Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 27 (21.11.1894)
- Date
- 1894-11-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Canioren - Zeitung Pränumerations-Preis. für die Interessen der Cantorrn und |l Redartion j FürCantorrn u.Lultnsbearnte in Vrstrrreirh-Angarn J und j Administration ij Wien ן II., Novaragaffe Nr. 27. Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— Cultusbeamten. FürCantoren u.Cultusbeanrte Erscheint jeden zehnten Tag. 1| Inserate im Ausland! werden billigst berechnet. ' Ganzjährig.8 Mark | Manuscripte werden nicht oder 4 Rubel.;| retournirt. Für Private und Institute Ganzjährig ..... fl. 6.— I Begründer: Obercantor Jacob Bauer.;{ Abonnementsu. Insertions-! betrage sind in Wien!atzlbar. Ar. 27. Wien, 21. November 1894. 14. Jahrgang. Vom Gebete im Allgemeinen als wichtiges Mittel zur religiös-sittlichen Erziehung; ferner vom Gebete in hebräischer Sprache als wichtiges Mittel zur Erziehung für die jüd. Confeffion. Eine pädagog.-didaktische Studie von Israel Singer, Relicsionsprofcssor am Ober-Gymnasium zu S. A. Ujhely. Nachdruck nnr mit Erlaubnis des Verfassers gestattet. - -<.tzMLsetzMtg)> Aus diesen und vielen ähnlichen Aeußerungen können wir den wahrhaft pädagogischen Werth unseres alt-jüdischen frommen Gebrauches ersehen, die Kinder zu gewöhnen, dass sie beim Rollen des Donners, beim Ansehen eines Blitzstrahles und eines Regenbogens eine Benediction sprechen sollen. (Tr. Broch. 59) ״Deine Donnerstimme im Wirbel, Blitze erleuchten das Land, das Erdreich zittert und erbebt (Psalm 77, 19)." ״Höret, höret! die lobende Donnerstimme, den Hauch aus Gottes Munde". ״Unter allen Himmeln zerfließt der Blitzstrahl, und die Säulen der Erde erleuchtet er (Job 37, 2—3)." Dieses Erinnern an Gott ist entschieden heilsamer, als den Kindern diese Erscheinungen srühzeiüg von ihrer blos natürlichen Seite zu erklären, aber den ״Schöpfer und Leiter" der Natur zu ignoriren. Ganz unrichtig und schädlich ist die Meinung jener Eltern, dass es unnöthig sei, ihre Kinder zum Beten anzuhalten, weil auch sie selber nicht mehr beten und dennoch religiös-sittlich und tugendhaft leben. Denn dies hat darin seinen Grund, dass sie in ihrer frühesten Kindheit zum fleißigen Beten angehalten wurden, dadurch ist eben srühzeiüg ihr religiös-sittliches Gefühl und ftommer Sinn geweckt und befesügt worden, die niemals ganz schwinden. Auch ihre späteren Erlebniße und Erfahrungen können ebenfalls zufolge ihrer religiösen Erziehung auf sie vortheilhaft eingewirkt haben. Aber Kindern, die nicht srühzeiüg bis über ihre Jugendjahre hinaus zum Beten angehalten werden, diesen fehlt, wie bereits erwähnt, die erste und mächügste Grundlage zur religiössittlichen Erziehung; sie werden nur für Materialismus Sinn haben. Ihnen mangeln die religiös-sittlichen Leitsterne auf ihrer Lebenswanderung, auf dem sturmbewegten Weltmeere, wo sie stets in; Gefahr schweben — ohne von Gottes Vorsehung durchdrungen zu sein — von Leiden und Leidenschaften vernichtet zu werden. ״Rufe — 0 Mensch, — mich an zur Zeit der Noth! ich rette dich und du ehrest mich." (Psalm 50, 15). ״Vertraut Ihm — Gott — zu aller Zeit! O Volk! schütte aus vor ihm dein Herz." (Psalm 62, 9). ״Die mächügste Waffe Israels ist das Gebet." (Tr. Psochim 119). ״Selbst in der größten Lebensgefahr soll der Mensch seine Hoffnung auf Gottes Erbarmen nicht aufgeben." (Tr. Broch. 10). Bisher sprachen wir von der Nothwendlgkeit des An-" Haltens der Kinder zum Gebete zu allgemein pädagogischem Zwecke. Nun wollen wir die Gründe für die Nothwendigkeit, das Kind anzuhalten eben in hebräischer Sprache zu beten, aufzählen: 1. Weil sie als heilige Sprache, in welcher die heilige Schrift abgefasst ist und die überdies sehr viele, bei uns übliche Gebete enthält — wie die ״Psalmen" — mehr als irgend eine andere Sprache geeignet ist, die allenfalls erforderliche heilige Andacht in uns zu erwecken. 2. Weil sie als Sprache der Bibel ganz geeignet ist, durch die im Gebete enthaltenen Wörter und Sätze aus der Bibel uns an manche Lehren, Gebote und Verbote derselben — die wir in hebräischer Sprache gelernt haben — zu erinnern. 3. Weil ihre Gebetstücke zufolge ihrer Construcüon mit gleichlautenden Personalsuffixen leichter auswendig zu erlernen sind, als in irgend einer anderen Srache. 4. Weil man in Folge ihrer inhaltsreichen Worte viel weniger Worte und Zeit zum Gebete benöthigt, als in ieder anderen Sprache, deshalb nimmt die Uebersetzung, selbst mit viel kleineren Lettern, viel mehr Raum ein, als der hebr. Urtext. 5. Weil viele ihrer Wörter, weder ihrem Inhalte noch ihrem Umfange nach (weder intensiv noch extensiv), in eine andere Sprache vollständig übersetzt werden können. Für die verschiedenen ״Gebete" hat sie vierzehn Ausdrücke. Sie ist deshalb mehr als eine andere Sprache zum Gebete geeignet. Dies gestehen auch viele christliche Theologen, wie: Luther, Wisel, Herder und viele Andere, die dafür eiferten, dass auch die Christen in hebräischer Sprache beten sollen. Luther sagt in seiner Einleitung in die Psalmen Folgendes: Die hebräische Sprache ist so reich, dass keine Sprache sie ge-