Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 27 (21.11.1894)
- Date
- 1894-11-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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M. 27& 0ejlerreid?ifd?־ungqrifc^e; •Cqntoren־geitung. Seite 3.. Bibel fremden.Völkern zuzuführen. .Zlus dieser entstand die lateinische. Uebersetzung, und nachher..folgten.die vielen anderen deren es HL im. Interesse der Civilisirung-nnd Humanisirung> der. Völker nahe an.400 giebd. für die. verschiedenen Sprachen, und Dialekte.der Welt. Wegen der sektirerischen Trennung dieser, jüdischen'Colonieen von! Mutterlande aber wurde trotz eines solchen Erfolges schon damals dieser reformistische Schritt der hellenischen Juden in Palästina beanstandet, später aber noch mehr dadurch, dass diese griechische Bibelübersetzung Grundlage des Christenthums wurde und von ihr die jüdisch-griechischen Gemeinden, auch die heidnischen, als die ersten für die Annahme desselben präparirt Wörden sind. Die Alter! verwünschten daher den Tag, welcher diese griechische Neuerung gebracht hatte und stellten diesen Abfall dem durch das ״goldene Kalb" gleich. So erklärt sich die Scheu vor jeder religiösen Abweichung und gottesdienstlichen Reforrn, wie auch die Furcht vor jeder Hin- Neigung zu den gleichen Sitten und der religiösen Uebereinstimmung mit den Andern. Hierin liegt mit ein Grund für das Festhalten der Inden an der hebräischen Gebetsprache; außerdem hat die beibehaltene Vorlesung der Bibel in der Originalspräche beim öffentlichen Gottesdienste die Bibel im Original und mit correetem, ursprünglichen Texte zu erhalten gesucht. Jedoch liegt darin kein ausreichender Grund, den Gottesdienst ausschließlich in hebräischer Sprache beizubehalten, denn bei uns versteht die Masse des Volkes die hebräischen Gebete und Schriftvorlesungen nicht mehr; für letztere war auch in der Vorzeit schon die Verdolmetschung neben dem hebräischen Original üblich, ohne welche auch die Vorlesung nutzlos ist. Man hört das Gesetz, versteht es aber nicht, wie kam! man es befolgen? Man spricht unverstandene Gebete stundenja tagelang, unter denen es einige giebt, deren Inhalt bedeutungslos, deren Vortrag zwecklos geworden ist, und deren Verständnis beim geläufigen Lesen, wie es doch beim Beten erforderlich ist, oft sprachlich und sachlich selbst dem Fachmann Schwierigkeiten macht. Ein solcher Gottesdienst bietet nichts für Geist und Gemüth, das Volk nimmt aus demselben keine geistige Nahrung mit heim, von der es zehren könnte; selbst die Predigt erfüllt diesen Zweck nicht immer, weil die Religion dem Juden sprachlich, sachlich und geschichtlich fremd geworden ist, und darum manches in der Predigt unverständlich bleiben muß; dazu kommt, dass die Predigt von sehr Vielen gar nicht als integrirender Theil des jüdischen Gottesdienstes angesehen und darum weder überall noch regelmäßig geboten und gesucht wird. Dass in einen! solchen Gottesdienste, wo die Gebete ohne Verständnis mechanisch gelesen werden, aber der Geist weder beschäftigt, noch das Gemüth gehoben wird, die Ruhe schwer zu erhalten und Andacht nicht zu erzielen ist, wird leicht begreiflich; wo sie noch gefunden wird,- ist sie ein Ausfluß des Zwanges, oder nur dem Anstands- und Sittlichkeitsgefühl der Anwesenden, zu verdanken, wird aber dennoch überall für den Begriff einer stillen Andacht viel zu wünschen übrig lassen. Es ist deshalb auch nicht zu verwundern, . dass die Betheilung am Gottesdienst ab- und die Gleichgiltigkeit gegen denselben zunimmt; es wäre vielmehr zu verwundern, wenn es anders wäre. Eine Besserung der Zustände. durch Forcirung des hebräischen Unterrichtes von der Schule, um das Verständnis der hebräischen Gebete und Vorlesungen zu erzielen, ist bei unseren heutigen Schuleinrichtungen und vermehrten Schulaufgaben nicht gut möglich, und im günstigen Falle, trotz großer Anstrengung, nur für wenige Bevorzugte, nicht für die Masse zu erreichen. Ein allgemeiner Erfolg ist nicht denkbar. und selbst für die wenigen Bevorzugten geht er bald verloren, wenn die Pflege der Sprache nach der Schule im Leben nicht fortgesetzt wird. Die Belege dafür liegen zahlreich vor. . Man hat deshalb zur Besserung der gottesdienstlichen; Zustände für das Volk die Abschaffung der unverstandenen he-- bräischen Gebete und ihre Ersetzung durch verständliche, bei uns. deutsche vorgeschlagen und zur Rechtfeetigung auf den katholischen Gottesdienst hingewiesen, wo auch das Volk nicht lateinisch versteht, sondern deutsch betet, und doch der Gottesdienst in lateinischer Sprache gehalten werde. Dieser Hinweis unterstützt den Awrag nicht; nach Analogie des katholischen Gottesdienstes müsste der hebräische Gottesdienst erhalten bleiben, obgleich das Volk nichts davon versteht. Denn der jüdischhebräische und christlich-katholische Gottesdienst lassen sich nicht vergleichen, weil ihre Grundlage eine verschiedene ist. Der katholische ist ein Opfer-, der jüdische ein Gebetgottesdienst; für jene ist nur die Thätigkeit der Priester erforderlich und die Betheiligung der Gemeinde entbehrlich, wie er thatsächlich ohne Gemeinde in den sogenannten ״stillen Messen" abgehalten wird, der jüdische Gottesdienst wird ausschließlich von und mit der Gemeinde abgehalten und entbehrt der Theilnahnie von Priestern. Der katholische Gottesdienst soll in der ״Messe" Nachahmung und Ersatz des jüdischen Tempelopsers sein, welcher nur die, Theilnahme von Priestern zuließ; der heutige jüdische Gottesdienst kennt keine Priester im früheren Sinne, und die Gemeinde beruft und beauftragt einen kundigen und würdigen Mann aus ihrer Mitte als Vorbeter zur Leitung der geineinsamen Gebete und Gesänge, um mit ihr, nicht für sie zu beten. In der katholischen Kirche betet der Priester vermittelnd für das Volk, die deutschen Gebete und Gesänge der Gemeinde gehen, obwohl in Anlehnung an den Priesterdienst, jedoch ohne Verbindung damit und ohne Nothwendigkeit dafür, neben der lateinischen Messe her; das Judenthum kennt keine priesterliche Vermittlung und Vertretung, und ohne Anwesenheit und. Betheilung der Gemeinde kann kein öffentlicher jüdischer Gebetgottesdienst stattflnden. Der dienstthuende Borbeter und die mitbetende Gemeinde stehen auch in Wechselbeziehung zu einander; ohne dass die Gemeinde hebräisch versteht, ist darum ebenfalls ein öffentlicher jüdischer Gebetgottesdienst unmöglich. Es ist deshalb auch unmöglich, dass, wie bei den Katholiken der Priester lateinisch und die Gemeinde für sich deutsch betet, so bei uns der Vorbeter hebräisch vortrage und die Gemeinde ihm deutsch antworte. Eine nothwendige Folge ist darum auch, dass wenn die Gemeinde aushört, hebräisch zu lernen und zu verstehen, der jüdische Gottesdienst verfällt, und dies ist thatsächlich der Fall. Die Frage ist also, ob der unverständliche hebräische Gottesdienst mit einem in der verständlichen Landessprache vertauscht werden könne. Dafür liegt zwar ein Beispiel der Vorzeit durch den griechischen Gottesdienst in Alexandria vor. Man erkannte aber mit Recht schon damals darin eine Absonderung und Loslösung von der israelitischen Gesammtheit, und so wäre es heute auch. Anders wäre es mit der Beibehaltung der hebräischen,Liturgie und Einlegung von Gebeten in verständlicher Landessprache, wie es in der Vorzeit üblich war und heute hie und da üblich ist. In Betreff der Beseitigung des Hebräischen .hat man am Lateinischen im katholischen Cultus einen Wegweiser; dasselbe wird beibehalten gerade der Gemeinsamkeit (Katholicität) des Cultus wegen. Ohne das Band der gemeinsamen hebräischen Gebete bestände die Einheit des jüdischen Cultus und die des über den ganzen Erdboden zerstreuten