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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-11-11 · Heft 26 (11.11.1894) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 26 (11.11.1894)
Date
1894-11-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. entwickelt Herr Brand eis als Vorstandsmitglied anderer hiesiger jüd. Vereine, wie Verein für israel. Feriencolonien, Verein Ez Hadaas, Jsr. Fortbildungsverein u. dl., und überall wo Wohlthat geübt und gefördert wird, steht der Name Brandeis in den vordersten Reihen. Prag. (Zwei heilige Kunstwerke.) Ein frommer und talmudgelehrter Mann aus Rußland, der in seiner Heimat in der Gesellschaft eine hochgeachtete Stellung einnahm und sogar Dom Czar durch mehrere hohe Orden ausgezeichnet wurde, lebt seit einigen Jahren, nachdem harte Schicksalsschläge ihn getroffen, in Prag und besitzt unter den wenigen Trümmern, die er von seinem früheren Wohlstände gerettet hat, zwei heilige Kunstwerke, die ihm in seinen besseren Tagen um keinen Preis feil waren, obgleich ihm bald nach dem Ankauf ein bedeutendes Aufgeld ans den von ihm bezahlten Preis von 500 Dncaten angeboten wurde, die er aber jetzt wegen drückender Noth gerne zu verkaufen bereit wäre. Es sind dies nämlich ein Lsksr-ll'dora. und eine Megillah mit sämmttichen Haffchoras, von denen das Erstere 13 Cm. und das Letztere IS 1/.2 Cm. in der Höhe mißt. Trotz dieses relativ winzigen Formates ist die Schrift wunderbar deutlich und scharf hervortretend. Die letztere Rolle zeichnet sich noch außerdem durch wahrhaft künstlerische Jnitialien aus. Das Alter beider Handschriften soll ein sehr hohes sein. Trotzdem sind die Handschriften so frisch und unverwischt, als wären sie erst gestern aus das Pergament gesetzt worden. Die beiden Kunstwerke müssen das Staunen eines jeden, der sie sieht, erwecken. Kauflustige erhalten bereitwilligst Auskunft durch Herrn Guttmann, Cantor an der Pinkassynagoge in Prag. Trnppan. Die aus Grund des Gesetzes vom 21. März 1890 von der hiesigen Cultusgemeinde verfassten neuen Statuten sind nun 'von der hohen Landesregierung genehmigt und seit dem 18. October bereits in Kraft getreten. Die durch das neue Statut bedingten Neuwahlen sind für Anfang nächsten Monats festgesetzt worden, für welche sich ein sehr reges Interesse kund gibt. Es wird mit ziemlicher Gewissheit angenommen dass die 30 Herren, welche in den Cultusrath gewühlt werden sollen, den bisherigen verdienstvollen Vorsteher Herrn Dr. Jur. Sonnenschein wiederum zu ihrem Präses wählen werden. Dies ist umso erfreulicher für die hiesige Gemeinde, als Herr Doctor Sonnenschein bis jetzt als Cultusvorsteher mit aller Hingebung und Geschick für das Wohl der hiesigen Gemeinde gewirkt und sich viele Verdienste um dieselbe erworben Hat. Ferner ist es allgemein bekannt, dass Herr Dr. S onnens ch e i 1t mit aller Energie dahinstrebt, dass endlich unsere Gemeinde ein anständiges und würdiges Gotteshaus bekommt, welches wir bisher leider sehr entbehren. — Wie wir. nun aus Zuverlässiger Quelle vernehmen, dürfte im Frühjahr schon der Tempelbau in Angriff genommen werden. S—n. OZrofi-Kanfif'a. Sonntag, den 11. November findet im hiesigen israelitischen Tempel die Trauung des Fräulein Jda Kartschmaroff, Tochter unseres hochgeschätzten und allbeliebten Obercantors Leon Kartschmaroff, mit Herrn Adolf Zerner aus Wien statt. Fünfkirrfien. Der Obercantor unserer Gemeinde. Herr Josef Nendi (Rosenbaum), wurde am 25. October von einer uns hiesigen Gemeindemitgliedern bestehenden Deputation besucht, welche demselben als Anerkennung für seine meisterlichen Leistungen, im.Gesänge an den nun verflossenen Feiertagen ein schönes Ehrengeschenk überbrachten. Der Sprecher der Deputation, Herr Adolf Löwy jun. drückte dem Obercantor in schwungvollen Worten für seine gesanglichen Leistungen und die erfolgreichen Bemühungen um die Hebung des hiesigen Gottesdienstes die Anerkennung der Gemeindemitglieder aus. Der so schmeichelhaft Ausgezeichnete dankte gerührt für die spontane Ovation und versprach, sich durch sein rastloses Streben dieser ehrenden Anerkennung auch weiter würdig zu zeigen. , _ ״ Sofia. In der am Sonntag, den 28. October neu "eröffneten bulgarischen. Deputirten-Kämmer befindet׳ sich auch ein jüdischer Abgeordneter. Es' ist. dies Peter Gober, ein jüdischer Landwirth, aus. Rußland eingewandert, der sich das Vertrauen seinerneuen Landsleute dermaßen erworben; dass er mit einer Mehrheit von 238 Stimmen in die Kämmer entsendet - wurde. Sein Gegencandidat war kein Geringerer als der Minister- Präsident. Nach der Wahl erhielt der neue Deputate zahlreiche Ovationen von Seite der Wähler. Magdeburg, 29. October. Heute tagte hier im ״Kaiser- Hof", die vom derzeitigen Vorstande der ״Ahawas Achim“ (Brüderliche Bereinigung jüdischer Cultusbeamten in Deutschland) berufene außerordentliche Generalversammlung, zu welcher Mitglieder nicht nur ans den nahen Provinzen, sondern auch sogar aus weiter Ferne, aus Baden, Meklenburg, Ober-Schlesien u. a. erschienen waren. Nachdem der Vorsitzende, Herr Gelbart- Magdeburg, um 101/2 Uhr die Erschienenen begrüßt hatte, übertrug er den Vorsitz seinem College!: im Vorstande, Herrn Obercantor E h r l i ch-Oppeln. Namens des Vorstandes — dessen drittes Mitglied, Herr Cantor E i ch e n b a u 11t aus Kippenheim (Baden) auch anwesend war — beantragte Herr Ehrlich, als Rendant des Vereins, vor Allem die Wahl zweier Revisoren, um sämmtliche bisherigen Eingänge und Ausgaben genau zn prüfen. Er legte zu diesem Zwecke das Cassabuch, sowie alle Originalbelege ans den Tisch. Es wurden die Cantoren S ch l e s i n g e r-Parchim und S e n i o r-Halberstadt gewühlt, die sich der sorgfältigen Prüfung unterzogen und in der Nachmittagssitzung die Entlastung blantragten, welche die Versammlung dem Vorstande mit Dank für seine Mühewaltung einstimmig ertheilte. Einer persönlichen Einladung Folge gebend, erschien auch Herr Rabbiner Dr. Rah me r nach 11 Uhr in der Versammlung. Vom Vorsitzenden begrüßt, dankte derselbe in einer kurzen Ansprache, in welcher er betonte, dass es erfreulich sei zu sehen, dcys die jüdischen Cultusbeamten daran giengen, mit vereinten Kräften sich selbst zu helfen; man stünde im Zeichen der durch Vereinigung angestrebteu Selbsthilfe: Helft euch selbst, so wird euch Gott helfen? Mögen die Cantoren, die für ihre Gemeinden um Nahrung u. s. w. beteten, an sich den Spruch der Weisen bewahrheitet finden: ״Wer für Andere um etwas betet, dessen er selb st bedarf, der wird für sich zuerst Erhörung finden." —Man schritt hierauf an die Hauptaufgabe der Tagesordnung: Revision und Feststellung der Statuten, da die in Breslau in Eite entworfenen viele wichtige Punkte außer Acht gelassen hatten. Herr Lion W o l f-dlschersleben hatte einen anderen Entwurf ausgearbeitet und so wurde nach emsiger Berathung beider Entwürfe in zwei Sitzungen — mit einer Unterbrechung von 1—3 Uhr — etwas Ganzes zu Stande gebracht, das hoffentlich dem Vereine und dessen Mitgliedern zum Segen gereichen wird. Es sei hier nur hervorgehoben, dass der Verein sich nicht nur die Unterstützung seiner dienstunfähig und stellenlos gewordenen Mitglieder, sondern auch der Hinterbliebenen Witwen und Waisen derselben zum Zweck gesetzt hat. Nach Fertigstellung der Statuten schritt man zur Wahl des Vorstandes. Es wurden die bisherigen obengenannten drei Mitglieder einstimmig wieder- und die Herreit W o l f-Aschersleben und G 0 ldschmid t-Quedlinburg neu gewählt. Dem Vorstande soll ein Beirath zur Seite stehen, dlbends 7 Uhr wurde die Generalversammlung geschlossen. Es sind bis jetzt 150 Mitglieder dem Verein beigetreten. Nelv-Vork. Herr Cantor Max Helfer vom Tempel Beth-El wurde nach 6-jähriger Thütigkeit, 12 Tage vor Roschha-Schanah von seiner Gemeinde entlassen, weil er, obwohl schon über 10 Jahre im Lande ist, weder englisch sprechen noch englische Gebete lesen kann. Allgemein heißt es, dass sein Nachfolger zwar der englischen Sprache mächtig sei, aber wenig vom Cautoramte versteht. Wo das neue Gebetbuch eingesührt wird, kann jeder Dro nk, wenn er nur der englischen Sprache mächtig ist, Cantor sein. Das neue Gebetbuch hat den nicht englisch sprechenden Cantoren und Rabbinen großes Unheil gebracht und gehen dieselben einer sehr traurigen Zeit entgegen. — In New-Iork, N. I., starb Rabbi Jsac Schwarz, einer der bekanntesten uyd geachtetsten Israeliten in New-Jersey In Bayern im Jahre 1817 geboren, kam er als junger Manu nach Amerika und hat 48 Jahre in Newyork zugebracht. Er war der Gründer zweier jetzt blühender jüdischer Vereine, sowie mehrerer geselliger und wohlthätiger Gesellschaften in jener Stadt. — Herr Nathan Strauß hat seine Candidatur als Mayor von New-Aork abgelehnt.

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