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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-11-11 · Heft 26 (11.11.1894) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 26 (11.11.1894)
Date
1894-11-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Läntoren-^eitung. ^tr. 26. siven Willensstärke und eine ernste Auffassung der gemeinsamen Standesinteressen seitens der leitenden Kreise, die, wenn auch langsam, ihre guten Früchte zeitigen würde. Der analoge Aufruf, welchen die Schomre Hadas-Gemeinde in Budapest Und die lehrersteundliche Gemeiude in Prag haben ergehen lassen/ sollte der löblichen Vereinsleitung ein Ansporn mehr sein zu dieser standesnützlichen Bethätigung, da unsere Amtsbrüder hüben und drüben vor dem Popanz einer autokratischen Gemeindeverwaltung und sei es selbst im Versicherungswesen, eine gegründete Fürcht hegen, wogegen sie dem Thun und Lassen einer genossenschaftlichen Sachwaltung vertrauensvoll entgegensehen. Ueberdies scheint die Wirkung dieser vielfach verlautbarten und bestkommentirten Aufrufe sich im Sande verlaufen zu haben, da sienoch nirgends über das Stadium der Pourparlers hinausreichen. Das Wesen eines Versicherungsstockes, in seinem ungekünstelten Gefüge, habe ich in einem schriftlichen, von der Cantoren-Zeitung anfangs Juni reproducirten Anträge niederzulegen die Ehre gehabt. Hier erübrigt uns nur noch hinzuzufügen, dass der schwerfällige Versicherungsapparat, in seiner einfachen und gemischten Combination, mit seiner Rückversicherung und Extraversicherung von Witwen und Waisen, wie sie der Vereinssecretär Herr Dr. Löwy in lichtvollen Beispielen bereits erklärt, für die minimalen Durchschnittsmittel eines Cantors sich im Allgenreinen nicht empstehlt. Alle Achtung vor der intuitiven Darlegung eines gewiegten Fachmannes, doch müssen wir im Hinblick auf die Allgemeinheit die Allgemeinbedürfniße zunächst ins Auge fassen. Von diesem Gesichtswinkel betrachtet, möchten wir alle Versicherungs-Spielarten, welche eine einfache Versicherung auf Grundlage einer 20—35-jährigen Dienstes- und Prämien-Zahlungsdauec übersteigt und welche von dem Aspiranten mehr als einen 5—6-percentigen Gehaltabzug, sei es allein oder aliquot mit der unterstützenden Gemeinde heischt, perhorrescirt wissen. Die sorglose Beruhigung, welche der Versicherte aus dem Bewusstsein schöpft, dass seine Hinterbliebenen schon nach dreijähriger Versicherungsdauer auf einen Zähr- Pfennig, sei es auch nur in Form einer entsprechenden Abferttgung, mit apodiktischer Gewissheit zu rechnen haben, wird dem Pensionsvereine kräftigen Nährboden und suceessiv steigende Werberzahl zuführen. Allein noch gilt es, schier unüberfteigliche Hmderniße zu überwinden, noch herrscht in den Reihen der weitaus größten Cantorenmenge über den einfachen Mechanismus des Alters- Versicherungswesens eine wahre Begriffsverwirrung. Vermochten sie die Vorthelle, welche der gegenwärtig zu Recht bestehende Cantoren-Verein seinen Schützlingen bietet, nicht in größerer Zahl anzulocken, so scheint ihnen der für eine Jahrespension von 300—800 st. zu leistende Jahresbeitrag von 36—50 fl. wenn auch nur zur Hälfte aufkommend, unerschwinglich. Und doch kann der Verein, und flößen ihm die Hilfsmittel durch Privatspenden noch so reichlich zu, nicht zaubern; er kann bei besten: Willen und Können nur das leisten, indem er das, was ihm die Pensionswerber in kleinen Jahresbeiträgen nach und nach zur Verwahrung anvertrauen, in doppelt und dreifachem Maße zurückerstattet. Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, dass ein Pensionsverein, dessen Selbstverwaltung ein Mnimum an Regiespesen erfordert, bei Weitem leistungsfähiger sei als eine verländerte oder sonstige Versicherungsgesellschaft, welche mit einem großen Stabe von Beamten und Aquisitären arbeitet; die beträchtliche Summe an Gehalt, Provision und Tantiemen, welche da auf Kosten der Versicherten zum Opfer fällt, bleibt hier ein Gemeingut aller und selbstverständlich auch zu Gunsten jedes Einzelnen, sei es in Gestalt einer Minderleistung an Jahresprämien oder in der Anhoffung eines höherer: Pensionsbezuges. Shmptomatisch für unsere Verhältniße bleibt indes die Erscheinung, dass wir alle guten Dinge, die eine Förderung und Belebung der Standesinteressen bedeuten, ohne Geistesaufrüttelung und ohne Anregung von Außen nur schwer begreifen; der Amtsschimmel, eine traditionelle Begleiterscheinung unseres bureaukratischen Gehabens, bringt uns nur hübsch langsam vom Flecke. Dieses furchtverratende Hin- und Herparlamentiren, dieser Mangel an frischem Wagemirth, an Plastizität der ständischen Volksseele, lässt uns bangend der: schweren Uebergang von der Theorie bis zur Praxis zurücklegen. Ebenso groß wie die Thatsache, dass eine Altersversorgung von noch so bescheidenem llmfange unserer Stellung nach Außen und Innen Halt und Stütze, unserer Standesehre Achtung und Anerkennung und dem österr.-ungar. Gesammtcantorenthnm einer: gewissen Grad von Solidität verleihen würde, ebenso schwierig ist es,-eine Standesgenossenschaft von heterogenem Bildungs-- elemente, großgezogen im Eigendünkel seines jeweiligen Wirknngskreises, für die großzügige Idee" einer Altersversorgung im Sturme zu gewinnen. Hier, wie überhaupt im vaterländischen Cantyrenthume. treten seit jeher, bald versteckt und bald offen, gewisse Unterströmungen zutage, die jede Action von wahrhaft gemeinnützigem Werthe von vornherein unterbinden. Wir können die Sache wie immer drehen, ohne Ungarn bleibt die beschlossene Gründung eines Pensionsfonds ein wesenloses Schemen, ohne werkthätige Mithilfe und Massenbetheiligung der trausleithanischen College:: ist jene Effloreszenz des Fondes nimmer zu gewärtigen, die wir ihm allzumal wünschen. Einige statistische Daten, ohne auf Genauigkeit Anspruch zu machen, sollen uns darüber Aufschluss geben. Wir zählen in Böhmen 150 Gemeinden, in Mähren 60, st: Schlesien 15, in Ober- und Niederösterreich etwa 30. Mit ihnen allen und zwar in stark reducirtem Maße, wie mit den meisten Gemeinden Böhmens und Mährens, die lediglich an: Papier ftguriren, ernstlich rechnen. Galizien, Bukowina, Steiermark, Krain und Tirol kommen für uns ans naheliegenden Gründen nahezu außer Betracht. Wenn wir die Summe aller in diesen Kronländern thätigen Cantoren mit rund 220 veranschlagen und von dieser Summe 250/0 an Lehrpersonen subtrahiren, die sozusagen unter dem Versichernngszwang stehen, so verbleiben etwa 165 Individuen, mit denen man, Greise von 50 Jahren aufwärts abgerechnet, bei einer Versicherungsanlage schlechterdings rechnen könnte. Selbst der hausbackene Verstand eines Laien wird zur Ueberzeugung gelangen, dass mit diesem Minimum von Jahrescontribuenten kein Pensionsfond, und wüchsen seine durch allerhand Privatspenden subventionirten Fondsmittel bis zur Höhe von 30.000 fl. heran, nicht bestehen könne. Von Ungarn hingegen wären, mit Geschick und Glück agitirt, 150 Pensionswerber zu erlangen, und diese Zahl wäre für das Gelingen des Ganzen ausschlaggebend. Nun sehe man, welche riesige Chancen für den Pensionsfähigen Cantor sich Herausstellen. Der pensionsberechtlgte Cantor ist nicht an die Scholle gebunden. Er kann seine Stellung nach Belieben wechseln, sein Schicksal corrigiren, seine Aussichten und Ziele voll ausreifen lassen; der Graubart mit reichem Familienfegen, der Kühne und Verzagte, der Glückspilz und der Schlemiel, sie alle werden nicht kleinmüthig sein, so, die NothWendigkeit

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