Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 26 (11.11.1894)
- Date
- 1894-11-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Qeste*1 ־'*.hisch-ungarische n ־ Zeitung | Pränumerations-Preis. für die Interessen der Cantoren und Redaction j FnrLankoren n.Cultusbrarnte irr Vestrrreirh-Angarn und Administration Wien IT., Aovaragasse Ar. 27. Ganzjährig.fl. 4 — Halbjährig.fl. 2.— Cultusbramten. FnrLankoren u.Cultnsbearnte Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate im Ausland werden billigst berechnet. Ganzjährig.8 Marl Manuscriptc werden nicht oder 4 Nudel. retournirt.! Für Private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— | Begründer: Obercamor Jacob Bauer. Abonnementsn. Insertion«- betrüge sind in Wien zahlbar. Nr. 26. Wien, 11. November 1694. 14. Jahrgang. Zum Capitel Penstonsfond. Bon Cantor Isidor Schwarz in Wien. Vorüber ist der Feiertagsreigen, die amtsschwere Zeit des Cantors, der Monat Tischri mit seiner fünffach benannten, rasch abwechselnden Festesfolge. Was uns die himmlische Vorsehung am Rosch-ha-schonoh gutgeschrieben, am Jom Kippur besiegelt — wer kann das. wissen? Noch sieben wir im Zeichen dieser ׳eMerfeMem' ein"sündhaft Menschengemüth zur Sühne und Beichte mahnenden Jomin Noroim-Zeit, obwohl sie bereits vom Sukkos, Sch'mini-Azeres- und vom Siinchas-Taurofeste abgelöst und in tntti quanti von den Wogen des Zeiteumeeres zu ihren sanft und friedlich schlummernden Vorahnen hinübergespült wurde. Nicht jagt uns das Schofargetön Sündenfurcht ein, nicht nagt und wurmt uns die Sorgenqual, ob Ensemble und Chor wohl auch gut und gehörig vorbereitet, ob Solist und Baß, Tenor und Alt klipp und klapp übereinstimmen, ob nicht Einer und der Andere im persönlichen Uebereifer einen gewagten Vorstoß, ein Zählimd Pausemanko und in Folge dessen eine Discordanz des Ganzen, mühsam Eingedrillten verschulden könnte. Und wir mit unserer heiligen, gleichviel ob gerechtfertigten oder ungerechtfertigten Künstlerambition, die Leiter und verantwortlichen Instructoren dieses künstlich ineinandergreifenden Gesangsmechanismus — wahrlich wir sind die Letzten nicht, denen ein Stück, wenn nicht der Löwenantheil dieses wohlverdienten Sängerimd Recitatorenruhmes gebührt und, wie dies in Israel üblich, auch zumeist neidlos zugestanden wird. Vorüber, ja vorüber ist der Festes- und Sangesrausch, der Priestersegen und der Spendenregen. An ihrerstatt tritt die Werktagssorge, tritt gewichtig und schwer die Frage heran: Was dann? Es ist ein hässlich Ding, an den Alltagsjammer, an die Klippen und Untiefen des Alltagselends, an die Zukunft, die ungewiss, und an die Ungewissheit der Zukunft immer und wieder ermahnt zu werden, ermahnt zu werden, noch eh' wir recht, an dem Freudenbecher genippt. Ja wohl, wie der Halb- und Trugschluss nicht zum Ende eines Tonstückes und das Fortschreiten des Dominantaccordes nicht immer zum tonischen Dreiklange,, wohl aber in die Wirrnis eines leiterfremden Accord- Gebietes. führen können, so altenüren die Lebensaccorde im wallend heißen Brotkampfe, und die Opfer, die niedergernngen, und die Todten, die alsdann zu den Todten zählen, sind wir, wir, die ungewappnet den Daseinskampf aufnehmen. Zugegeben, wir wären ein Standesvölklein leicht befriedigter Menschenkinder, wir rängen dem Leben die Lebensnothdurft im Mindestausmaße ab, etwa wie jene Kleinsten im Stande der Kleinen, die nichts Sehnlicheres herbeiwünschen mögen — ist das ein Grund, verschränkten Armes und mit jenem Fatalismus, welchen Dante seinen Höllenbrüdern in dem grausigen Ausspruche: O,a86iats ogni speranza voi ch’intrate andichtet, dem Zukunftsdunkel entgegenzufehen? Den Verständigen, und wer von uns Cantoren erhebt nicht den Anspruch, es zu sein — ihnen also gilt mein Wort : diese werden es auch unschwer errathen, wohinaus ich steuere. Gleichwohl sagen wir's rund heraus': Es ist der Pensionsfond, den ich meine, jener Pensionsfond, dessen Anlage wir in einer besonders günstigen Stunde, zur Zeit der im letzten Frühling tagenden Cantoren-Hauptversammlung unter Dach und Fach, wenn auch vorläufig nur am Papier gebracht haben. Das Gerippe ist da, die Materie vorhanden, der Grundpfeiler wurzel schwer und fundamenttief; was ihm fehlt, ist Fleisch und Blut ist Leben und Bewegung, ist Einlebung und Einbürgerung in die große und breite Standesschichte dies- und jenseits der Leitha. Dies zu erreichen, soll vorweg unser Hauptziel sein, und haben wir dieses, so ist die ganze, noch übrigbleibende Transaction ein wahres Kinderspiel. Wir wollen die Einflußsphäre der Cantoren-Zeitung beileibe nicht unterschätzen, aber weiter als über den Bannkreis ihrer Abonnentengemeinde reicht sie schwerlich hinaus, und dieser Kreis ist, wie bei Fachblättern überhaupt, ein eng umschriebener. Hier wäre zunächst ein Auskunftsmittel am Platze, von dem wir eine wirksame Agitation, eine lichte Massenaufklärung, die Cantoren und Gemeinden Oesterreich-Ungarns insgesammt umfassend, voraussetzen. Tausend Stück Circuläre, leichtfasslich und beredt concipirt, müssten da nothgedrungen in die Schanze geschlagen werden, und der Erfolg wäre, wenn auch unverbürgt, ein mächtiger Widerhall, eine Massenbelehrung, den Cantor und den Chasan, den Baal T'filo und den Meschubed über Zweck und Ziel einer versicherungstechnischen Grundbasis unterrichtend, zumindest aber eine kräftige Kundgebung der impul-