Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 27 (21.11.1894)
- Date
- 1894-11-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 27, Gesterreichisch-ungarische LanLorM-Ieitung. Seite 5. t)en Schwingungen betheiligt (dieser kann sowohl bezüglich der Länge als bezüglich der Breite der Sümmbänder verschieden sein) und drittens: die Stärke des Luftstroms. Vermehrte Spannung wird den Ton erhöhen, auch bei gleichbleibender Stärke des Lnststroms, Verstärkung d^s' Lirftstroms' bei gleichbleibender Spannung der Sümmbänder muß die gleiche Wirkung haben. Natürlich gibt es eine Grenze, über welche hinaus weder der Luftstrom verstärkt, noch die Spannung vermehrt werden kann. Diese Schwierigkeit ist dadurch überwunden, d. h. die durch das größte Maß von Luftstromstärke und Sümmbandspannung zu erreichende Höhe kann noch übertroffen werden durch Verkiirzung der Stimmbänder, durch Verkürzung der schwingenden Zunge wird so ixso der Ton erhöht, und auch ohne Verstärkung des Luftstroms ist durch fernere Verkiirzung der schwingenden Zunge eine weitere Erhöhung des Tones möglich. Die Theorie, dass der Kehlkopf ein Zungenwerk sei, ist schon vor vielen Jahren aufgestellt worden. Magendie hat den Gedanken zuerst ausgesprochen, Johannes Müller die Richügkeit desselben durch Versuche bewiesen. Ersterer gieng sogar schon so weit, dass er mitteilte, dass bei Hunden sich bei jeder Erhöhung des Tones die Stinimritze verkürze. Das einzige Neue, was ich in dieser Frage hinzugefügt habe, ist die Behauptung, dass im Brustregister der Hauptfactor die lange Stimmritze (long reed), im Kopfregister die kurze Stimmritze (sttorb rssd) sei. Ich beanspruche durchaus nicht, dass diese Theorie als eine hervorragend geistreiche angenommen werde, und habe durchaus nicht die Absicht, ein Patent auf diese Erfindung zu nehmen. Ich halte sie nur für den-- zurückgebliebenen unzerstörbaren anorganischen Rückstand, der von allen Registertheorien übrig bleibt, nachdem die verbrennbaren Theile derselben in der Flamme der kritischen Betrachtung in Rauch aufgegangen sind. Betrachtet man während des Singens den Kehlkopf mit dem Spiegel, so kann man die Thäügkeit der schwingenden Zunge, d. h. hier Sümmbänder, sehen, und die Form und Größe der Oeffnung, durch welche die Luft nach oben entweicht, kann ebenfalls genau beobachtet werden. Dennoch sind die Schwierigkeiten einer durchaus gleichmäßigen Beobachtung während der ganzen Skala so außerordentlich große, dass man, um sich eine.sichere Anschauung des ganzen Vorganges verschaffen zu können, eine große Anzahl von Säugern untersuchen muß. Die beigegebene Abbildung, welche den Kehlkopf bei Angäbe eines tiefen Tones darstellt, wird das Verständnis der folgenden Betrachtungen wesentlich fördern. & ccf ''"C1G y. m r/äH e Kehldeckel, og og’ Stimmritze, cg Knorpelglottis, vb Kchlkopftasche, vc Stimmband, c. W Wrisberg-Knorpel, c. 8 Santorinischcr Knorpel c. Gr Vorderer Fortsatz des Gießbecken׳Knorpels. Vorerst noch einige wichtige Details: Der Raum zwischen' den beiden Sümmbändern ist die Sümmritze (Glottis) og und og’. Die Töne werden hervorgebracht durch die Schwingungen der freien Ränder der Stimmbänder. Dreiviertel dieser Ränder oberhalb der querpunkürten Linie besteht aus elasüschen Fasern Bänderglotüs), das unterhalb derselben liegende letzte Viertel ist knorpelig und wird durch den vorderen Fortsatz des Gießbeckenknorpels gebildet. Der Sümmfortsatz oder Sporn des Gießbeckenknorpels' bildet den Anfang der Knorpelglotüs. Nur der obere bandartige Theil der Sümmritze bildet die eigentliche Zunge. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Knorpelglotüs bei den üeferen Tönen des Brustregisters geöffnet, bei den höheren Tönen desselben geschlossen ist. Im Detail ergeben sich folgende Verhältniße: Beim Tenor ist die ganze Sümmritze offelr bis zum zweigestrichenen g zuweilen bis a, in einigen Fällen bis h und nicht ganz selten bis zum zweigestrichenen g. Oberhalb dieses Tones tritt der Verschluß der Knorpelglotüs gewöhnlich ein. Bei Baritonsümmen bleibt die ganze Stimmritze häufig offen bis zum zweigestrichenen a, h, zuweilen bis zum 0. Oberhalb dieses Tones ist die knorpelige Stimmritze geschlossen, mit Ausnahme seltener Fülle, in welchen die Stimmritze durch- Wegs offen bleibt. Bei Baßstimmen ist die ganze Sümmritze zuweilen offen bis zum zweigestrichenen a oder h. Oberhalb dieser Note wird die Knorpelglottis allmählig geschlossen. Beim Sopran und Mezzospran bleibt die ganze Sümmritze häufig offen bis zum dreigesttichenen 6 oft bis f, g. In manchen Fällen bleibt die Stimmritze durch die ganze Skala hindurch geschlossen, ja sie wurde sogar einmal schon durch die ganze Skala geöffnet beobachtet. Bei Altstimmen bleibt die ganze Stimmritze geöffnet bis zum dreigestrichenen f, g. Oberhalb dieses Tones ist die Knorpelglotüs geschlossen. Bei der Kopfstimme der Frauen und der Falsettstimme der Männer tritt in den Hinteren Partien der Stimmritze, welche auf dem Bilde dem unteren Theile derselben entspricht, ein absolut fester Verschluß, der bisweilen ziemlich weit nach vorn geht. Der vordere Theil der Stimmritze, bei der Falsettsümme bis zum mittleren Drittheil der Bänderglotüs — bildet eine elliptische Oeffnung. Eine ungewöhnliche Tonbildung, obwohl oft als gewöhnliche beschrieben, ist die, wenn bei der Kopfsümme der Frauen und der Falsettsümme der Männer der obere und untere Theil der Sümmritze festgeschlossen sind und die elliptische Oeffnung sich in der Mitte befindet. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Agrirultur-Colonirn in der Republik Argentinien. Mitgetheilt von Morcno A. Ruf so. Der Gedanke, einem bedrückten, gehetzten und gedemüthigten Volke das höchste Gut der Menschheit, die Freiheit, wiederzugeben, muß von aller Welt gewürdigt werden, und wenn dann diesem Volke Gelegenheit gegeben wird, sich durch Arbeit zu dauerndem Wohlstände emporzuschwingen, dann verdient der Mann, der seinen Brüdern hiezu verholfen und sich freiwillig in die Dienste der Humanität gestellt, die Anerkennung der gesammten Menschheit und den üefgefühltesten Dank der befreiten und beglückten Stammesbrüder. So edel der Gedanke ist, so schwer war auch die Ausführung. Die Direcüon hatte anfänglich mit unglaublichen Schwierigkeiten zu kämpfen; es wird dies erklärlich, wenn man bedenkt, dass Juden, die in ihrer Heimat alles eher als Ackerbau betrieben, sich nur schwer zur Bearbeitung des Bodens eignen. Nur der zielbewussten, energischen Leitung ist es zu danken, dass sich die Colonisten suceessive an die ungewohnte Beschäfügung gewöhnten, und heute kann die erfreuliche Thatsache