Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 23 (28.9.1894)
- Date
- 1894-09-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3453304-3453327--4104-3458530- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 23. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 5. zu müssen glaubte und der Sprosse einer der bekanntesten und angesehensten jüdischen Familien Deutschlands, weil er plötzlich gegen den Willen der Seinen im heiligen Lande leben zu )vollen erklärte, gezwungen war, von srernder Unterstützung sich sein Auskommen sichern z׳.l lassen. Als Lazarus v. Geldern am 24. November 1769 im Alter von 74 Jahren für immer die Augen schloss, schrieb man zum ewigen Gedächtnis seiner Seele in das Meniorbuch der Gemeinde Düsseldorf, aus dem bei jeder Todtenfeier die Namen der Verstorbenen verlesen werden, dass sein Haus ein Brennpunct jüdischen Wissens gewesen sei, und dass er selber es niemäls verabsäumt habe, vielbeschäftigt wie er war, von seiner Zeit den! Studium des angestammten Gesetzes seiner Väter zu widmen. War doch Lazarus der Sohn eines so tief in Leben und Lehre des Judenthums wurzelnden Mannes, wie Juspa v. Geldern, den der Rabbiner von Düsseldorf, Gvttschalk, zu feinem Schwiegersöhne sich ersah. Nach diesem im Alter von 93 Jahren im Jahre 1710 verstorbenen frommen Gelehrten und durch fürstliche Wohlthaten berühmten Rabbiner von Düsseldorf, Salomo Eljakim Gvttschalk, Sohn Elieser Halewi's, trug der jüngere Sohn des Lazarus v. Geldern, der am 12. Octvber 1795 vor erreichten 70. Jahre Heimgegangene D1*. Med. Gottschalk v. Geldern, den Namen. Sein Sohn Josef Juspa, der Namensträger von Lazarus Vater, der am 24. November 1765 zu Düsseldorf geboren ward, hatte die Langlebigkeit, das Vorrecht seiner Väter, nicht als Wiegengeschenk der Vorsehung mitbekommen. Nachdem er in Bonn, Mainz und Heidelberg studirt hatte, zu Duisberg als Doctor der Medicin und der Philosophie promovirt worden und zum Hofmediens des Kurfürsten Karl Theodor ernannt worden war, starb er nach kaum vollendeten dreißigsten Lebensjahre kurz nach dem Tode seines Vaters am 25. April 1796 in der Blüthe seiner vielverheißenden Entwicklung. Alles aber, was der Familie an Ansehen und Nachruhm durch, den allzufrühen Heimgang dieses ihres begnadeten Sprossen abgebrochen worden war, sollte ans dem Schoße seiner Schwester ihr tausendfältig zurückgegebeu werden. Betty v. Geldern war es Vorbehalten, dem Genius das Leben zu schenken, aus den die lange bekannte und die noch unbekannte Abfolge von Geschlechtern hindurch die Familie sich gleichsam vorbereitet hatte: sie ward die Mutter — Heinrich Heiners. Kleine Chronik. Wien. Sonntag, den 14. Octvber findet im Tempel der türkisch israelitischen Gemeinde die Trauung des Chcs-Redakteurs unseres Blattes, Herrn Dr. Moriz Löwy, mit Fräulein Jda Löwy statt. Wien. In erfreulicher Weise mehren sich die Zeichen, dass nunmehr auch in Oesterreich wahres Verdienst geschätzt rlnd anerkannt wird, wenngleich es sich hieb״i um einen Bekenner des jüdischen Glaubens handelt. Einer der hervorragendsten Lehrer der Wiener medieinischen Facultät, Herr Professor Isidor Reumann, wurde vom Kaiser durch Verleihung des Hofrathstitels ausgezeichnet. Diese Huld des Monarchen hat umsomehr Freude erregt, als Hofrath Reumann sich als Lehrer, Arzt ltnb Menschenfreund allenthalben der größten Sympathien erfreut. Außer dieser Auszeichnung veröffentlichte die amtliche Wiener Zeitilng in voriger Woche die Ernennung einiger jüdischer Aerzte zu Privatdocenten und außerordentlichen Professoren. Wien. Der gewesene Chefredakteur des ״Kurjer Polski". Dr. Josef v. Orlowski, veröffentlicht in einigen Wiener Blättern folgende Erklärung: In den letzten Tagen haben mich fast alle Wiener Zeitungen als antisemitischen Agitator bezeichnet, was sich mit meinen Intentionen und mit der Tendenz des ״Knrjer Polski" keineswegs vereinbaren lässt. Ich habe stets behauptet, dass ich vor allem Christ bin und schon aus dem Grunde die Juden als svlche ni ch t h asseit ko nnte, zumal ich vollständigst mit der Anschauung des verstorbenen Cardinals Dnnajewski einverstanden war welcher mir mehrmals gesagt hat, dass ein Christ, welcher die Juden und.׳' ü b er h aup t M itg lied er and erer C o n fess ijo ne 11 hasst und verfolgt, ganz einfach die Lehren u n s e r e s g ö t t l i ch e 11 E r l ö s e r s m i ß b r a u ch t. Ich habe also, was diesen Punkt anbelangt, im ״Knrjer Polski' nur die Politik verfolgt, welche seit vielen Jahren ans patriotischen Gründen die Mehrheit des Polenclubs betreibt und welche Politik lautet: ״Da die Inden gleichberechtigt sind, so müssen sie auch gleichverpslichtet sein, und zwar zur Einhaltung der׳ jenigen Schranken unserer nationalen und ökonomischen Thätigkeit, die im Interesse des Volkes und der Gesannntheit allen einzelnen Bestrebungen anserlegt sind. Die Inden aber, welche diese Pflicht verstehen und erfüllen und in jeder Hinsicht redlichen, patriotischen Geist beweisen, sollen nicht nur in diesen Pflichten, sondern auch in allen Ehren und im gesellschaftlichen Leben gleichberechtigt werden." Eine solche durch mich während der letzten Jahren geführte und ehrlichst gemeinte politische Richtung kann also nicht als antisemitische Agitation bezeichnet werden, und ich muß mich dagegen ansdrücklichst verwahren, da ei 11 e antisemiti s ch e Agitation mit d e m ch r i st l i ch e n G l anb e 11 nnd mit den Grnnprinzipien der Ziv il isat ion sich 11 ich t v erei nb ar en läs st und vor Allem den Interessen der polnischen Nation zuwiderläust. Wien. Das Direetorinm des Musikinstitutes Drucker hat in seiner letzten Conferenz beschlossen, an unbemittelte aber talentirte Musikbeslissene 8 ganze und 16 halbe Freiplätze zu vergeben, und zwar: 2 ganze und 4 halbe für Gesang, 3 ganze und 6 halbe für Violine, 3 ganze und 6 halbe für Clavier. Schriftliehe oder persönliche, jedoch wohl begründete, Ansuchen werden bis 15. Octb. d. I. im Seeretariat des Institutes Ob. Dvnanstr. 57 entgegengenommen. Prag» 19. September. (Für israelitische Reeruten.) Aus das Ansuchen des Prager Gemeinde- und k. t, Landwehr Rabbiners hat das ׳>. k. und k. Corps-Commando״ Wer׳ ־ ׳; Ermächtigung des k. und. k. Reichs-Äriegsministerimns dto. Wien, 14. September d. I. ll. Nr. 6754 unter dem 17. September d. I. in dem Corps-Commando-Befehl Nr. 58 verlaut-; bart, dass in sinngemäßer Anwendung des 8 485 des Dienstreglements I. Theil ans Anlass des auf den 1. in -2. Octvber?׳ dieses Jahres fallenden Neujahrsfestes der Israeliten die Recrnten-. des k. 11. k. Heeres israelitischer Consession ans dem ihm unterstehenden Bereiche ausnahmsweise erst auf den 3. Octvber eiuzubernsen sind. Krems. Nach unendlichen Schwierigkeiten ist es der hiesigen Gemeinde gelungen, der Verehrung des Allmächtigen ein neues, würdiges Hans zu bauen. Tie neue Synagoge, eine Zierde der Stadt Krems, ist vom bekannten Wiener Ärchitecten Herrn Max Fleischer in deutscher Renaissance ausgeführt. Schon . von ferne her ist das Haus kenntlich durch den mächtigen Giebel der Facade, in dessen Mitte der Dekalog angebracht ist. . Drei Portale in der Hanptsronte führen in das Innere des Ge-! bändes, das nebst Vorhallen, Sitzungs-, Kanzlei- und Functionärer ׳ Zimmern einen Betrau»! für 110 Männersitze im Parterre und ■' eben so viele Franensitze in den Galerien hat. Das Innere ist, ׳ ohne Verwendung von reichem, ornamentalem Schmuck, architeetonisch reich gegliedert. Der hervorragendste Theil ist die Estrade mit der Bnndeslade ganz aus Holz ausgeführt und in Farben getont, mit Anwcndnng von Vergoldung, was zusannnen harmonisch gestimmt eine gute Wirkung macht und einen würdevollen Eindruck hervorruft. Die Kosten des Bauwerkes, das in 5 Monaten fertig gestellt worden ist, sammt der inneren Einrichtung und Ausstattung betragen kaum 25.000 Gulden. An der Einweihung nahmen die Spitzen der politischen Militär- und Stadtbebörden, Delgationen mehrerer Gemeinden und viele ׳ geladene Gäste theil. Die Einweihungsrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, die cantorale Function versah Herr Obercantor Dünmann ans Mariahils. Marrendad. Bei einem Besuche des Gotteshauses nahm die hier zur Cur weilende Frau Baronin Charlotte König smarter Veranlassung, sich über die Leistlingen unseres Cantors, des ׳ Herrn Josef Schlesinger, sehr lobend zu äußern. Herrn Schlesinger