Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 29 (11.12.1894)
- Date
- 1894-12-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Ge^erreichisch-ungarische Lantoren-Ieittmg. Nr.. 29.. England von dem, was um ihm vorgeht, irgendwie erregt oder mitbewegü fühltweroMLcheMch: fמ wolle-rs die Sittel Menschen,! welchen l die- HeicheMütz'Ärer^Empfindung unanstänbig vorkommt, j 'werde für die Freude kü'denMusik eines der wichtigsten׳ Momente ׳ entzogen^'LWr׳.LvMK^g׳ch'orene Freude an ׳ Mitempfindunge'n und Mitbewegungen hat ׳ und bei wem die Aeußerung' einer: solchenFreüde durch "Erziehung allgemach abgetödtet werdender! müsse unmusikalisch werdem.* 7 ״ ־j־! Es sei die-׳Annahme ziemlich ׳ allgemein verbreitet', dass; jedem Menschen das Gefühl für Rhythmus angeboren'sei.' Billroth bestreitet dies und behauptet, dasses Menschen gebe,! welchen das rhythmische Marschieren׳ ebenso wenig beizubringen ist wie etwadas-richtige Singen. Der große Chirurg hat bei den Kommandanten-mehrerer österreichischer Jnfanterie-Regimenter nachgefragt Und ׳ erfahren, dass es Rekruten gebe, welche das rhythmische Marschieren nie erlernen. Ungeschickte brauchen 3—a Wochen, um marschieren zu lernen; wer jedoch nach 6 Wochen Hebung nicht im Tact marschieren könne, erlerne es ׳nicht mehr. Es gebe auch intelligente Personen, welche glauben, gut zu' marschieren; sie berühren aber immer zu früh den Boden. Es giebt nach 'Billroth Menschen, denen das rhythmische Gefühl nicht angeboren und auch nicht beizubringen sei. Sie müssen absolut unmusikalisch sein, denn die Fähigkeit, ׳Die"׳ rhythmische Gliederung der Töne zu einer Melodie aufzufassen, , sei die erste Bedingung zum Erfassen von Musik. '/ ׳' Tanz- und Wanderlieder verdanken ihren Reiz dem Rhyth- ׳Müs. Die bei׳ unseren Gebirgsbewohnern noch immer neu ent- ׳stehenden ״Vierteiligen" sind die׳ letzten Reste der früher so sehr verbreiteten Tanzlieder. -׳׳ Die Körperwie die Gedankenbewegungen waren im Mittelalter selbst beim Ausdruck des Vergnügens weit langsamer mss jetzt. Die Menuetten, Sarabanden und Gavotten, welche iMM Tanz, auch wohl von den Tanzenden selbst gesungen wurden, ׳Machen uns jetzt einen fremdartigen, ernsten, oft melancholischen ׳Gstdruck, gleich geistlichen Liedern. Etwas davon steckt noch in den Tänzen unserer Gebirgsbevölkerung; sie seien vorwiegend -langsam und gravitätisch. :'׳' R. Wagner verdanke seine musikalischen Erfolge zum größten -Theil seiner hohen Begabung für die Erfindung rhythmisch schön gestalteter Motive. Dass Mayerbeers vier große Opern sich immer noch auf dem Repertoire halten, liege hauptsächlich in der großen, zielbewussten Sorgfalt, welche er der rhythmischen Gestattung seiner Musik widmete. Man sieht, wie änregungsreich der Essay Billroths in der ״Deutschen Rundschau" ist. Wer sich des näheren über die erwähnten Themen belehren lassen will, der genieße den Aufsatz des geistvollen Arztes in dessen Gänze. Meine Chronik. Wien, 10. Dezember. (Die Sonntagsruhe der Juden.) In der gestrigen Sitzung des Polenclub wurde über das Gesetz betteffend die Regelung der Sonn- und Feiertagsr u h e im Gewerbestande berathen. Der Verlauf der Debatte über diesen Gegenstand, sowie der einhellig gefasste Beschluss beweist, dass der A n t i s e m i t i s m u s, wie er gegenwärtig betrieben wird, b ei keinem Mitgliede des Polenclub auf Unterstützung rechnen kann. Die Debatte nahm nachstehenden Verlauf: Abgeordneter Dr. Byk stellte im eigenen und im Namen des Abgeordneten Dr. von Rapoport nach-- stehenden Anttag: Zu den im Artikel HI des Gesetzes angeführten Ausnahmen ist noch ein neuer Absatz zuzufügen, ״die A rch e i t e n von N i ch t ch r i st e n,!wenn jie n a chw e i s en, d ä-.sH!׳:f׳i e-vißr UmdzwäMzäy. Sst NMd^n#i1 ühDe r ConFe-s s i-o ir-f e i-vr nyHjtry enrn - ki'fc se^A-'r- .b eisten nüHst.,östf.e,n.tlich ,si.m.d," ..In.der.-Begrundyng hob, Dr. BM.hervor, /dass die jüdische BevöHUng/üveMe Äe S a b^b ästÄ ru^h e beobachte und der sözia lp'o lstt istH'e n A b'sst ch t'des" GesH'es^ übevM'e ' Sonntagsruhe׳ sonach׳-gerecht werde, in.׳hohem -Grade -beunruhigt״'--sei: Ww e i RuhestnM in-, der yWoche^ nvürden - die....^rwerhsfüWkeit-.׳-׳-deEijdischen׳. Gewerbetreibenden, untergraben.. Das, e n g lisch estGesetz mache, für jene jüdischen Gewerbetreibenden, welche die Sabbathrühe' beobachten, eine A u s n a h m e'.' und die' Verhältniße in Oesterreich würden gewiss eine solche Ausnahme auch rechtfertigen. Besondere Wichtigkeit habe diese Frage für. Galizien mit seiner jüdischen" -Bevölkerung -von mehr als 800,000 Seelen. Abg. Dr. Plazek unterstützte wärmstens diesen, Antrag und stellte für den Fall der Ablehnung desselben im Plenum den Eventüalantrag, wonach die Regelung dieser Frage Le!r Land e s g ef etzgebung zu überlassen sei. Abg.' Dr. Edler v. Rapoport wies darauf hin, dass die Israeliten in Galizien an den religiösen Vorschriften sehr strenge festyalten und dass bei denselben die Sabbathruhe schon Freitag vor Sonnen- Untergang beginne. Wenn also die jüdischen Handwerker gezwungen sein sollten, außer Samstag noch Sonntag zu feiern, so würden sie durch dritthalb Tage der Möglichkeit des Erwerbes beraubt sein, sie würden mehr als ein Drittel der Woche verlieren. Das wäre für die Israeliten eine umso drückendere Last, als . es hervorgeh oben, werden muß, dass die ökonomische Lage der Juden in Galizien immer trauriger sich gestalte. Die Juden werden nach und nach von Erwerbszweigen, die sie betreiben, abgedrängt. Es ist kaum glaublich, wie groß gegenwärtig das Elend unter den Israeliten, namentlich in kleinen Städtchen und auf dem Lande, ist, man kann heute sagen, dass der größte Theil jener achthunderttausend jüdischer Einwohner in Galizien nahezu am Bettelstab ist, und dies kann für das ganze Land selbst zu einer großen Katastrophe werden. Würde man aber die israelitischen Handwerker, die bis jetzt den Samstag heiligen, zwingen, auch am Sonntag die Arbeit ruhen zu lassen, so würde ein Theil derselben, um nicht des Erwerbes .beraubt zu sein, am Samstag zu arbeiten beginnen, und das wäre eine Abschwächung der Religion bei 800,000 Einwohnern Galiziens, was bei den gegenwärtig in diesem Lande zu Tage tretenden sozialen Strömungen sehr gefährlich wäre. Diese Ausführungen des Dr. Rapoport wurden vom Polenclub sehr beifällig ausgenommen und machten einen tiefen Eindruck. Nachdem noch die Abgeordneten R o s z k o w s k i, L e w i c k i, Dr. R o s e n st o ck, S z c z e p a n o w s k y, Dr. B l o ch, Graf P in in s ki, P. Pa st o r und P o t o c z e k gesprochen, wurde der Anttag der Abgeordneten Dr. Byk und Dr/ R a P o p 0 r t mit dem Zusatzantrag des Abgeordneten P la z e k e i nstimm i g a n g e n o m m e n. Wien. Sonntag, den 2. December fand im türk.-sephardischen Tempel ein solenner Gottesdienst statt, verbunden mit einer Kleiderbetheilung an circa 50 arme Schulkinder und Chorknaben durch den Humanitären Verein ״Halbascha", welcher unter Leitung der Herren Jaques M. Russo und Isidor Farchi steht. Zu dieser Feierlichkeit hatte sich der Gesammtvorstand mit dem Präsidium Marcus M. Russo und Licco I. Adutt nebst einem zahlreich distinguirten Publikum eingefunden. Die Feier wurde mit einem Orgelpräludium und einer Hymne in spanischer Sprache eingeleitet, worauf zwei Schulkinder Gedichte vortrugen. Die Festrede hielt Rabbiner Michael Papo, worauf die Volkshymne unter Leitung des Chordirigenten Löwit gesungen wurde. Director E. Groag hielt die Gedächtnisrede für die verstorbenen Gründer und Förderer der türk. Talmud-Thoraschule. Zum Schlüsse recitirte Ober-Cantor Bauer in wahrhaft erhebender und Herzergreifender Weise das ״Meniiclia Nechona־‘ für die verstorbenen Gönner der Schule und ״Halbascha" womit die würdige Feier schloss. Wien. Im Laufe der letzten Woche wurden von mehreren Vereinen Bekleidungen vorgenommen. An der Spitze derselben steht 'der THeresien-Kreuzer-Verein, der