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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-11-01 · Heft 25 (1.11.1894) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 25 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 3. dass derselbe Künster in seinem 76. Lebensjahre in einem Wettrennen gegen einen jugendlichen Gegner den Sieg davon getragen hat. Auch bei Frauen tritt im vorgeschrittenen Lebensalter eine Abnahme der Resonanz und Weichheit der Stimme ein, obgleich diese Veränderung in der gewöhnlichen Conversation oft kaum sich bemerklich macht. So lange das Singen als eine Kunst betrieben wird, musste man schon aus Erfahrung wissen, dass beim Singen der anfsteigenden Tonleiter ein Punkt kommt, bei dem man nicht gut weiter kommen kann, ohne die Art der Stimm- Production zu verändern. Die Zahl dieser veränderten Einstellungen des Stimmapparates, ebenso wie die Tonhöhe, bei der sie eintritt, ist bei verschiedenen Individuen verschieden; bei allen indessen findet sich eine einmalige Eintheilung zwischen der tieferen und höheren Partie der Stimme; der Ton in der Skala, bei welchem diese Veränderung eintritt. ist indes wieder individuell verschieden. Mit anderen Worten: in der Skala einer jeden Stimme findet sich bei einem (individuell verschiedenem) Tone ein Grenzpunkt. Alle Töne, welche tiefer als dieser Punkt liegen, verursachen bei ihrer Production ein bestimmtes Gefühl in der Kehle. Beiden nach oben jenseits dieser Grenze gelegenen Tönen hat der Sänger ein verändertes Gefühl im Halse, welches ihm anzeigt, dass diese Töne durch einen von dem früheren verschiedenen Mechanismus hervorgebracht werden. Es wird, um aus dem Wassersport ein Beispiel zu nehmen, gewissermaßen die Segelstellung verändert, so dass das Schiff jetzt einen anderen Curs nimmt und die Brandung vermeidet. Diese verschiedenen ״Einstellungen des Stimmorgans" sind unter dem Namen: ״Register" bekannt. (Dieses Wort muß übrigens mit Vorsicht gebraucht werden, da siir kampfesmuthige Gesangsgelehrte ״Register" die Kriegsfanfare ist, bei derem Klange sie wild werden.) Bei einer geringeren Anzahl von Individuen kommt dieser Wechselmechanismns nicht zur Verwendung, der Gesang fließt vielmehr in einem gleichmäßigen Strom vorwärts, ohne dass der Kunstgriff des Einstellungswechsels angewendet zu werden braucht. Das Gezänke um die Stünmregister hat in einigen Gegenden schon die Höhe der in theologischen Fragen üblichen Ereiferung erreicht, und eine Meinungsverschiedenheit über die Bewegungen von hirsekorngroßen Knorpeln oder von Muskeln, deren Vorhandensein kaum mit bloßen! Auge wahrgenommen werden kann, oder ähnliche Fragen haben schon oft das sanfte Gesäusel gegenseitiger Verhimmelung in einen Orkan von Verwünschungen verwandelt. D i e R e g i st e r. Es ist von großer Wichtigkeit im Beginn einer Besprechung einer so schwierigen Sache sich über die Ausdrücke zu verständigen. Es ist dies um so nothwendiger, als der Ansdruck Register in zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird, erstens für die Höhe eines gegebenen Tones, zweitens für eine besondere Art der Tonprodncsion. Ich verstehe unter Register eine Reihe von Tönen von gleicher Qualität, welche d n r ch e i n e b e st i m m t e A r t v o n S t i m m b a n d e i n st e l l n n g h e r v o r g e b r a ch t werden könne n. Genau gesprochen hätte jeder Ton sein eigenes ״Register" da jeder Ton eine bestimmte individuelle Form des Stimmapparates für sich verlangt, allein bei den einzelnen Tönen handelt es sich nur um Abstufungen innerhalb desselben Mechanismus. Wirklich principiell verschiedene Stimm Mechanismen gibt es nur zweierlei. Es gibt daher auch nur zwei Register, deren eines, das Brustregister, von der Tiefe zur Höhe durch Verlängerung — die wirkliche Verlängerung der Stimmritze ist sehr gering und beträgt nicht mehr als eine Linie — und vermehrte Spannung der Stimmbänder ansteigt, deren zweites, das Kopsregister, dasselbe durch allmählige Verkürzung der schwingenden Zunge erreicht. Wenn man also eine neue Nomenklatur für die bisher gebräuchlichen Namen einsühren will, so ließe sich der fundamentale Unterschied in dem Mechanismus der Stimmproduction durch die Worte; ״Register mit langer Stimmritze" (long reed) für Brustregister, und Register mit kurzer Stimmritze (ssiord r66d) für Fallsettregister, charakterisieren. Dich Eintheilung in ein ״höheres" und ein ״tieferes" Register, welche Mandl vorschlügt und die nach ihm von verschiedenen französischen Musikern angenommen ist, ist nicht recht zutreffend, weil manche Töne in beiden Registern gesungen werden können. Haarspaltenden Gelehrten und Leuten, die das Gras wachsen hören, überlasse ich es, sich über die Grenzpunkte der beiden Register und die Töne, die jeden! einzelnen zuzutheilen sind, — die Thatsache ist kaum überraschend, dass, während alle wissenschaftlichen Beobachter (wie Johannes Müller, Mandl, Bataille, Bacher, Koch, Mayer, Gouguenheim und Lermoyez) mit der Eintheilung in zwei Register zufrieden sind, die Musiker (wie Gar eia, Emma Seiler, Behnke) die wesentlich eompliciertere Eintheilung in fünf Register Vorschlägen. Es mag ein geringer Unterschied im Timbre dieser Eintheilung zu Grunde liegen, welcher nur von einem geübten Ohr wahrgenommen werden kann, und in dem virtuosen Kehlkopf eines sich selbst laryngoskopierenden Maestro kann dieser vielleicht selbst die seinen Details der Einstellung und Schwingung der Stimmbänder, die er beschreibt, wahrnehmen. Dagegen kann ich nichts einwenden. Ich behaupte indessen, dass in einem gewöhnlichen menschlichen Kehlkopf, der nicht ans besondere Schaustellungen dressiert ist, es nicht möglich ist zu beobachten, wie viel oder wie wenig das einzelne Stimmband schwingt, oder ob die durch die Gießbeckenknorpel aneinandergedrückte glottis cartilaginea wirklich tustdicht schließt oder einen hermetischen Verschluss nur nahe kommt, — die Köpfe blusig zu schlagen. (Fortsetzung folgt.) Rrreptwnsdrbatte im ungarischen Abgeordnrtenhause. In der am 20. October stattgehabten Sitzung hat das ungarische Abgeordnetenhaus beschlossen, den Gesetzentwurf über die Reception unverändert aufrecht zn erhalten und an das' Magnatenhaus zurückzuleiten. ' Erster Redner in dieser Angelegenheit war Minister- Präsident W e k e r l e. Er sagte: Sümmtlicbe Parteien des Hauses haben seinerzeit einhellig die Richtigkeit der Principien dieses Gesetzentwurfes anerkannt. Es ist daher überflüssig, dass ich die Gründe wiederhole, welche das Haus zur Annahme dieses Gesetzentwurfes bewogen. Ich glaube, es ist seither kein Motiv aufgetaucht, welches uns veranlassen könnte, einen anderen Standpunkt einzunehmen, es spricht im Gegentheile Alles dafiir, dass wir aus unserem bisherigen Standpunkte verharren. Ich stelle daher ohne umständliche Motivirung folgenden Antrag: Das Abgeordnetenhaus hält den Gesetzentwurf über die Reception der israelitischen Religion in der früheren angenommenen Fassung unverändert aufrecht und beschließt, denselben behiiss verfassungsmäßiger Verhandlung und freundlicher Zustimmung dem Magnatenhause zuzusenden. (Lebhafter Beifall rechts.)

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