Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 23 (28.9.1894)
- Date
- 1894-09-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3453304-3453327--4105-3458531- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6. Gesterreichisch-nngarische Cantorcn-geitung. Nr. 23. wurde auch die Ehre eiuer Einladung in die Villa Königswarter zu Theil, woselbst er durch den Vortrag einiger Arien den Beifall aller Anwesenden errang. Ein ansehnliches Geschenk und eiu schmeichelhaftes Schreiben bilden für unseren Cantor ein ehrendes Andenken an die Anerkennung der Frau Baronin. Lemberg. Der Redacteur der jüdischen ״Drohobyczer Zeitung" A. H. Xupnil wunde bei der Lembcrger Landesausstelluug von Seiner Majestät dem allergnädigsten Kaiser mit einer huldvollen Ansprache ausgezeichnet. Der Monarch besuchte nämlich Montag, am 10 d. M. 3*0 Uhr Nachmittags den Zeitungspavillon. Der Präsident der Landesausstellung Fürst Adam SaPieha stellte ihn mit den Worten vor: ״-üupnik, Redacteur der Drohobyczer Zeitung" und Buchdruckerei-Besitzer". Hierauf geruhten Se. Majestät folgende Ansprache an ihn zu richten: ״Wie lange besteht Ihr Blatt? — 12״ Jahre". — ״Tendenz?" — ״Staatserhaltende Ideen zu verbreiten." — ״Prosperirt es?" ״Ziemlich". — Dann wies Seine Majestät gnädigst auf den von -ünpnik dort ausgestellten Schrank hin, worauf selber erklärte, dass das dort sich befindliche Kaiser-Bild nebst Rahmen in seiner Buchdruckern hergestellt wurde, und zwar mittelst Tonplatten, welches ein Fortschritt der Zeit ist. Zum Schlüsse sagte der Angesprvchene ehrerbietigst, dass er sich überaus glücklich schütze, von Seiner Majestät mit einer so huldvollen Ansprache ausgezeichnet worden zu sein, woraus seine Majestät mit einem Lächeln sich verabschiedeten. Lemberg. Im ,.Israelit" wird der hiesige Cultnsvorstand wegen Vernachlässigung verschiedener Institutionen scharf gedadelt. Es heißt daselbst: Am verflossenen Samstag wurde unserem Tempel über unsere Veranlassung die Ehre eines Massenbesuches zu Theil. Die Gäste, viele tausende fremde Herren und Damen, waren sowohl von der Lage als auch von der höchst geschmacktosen, unästhetischen und inneren Einrichtung sehr unangenehm überrascht und äußerten ihre Entrüstung über diese desolaten Zustände in ganz unverhohlener Weise. Es wurde seitens der Tcmpelverwaltung auf die Gäste überhaupt nicht die geringste Rücksicht genommen, was doch die gewöhnliche Höflichkeit und Gastfreundschaft erfordert Hütte. Das Gebet Freitag abends und das Schacharisgebet am Samstag wurde vom Untercantor vorgetragen. Erst einer energischen Neclamation eines Gastes, dass man aus fremde Gäste mehr Rücksicht nehmen sollte, hat man es zuzuschreiben, dass das Mussafgebet vom Obercantor vorgebetet wurde. Sein Vortrag fand, wie immer, die verdiente Anerkennung. So eine, sagen wir, unaufmerksame und unhöfliche Behandlung fremder Gäste gereicht unser Gemeinde gewiss nicht zur Ehre, denn sie verletzt in offener Weise die Pflicht der Gastfreundschaft. Dieselben Ausstellnugsgäste begaben sich zum israelitischen Spital (Heldisch), waren aber schon vom äußeren Anblick derart überrascht, dass sie sich unter lauten Pfuirufen 0) eiligst entfernten. — Anlässlich der Eröffnung des israelitischen Waisenhauses wurden sehr viele achtbare und angesehene Gemeinde- Mitglieder, die sowohl durch Intelligenz, wie auch durch gemeinnütziges Wirken und bedeutende Beitrüge zum Fände und innere!׳ Einrichtung des Waisenhauses sich auszeichneten, vom Vorstände bei der Einladung umgangen. Ja sogar eine sehr achtbare, mildthätige Frau, die zur Gründung des Hauses den nahmhaften Betrag von 10.000 fl. spendete, wurde nicht eingeladen: Dagegen waren alle diejenigen vollzählig erschienen, die den Herren bei ihren merkwürdigen Wahlmachinationen behilflich sind. Ehre, dem Ehre gebührt! — Tagtäglich kommen uns Beschwerden bezüglich der Spitalskosten zu. Sie machen nochmals die Spital- Verwaltung ausiüerksan!, dieselben endlich, wie es in anderen großen Gemeinden längst eingeführt ist, zu reguliren und sie nicht der willkürlichen Bemessung eines Spitalrarhes zu überlassen. Herr Tr. Holzer hat in eiuer der letzten Cultusrathssitzungen dem Vorstände den berechtigen Vorwurf gemacht, dass er nicht nur nichts Neues schasst, sondern auch das bereits Bestehende, wie das Heldisch und ° die Bethäuser zu Grunde gehen lässt. Diese Jeremiade hat wenigstens den Erfolg, dass beschlossen wurde, das baufällige Beihamidrasch zu restauriren. Lemberg. Als Ergänzung zu dem in voriger Nummer enthaltenen- Berichte über die feierliche Einweihung des israel. Waisenhauses in Lemberg sei noch nachgctrageu, dass der gesanglichc Theil der Function, welcher auch die Anerkennung Sr. Majestät des Kaisers gefunden hat, von Herrn Obercantor Heilpern versehen wurde. NalsM-GyaemÄt, 17. September. Die Anwesenheit Sr. Majestät des Königs im Neograder Comitate gab allen Kreisen der Bevölkerung Anlass, ihrer Loyalität und Treue zu dem geliebten Monarchen Ausdruck zu leihen. Die Worte, die hiebei der König an die ihn huldigend begrüßenden Deputationen richtete, haben im ganzen Lande ein freudiges Echo wachgernsen. Besonders bemerkenswerth!var die der Deputation der Jsraeliten des Neograder Comitates huldvoll ertheilte Antwort. Sr. Majestät versicherte diesmal die Israeliten nicht blos in der bisher üblichen Weise seines königlichen Schutzes, sondern er that den schönen und bedeutsamen Ausspruch: ״Der Religionsunterschied bildet in meinem Herzen für meine Völker reine Scheidewand." Noch wichtiger und bezeichnender als diese Worte ist vielleicht die Thatsache, dass die israelitische Deputation diesmal zum ersten Male in der Reihe der Confessioneu und nicht, wie dies früher immer geschehen, in der Reihe der verschiedenen Corporationen empfangen wurde. Dieselbe reihte sich der Depntation der katholischen und evangelischen Geistlichkeit an. Namens der Deputation begrüßte den König der Oberrabbiner von Balaffa-Gyarmat Joseph Deutsch. Er sagte u. A.: ״An diesem allgemeinen Freudentage, welchen das Nograder Comitat heute feiert, erscheinen auch wir mit freuderfülltem Herzen als die Vertreter der gesammten israelitischen Cultnsgemeinden dieses Comitats vor unserem allergnädigsten König, um unserer tiefsten Huldigung Ausdruck verleihen zu können. Wir sagen der Vorsehung Dank, dass uns Gelegenheit geboten wurde, mit der Aeußerung unserer Unterthauentreue und Liebe vor Ew. Majestät unserem König erscheinen zu können, der uns Israeliten ebenso wie die zu den übrigen Confessionen gehörigen Bewohner des Landes als seine Kinder liebt und uns seinen allergnädigsten Schutz angedeihen lässt. Und indem wir für die Gnaden der Vergangenheit unseren Dank ausdrücken, bitten wir Ew. Majestät, Ihren an dem Throne Ew. Majestät und am Vaterlande mit unerschütterlicher Treue hängenden jüdischen Unterthanen auch weiterhin Ihre väterliche Gnade zu bewahren." Die Antwort des Königs lautete wie folgt: ״Die Huldigung der israelitischen Cultnsgemeinden des Neograder Comitates und die Versicherung ihrer unerschütterlichen Treue nehme Ich mit Dank entgegen. Meinen Völkern gegenüber bildet die Verschiedenheit der Religionen keine Scheidewand in Meinem Herzen; auf Meine königliche Gnade und meinen Schutz können also Sie auch immerdar rechnen." BalaM-Gyarmat. 17. Septeber. Ein wichtiges Moment ist der Empfang der jüdischen Deputation in der Reihe der Deputationen der christlichen Confessionen. An den Präsidenten der hiesigen Judengemeinde, Eduard Elfer, der seinerzeit in dieser Angelegenheit an der Spitze einer Deputation beim Minister des Innern vorgesprochen hatte, war bis zum letzten Augenblick keinerlei Verständigung gelangt, was begreiflicherweise als Zeichen einer ablehnenden Entscheidung abgesasst wurde. In gespannter Erwartung stand die aus 67 Mitgliedern bestehende Deputation im Vereine mit den übrigen Deputationen auf dem Corridor. Der Reihe uach wurden die Confessionen zum Eintritt bei Sr. Majestät aufgefordert und endlich hatten unter den christlichen Consessioneu die als Letzten empfangenen Lutheraner den Empsangssaal verlassen. Im selben Momente rief aber auch schon der diensthabende Fourier: ..La1a88a-g^arra.ati izraelita hitközseg1־, und mit freudigster lleberraschung begaben sich die Juden vor den Herrscher, der sie soeben mit den übrigen Confessiouen in die gleiche Reihe gestellt hatte. BalaM-GyarMÄt, 17. September. In Angelegenheit der aufsehenerregenden Aeuderung der Reihenfolge betreffs der Judendeputation hatte der Berichterstatter des ״N. Pester Journal"hente Nachmittags eine Unterredung mit dem Minister des Innern Hieronymi, welcher denselben knapp vor dem Hofdiner in seinem Absteigquartier auf das zuvorkomendste empfing. Vorher hatte der Berichterstatter in derselben Angelegenheit den Leiter der Kabinetskanzlei Hofrath K ö n i g besucht, dessen überaus reservirte Antwort aber mehr