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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-01-11 · Heft 2 (11.1.1895) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 2. Mitwirkung ist nicht blos als eine finanzielle Hilfe gedacht, sondern auch als persönliche Mitarbeit in der Verwaltung, wo, der geschäftliche Rath jener außerhalb unserer Berufssphäre stehenden Corporatronen und Personen oft von größtem Nutzen ist. Wie weit unsere Hoffnungen gerechtfertigt sind, wird schon die nächste Zukunft lehren. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantorenvereines hat einen, Zweck und Ziel der Pensionscasse in großen Zügen kennzeichnenden Auftuf an sämmtliche Cultnsgemeinden und Cultusbeamten der Monarchie vorbereitet, der bereits in Druck gelegt ist und vom heutigen Tage ab irr vielen Hunderten Exemplaren versendet wird. In der nächsten Woche werden somit sämmtliche Gemeinden Oesterreich-Ungarns, sowie sämmtliche Cantoren und Cultusbeamten diesen Aufruf in Händen haben, und eine heilige Pflicht der Letzteren ist es, nicht nur ihren Beitritt anzumelden, sondern auch mit allen ihnen zu Gebote sichenden Mitteln Ms ihre Gemeinden einzuwirken, dass auch sie der Pensionscasse als unterstützende Mitglieder beitreten und die Gründung derselben fördern Helsen. Wir verkennen keineswegs die mannigfachen Hinderniße, die sich der Vereinigung sämmtlicher Cultusfunctionäre auf dem Boden der Pensionscasse entgegenstellen. Alte Vorurtheile und unduldsame Uebergriffe auf der einen wie auf der anderen Seite haben leider in vielen Gemeinden das Verhältnis zwischen Rabbinen, Cantoren und den übrigen Cultusfunctionären zu einem höchst unharmonischen gestaltet. Allein es handelt sich jetzt um die Erreichung eines für alle jüdischen Cultusbeamten gleich wichtigen Zieles, es gilt, ein für allemal ihre, sowie ihrer Familien Zukunft sicherzustellen; da müssen alle persönlichen und sachlichen Differenzen in den Hintergrund treten und mit aufrichüger Collegialität muß Einer den Anderen unterstützen. Und wir jüdische Cantoren erklären es offen, das wir zu diesem Zwecke allen übrigen Cultusbeamten gerne die Freundeshand biete!: und Jedermann als Freund willkonunen heißen, der sich mit uns zu gemeinschaftlichem Streben vereinigt. ״Viribus unitis״ ist der Wahlspruch unseres erhabenen Monarchen. ״Mit vereinten Kräften", vereint mit den Cultusgemeinden und vereint unter uns, wollen auch!vir an die Arbeit schrecken und zur Erinnerung an das 50-jährige Regierungs- Jubiläum unseres geliebten Herrschers ein Werk vollenden, das für ewige Zecken Heil und Segen in den Kreisen der jüdischen Cultusbeamten spenden soll. Choral und Grmeindrgrfang m der Synagoge. Von Obercantor Jos. Singer in Wien. (Schluss.) Trotz der im vorigen Auffatze meritorisch erörterten Hinderniße erfuhr der Choral, namentlich in Deutschland und Ungarn, merkwürdiger Weise dennoch eine umfassende Einverleibung in das Gefüge der Synagogenliturgie. Mussten die maßgebenden Factoren bei diesem eklatanten Gewaltacte sich auch ' wenden und winden, indem sie, der allgemeinen Anforderung nach Abkürzung des Gottesdienstes folgend, manch' Theilchen ihrer Eigenart und manche althergebrachte heilige Einrichtung dem Phantome der sogenannten ״zeitgemäßen" Reform zum Opfer brachten, *) es that chrer Ueberzeugung dennoch wohl, die altehrwürdige Synagoge in eine ״jüdische Kirche" umgewandelt *) Hohe Keduscha und dreijähriger Thoravorlesungs-Cyklus rc. zu sehen. Der lüsterne Hang nach fremdem Flitter, dem das Judenthum, wie Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann in seiner letzten Sabbath - Chanuka-Predigt ttefflich erörterte, stets gewogen war, brachte ja so manch' traditionell-heilige Familien- und Synagogeneinrichtung zu Falle oder prägte derselben eine fremde Sygnatur auf, um das Judenthum, wie man sich emphatisch .ausdrückte, nur einigermaßen ״salonfähig" zu gestalten. Diese fremde Signatur für den modernen Synagogenge sang war der Choral und aus demselben entwickelte sich später der Gemeindegesang. Folgen wir dem Entwicklungsgänge des Chorals und Gemeindegesanges innerhalb der Synagoge von dessen Beginne bis in die Gegenwart, so gelangen wir zur Ueberzeugung, dass der Ausgangspunkt dieser modernen Errungenschaft im Protestautischen Deutschland zu suchen sei und, mit nur geringen Ausnahmen, auch auf dasselbe beschränkt blieb; Oesterreich, Frankreich und England blieben bis zu diesem Augenblicke von dieser zweiselhasten Bescheeruug verschont. Diese für die Bedeutuugslosigkeit des Chorals zeugende Thatsache muß als unsterbliches Verdienst des Nestors aller synagogal-gesanglichen Reformbestrebungen, Meister Sulzer ו׳יל , erachtet werden. Sulzer stand inmitten jener von Deutschland angeregten Reformbewegung und seinem fachmännischen Blicke wäre eine etwaige Bedeutung dieser Neueinrichtung sicherlich nicht entgangen. Nicht mit einem Federsttiche jedoch findet sich in Schir-Zion — die kurzen Responsoriensätze ausgenommen — der Gemeindegesang oder ein Hinweis auf den Choral irgendwo verzeichnet. Selbst später, bereits im Zenithe seines Lebens angelangt, als er durch Einführung des am Sonntag abzuhaltenden Handwerker-Gottesdienstes zur Schaffung eines Massengesanges veraulasst wurde, perhorreszirte Sulzer den Choral durch die Bevorzugung der Liedform, indem er, wie er sich ausdrückte, ״ein ftommes Lied" schuf. Auch im Persönlichen Verkehr bekannte er sich als Gegner des Chorals und blieb es bis an seines Lebens Ende. Man sollte nun glauben, dass dieses leuchtende Vorbild den Nachttetern Sulzer's als Muster und Fingerzeig für ihre mannigfachen Neugestaltungen dienen sollte. Mit Nichten! Allerdings waren es nur zwei seiner sogenannten Schüler, die die Tradition des Lehrers verwarfen und durch die Einverleibung des Chorals eine neue bedeutsame That zu vollbringen vermeinten. Deutsch in Breslau können und müssen wir gewissermaßen entschuldigen, weil er bei seinem Amtsantritte den Choral- und Gemeindegesang bereits allenthalben in Deutschland vorfaud und es als Anfänger in einer neuen Gemeinde nicht für rathsam hielt, an die Abstellung einer bereits eingebürgerten Thatsache zu schreiten. Zudem sind die Deutsch'schen Choräle solcher Qualität, dass dieselben mehr oder weniger als Lieder behandelt und erachtet werden dürfen Ganz anders ist das Verhältnis bei Friedmann. Bis zu seinem Amtsantritte in Budapest, in der Wiener Vorortegemeinde Fünfhaus als Cantor und Religionslehrer erfolgreich thätig, fehlten ihm hier alle Kriterien für einschneidende Neuschöpfungen und selbst bei etwaigem Vorhandensein derselben hätte er unter dem Machtbanne Sulzers stehend, es nicht gewagt, mit Choral- und Gemeiudegesangsgelüsten hervorzutteten. Kaum jedoch in seinem Budapester Wirkungskreise eingelebt und von dem dortigen Vorstande mit unumschränkter Machtvollkommenheit ausgestattet, schuf er den Choral- und Gemeindegesang und mit demselben die Richtung, nach welcher in den ungarischen Synagogen gesungen werden sollte. Friedmann, zu seiner Ehre sei es gesagt, der mehr Chasen als Cantor, zu-

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