecht. Mehrere hierauf bezügliche Stellen, trug der Redner in Prachtvoll oratorischer Form vor, die einen mächtigen Eindruck auf die zahlreichen intelligenten Zuhörer machten. Die besten Schriftsteller aller Zungen und Länder, sagte er, benützten biblische prophetische Sentenzen zu ihren Meisterpoesien, Sänger und Musikcoryphäen widmeten diesen himmlischen Dichtungen ihre Compositionsstudien. So fortfahreud. wies der Redner zum Schluffe darauf hin, dass auch unser Vaterland ähnliche Propheten besaß, die mit ihrem Geisterblicke in eine weite Zukunft für Wahrheit, Freiheit und Recht mit unermüdlicher Kraft und unbeugsamen Muth eintraten, solche waren Petöfy, Kossuth, Szecsenyi, dessen Spruch zu allen Zeiten prophetisch widerklingen wird: Magyarorszag neu volt, hanem lesz. Stür- Mischer Applaus folgten diesen Worten, worauf sich die Anwesenden in die Nebenlocalitäten zerstreuten. G. Heidelberg. ״Zahlensymboük" war das Thema, das gestern Hofrath Cantor, der rühmlich bekannte Verfasser der ,,Geschichte der Mathematik", in einem zu Wohlthätigkeitszwecken in der Aula der Universität gehaltenen Vortrag behandelte. Nach kurzen einleitenden Bemerkungen über die bei verschiedenen Völkern bestehenden Zahlensysteme wies der Redner darauf hin, dass die Grund- und Stufenzahlen im gewöhnlichen Leben vielfach ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben und runde Zahlen geworden sind. In dem bei uns herrschenden dekadischen System spielen besonders die Zählen 10, 100 und 1000 diese Rolle, wie man täglich hören und lesen kann. Bei den alten Babyloniern, die sich des Sexagesimalsystems bedienten, wurde die diesem System zu Grunde gelegte Zahl 60 in solcher Weise gebraucht und dieser Gebrauch gieng auch in die hebräische Litteratur über, wie wir aus den Büchern des alten Testaments ersehen, die nach der babylonischen Gefangenschaft verfasst sind. Dass auch bei den Persern 60 eine runde Zahl geworden ist, kann man aus einzelnen Mittheilungen bei Herodot deutlich erkennen. Außerdem haben aber noch andere Zahlen eine ahnliche Verwendung gefunden. Eine solche Zahl ist 40, die in einigen Erzählungen und Schilderungen des alten Testaments, sowie in ihren Nachbildungen im neuen Testamente eine große Rolle spielt auch bei den Türken in ähnlicher Weise vorkommt. Auch die Zahlen 12 und 7 wurden ähnlich verwendet; die Zahl 12 wohl wegen der 12 Monate des Jahres, oder, wie andere wollen, wegen der 12 Stämme Israels; die Zahl 7 aber nach einem altbabylonischen Gebrauche. Schon bei den Babyloniern galt nämlich 7 wegen der 7 Planetengottheiten dieses Volkes als heilige Zahl. In Anlehnung an diesen Gebrauch ließ man die Schöpfungswoche im Rahme;! von 7 Tagen verlaufen. In der jüdischen S t i f t s h ü t t e stand der 7armige Leuchter. Aus Maria Magdalena wurden 7 Teufel ansgetrieben, und wenn in einem weiblichen Wesen die Teufel noch stecken, spricht man bei uns von einer ״bösen Sieben". Auch die ״sieben Sachen" kommen in unserer Volkssprache häufig genug vor. Eine besondere Bedeutung bekam die Zahl durch die Philosophie des Pythagoras, der bekanntlich den Satz aufstellte: ״Das Wesen der Dinge ist die Zahl." In der pythagoreischen Schule artete dann dieses System in eine Art von Zahlenspielerei aus, indem man einzelne Dinge mit bestimmten Zahlen bezeichnete. Doch herrschte darin keine liebereinstimmung. So galt den einen 4, den andern 9 als Symbol der Gerechtigkeit, den einen 6, den andern 3 als das Symbol der Vollkommenheit. So sagt man auch bei uns gewöhnlich im Sprichwort: ״Alle gute Dinge sind drei." Solche Zahlenspielereien haben auch bei den jüdischen Kabbalisten und in den Klöstern des Mittelalters Aufnahme und Er- Weiterung gefunden, und selbst der gelehrte Alkuin (735—804), der bekanntlich am Hofe Karls des Großen lebte, blieb nicht frei davon. Eine andere Art von Zahlensymbolik war schon bei den alten Griechen im Gebrauch. Nach der Verdrängung ihres älteren, großen Raum beanspruchenden Zahlenschreibsystems haben die Griechen die Buchstaben ihres Alphabets als Ziffern verwendet, wie man es auch im Hebräischen gemacht hat. Bei den Griechen hatten demnach die Buchstaben zugleich die Bedeutung von Zahlen. Man konnte sich also mit Eigennamen und anderen Worten auch rechnerisch beschäftigen, und rnan hat wirklich solche Berechnungen zu Voraussagungen über den Ausgang von Zweikämpfen, Prozessen, Eheschließungen rc. benützt, indem man die Namen der betreffenden Persönlichkeiten zu Grunde legte. Das Unkraut eines solchen Aberglaubens wucherte während des ganzen Mittelalters weiter und brachte manche sonderbare Blüthen. Dass es auch heute noch nicht ganz ausgerottet ist, beweist die abergläubische Furcht vor der Zahl 13. Ergötzlich war die Erzählung von dem bedeutenden Mathematiker Stiesel, der aus Sätzen der Bibel als Zeit des Welt- Unterganges den 19. October 1533, Morgens 8 Uhr, berechnet und seine Zeitgenossen in nicht geringe Angst und Verwirrung gebracht hat. Petersburg, 27. Jänner. Nowostoi inelden in einem Telegramm aus Odessa: Der Kaiser bestätigte die Vorlage des Finanzministers, nach welcher das pereentuale Verhältnis der jüdischen Schüler der Odessaer Commerzschule zn den nichtjüdischen Schülern dieser Lehranstalt, welche von der Kauf- Mannschaft unterhalten wird, dem Verhältniße der jüdischen Kaufleute zu den nichtjüdischen gleich sein soll. Covrespondenzerr dev Rrdartivn. H. in B. P., Br. in Pr. Besprechung folgt in nächster Nummer. L. in H. Warum so lange Panse? S. in 1L Danken für die Anerkennung. Unser einziges Streben ist dahin gerichtet, die Jitteressen der Bernfsgenosscn nach Kräften zn fördern. B. in A. Die nächste Nnmmer wird Ihnen vollste Aufklärung geben. L. in P. Bitte die Arbeit nur einzusenden, jeder Beitrag zu dieser Frage ist willkommen. Wir erinnern alle diejenigen Herren Cvllegen. welche für das Jahr 1895 den kleinen Nbonnements-Betrag noch nicht ringesendet haben, dies umgehend xu thun.