Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 26 (11.11.1894)
- Date
- 1894-11-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 6. -Gesterreichisch-ungarische LantoremAeitung. Nr. 26. 1. Vor allem verpflichtet sichgenannter׳ Herr Jechiel unter dem ״großem Banne" und Bei einer Strafe von 100 Dukaten, während zehn ׳Jahren vom heutigen Tage ab, ohne Einwilligung der Vorsteher unserer Gemeinde, ״sich nicht aufnehmen zu lassen" in einer anderen'׳ Gemeinde; widrigenfalls aber muß der oben erwähnte Chasan nicht nur, wie er sich schriftlich verpflichtete, 100 Ducaten in die Gemeindecassa zahlen, sondern die Gemeindevertreter sind auch berechtigt, an jedem Orte, wo sie ihn mit allem, was ihm gehört, finden würden, zurück zu halten, um das obengedachte Strafgeld zu erlangen. Ferner sind die Gemeindevertreter verpflichtet, (vaeobrrjabbm) an allen Orten sein Vergehen und sein Zuwiederhandeln. gegen den ״Bann" (sebemoal bacherem) bekannt zu machen, so dass er nirgends einen Ruhepunkt finden könne. — Von dem Strafgelde und dem Banne aber soll er dennoch nicht enthoben sein. 2. Während der genannten zehn Jahre soll es aber der Gemeindevertretung frei stehen, ihn auf eine bestimmte Zeit zu acceptiren, oder ihn ״frei" zu entlassen. 3. Verpflichtet sich der obenerwähnte Chasan die liilchatli Scheehitah zu lernen, so dass er während eines halben Jahres, von heute ab gerechnet, vom hierortigen Rabbinatscollegium (JBeth din) autorisirt werden könne, um den hier angestellten Schächtern das Geslügelschlachten zu erleichtern. 4. Besteht sein ״heiliger Dienst" darin, dass er an allen Sabbaten und Festtagen, 'wie auch an allen Montagen, Donnerstagen und Fasttagen in der Synagoge vorbete: dass er stets gottesfürchtig sei, damit sein Gebet für die Gemeinde Gottes dem Ewigen wohlgefällig sei. 5. Ferner soll er (der gedachte Chasan) im Sommer und Winter zeitlich morgens ins Gotteshaus eilen, damit er von den ״ersten Zehn" (measarab harischonim) beim Morgen- und Abendgebete sei. Auch soll er sich mit dem Studium der ״frommen Bücher" (Sifre ]lajirali) und des Scbulchän-Arucli Oracb-Chajim beschäftigen, damit er die nöthige Andacht und Fertigkeit beim Gebete habe. Ferner darf er nicht in den Straßen und Gassen verweilen, nicht bei Zechgelagen (Bemosebal Lezim) sitzen; hingegen soll er ein bescheidenes, liebevolles Benehmen gegen Reiche und Arme haben, damit er Gunst und Gnade in den Augen Gottes und der Menschen finde und es ihm und uns wohlergehe. Amen. Als Nachtrag zu diesem ״Chasanoth-Briefe" finden wir noch Folgendes verzeichnet. Auch der Bassist, Hachatan (der Bräutigam) Herr Samuel, ist in unserer Gemeinde als Bassist mit einem wöchentlichen Gehalte von einem halben Thaler Rheinisch acceptirt worden, den derselbe aus der Gemeindecassa, nebst einer ״Plet" auf Sabbat erhält, während der gedachte Chasan verpflichtet ist, ihm die Kost an Wochentagen zu geben; ebenso muß er mit ihm den Nebenverdienst, nach gütlichem Vergleich zwischen ihn: und dem Chasan, theilen. Kleine Chronik. Wien. Dienstag den 30. October fand die erste Vorstandssitzung des österr.-ungar. Cantoren-Vereines nach den Feiertagen statt. Nach Erledigung der laufenden Agenden gelangte die Berachung über den zu gründenden Pensionssond auf die Tagesordnung. Das gesanrmte Materiale konnte natürlich nicht in einer^ Sitzung bewältigt werden und wurde zunächst über die Pensionirung nach eingetretener Berussunsähigkeit berathen. Als Grundlage der vorläufig nur allgemeinen Verhandlungen wurde das Elaborat des Vereinssecretärs Dr. Löwy angenommen und die verschiedenen in demselben aufgestellten Gesichtspunkte eingehend und lebhaft discutirt. Mit besonderer Genugthuung wurde die Mittheilung ausgenommen, dass der Pensionssond, sowie er nach den vorliegenen Berechnungen gedacht ist, sofort actions- und leistungsfähig wird und für die Erlangung einer Pension -eine Cacrenzzeit nicht nothwendig erscheint. Auch über das Verhältnis der alten Mitglieder zu den neuen, sowie, über die Verwendung des gegenwärtigen Fondes wurden richtunggebende Gesichtspunkte aufgestellt. Nach Beendigung der Berathungen wird das Ergebnis derselben veröffentlicht werden. Wien. Montag den 5. November hielt der Abgeordnete Dr. Bloch im Reichsrathe bei Verhandlung über den neuen Strafgesetzentwurf eine großangelegte Rede, welche sich vorerst mit der Vertheidigung der jüdischen Schächtmethode, die von einem antisemitischen Redner, Dr. Pattai, bei demselben Capitel angegriffen worden war, befasste. Dr. Bloch wies in überaus׳ überzeugender Weise auf die hohe Moral der jüdischen Satzungen in der Behandlung der Thiere hin im Gegensatz zu den oft grausamen arischen Gebräuchen. Hierauf wandte sich'der Redner״ der Criminal- und Concursstatistik zu, die in ganz ungerechtfertigter Weise gegen die Juden ausgespielt und gefälscht' wird. Zum Schluffe seiner Rede, die selbst ans die Antisemiten sicht-- baren Eindruck machte, apostrophirte Dr. Bloch den Minister- Präsidenten, derselbe möge den Staatsgrundgesetzen, die.er als- Minister beschworen, auch für die Inden Geltung verschaffen. Prag. Am 17. November l. I. werden es 25 Jahre״ dass der hiesige Verein zur Unterstützung der hilfsbedürftigen Jugend ״Chanuka", einer der populärsten und distingnirtesten Vereine Prags, gegründet wurde. Wenn wir bei diesem Anlasse jener Männer gedenken wollen, die sich um die Förderung dieser Humanitären Institution hervorragende Verdienste erworben habe!:״ muß in erster Reihe Herr Jakob B. Brandeis, Buchhändler und- Redacteur in Prag genannt, und gefeiert werden. Er stand an der Wiege des Vereines, und leitet, seit Anbeginn Vorstands- Mitglied, durch 20 Jahre als Präses in ebenso opferwilliger als erfolgreicher Weise die Agenden desselben. Der Verein ״Chanuka" wurde zu dem Zwecke gegründet, arme, israelitische Kinder, welche eine Volks-, Bürger- oder Mittelschule besuchen, an einem der Chanukatage mit vollständigen Winteranzügen, Wäsche. Beschuhung und Kopfbedeckung zu betheilen. Dem unermüdlichen Wirken des Präses dankt der Verein, der an 1000׳ Mitglieder zählt, seinen Aufschwung. Während der Zeit seines Bestandes wurden nahezu 3000 israel. Kinder bekleidet.' Das Fondsvermögen bestand im ersten Jahre aus sl. 17.35, heute׳ zählt dasselbe, zumeist aus Legaten bestehend, über fl. 10.000״ ohne dass hiezu Jahresbeiträge oder Spenden verwendet wurden. Diese wurden vielmehr stets verausgabt. Herrn Brand eis dankt׳ auch der Verein dessen ganze Organisation, sodann den Modus, kraft dessen die Kinder zur Schonung ihres Zartgefühles bei der Betheilung nicht erscheinen dürfen, auch ihre Namen, an deren Stelle Nummern gesetzt werden, niemals bekannt werden. Auch ist ihm allein die Idee, die jedesmalige Bescherung bis- . noch vor drei Jahren mit einem Festabende zuverbinden, zuzuschreiben. Mit diesem Festabende wurden bisweilen Wohlthätigkeitsakte verbunden, so wurde einmal das bedeutende Erträgnisdesselben den Hinterbliebenen Kindern der beim Ringtheaterbrande Verunglückten, das andere Mal den Hinterbliebenem Waisen nach den bei der großen Ueberschwemmung in Szegedin Verunglückten gewidmet. Unter der Aegide des wackeren Präses wurde vom Vereine anlässlich des 40-jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät unseres Kaisers der Kaiser Franz. Joseph-'Regierungs-Jubiläumsfond im Betrage von fl. 1000 zu dem Zwecke gegründet, die Zinsen desselben an zwei arme israel. Handwerkerlehrlinge stets am 2. December eines jeden Jahres .zu verabreichen. Die großen Verdienste des Brandeis um das Aufblühen des Vereines ״Chanüka" ehrteder Gesammtvorstand bereits vor mehreren Jahren durch seine einstimmig erfolgte Ernennung zum Ehrenmitglieds aber heute am Jubeltage des Vereines wird seiner Wirksamkeit mit besonderer Dankbarkeit gedacht. Eine gleich ersprießliche Thätigkeit-