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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-09-28 · Heft 23 (28.9.1894) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 23 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Den geistigen Zusammenhang finden wir hauptsächlich schon in der Bibel verzeichnet, wo es heißt (5. B. M. 6, 5): '״ ש0ע ישראל יי' אלהנו'הHöre Israel! der Ewige, unser Gott, der Ewige ist ein einziges, einiges Wesen." Dieses so wichtige Bekenntnis, das die kräftigsten Lehren unseres Glaubens in sich fasst, enthält außer den himmlischen Schätzen eine Parallele mit den! Stamme Israel. Einzig nub einig bleiben in seinem hohen geistigen Berufe und hierin seinem Schöpfer, so weit Meuschenkräfte reichen, in seineil göttlichen Eigenschaften nachzustreben, war von jeher die große Aufgabe Israels. Einzig stand es da als erkorenes Volk Gottes am Fuße des rauchenden Sinai; einzig als priesterliches Reich und heiliges Volk, das, mit diesem Ehrenzengniße am Tage der Offenbarung vor aller Welt geschmückt, den Herrscherstab des wahren Glaubens über die Finsternis des m Abgötterei versunkenen Heidenthums hinneigte, goj mikerew goj einzig unter vielen Nationen des Alterthums, um mit der hellstrahlenden Fackel der Offenbarung die düstere Nacht des Wahlles uitb des Unglaubens für immer vom Erdball zu verscheuchen. Ulld nicht nllr eiilzig ist Israel, sonderil auch einig und unzertrennlich, wie das Wesen Gottes, in seiner geistigen Auffassung, in seinem Wollen und Streben, in Wort mid Thatkraft: wajichan. scliom Jisroel neged hohor, wie ein Mann harrte die ganze Nation ungetheilten Sinnes am Rande des bebenden Berges. Eiil Wille, ein Gedanke, eilt Ausruf קול אחד gab die begeisterte Volksstimmung mit den Worten naasseh wenischma, ״wir wollen ansüben und gehorchen" aller Welt sich kllnd. Selbst die Thora stellt denl israelitischen Volke ein ehrenvolles Zeugnis aus in den drei Worten: jachad schiw’te Jisroel ״Einig waren die Stämme Israels. Seit jenenl fernen Zeiträume, der mehr denn drei Jahrtausende in sich sasst, steht jenes wunderbare Völkchen der alten Geschichte nach so vielen Stürmen noch aufrecht; es hat sich trotz des Unterganges anderer blühender Nationen, von denen keine Spur mehr zu finden ist, durch eine unsichtbare Macht, in alle Enden der Welt zerstreut, bis ans den heutigen Tag erhalten. Alles wurde ihm, besonders in dem Verhängnisvollen Mittelalter, zwar geraubt, Vaterland, Eigenthnm, Persönliche Freiheit, ja sogar oft das Leben, ואין ש ור רק התודה הזאות doch jenen kostbaren göttlichen Schatz, die Thora, seinen Stolz und seinen Ruhm vor den Augen aller Völker, hat Israel, selbst in den klirrenden Sklavenketten, dennoch nicht verlassen. Möge uns daher das wichtige, mit uns parallel laufende Glaubensbekenntnis Schema Jisroel, mit dein wir täglich dreimal und in unserer Sterbestunde den Namen Gottes heiligen, zur Eintracht uitb zum Frieden überhaupt und zur Förderung des göttlichen Wortes und seiner Forscher immer mehr anregen, auf dass wir unserem himnllischen Vater, dessen Namen der Friede ist, täglich ähnlicher und mit Recht b’ne El chaj ״Kinder des lebendigen Gottes" genannt werden. Publirativnen des österr.-rmgar. Tantvren-Vereines. Montag, den 24. September fand die erste Vorstandssitzung nach den Sommerferien statt. Nach Erledigung der laufenden Agenden gelangten die Ansuchen der Witwen Pollak- V lasch im und Blan-Esseg um Gewährung des statutauschen Witwenbeitrages zur Verhandlung. Trotzdem die Vereinscasse im Henrigen Jahre bereits durch 2 Todes- und Seite 3. ז — . .. ‘Sr•-' 1 Jnvaliditätsfall. schon stärk Ew'ÄnsprM^MWMeHMxden ist, wurde dennoch,, in Anbetracht der.nvthdürftigen-Lttge der Hinterbliebenen' der beiden dahingeschiedenen. Veteinsgenoffen, jeder Witwe ein Witwenbeitrag von Zw ei h u׳nd e ri'Gnl'b en ö. W. bewilligt. '׳ יי ’ Die Anforderungen, welche im heurigen JahrH.. anchie Vereinscasse gestellt wurden, waren wahrhaftig außerordentliche und dass dieselben trotzdem befriedigt werden konnten, Ist Nur dem Umstande zu verdanken, dass dem Vereine' durch'die Bemühnngen des Präsidiums namhafte Spenden vojfi hochhes-zigeil Gönnern zugeführt worden sind. Hierin liegt auch^ ein Fingerzeig für die geehrten Mitglieder in den Provinzgemeinden, aiff die Förderung und Kräftigung der Vereinscasse möglichst'"bedacht zu sein. Nur daun, wenn Jedermann nach dieser Richtung seine Pflicht erfüllen wird, kann der Cantorenverein selne collegialen und Humanitären Zwecke voll und ganz erfüllen. ' Die geehrten Vereinsmitglieder werden auch -dringendst ersucht, mit der Einsendung der Pflichtbeiträge für die' erwähntön Todesfälle nicht allzulange zu säumen^ da-durch ihre Lässigkeit die Auszahlung der Witwenbeiträge unnythiger Weise verzögert wird. ,;- ־ Auf der Tagesordnung dieser Borstandssitzung standrauch das Elaborat über den zu gründenden Pensionsfond.! Diese wichtige Angelegenheit wurde jedoch für die nächste' Sitzung vertagt, da einerseits die Zeit schon vorgerückt war und anderseits im Interesse der Sache selbst eine eingehende Berathnng geboten erscheint. Knapp vor den hohen Feiertagen, sowie während derselben, wo Jedermann int Vorstande von Functionen überanstrengt ist, könnte eine gedeihliche und reifliche Berathnng nicht durchgeführt werden, und äst es daher vollkommen . angezeigt, wenn erst nach den Feiertagen an die Lösung: dieser-für den Verein wie fiir den gesammten Cantorenstand sö hochwichtigen Frage geschritten wird. Villeicht werden auch dann die geehrten Vereinsmitglieder mehr Muße finden, ihre Anschauungen über die bereits, veröffeutlichten Grundzüge des Pensionsfondes kundzugeben, was schon darum erwünscht wäre, damit bei der seinerzeit zu der Frage der Gründung des Pensionsfondes einzuberufenden General- Versammlung die Ansichten über denselben schon gewisserinaßen geklärt sind. Der Borstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereiues. Heinrich Heine's Abstammung. Bon Professor Dr. David Kaufmann. . (Schluss.) ־ Es war nur eine Duldung von zehn zu zehn Jahren, die selbst den Privilegirten der Juden in Wien als äußerste Gnadö zugestanden wurde. Alle unbescholtene Arbeit, die unermüdlichL. Opferfühigkeit im Dienste des Staates und des Kaiserhauses vermochte an diesem Herkommen nichts zu ändern. Simon. Michel musste beizeiten darauf bedacht sein, bevor das Priyh legium ablief oder, wie man sagte, expirjrte, für ein neues zu sorgen. 75.000 Gulden hatte er für diese Vergünstigung dem Aerar vorzuschießen sich erboten, 20.000 davon hatte׳ die Hop» kammer sofort in Anspruch genommen/, aber es lag wiederetwas, von der Schwüle einer bevorstehenden Judenanstreibung in dev Luft; der größte Theil des Jahres 1716/ verstrich, -Simon Michel hatte den papiernen Boden unter den׳- Füßen,/ das .alte Privilegium, verloren, ohne das neue erhalten zu haben,, als endlich am 25. September Kaiser Karl VI. ihn von neuem in seinen landesfürstlichen Schutz aufnahm uitb ihm und den Seinen

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