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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-12-01 · Heft 28 (1.12.1894) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 28 (1.12.1894)
Date
1894-12-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitung. Nr. 28. Anlässlich des fünfzigjährigen Bestandes der Anstalt hat der Director derselben, Herr Dr. Mvriz Brunner, in einer Festschrift ein Bild der Entstehung und der Entwicklung des österreichischen israelitischen Taubstummen-Jnstituts entrollt. Auf dem ganzen Erdenrund — führt Dr. Brunner aus — gab es keine Anstalt, die sich die Erziehung israelitischer Taubstummer zur Aufgabe gestellt hätte. Ein schlichter Kaufmann, Hirsch Kollisch aus Nikolsburg, war der Gründer der Anstalt. Entscheidend für den entgiltigen Entschluß des Menschenfreundes war sein Verkehr mit dem um das Taubstummen-Bildungswssen hochverdienten Priester Dr. H. Czech, welcher sich ein Leben lang der Bildung der Taubstummen widmete. Bald reifte der Gedanke zur That; als Lehrer wurde Herr I. Deutsch aus Brünn gewonnnen und im Herbste des Jahres 1844 trat die erste israelitische Taubstummeuschute in Nikolsburg ins Leben, deren gesammte Kosten Herr Kollisch aus Eigenem bestritt. Im April 1852 übersiedelte das Institut nach Unter- Meidlig und wurde mit einer ergreifenden Rede des berühmten Predigers I. N. Mannheimer eröffnet. Damals trat dem Gründer ein Vorstandscomits zur Seite, das aus den Herren Dr. I. Edlen v. Hofmannsthal, M. L. Kanitz, I. N. Mannheimer, H. Pollak, I. H. Politzer und E. Wertheim bestand, welche in selbstloser Weise die Administration der Anstalt und die Aufsicht über dieselbe übernahmen. Der Mangel an hinreichenden pecuniären Mitteln machte diese Aufgabe zu keiner leichten. 1853 traten die Damen M. Schnapper und Julie Schlesinger in den Vorstand ein und besorgten die Ueberwachung der weiblichen Zöglinge. 1854 wurde der Gründer der Anstalt Herr Kollisch vom Kaiser mit dem goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Immer weiter dehnte sich die Anstalt aus und mit der Eröffnung des Jnstitusgebäudes in der Nudolfsgasse Nr. 22 (damals Haltergaffe), wo dasselbe sich heute noch befindet, trat am 17. October 1858 die Anstalt, die noch immer von Herrn Deutsch geleitet wurde, in eine neue Epoche. Nun hatte die Anstalt eine eigene zweckentsprechende Heimstätte gefunden, in welcher sie in stiller Wirksamkeit ihrem erhabenen Ziele zuzustreben vermochte. Und in d!r That wurde sie jetzt ihrer Aufgabe, neben der geistigen und sittlichen Hebung auch die physische Kräftigung und Stärkung der Zöglinge zu fördern, in erhöhtein Maße gerecht. Im Jahre 1860 trat der gänzlich erblindete Schöpfer der Anstalt in den Ruhestand. Das Institut schritt auf seinem segensreichen Pfade ungehindert fort. Heute gehören dem Vorstände der Anstalt als Ehrenpräsidentin Frau Julie S ch l esing er, als Präses Herr Josef Hieldburgshäusser und als Vorstandsmitglieder die Herren Max Theodor Schiff, Emanuel Kollisch, Gustav P r z i b r a 11t, Stadtrath Wilhelm Stiaßny, Dr. Arthur Kuranda, Gemeinderath Dr. Alfred Stern, kaiserlicher Rath Joel Deutsch und die Damen Annica B e n v e n i st i, Aurelie Weiß, Karoline v. G o 111P e r z- Bettelheim, Joscphine Paul-Schiff, geborene Freiin v. Königsw arter, an. Der Lehrkörper der Anstalt setzt sich zusammen aus dem Director Dr. Moriz Brunner und den Herren Michael Berger, Dr. Hermann Millich, Josef Friedl, Moriz Wolf, Eduard Brüll, Moses Berkun, Max Weißmandl, Nathan Rößler. Den Schreibunterricht leitet Herr Karl Augustin, den Turnunterricht Herr Eduard Brüll und den Unterricht in den weiblichen Handarbeiten Fräulein Hermine Hoffman 11. Den Gottesdienst in der Synagoge der Anstalt leitet Herr Cantor D. L. Rotter. Die Anstalt kann mit hoher Befriedigung auf eine fünfzigjährige Wirksamkeit zurückblicken. Sie hat die Hoffnungen, die einst in sie gesetzt worden waren, vollauf erfüllt. Sie wählte Männer zu ihren Mitarbeitern, die später in hervorragender und leitender Stelle wirkten und meistens noch wirken, so der ehemalige Director der k. k. Lehrerbildungsanstalt in Wien, Herr R. Nied er g es äß, der Derector der niederösterreichischen Landestaubstummenschule im XIX. Bezirke in Wien, Herr A, L e h f e l d, der Director der israelitischen Taubstummen-Anstalt in Budapest, Herr L. Grünberger, der Director eines Taubstummen-Jnstitutes in London. Herr S. Schöntheil und der Director einer Taubstummen-Anstalt in New-Aork, Herr D. Green e. Kleine Chronik. Wien. Bei dem Herannahen des Winters bewährt sich der hohe Wohlthätigkeitssinn der Wiener Bevölkerung. Von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Bekleidungsvereine, die zumeist ohne Unterschied der Confession die armen schulbesuchenden Kinder vor den Unbillen der rauhen Witterung zu schützen suchen. Das edle Wirken einiger dieser Vereine sei im Nachfolgenden anerkennend erwähnt: Sonntag, den 2. December veranstaltet der Verein ״HalbaschZ." im türkisch-israelitischen Tempel ein Bekleidungsfest, bei welchem Herr Rabbiner Michael Papo die Festrede halten wird. — Samstag, den 8. December werden vom Vereine ״Treubund", der unter dem Protectorate des Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann steht, im Stefaniesaale arme Kinder mit Winterkleidern betheitt, und hieran schließt sich ein Vortragsabend zu Gunsten des Bekleidungsfondes an. — Im Hotel ״Central" wird am 1. d M. der humanitäre Geselligkeitsverein ״Nudolfsbund" arme Kinder bekleiden. Die Festrede hält der rührige Obmann des Vereines, Herr Armenrath Josef Pollak. Das Erträgnis des hierauf folgenden Geselligkeits- Abendes ist gleichfalls dem wohlthätigen Zwecke gewidmet. — Einer der hervorragendsten dieser Vereine ist der Humanitärgesellige Verein ,.Zwanglos". Er bekleidet alljährlich über 100 Kinder und erfreut sich der Unterstützung angesehener Persönlichkeiten. Die Kinderbekleidung, die Heuer am 9. December im kleinen Mnsikvereinssaale stattfindet, vollzieht sich daselbst in einer besonders solennen Weise. Nach der Bekleidung veranstaltet der Verein um 8!/2 Uhr Abends einen musikalisch-deklamatorischen Vortragsabend mit anschließendem Tanzkränzchen. In Anbetracht des Humanitären Zweckes haben hervorragende Kunstkräfte ihre Mitwirkung bereitwilligst zugesagt. Olmiitz. In der am 17. November l. I. um 6 Uhr Abends erfolgten Constituirung des Cultusausschusses der neuen Wahlperiode wurde Herr Eduard Hamburger mit Stimmen- Einhelligkeit zum Vorsteher der Cultusgemeinde auf die Dauer von 4 Jahren wiederaewählt. Nach der Ennnciation des Wahlergebnißes wurde Herr Ed. Hamburger zu der erfolgten Wahl allseits auf das herzlichste beglückwünscht und sprach derselbe den Herren Ausschußmitgliedern für das ihm durch die ehrende. Wiederwahl entgegengebrachte Vertrauen den wärmsten Dank ans. Herr Hamburger verspricht, das Interesse der Gemeinde nach jeder Richtung hin zu fördern, und gedachte hiebei der großen Aufgaben, welche der Gemeinde durch den Bau eines Gotteshauses schon in allernächster Zeit bevorstehen, und betonte mit besonderem Nachdrucke im weiteren Verlaufe seiner Anspräche, dass nur durch einheitliches Zusammenwirken des Ausschusses günstige Erfolge erzielt werden könnten. Herr Hamburger schloss seine Anspracbe mit einem von den Herren Ausschußmitgliedern begeistert ausgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, dessen Huld und Gnade wir die Genehmigung zur Constituirung als selbstständige Gemeinde zu verdanken haben. Die Herren Ausschußmitglieder erhoben sich von den Sitzen und stimmten begeistert in 3malige Hochrufe ein. Zum Vorsteher-Stellvertreter wurde Herr Dr. Jacob Eben gewählt. Mitglieder des engeren Ausschusses sind auch die Herren: Salomo» Czeczowiczka, Großindustrieller, Jacob Kirschner, Dr. L. Gans, Dr. Leopold Löw, Dr. Nathan Prochaska, k. k. Staatssecretär, Josef Löw, Liqueurfabrikant, Sigmund Zweig, Kammerrath, Simon Schein, Ignaz Brieß, Malzfabrikant, Josef Groag, Eduard Thaußig und Samt Pollak. Troppsu. 26. November. Seit der Bestätigung der neuen Gemeindestatuten zeigt sich das cultuelle Leben in unserer Gemeinde auf allen Gebieten in stetiger Entwicklung. Zur Förderung des religiösen Sinnes und zur Verschönerung des Gottesdienstes wird die jüngst erfolgte Gründung des hiesigen Chorvereines nicht wenig beitragen. Derselbe besteht aus Herren und Frauen der besten israelitischen Familien und wird unter der Leitung unseres ebenso befähigten als beliebten Obercantors,

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