Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-01-21 · Heft 3 (21.1.1895) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 3 (21.1.1895)
Date
1895-01-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3453335-3453338--4195-3458630
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 3. Vesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. Sicherheit und Gleichmäßigkeit, ohne die geringste Veränderung seiner Höhe und Kraft, gehalten werden. Das mag auf den ersten Blick sehr leicht erscheinen, aber wie der ״langsame Schritt" der Recruten die Grundlage der militärischen Erziehung, ist dies die Grundlage jeder Stimmdisciplin. Wenn darin die genügende Sicherheit erreicht ist, muß die Herrschaft über die Stimme noch weiter erzielt werden durch häufigere Uebung des von den Italienern sogenannte N688a> di voce, d. i. das Halten eines und desselben Tones in verschiedener Stimmstärke, beginnend mit dem leisesten Piano allmählich aufschwellend bis zum stärksten Fortissimo und wieder bis zum Pianissimo herabgehend. Die ganze Uebung muß während eines einzigen Athrmzuges vorgenommen werden. Dies ist villeicht die allerwichtigste Leistung der künstlerischen Stimmproduction. Die alten berühmten Italiener legten deshalb den allergrößten Werth aus dieselbe, ließen sie unaufhörlich von ihren Schillern üben und betrachteten Vollkommenheit in derselben als das sicherste Kennzeichen eines vollendeten Sängers. Wenn wie dies meist geschieht, dabei verschiedene Gesangsregister nacheinander angewandt werden, so muß die Sache sehr sorgfältig studiert und auf die individuellen Eigenthümlichkeiten der Stimme dabei Rücksicht genommen werden. Der richtige Gebrauch der Register ist beim Lehren eine Sache von der größten Wichtigkeit. Einige Tenore erreichen eine außerordentliche Höche im Brustregister, während viele Tenore eine große Ermüdung in der Stimmmuskulatur versprüren. sobald sie hohe Töne mit Bruststimme singen. Forcierte Uebungen dieser Art können sogar zu Luftröhrenentzündung führen. Anderseits können solche Sänger bei Benützung des Falsettregisters ohne jede Belästigung ihres delikaten Stimmapparates die schönsten Töne produzieren. Manche Soprane können zwei Octaven, zuweilen auch einige Töne mehr mit Brnststimme singen, ohne das Bedürfnis zu fühlen, in das Kopfregister überzugehen, während Mezzosoprane ihre höheren Noten meist ausschließlich zeugung, dass er es entweder mit einer Verrückten oder aber mit etwas — Anderem zu thun habe, und um sich darüber Gewissheit zu schaffen, fragte er: ״Was würden Sie denn thun, wenn ich wirklich auf Ihre Idee eingehen würde?" »Ich würde schweigen!" entgegnete das Mädchen. ״Geben Sie mir nur die dreihundert Gulden, dann bekommen Sie das Kind, alles Andere kümmert mich nichts. Sie können das Kind abschlachten; wenigstens ist es dann versorgt." Nun sprang Herr Neu mann aus, öffnete die in das Geschäftslvcäle führende Thür und rief seiner Frau zu, sofort einen Wachmann zu holen. Kanin, dass das Mädchen diese Worte gehört hatte, versuchte es aus dem Zimmer zu entfliehen, allein Herr N eumann Hielt sie am Arme zurück, stellte sich vor die Thür und rief: ״Sie werden hier bleiben, bis die Wache kommt!" Nun stieß das Mädchen ein höhnisches Lachen aus und meinte: ״Aber ich Hab ja gar kein Kind! Ich Hab' nur probiren wollen, ob Sie aus meinen Antrag eingehen werden, und dann hätte ich Sie bei der Polizei an gezeigt . . . .!" Herr Neu mann vermochte auf diese cynischen Worte nichts zu erwidern. Unterdessen kam Frau Ne um an n mit einem Wachmanne, den sie ans der in demselben Hause befindlichen Wachstube geholt hatte zurück; Herr Nenmann erzählte dem Wachmanne den Sachverhalt und auch das Mädchen gestand Alles, selbst ihre letzte Aeußerung zu. Der Wachmann erklärte hierauf das Mädchen für verhaftet. ״Sind Sie sich der salsett singen können. Dieselbe Erscheinung findet sich bei den meisten Altstimmen. Die alten Italiener sparten keine Mühe, die Register zu vereinigen, das eine in das andere überzusühren, die Oberfläche der Töne gewissermaßen zu glätten, so dass der Gesang gleichmäßig und weich durch den ganzen Stimmumfang hindurch zog, ohne Riss in der Stimme und ohne Veränderung des Timbres. In der richtigen Anwendung der Register liegt das- Geheimnis des schönen Gesanges und die Befähigung des Lehrers zeigt sich hauptsächlich darin, mit welchem Erfolge er diese werthvolle Kunst seinen Schülern beibringt. In dieser Beziehung ist es auch wichtig, dass gelegentlich die Stinnnansbildung vom Arzt controlliert werde, nicht etwa, damit derselbe dem Gesangslehrer sage, was er zu thun, wohl aber, um ihn in Kenntnis zu setzen, was er zu lassen habe. Nur das Recht, gegen physiologisch schädliche Methoden sein Veto einznlegen, reclamire ich für den Arzt. Der Versuch, ein Register d. h. eine besondere Art der Stimmproduction bei einem bestimmten Individuum, dessen Anlagen dafür nicht geeignet sind, zu erzwingen, Hai für das Stimmorgan ebenso schädliche Folgen, wie sie die Ueberanstrengung jedes anderen Körpertheils für denselben hat. Um nun derartigen Schädlichkeiten vorznbeugen, lege ich so hohen Werth darauf, dass jede Stimme nur mit der ihrer eigenthümlichen Leistungsfähigkeit entsprechenden Productiou belastet werde. Wenn ein Lehrer seine eigenen Registertheorien für Naturgesetze hält und jede Stiinme in sein System einzwängen will, so kann dies natürlich nur die übelsten Folgen haben. Er hat vielleicht einzelne sehr schöne Erfolge auszuweisen, aber die Zahl seiner Miserfolge wird dieselben bei weitem übertreffen. Wenn nun auch der Arzt nicht competent darüber ist, welches Register angewendet, wie ein specieller Toneffekt erzielt werden soll, so kann er doch angeben, ob die Stimmbänder überzerrt oder sonst wie beschädigt sind. Mit Tragweite dessen, was Sie versucht haben, nicht bewusst?" fragte er sie. Das Mädchen zuckte die Achseln. ״E s w är' h a l t e i u S p a ß 'w o r d e n!" entgegnete sie. Während der Wachmann mit den! Mädchen sprach, öffnete sich die Thür und eine andere junge Frauensperson, die anscheinend vor dem Geschäfte gewartet hatte, steckte den Kops hinein nick rief: ״Siehst, Hab' ich dir nicht gesagt, du sollst nicht gehen! Wie froh bin ich, dass ich nickt mitgegangen bin!׳' Der Wachmann escortirte die arretirte Person aus das Polizeicommiffariat Brigittenau in der Rasaelgasse und Fra» N eumann folgte. Der journalhabende Commissär nahm sofort ein Protocoll mit der Verhafteten aus und auch hier gestand dieselbe Alles ein. ,.Sind Sie denn wahnsinnig?" fragte sie schließlich der Commissär. ״O nein!" entgegnete das Mädchen. Die Verhaftete gab an, dass sie Katharina S ch w a b heiße nud in Währing wohne. Sie blieb in Haft: ans Grund ihrer Mittheilungen recherchirte die Polizei weiter und die Folge dieser Recherchen i st d i e V e r h a s t n n g d e r F r a u M a ch u l a, welche gestern Mittags erfolgte. Frau M a ch u l a ist eine Schneiderin, welche bis zum 1. Jänner d. I. in dem Hause Othmargasse 12 gewohnt und in dem Geschäfte des Herrn Neumann eingekauft hat. Die weiteren Erhebungen der Polizei werden voraussichtlich I baldigst das ״Blutmürchen auf Probe" in allen seinen Einzel- I heiten ergänzen. . ״ <

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.