Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 24 (14.10.1894)
- Date
- 1894-10-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 24. Gesterreicbisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nachdem noch Graf Stefan K e g l e v i ch in geistreicher, liberaler Weife für das Gesetz plaidirt hatte, wurde die Debatte geschloffen, worauf Justizminister Szilagyi die Vorlage vertheidigte. Dann schritt man zur Abstimmung, welche durch Namensaufruf vorgenommen wurde. Das Gesetz wurde mit 109 gegen 103 Stimmen also mit einer Majorität von 6 Stimmen, auch im Allgemeinen a b g e l e h n t. Es entfällt daher jede Spezialdebatte. Dieses Ergebnis, welches im Wiederspruche steht mit allen Verstcherungen, welche bisher aus dem clericalen Lager ertheilt wurden, ist darauf zurückzuführen, dass mehrere lutherische Geistliche, so die Bischöfe Z elenka und Baltik, ferner der lutherische Ober-Curator Baron Desider Pronay und dessen Bruder Baron Gabriel Pronay, endlich auch mehrere Aristokraten, welche bisher stets mit der Regierung gestimmt hatten, wie Graf Emerich Szechenyi sen., Graf Aladar Andraf s Y, Graf Nikolaus Z a y, sich von der Abstimmung fernhielten. Allerdings fehlten auch mehrere Mitglieder des clericalen Lagers. Obersthofmarschall Graf Anton S z e c f e n stimmte gleichfalls mit Nein. Ebenso Fürst Paul Esterhazy und Graf Elemer Batthyany, welche zum erstenmale bei den kirchenpolitifchen Vorlagen von ihrem Stimmrechte Gebrauch machten. Die Verkündigung des Abstimmungs-Resultates rief im Haufe große Bewegung hervor, so dass der Präsident die Sitzung auf einige Minuten fuspendirte. Sprechen und Singen. Vor einigen Jahren veröffentlichten wir unter obigem Titel eine Abhandlung des hervorragenden Laryngologen Profesfor Dr. Carl Störk, welche derselbe unserem Blatte bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte. Diese höchst fchätzenswerthe und lehrreiche Arbeit wurde damals von vielen Collegen freudig begrüßt und wir glauben darum auch unserem jetzigen Leserkreise einen besonderen Dienst zu erweisen, wenn wir über das gleiche Thema einen Auszug aus dem Werke des berühmten englischen Arztes Tr. Mackenzie, der seinerzeit die Behandlung des deutschen Kaisers Friedrich II. leitete, wiedergeben: Der Kehlkopf, als musikalisches Instrument betrachtet, ist von einer ganz besonderen Construction, und genau genommen kann kein anderer tonerzeugender Apparat mit ihm verglichen werden. Er bietet allerdings eine gewisse Aehnlichkeit mit den sogenannten Zungeninstrumenten, unterscheidet sich jedoch auch von diesen in -manchen wesentlichen Punkten. Es gibt verschiedene Arten von Zungen, welche jedoch alle das Gemeinsame haben, dass sie einen kontinuirlichen Luftstrom in eine Reihe einzelner Stöße zerlegen. Zwei Hauptarten von Zungen kommen bei der Construction musikalischer Instrumente zur Verwendung. Die eine derselben besteht in einer dünnen Holz- oder Metallplatte, deren eine Seite befestigt ist, während die andere in einer Röhre frei schwebt und das Lumen derselben größtentheils klappenartig verschließt. Die Thätigkeit eurer derartigen Zunge, wenn das freie Ende derselben in Bewegung gesetzt ist, kann mit den Schwingungen eines Pendels um einen festen Punkt verglichen werden. Wenn ein Luststrom durch die Röhre Hindurchgetrieben wird, so trifft derselbe die Zunge und treibt sie bis zu einem gewissen Punkte vorwärts; vermöge ihrer Elastizität kehrt die Zunge an ihren ursprünglichen Platz wieder zurück: dann wiederholt sich dasselbe Spiel; mit anderen Worten: die Zunge wird in Schwingungen versetzt und ein Ton entsteht,Wessen^ Höhe der Länge des schivingenden Körpers entspricht. Je länger die Zunge, um so tiefer die Note und umgekehrt. Derartige Zungen können einfach sein wie bei der Klarinette, oder doppelt, wie bei der Oboe. Eine andere Art von Zungen besteht in Platten oder Scheiben, welche in eine Röhre hineingesetzt sind oder die Oeffnung derselben zum Theil bedecken ohne jedoch in wirklicher Berührung mit den Rändern der Oeffnung, die sie bedecken, Zu sein. Ein bekanntes Beispiel dieser Anordnung bilden die Zungen der sogenannten Konzertina, eines dem Akkordion ziemlich nahestehenden Instrumentes. Die Stimmbänder haben mit keiner der genannten Zungen Aehnlichkeit. Es sind elastische Membranen, welche zwischen ihren Anheftungspunkten erst gespannt werden müssen, wenn sie einen Ton hervorbringen sollen. Diese Spannung wird von den verschiedenen Muskeln, die zu den Bändern in Beziehung stehen, bewirkt. Der Grad der Spannung ebenso wie die Länge der gespannten Theile, können durch den Einfluss des Willens verändert werden, so dass ein einziges Stimmband die Function zahlloser Zungen von verschiedener Länge und Dicke ausführen kann. Eine derartige Glanzleistung in Bezug auf so vielfache Verwendung eines so kleinen Materials kann von keinem Instrument, das von Menschenhand gemacht ist, erreicht werden. Da es zwei Stimmbänder gibt, ist die membranöse Zunge des menschlichen Kehlkopfes eine Doppelzunge; in ihrer Thätigkeit bei der Tonerzeugung wirkt sie jedoch als einfache Membran mit einem schmalen Spalt in der Mitte, welche sich über die Luftröhre von vorn nach hinten erstreckt. Ein bedeutender Mann der Wissenschaft hat eimna! behauptet, dass das Auge ein so mangelhaft gearbeitetes Instrument sei, dass er dasselbe jedem Optiker, der ihm solche Pfuscharbeit liefern würde, zurückschicken würde. Es ist mir nicht bekannt, ob der betreffende Herr auch am Kehlkopf solche Schnitzer bemerkt hat, obgleich ich nicht bezweifle, dass er auf Anfrage entschieden erwidern werde, dass sich manche Verbesserungen auch dort noch anbringen ließen. Das mag vielleicht richtig sein, allein wir müssen nun einmal mit dem Instrumente so wie es ist uns behelfen, und selbst die Pessimisten vom Fache müssen eingestehen, dass die kleine Musikdose mit ihrem zierlichen Apparate vollkommenere und schönere Musik machen kann, als alle Instrumente zusammen, die je der menschliche Geist ersonnen und die menschliche Hand ausgeführt hat. Unter Timbre der Stimme versteht man jene Besonderheit des Tones, welche uns befähigt, mit dem Ohr einen Bekannten ebenso zu erkennen wie dies mit dem Auge möglich ist. H e l m h o l tz hat für Timbre den etwas sonderbaren Ausdruck: Klangfarbe eingeführt, den T y n d a l l mit clang-tint ins Englische übertragen hat. Ich sehe nicht ein, wozu ein so poetisch bildlicher Ausdruck nöthig ist. Einem schlichten Verstände würde der Ausdruck: Tonqualität genau das wiedergeben, was mit dem Worte Timbre gesagt sein soll. Die verschiedenen musikalischen Instrumente haben alle ihre eigene und besondere charakteristische Tonqualität. Jedes geübte Ohr kann eine Violine von einem anderen musikalischen Instrumente ebenso unterscheiden, wie man zwei verschiedene menschliche Stimmen von einander unterscheiden kann. Bei den Instrumenten beruht die Tonverschiedeuheit muihmaßlich auf ihrer Form und auf der Verschiedenheit des Materials, aus dem sie hergestellt sind, und bei zwei Instrumenten derselben Art, wie z. B. zwei Violinen, hängt sie wahrscheinlich von kleinen Abweichungen in der Form und von der Festigkeit, dem Alter oder sonstigen Eigenthümlichkeiten des Holzes ab.