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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-12-01 · Heft 28 (1.12.1894) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 28 (1.12.1894)
Date
1894-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitung. Nr. 28. bestellten Person. 9tur hier kann das Kind die Geläufigkeit im Beten sich aneignen. Sehr nöthig ist zur vollständigen Erreichung dieses Zweckes, dass auch der Vater vor dem Kinde beten und ihn: auch hierin ein gutes Beispiel geben soll,, außer der Erfüllung seiner Religionspflicht. Auch er muß zu Hause — wenn er Brot suchen muß — nicht täglich das ganze übliche Morgengebet beten (Broch. 76). ״Besser wenig beten mit Andacht, als viel ohne Andacht" (Joma 71 und Eruö. 64). Es genügt, wenn er das VVV und שמינה עשי״ה Betet. Dieses der religiösen Erziehung seiner Kinder gebrachte kleine Opfer wird ihm reichlich belohnt werden und wird ihn einer mehr Zeit und Mühe erforderlichen Arbeit entheben, was oft durch religionslos erzogene Kinder, die zumeist auch zügellos sind, veranlasst wird. ״Die Gottlosen find wie das vom Sturm bewegte Meer." (Jes. 57 20). ״Der Glaube an Gott heiligt und befestigt das Band zwischen Eltern und Kindern, zwischen Unterthanen und Fürsten; Unglaube löst alle Bande, vernichtet allen Segen." (Pestalozzi.) Wenn die Kinder nach Beendigung der Volksschule, 9—10 Jahre alt, das tägliche Gebet geläufig beten können, dann, aber nur daun werden sie es auch während ihres Besuches der Mittelschulen täglich gern beten, mindestens die obgenannten Hauptgebete, weil dieses wenig Zeit und Mühe kostet, denn sie sind ihnen muudgeläufig. An schulfreien Tagen, besonders in den Vaeanzen, sollen sie das ganze Gebet beten und den Tempel besuchen, wenn dies auch dem Vater in Folge seines Berufes unmöglich ist, was er dem Kinde erklären soll. Auch die Religionslehre wird es mit mehr Lust lernen, weil sein religiöses Gefühl durch das tägliche Gebet genährt, noch wacherhalten ist. Wir glauben noch bemerken zu müssen, dass auch die Religionslehrer an den Mittelschulen bedeutend dazu beitragen können, damit die Kinder die liturgischen Gebetstücke geläufig beten können, indem sie ihnen nämlich beim Religionsunterricht solche Gebetstücke zur Recitirung aus die nächste Stunde als Lection aufgeben. Was nützt es, wenn die Kinder die biblische Geschichte und die Glaubens- und Pflichtenlehren kennen, aber nicht mehr geläufig hebräisch beten können und deshalb den Tempel gar nicht, oder blos 3 Tage im Jahre besuchen? Bei solchen Zuständen ist die nächste Zukunft des Judenthums — trotz Prachtvoller Tempel nebst zeitgemäßem Gottesdienste — sehr gefährdet. In diesem Sinne rief der Prophet Jeremiah: ״Vertrauet nicht den Lügenreden, die da sprechen: Tempel des Ewigen! Tempel des Ewigen! Der Tempel des Ewigen sollen sie — die Jsraeliten sein." Durch 6—8 Schuljahre kann nach obgedüchter Unterrichtsweise das gewünschte Resultat erzielt werden. Aber die Eltern müssen die Kinder auch zu Hause zum Beten anhalten. Die heiligste Pflicht derselben ist es, ihre Kinder an den Feiertagen, an denen sie vom Schulbesuch dispensirt sind, mit sich in den Tempel zu führen und ihnen dort zu beten zeigen, wie dies die Väter allgemein bis zur jüngsten Zeit erfolgreich gethan haben. Dis wirkt viel mehr, als der keineswegs zu unterschätzende von den Lehrern geleitete Jugendgottesdienst. Wir haben noch zu bemerken, dass das übliche Anhalten zum Gebete noch folgendermaßen ein entsprechendes Mittel zur sittlich-sozialen Erziehung ist. 1. Es regt die Kinder frühzeitig zur Thätigkeit an Und bewahrt vor Trägheit und Verhätschelung. Denn es muß zeitlich ausstehen, um die bestimmte Betzeit nicht zu versäumen. Dies geschieht noch in höherem Maße, wenn bas Kind in den Tempel eilen muß, und besondevs in den Büßtagen, an welchen dies 1—2 Stunden vor Tagesanbruch geschieht. ״Ewiger! Morgens bete ich zu Dir und hoffe." (Psalm 5. 4.) Es veranlasst Reinlichkeit, nämlich Waschen des Körpers und Sauberkeit des Betörtes, da sonst nicht gebetet werden darf. ״Ich wasche rein meine Hände und umringe deinen Altar, Ewiger!" (Jbid. 26, 6.) 3. Das Kind wird an Enthaltsamkeit gewöhnt, denn es muß früher beten, bevor es isst. (Tr. Broch. 10.) Man möge die angeführten Mittel und Zwecke nicht für Kleinigkeiten halten. Denn durch Erziehung wird zumeist das Unscheinbare zu Großem entwickelt. Daher sagt König Salomo: ״Erziehe den Knaben nach seiner Weise, wie ein ״Kind", wenn er auch alt wird, weicht er doch nicht davon." (Spr. Sal. 22, 3.) Rabbi Chanina eignete seine außergewöhnliche Behendigkeit im Alter von 80 Jahren der ihm von seiner Mutter in seiner frühesten Kindheit zu Theil gewordenen guten Erziehung zu. (Tr. Chulin, 24.) Eine ähnliche Aeußerung that auch Kant von seiner Mutter. Wie im Anhalten zum Gebete ebenso liegt in den anderen Lheilen der jüdischen Erziehungsweise bei näherer Prüfung viel moderne Pädagogik, was wir in einer besonderen Schrift speciell Nachweisen. Je mehr die Eltern sowohl hinsichtlich des Anhaltens zum Gebete, wie in der ganzen alten jüdischen religiös-sittlichen Erziehungsweise ihren Eltern und Vorfahren nachzuahmen streben werden, desto mehr werden sie zur Erfüllung der auf die Kindererziehüng bezüglichen Verheißung beitragen, die da lautet: ״Siehe, ich sende euch den Propheten Eliahu, dieser wird zurückführen das Herz der Eltern zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Eltern" (Maleachi 3. 23 und 24). Sprechen und Singen. (Fortsetzung.) Das Brustregister wird von guten Sopranstimmen vielfach gebraucht. Mancini sagt (Pensieri e riflessioni pratiahe sopra il canto figurato. Wien 1774. pag. 43), dass in einigen seltenen Fällen nur ein Register, das Brustregister, vor- Händen ist, dieses wird durch die ganze Scala der betreffenden Sümme hindurch verwendet. Altsängerinnen 'verwenden fast sämmtlich bei den höheren Tönen die Kopfstimme. Mezzosoprane benützen meistens beide Register. Ebenso benützen die meisten Tenore beide Register. Gewöhnlich werden fünf Sechstel der Scala mit der Brnststimme, das übrige mit der Kopfstimme gesungen; einige wenige singen die ganze Scala mit Bruststimme. Anderseits benützt ein sehr beliebter Concertsänger das Kopsregister für das obere Dreiviertel seiner Scala. Baritons und Bassisten bedienen sich fast ausschließlich der Bruststimme. Die glänzenden Altisten unter Männern bestehen aus Sängern, welche von Natur Bassisten oder Baritons sind, aber beim Gesang sich ausschließlich des Fälsettregisters bedienen; der ausschließliche Gebrauch des Falsettregisters ruinirt schließlich das Brustregister der betreffenden Künstler. Wenn beide Register stets in gleicher Weise geübt werden, bleibt dieses Altsingen ohne Schaden für die Sümme. Dass das Falsett bei Männern wirklich nichts Natürliches, sondern etwas Gekünsteltes ist, beweist die Thatsache, dass erwachsene Natürsänger männlichen 'Geschlechtes sich desselben niemals bedienen. Factisch halten manchmal ganz urwüchsige aber sonst ganz verständige Leute das männliche Falsett für

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