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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1895-01-11 · Heft 2 (11.1.1895) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische ד ■ Pränumerati ons-Preis. FürCantoren n.Cullusbeamle irr Vestereeirs;-Ungarn Ganzjährig -.fl. 4.— Halbjäbrig.fl. 2.— FnrCantvrrn u.Cultusbramte im Ansland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer.! Rrdartion [ und || Administration | Wien!; II״ Novaragasse Nr. 27.! Inferrrte werden billigst berechnet.!! Manuscripte werden nicht; retournirt. Abonnementsu. Insertion«- betrage stnd in Wien zahlbar.! Nr. 2. Wien, 11. Jänner 1895. 15. Jahrgang. Wien, 11. Jänner. Als die österr.-ungar. Cantoren-Zeitung in's Leben gerufen und dllrch sie die Gründung des Cantoren-Vereines allgeregt wurde, warerl es zwei Hauptrichtnngen, nach welchen diese beiden nengeschaffenen Motoren des Berufslebens ihre Thätigkeit entfalten sollten, und zwar die H e b u n g d e r s o c i a l en Steltung und'die Finderung der^ materiellen Jntel7ess׳en des Cantorenstandes. Der erste Theil des Programmes wurde im Laufe der Jahre mit großem Erfolge durchgefi'chrt und auch bezüglich des zweiten kann der Cantoren-Berein auf eine nicht unbedeutende Summe höchst ersprießlichen Wirkens zurückblicken, wiewohl das Ideal, das uns vorschwebte, noch immer in weiter Ferne lag. Die Gründung einer Pensionscasfe, die als eine der Hauptzwecke des Cantoren-Vereines statutarisch festgesetzt ward, wurde allgemein als eine unerreichbare Utopie betrachtet, und so oft man im Vorstande auf diese Frage zu sprechen kam, begegneten die voll einigen Optimisten gegebenen Anregungen nur bedenklichem Kopfschütteln. Mit einen: Male vollzog sich ein jäher Umschwung der Anschauungen. Vor ungefähr Jahresfrist wurde in der österr.- Ungar. Cantoren-Zeitung von verschiedenen Seiten neuerdings die Nothwendigkeit der endlichen Lösung der Pensionsfrage erörtert, die Redaction selbst favorisirte diesen Gedanken in mehreren Artikeln, und auch der Vorstand des Cantorenvereines nahm die früher über diesen Punkt abgebrochenen Berathungen wieder auf. Und siehe da, je näher man der Frage an den Leib rückte, desto mehr verlor sie von ihrer Ungeheuerlichkeit, und alsbald gelangte man zu der Ueberzeugung, dass die Durchsührung derselben, wenn auch mit großen Schwierigkeiten verbunden, immerhin nicht zu den Unmöglichkeiten gerechnet werden dürfe. So kam es, dass der im letzten Sommer in Wien abgehaltene Cantorentag mit Stimmeneinhelligkeit die Gründung einer Pensionscassa beschloß und den Vorstand des Cantoren- Vereines mit den nöthigen Vorarbeiten bettaute. Die Zwischenzeit bis heute wurde mit ernster Arbeit und eülgehenden Studien ausgefüllt, das ursprünglich verschwommene Bild der Pensionscasfe nahm immer bestimmtere Formen an und das unter Mitwirkung eines hervorragenden Fachmannes zu Stande gebrachte Elaborat, das in der Cantoren-Zeitung bereits in allgemeinen Umrissen veröffentlicht wurde, harrt nunmehr der Ausführung. Hellte kanil mehr kein Zweifel darüber herrschen, dass die vom Cantorenvereine ans der Basis des Hilsscassengesetzes von! Jahre 1802 angestrebte Pensionscasfe, die nicht nur den Cantoren sondern sä in in t l i ch e n C n l t u s b e a m t e 11 zugaTigliH gein achf w erd e71 s ol l. lebensfähig ist und ihre Wirksamkeit selbst ohne einen größeren Gründungsfond beginnen kann. Damit aber diePe nsionscasse znm Leber! gelange, bedarf es nicht minder der Mitwirkung der Gemeinden als der aufrichtigen und ernsten Antheilnahme der Cultusbeamten, denn in ihrer Beider Interesse ist die Gründung der Pensionscasse gelegen. Wenn es einerseits natürlich und selbstverständlich ist, dass wir jüdische Cultusbeamte selbst alle Kräfte anspannen müssen, um für unsere alten Tage einen Zehrpsenning znriickzulegen, so kann anderseits nicht geleugnet werden, dass es auch den jüdischen Cultusgemeinden obliegt, für die Zukunft ihrer Angestellten einigermaßen Sorge zu tragen. Theils durch besondere gesetzliche Bestimmungen, theils durch beit Fortschritt der socialen und moralischen Entwicklung gilt es heutzutage in allen Berufssphären als eine unabwendbare Pflicht der Arbeitsgeber, materielle Opfer zu bringen und Hand anzulegen, um die Arbeitnehmer in ihrem Streben nach Verbesserung ihrer Lage zu unterstützen. Allein wir wollen gar nicht aus das gleiche Verhältnis zwischen uns und den Gemeinden und die ans Grund desselben den letzteren zustehenden Verpflichtungen anspielen, denn lvir sind vollkommen überzeugt, dass es den jüdischen Cultusgemeinden niemals an dem Willen, sondern nur an den Mitteln gefehlt hat, ihren Beamten eine Altersversorgung zu gewähren. Und weil wir die Verhältniße von diesem Gesichtspunkte auffassten, haben wir in dem Entwürfe der zu gründenden Pensionscasfe das Jnstitttt der unterstützenden Mitglieder ausgenommen. Dadurch ist. den-Gemeinden, und sei es selbst die kleinste und ä riwst e,-sowie allen.jenen Factoren, die sich zur Mitwirkung finden lassen wollen, ein Platz zur Bethätigung des stets mit vollem Rechtegerühmen-'jüdischen Gemeinsinnes offen gelassen. Diese

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