Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 27 (21.11.1894)
- Date
- 1894-11-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. GesterreUftsch-ungarische Lantoren^eituug. Nr. 27. nügsamersetzenkann.׳ Sie hat zehn Namen für ״Gott" zu nennen. Sie kann mit keiner, anderen Sprache richtig verdolmetscht werden.- & Wette, in seiner ״Aufforderung" zum Studium der hebräischen Sprache S. 24 sagt: Wie kann man hoffen, dass eine so alte Sprache — wie die hebräische — in der noch die Töne der Urwelt leben, mit der deutschen, oder irgend einer andern modernen Sprache, umgetauscht werde? Mit der besten Uebersetzung ist Falschheit auf Falschheit, Entstellung auf Entstellung gegeben. 6. Weil sie die Gebetsprache der Synagoge — des öffentlichen Gottesdienstes — ist. In dieser Sprache wird auch am Sterbebette gebetet und beim Aushauchen der Seele das ״Schema-Israel" rührend׳ gesprochen. Nebenbei ciüren wir hier nachfolgende wichtige Worte eines berühmten protestantischen Theologen Caquerel. Er sagt in seinen freien Stunden : Die Mission der Juden ist in der Geschichte der Menschheit noch nicht zu Ende : und dass die christliche Welt noch immer ein Interesse daran haben mag, zu hören, wie der sterbende Jude die noch immer verkannte Wahrheit von dem einzigen Gotte bekennt. (S. Franzosen über Juden von Dr. Jellinek s. A. 20. S.) Vielfach schmerzlich muß es für den Scheidenden fein, wenn ihm die im letzten Augenbück feines Lebens an sein Ohr klingenden Abschiedsworte ganz fremdartig klingen. In den Mittelschulen werden die Kinder durch mehrere Jahre viele Sttmden in der Woche mit fremden Sprachen geplagt, von denen die Meisten nach ihrem Austtitte aus der Schule gar keinen Gebrauch machen. Aber aus dem Hebräischbeten, das wenig Zeit erfordert, können sie ihr Leben lang, selbst bei chrem Scheiden aus dem Leben, einen wahrhaft heilsamen Gebrauch machen. Möchten doch die so zärtlich liebenden Eltern dies wohl beherzigen, um ihren Kindern einst diesen großen Schmerz zu ersparen. Diese Sprache ist deshalb ein heilsames Vereinigungsmittel aller in der ganzen Welt zerstteuten Israeliten. Wohin immer ein Jude kommt, dort kann er am öffentlichen Gottesdienste theilnehmen. Da wir nun die Kinder nicht nur fiir sich selbst, nicht nur für uns, nicht nur für das Vaterland, auch nicht für die Menschheit allein, sondern auch für unsere Confession, also für die Synagoge, erziehen sollen: so müssen sie ftühzeitig in jener Gebetsprache geläufig beten können, in welcher dort gebetet wird, um am öffentlichen Gottesdienst facti sch theilnehmen zü können. Wenn aber ein Kind nicht geläufig hebräisch beten kann, so bleibt es der Synagoge fern und wird, früher oder später, ihr ganz den Rücken wenden, da es ihr nicht das Gesicht zuwenden konnte — und sie nicht besuchen, woran größtentheils die Eltern die Schuld tragen. ״So - spricht der Ewige: Was haben euere Eltern Unrecht an mir gefunden, dass sie sich — oder ihre Kinder — von mir entfernten?" (Jeremias 2., 5). In diesem Sinne sind zu verstehen die sonst schwierigen Worte des Talmud (Sifte 5 B. 6, 10). Wer seinen Sohn nicht ftühzeittg die heilige Sprache lehrt, der begräbt ihn lebendig, d. h. er ist für das Judenthum Lobt — ihm entfremdet. (Joredeah 346 c.) Deshalb befiehlt der Talmud, (Suka, 53) dass', sobald der Knabe reden kann, so lehre ihn sein Vater in hebräischer Sprache: Die Lehre, welche Moses uns besohlen hat, die ist ein Erbtheil der ״Gemeinde Jakobs", welches Erbe die Ellern auf ihre Kinder weiter vererben sollen. Ein solcher Knabe.kann auch nicht wahrhaft zun: vierzehnten Lebensjahre cönfirmirt d. h.- ein ein eigentliches Mitglied der Synagoge werden. Er wird auch nicht pflichtgemäß Tefilin (Philakterien) und Ziziß, (Schaüfäde'n). die wichtigen jüdisch-religiösen Erinnerungszeichen aufnehmen, resp. tragen. Die Behauptung des Talmud (Ter. Menuchot 43), dass diese Erinnerungszeichen sichere Präservaüvmittel vor Sündenthaten sind — dies wird von der Erfahrung vollkommen bestätigt. Es mögen' daher die Eltern ihre Kinder zur Benützungdieser Erinnerungszeichen streng anhalten. Endlich wird dieser Knabe für seine Eltern weder in Schiwa noch zum Jahrzeit das mit Recht so heilig gehaltene i,KadischgebeL" für das Seelenheil nicht sagen, d. h. nicht beten. Dass so Manche, die nicht täglich beten, dennoch ״Kadisch" sagen, geschieht aus dem Grunde, weil ihnen in ftühester Jugend Pietät vor dem hebräischen Gebete und vor dem ״Kadisch" insbesondere eingeflößt wurde; aber bei ihren Kindern geschieht dies nicht. (Fortsetzung folgt.) Die hebräische Sprache im öffentlichen Gottesdienste. Aus einem vor Jahren zwischen einem sehr fortschrittlich gesinnten, nunmehr schon verstorbenen Rabbiner und dem Redacteur der Magdeburger israelitischen Wochenschrift Dr. Rahmer geführten Briefwechsel ist nachfolgender, in dem genannten Blattte erst jetzt veröffentlicher Artikel entstanden, der gegenwärtig höchst zeitgemäß erscheint und in den weitesten Kreisen des Indenthums Verbreitung und Beachtung verdient: . ... In der Synagoge hat sich für die öffentlichen Gebete, Gesänge und Schriftvorlesungen die hebräische Sprache erhalten, in den meisten Gemeinden ausschließlich, in einzelnen sind nach dem Vorbild der Vorzeit, wo einzelne Gebete in der damaligen aramäischen Umgangssprache ausgenommen wurden, auch in unserer Zeit einzelne Gebete in der üblichen Umgangs- und Landessprache eingelegt worden, obwohl auch!neistens die üblichen aramäischen Gebete beibehalten werden, deren Verständnis jetzt noch schwieriger ist, als das der hebräischen Gebete. Von den Schriftvorlesungen werden bei uns in einzelnen Gemeinden die Propheten-Abschnitte (Haftara) deutsch vorgetragen, von hebräischen oder auch deutschen Bendictionen (Berachot) begleitet, woran sich dann auch wohl deutsche Gebete für den Landesvater und die Gemeinde (Mischeberach) reichen. Allgemein ist die Predigt in der Muttersprache eingeführt, womit sich gewöhnlich Gesänge vor und nach der Predigt in gleicher Sprache verbinden. Die hellenistischen Gemeinden in der Vor- - zeit, das sind die ehemaligen jüdischen Gemeinden in den außerpalästinensischen Colonieen, welche, z. B. in Alexandrien und wanderen ägypttschen Orten, des Hebräischen nicht mehr kundig, M gleicher Weise unter der griechischen Fremdherrschaft die :griechische Umgangssprache angenommen hatten, wie vorher die 'Juden unter der babylonischen Fremdherrschaft statt der hebräischen Sprache sich an die aramäische. Landessprache gewöhnt hatten, — diese hellenistischen ,Gemeinden hatten in Berück-! sichtigung der obwaltenden Verhältniße einen Gottesdienst aus- 'schließlich in der ihnen verständlichen griechischen Sprache ein-׳ geführt, Gebete und Schriftvorlesungen .wurden griechisch vor- . getragen. Aus dieser Zeit stammt aüch die griechische. Bibel- Übersetzung,' die der ״Siebenzig"^^SeMaginta), gena1llst, welche ׳als die erste Bibelübersetzung den׳ ersten Versuch 'machte, die