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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-12-01 · Heft 28 (1.12.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 28 (1.12.1894)
Date
1894-12-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nx. 28 Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Seite 7. Herrn Singermann, gewiss eine ersprießliche und künstlerisch vollendete Thätigkeit entwickeln. — Gestern fand im III. Wahlkörper die Wahl in die Vertretung der hiesigen israelitischen Cnltusgemeinde statt. An derselben betheiligten sich 63 Wähler. Gewählt wurden die Herren: Ignaz Brecher, Bernhard Rosenzweig, Dr. Theod. Sonnenschein, Adolf Ehren Haft, Salomon Zwillinger, Josef Oppenheim in Bennisch, Moses Lerner, Ignaz Groß, Adolf Weiß, Sami Spigler. Als Ersatzmänner: Herr Leopold Wein b erg er in Hadrnnek und Herr A. Spitzer. Bielitz. Ueber Einladung des Humanitäts-Vereines ״Austria B’ne Brith.'־‘ hielt am 18. d. M. um 8 Uhr Abends in dem Festsaale des Vereines Herr Rabbiner Dr. Groß aus Lundenburg vor einem zahlreichen distinguirten Publikum, worunter wir auch mehrere Mitglieder des Cultus-Vorstandes bemerkten, einen Vortrag über die Ursachen des Bestandes und die Fortdauer des jüdischen Volkes. Von dem jüngst vom evangelischen Bischof Papp in Ungarn ausgesprochenen Satze ausgehend: ״Dass Nationen nur dann zugrunde gehen, wenn sie sich den Machtgeboten der geistigen Gesetze entziehen", gieng der Redner in überaus klarer und geistvoller Weise auf die ethischen Gesetze des jüdischen Volkes über und wies aus der Ethik des jüdischen Volkes die Ursachen des Bestandes und der Fortdauer desselben nach. Der Redner, der über .ein sonores Sprechorgan verfügt, verstand es, durch den reichen Inhalt seines Vortrages sowohl, als durch die Art der Ausführung desselben die Aufmerksamkeit des ihin andächtig lauschenden Publikums durch niehr als eine Stunde zu fesseln, das ihm schließlich durch rauschenden Beifall für den schönen und lehrreichen Abend den Dank abstattete. Wir wünschen vom Herzen, dass der Verein Austria B’ne Brith ähnliche Vortrüge öfters zu veranstalten Gelegenheit haben möge. Mainz. In den fünfziger Jahren wurde ein erkrankter Judenknabe von einer katholischen Magd, die die Seele des Kindes vor ewiger Verdammnis retten wollte, mit der Nothtaufe versehen. . . . Das Kind, das dem Tode verfallen schien, gesundete wieder — wurde heimlich seinen Eltern entführt und in einem katholischen Kloster erzogen. Für die Rückgabe des kleinen Mortara an seine Eltern kämpfte damals die ganze liberale Presse, diplomatische Noten wurden gewechselt, doch keine Macht vermochte Rom zu bestimmen, den im Sinne der Kirche durch die Taufe zum Katholiken Gewordenen herauszugeben. Der Akt aus dem kirchenstaatlichen Rom lebt wieder in der Erinnerung auf, jetzt, da Mortara, ein gereifter Mann, deutschen Boden als Missionsprediger betreten hat. Jüngst predigte der Pater vor Tausenden von Andächtigen im- Mainzer Dome. ... Er ist ein hagerer, nicht sehr großer Mann, dessen Augen von einer dunklen Brille überdeckt sind. Sein Organ ist klar und kräftig. Er sprach meistens im Tone eines Docenten, der es verschmäht, durch rhetorische Kunstgriffe seines Vortrag zu schmücken. Selbst wenn er eindringliche, mahnende Aceente anschlug, vermied er es, den von schwärmerischer Ekstase Hingerissenen zu spielen. Immer machte der Prediger den Eindruck, als ob sein Verstand ihm diktirte: Jetzt lauter, jetzt pathetischer zu reden, einen lebhafteren Gestus der Hände zu wählen — nie schien er Impulsen seines Herzens zu folgen. Die deutsche Sprache spricht er gewandt, nicht einmal war er genöthigt, ein Wort seiner Muttersprache zu entlehnen. Nachdem er den Zweck seiner Reise nach Deutschland (Spenden für ein Missionshaus zu sammeln) verkündet hatte, erwähnte er seiner eigenen Schicksale. Durch eine ganz ״besondere göttliche Gnade" sei er zu seinem apostolischen Berufe gekommen. ״Unendlichen Dank" schulde er dem Papste Pins den Neunten, der sich seiner, eines ״Unwürdigen", angenommen, — und ihn auf den Weg des Heils gebracht habe. ... Doch noch ein schwerer Kummer nage an seinem Herzen. Viele seiner Verwandten seien noch im ״Irrglauben" befangen; ״gelänge es ihn!, auch nur Einen 31t bekehren, gern opfere er ׳ dafür sein Leben. ... Er ersuchte. die Anwesenden, für seine Verwandten, besonders für seine ״thenre Mutter", zu beten. Mortara selbst schloß seine Mutter in sein Gebet. . . . Petersburg, 28. November. Die in Moskau lebenden Israeliten drückten dem Kaiser durch die Großfürstin Sergius ihr Beileid anlässlich des Ablebens des Kaisers Alexander ans. Einer Meldung der Blätter zufolge ließ Kaiser Nikolaus den Israeliten hiefür seinen herzlichen Dank anssprechen. London. An der hiesigen Hope Street-Synagogue wurde vor den hohen Feiertagen Herr Cantor A. Perlzweig aus Brody, ein Schüler der Cantorenschnle des Obereantor I. Bauer in Wien, engagirt, der es wie selten einer seiner Vorgänger verstand, sich die Sympathie sümmtlicher Gemeindemitglieder im Sturm zu erobern. Schon die vortreffliche Function an den ersten Selichottagen fand solchen Beifall, dass die Preise der Sitzplätze «m das Doppelte stiegen, aber noch mehr begeisterte er die andächtigen Beter an den Feiertagen durch seinen ansgezeichneten Vortrag und die trefflichen Leistungen des von ihm eingeschnlten Chores. Seither ist die L-ynagoge an allen Sabbathen überfüllt und jeder Zuhörer verlässt in gehobener Stimmung das Gotteshaus. Unser Prediger, Rev. Maccoby, sowie auch Rev. David Cohen-Zedek, der zu wiederholten Malen unsere Synagoge besuchte, haben dem allseits geschätzten Cantor hiefür öffentliche Anerkennnng gezollt. New-Horkr. Dass man hier zu Lande dem ״Freizoll" immer mehr abhold wird, dass man mit allen Kräften bestrebt ist, die hiesigen Industrien zu heben, hiesige Producte den ausländischen mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen zu machen, tritt immer deutlicher zu Tage. Man will sogar jetzt dem europäischen Rabbi n e r den Einzug in das gelobte Land Amerika wesentlich erschweren und die Zeit scheint nicht mehr fern zu sein, in welcher man für das europäische Product hier überhaupt keine Verwendung mehr haben wird. In diesem Falle erweist sich zunächst als ein nicht zu unterschätzender Im- Pvrtations-Hemmschuh das Jewish Theological Seminary (Indisch Theologische Seminar), welches sich in 736 Lexington Ave. befindet. Dasselbe steht unter der Leitung bedeutender Rabbiner, aber auch von Laien, denen nicht nur eine ausgezeichnete Bildung, sondern auch weitgehendste Geschäftserfahrungen zur Seite stehen. Hier ist die Pflanzstätte, an welcher jungen Jsrae- Uten, die sich dem Predigtamtsstande gewidmet, herangebildet werden und von welcher aus in nicht unabsehbarer Zeit zahllose Gemeinden in den Ver. Staaten ihre Seelsorger und Kanzelredner erhalten werden. Wie es heißt, giebt es zur Zeit für einen jungen, strebsamen Israeliten kein besseres Feld, auf dem er Berümtheit erlangen könnte, als das Studium der Theologie, das ihm den Weg zu Predigtamtsstellen eröffnet, und die Zahl der Applikanten, welche um Aufnahme in das Seminar nachsuchen, wächst beständig. Wollen sie doch alle solchen berühmten Vorbildern wie Jsaac Lefser, Alexander Kohut, Adolf Hübsch, Henry S. Jacobi, Samuel Adler und Max Lilienthal, die sämmtlich im Ausland das Licht der Welt erblickt, aber hier in der Geschichte des Jndenthums hervorragende Plätze einnehmen, folgen. Weder orthodoxen noch Reform-Tendenzen wird in dem Seminar gehuldigt, sondern in den Lehren des lauteren I n d e n t h u m s werden die Studierenden unterwiesen, obwohl eine große Anzahl Mitglieder der Facultüt sich zum orthodoxen Judenthum bekennt, darunter Herr Joseph Blumenthal, der Präsident des Seminars, der auch Präsident der leitenden orthoboxen Synagoge der Ver. Staaten, Shearith Israel, gewesen. Gewichtige Namen finden wir in der Liste des ״Advisory Board" des Seminars. Präsident der Facultät ist Rabbiner S. Markus aus Philadelphia, der bereits im 71. Lebensjahre steht. Gegen die vielfach verbreitete Ansicht, das hiesige Seminar sei gegründet worden, um dem Hebrew Union College in Cincinnati, dessen Gründer der bekannte Kanzelredner Dr. Isaak M. Wise ist, Concnrrenz zu machen, verwahren sich die Leiter des Seminars auf das Entschiedenste. AK- Diejenigen Abonnenten» welche den Abonnements-Betrag für das letzte Lnartal 1894 noch nicht eingesendet haben, werden hiemit dringendst ersucht, dies umgehend zu thnn. Die Administration.

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