Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 29 (11.12.1894)
- Date
- 1894-12-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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-Nr^M ÄesterrÄchisch-ungarische Cantoren-Zeitung Seite 7. 600 Kinder mit verschiedenen Kleidern betheilte. Der schöne Act fand in Anwesenheit der Damen des Vorstandes Edle v. Hoffmansthal, v. Pfeiffer, Baronin Königs wart or und eines zahlreichen Publikums im. großen Saale der Productenbörse statt. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Schmie dl, den gesanglichen Theil besorgte Obercantor Goldslein mit seinem Chorpersonale. -— In besonders solenner Meise gestaltete sich am 9. d. M. im kleinen Musikvereinssaale das Bekleidnngsfest des Humanitären Vereines ״Zwanglos", welcher durch die Anwesenheit der Gemälin des Statthalters von Niederösterreich Gräfin Kielmannsegg -und anderer hervorragender Persönlichkeiten geehrt wurde. Der Verein hat auch Heuer Außerordentliches geleistet und hiefür verdient in erster Reihe das Frauencomito mit Frau Zern er an der. Spitze, sowie der Vereins- Vorstand, bestehend aus dem Obmanne Herrn Julius Ehrlich, Obmann-Stellvertreter Dr. Ludw. P i s k und dem Schriftfiihrer Herrn Nathan Königsberger, vollste Anerkennung. Der am selben Abend veranstaltete Vortragsabend! mit anschließendem Tanz-Kränzchen war sehr gut besucht und nahm einen sehr animirten Verlauf. — Einen schönen Beweis privater Wohl-' thätigkeit, die- 11t stillem bescheidenem Werken ihre Befriedigung findet, liefert alljährlich eine kleine Tischgesellschaft ״Tafelrunde" in Johann Mille's Restauration ״Hotel zur Nord bahn," II., Praterstraße 72. Auch Heuer wurden daselbst Sonntag den 9. Dezember 26 arme Schulkinder mit vollständiger Winterkleidung bedacht. Nach einer Ansprache des Schriftführers der Tafelrunde -Dr. L ö w y ließen sich die Kleinen die ihnen von der wackeren Frau Wirthin servirte Jause vortrefflich schmecken und bekamen außerdem noch eine recht große Papierdüte mit Würsten, Canditen, Obst und Backwerk für ihre Geschwister zu Hause mit. Es .war ein kleines aber sehr erhebendes Fest, an dessen Gelingen nicht nur der Obmann der Tafelrunde,׳ Herr.Franz Josef Beckert, sowie der Cassier, Herr Armenrath Emanuel Frankl, sondern auch sämmtliche Damen und Herren der Gesellschaft durch ihren freudigen Wohlthätigkeitssinn Antheil nahmen. Besondere ׳ Anerkenniing verdienen die Herren Armenrath ׳'Jacob Theumann und Brüder H e l l e r, die alljährlich hier, wie bei vielen anderen Vereinen, in Anbetracht des wohlthätigen Zweckes Würste und Canditen gratis beistellten. Anerkennend erwähnt sei auch, dass Herr Carl Reindl, gleichfalls ein Mitglied der Tafelrunde, in seinem Frisirsalon die Haar-Toilette sämmtlicher Kinder gratis besorgen ließ. Nach dieser Verschönerung boten die. Kinder in ihren neuen, gutsitzenden Kleidern, die von dem Kleider-Confectionär Herr-Leopold Weiß zu einem sehr mäßigen Preise geliefert wurden, einen wirklich reizenden Anblick und man dünkte sich in. ein Kinderfest, versetzt, wo alles iif Wonne und Glückseligkeit schwimmt. Lripnik. Herr Josef Münz, ein in unserer Stadt hochgeachteter und hochverehrter Mann, verschied am 27. v. M. im 76. Lebensjahr und würde unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung unserer Gemeindemitglieder' 'am 29. v. M. zur ewigen Ruhe bestattet. Männer, Frauen, Greise und Kinder, Alles drängte, sich-tief ergriffen heran, diesem hochverdienten edlen Menschenfreunde die letzte Ehre zu erweisen. Josef Münz, durch seine nahezu geringen Vermögensverhältniße auf Sparfamkeit hingewiesen, gab mit vollen Händen, wo es galt, die drückende Lage der Armen, ohne Unterschied des Glaubens zu erleichtern; dies allein genügte ihm aber nicht,, er spornte unsere Gemeindemitglieder stets zur Wohlthätigkeit an, indem er keine Mühe scheute/ persönlich bei denselben für Bedürftige oder Leidende sich wärmstens zu verwenden. Am 29. v. M. 3 Uhr Nachmittag leitete unser Obercantor, Herr Stößel, das Leichenbegängnis mit einem gefühlvoll vorgetragenen Adonoj moh odom ein. Hiernach wurde der Sarg mit den theuren Ueberfesten des Verewigten in den Leichenwagen gehoben und von einer unübersehbaren Menschenmenge begleitet, unter Absingung des üblichen dosobs^ besesser, auf den Gottesacker geführt. In der Leichenhalle daselbst angelangt, bestieg unser hochwürdiger Rabbiner Herr Dr. Hillel die Trauerkanzel und schilderte mit tiefschmerzlicher Theilnahme die erhabenen Tugenden und Verdienste dieses edlen Verblichenen in einer sehr inhaltsreichen -Trauerrede; er beklagte in derselben nichü nur den unsäglichen Verlust, welchen unsere Gemeinde durch das Hinscheiden des theuren Verblichenen erlitten, sondern auch die Armen, Witwen und Waisen, welche an Josef Münz einen Helfer in der Noch, einen aufopfernden Vater verlorm haben. Herr Dr. Sigmund Münz, der Neffe des Verstorbenen, Hielt seinem unvergesslichen Onkel einen aus der tiefsten-Tiefe seiner schmerzerfüllten Seele kommenden, ergreifenden Nachruf, schilderte in demselben die bedeutende Gelehrsamkeit und Bescheidenheit dieses seines nunmehr in Gott ruhenden Onkels und erwähnte einer von demselben bei Lebzeit für sich verfassten Grabsteinaufschrift, welche ihm Josef Münz in der Absicht'übergeben, damit ihm ein Anderer nicht eine über Gebühr lobende Grabaufschrift verfasse und die ungefähr lautet: ״ßejodan afkid rucbi bees ischon weoiro we’im ruchi gewiossi adonaj li we’lau iro.“ Bei diesem hochverdienten edlen Menschenfreunde bewährt sich, was der Pajtan im Mussaf von Jom-Kippur spricht : ״Nicht frommen Gold und Reichthumschätze ihm, Lösung ihm am Tage des Ueberganges zu sein, nur so nach Tugend und Wohlthum im Dasein er gestrebt, dringt immer er vor — seines Schöpfers würdig am Ziele." Josef Münz hat nicht gewartet, bis sich ihm Gelegenheit darbot, Zedokoh. zu üben, sondern er suchte die Armuth und das Elend in ihren Stätten auf und that Menschenmögliches, wo es Noch that zu helfen. Schön war dein Leben und Wirken, schön wie von Gott geküsst dein Scheiden, geläutert und geheiligt kehrtest du ein in das Reich der Ewigkeit, wohin deine erhabenen Verdienste dich begleiten. Amen. 7ת'נ׳צ׳ב'ד Prag. Zur Richtigstellung einer jüngst in der ״Cantoren- Zeitung" veröffentlichten Notiz sei hiemit constatirt, dass das Jubiläum des Herrn Musikdirector David Rubin Samstag, den. 22. December d. I. feierlich begangen werden wird. Budtrwis. Herr Cantor Speiser in Budweis hat in dem 23-jührigen Herrn Hugo Gans einen sehr talentirten Cantor entdeckt, welcher auch am 1. d. M. im hiesigen Tempel debutirte, um Herrn Speiser, der auf einer Urlaubsreise in Rumänien weilt, zu vertreten. Die zahlreichen Andächtigen waren im höchsten Grade überrascht von der prächtigen, ebenso klaren, als hohen und kraftvollen Tenorstimme, welche durch Verständnisvollen, innigen Vortrag natürlich .noch gewann. Herr Gans, der nur aus Liebhaberei vorbetete, wurde allseits auf Herzlichste zu dem großen Erfolge beglückwünscht, Hannover. Es ist leider eine bekannte Thatsache, dass die meisten Cantoren, selbst wenn sie schon längere Zeit in einer Gemeinde gewirkt haben, nicht definitiv angestellt werden. So verlor erst vor kurzer Zeit ein College seine gute Stelle, nur weil er den doch gewiss berechtigten Wunsch hatte, ein Definitivum zu verlangen. Viele College!! dürfte deshalb die Mttheilung interessieren, dass der Obercantor der hiesigen Gemeinde, Herr G. Linhardt, in Anbetracht seiner vorzüglichen Leistungen mit einer bedeutenden Gehaltszulage vor einiger Zeit definitiv angestellt wurde. Herr Linhardt bezieht somit von allen Beamten der hiesigen Gemeinde das höchste Gehalt. Die Bedingungen des Vertrages sind für Herrn Linhardt äußerst günstig, und wäre es in Anbetracht der prekären Lage der Cantoren zu wünschen, dass jede Gemeinde ihren Beamten so anstellt, wie es die Gemeinde Hannover gethan. So lautet ein Paragraph des Contraktes: ״Tritt Herr L. in den ersten 10 Jahren in den Ruhestand, erhält derselbe ein Drittel, nach dieser Zeit die Hälfte seines Gehaltes". Um wie viel freudiger würden die Cantoren ihres Amtes walten, wenn sie wüssten, dass seitens der Gemeinde für ihre Zukunft gesorgt ist, dass ihnen, wenn sie einst in den Ruhestand treten, eine Pension, kein Almosen, vertragsmäßig zusteht.und sie nicht, wie leider in manchen Fällen, auf das Mitleid ihrer Nebenmenschen angewiesen sind. Doch hat es Herr Linhardt in der Zeit seines Hierseins auch verstanden, sich die vollste Zuftiedenheit feiner Gemeinde zu erwerben. Möchte die Zeit nicht mehr zu ferne sein, wo das Verhältnis zwischendem Cantor und der Gemeinde überall so ist, wie hier in Hannover.