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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-09-28 · Heft 23 (28.9.1894) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 23 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Gesterreichisch-rmgarische Lantoren-Zeitung. Nr. 23. Balsam auf alle Wunden, die uns unsere Feinde geschlafen׳, er ist Schütz und Schirm gegen alle Verläumduug und Nachrede/ / mit deitEunserb Hasser Mrs verfolgen. Darum freut euch, ihr Glaub'en'sgenossen, unser Kaiser rechnet auf uns und er umfasst,, uns m:t österlicher Liebe-. . ' ׳ ' 7? Was .gilt -uns jetztder Spott und Hohn der anü-semitischen Bande, Äx uns so gerne als Gastvolk und Fremdlinge bezeichnet? . Wir lächäu über ihre wüthigen Angriffe, dein: unser Kaiser , rechnet auf uns, als gleichberechtigte Bürger seines Reiches. Von dem erhabenen Throne unseres geliebten Monarchen wurde. es aller Welt verkündet, dass die Verfolgungen und Verhetzungen gegen uns ein Ende nehmen müssen, dass die Ehrung und Würdigung im bürgerlichen und staatlichen Leben uns nicht entzogen werden darf, weil wir Juden sind. ״In Meinem Herzen bild et Her Unterschied der Religion Meinen Völkern gegenüber keine Scheidewand". - .Fürwahr, es war schon die höchste Zeit für solch' unzweideutige Kungebungen, und wenn wir an den bevorstehenden Heiligen Festtagen unsere Blicke zu dem Allmächtigen richten, werden wir mit doppelter Inbrunst Glück und Segen herabflehen auf das Haupt unseres geliebten Landesvaters. Hoffnungsfreudig blicken wir in die Zukunft, das düstere Grau der Vergangenheit färbt sich mit rosigem Schimmer, denn aus kaiserlichem Munde sind uns verheißungsvolle Worte verkündet worden. Standesklagen und Stsndessragen. (Schluss.) In jenen Gemeinden, in welchen die zufälligen Einnahmen und Nedowes noch bestehen, darf sich jedoch der Cantor oder Lehrer durch solche Gunstbezeugungen von dieser oder׳'jener Seite in seiner amtlichen Thatigkeit als Cantor oder Lchrer keinesfalls beeinflußen lassen, dies würde sein Ansehen schwer schädigen. Vielmehr muß er sich auch hier als ein charakterfester Mann bewähren unbestechlich und gerecht in seinen Handlungen,., tüchtig in seinem Amte und treu in der Erfüllung aller seiner Wichten, dann werden schließlich seine Wünsche auch einigen Erfolg haben. Was nun der einzelne Lehrer oder Cantor in seiner Gemeinde, das ist der ganze Cultusbeamtenftand in seiner Gesammtheit durch festes und strammes Zusammenhalten. Manche segensreiche Einrichtung ist schon seit der Gründung von Lehrer- und Cantorenvereinen durch diese Vereinigungen zu Gunsten unseres Standes geschaffen worden. Die gesteigerte Bedeutung des Cultüsbeamtenstandes und die beginnende Fürsorge für denselben ist — abgesehen von der Thätigkeit des Einzelnen und der Berufstreue im Allgemeinen — dem kräftigen Eintreten dieser Institutionen in Wort und Schrift zu verdanken. Cantorenverein und Cantorenzeitung haben viel zur Förderung unserer Interessen beigetragen, und was mit Mühe und Arbeit nach dieser Richtung bereits geschehen ist, erkennen wir mit dankbaren: Herzen an. Aber noch harrt so mancher berechtigte Wunsch seiner Erfüllung, ehe wir jene Stellung eiunehmen, die uns voll und ganz gebührt; noch tauchen die dunklen Gestalten hervor und verhindern uns, das Werk, das wir begonnen, gedeihlich weiter zu führe!:. Die leidige Gehaltssrage, Pensionirung re. bleiben immer noch offen, und׳ ungelöst ist die Frage: was soll aus unseren Frauen und Kindern werden, wenn wir Plötzlich abgerufeu werden'? Gerade durch diese Uebelstände wird der Lehrer oder Cantor im Vergleiche zu anderen Beamtenktassei: von gleichen: Bildungsgrade auf eine tiefere sociale Stufe gestellt. Aus-all dem erkennen wir, was uns zur Erreichung der .gebührenden gcseÜMaftlichen Stellung noch" fehlt. Da gilt es denn, immer ׳weiterM?hoffen^und zn streben, bis alle diese Hinderniße über- 'wunden sindSS. - - Angesichts- .dieser Thatsachen möge jedes Glied unseres Sta!:des das bekannte SckDer's.che<8Vvrt beherzigen: ״Immer -.strebe zum Ganzen, und kannst-du. selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an!" Dieses Ganze kann hier in unseren: Sinne nichts anders sein, als der feste Zusammenschluss Atter zu einen: großen Körper, welchen wir ״Cantoren-oder Lehrerverein" nennen, und dieses ״Streben zun: Ganzen" ist das Gefühl der Zusammenghörigkeit, welches Standesbewusstseil: heißt, und das zur Erreichung unseres Zieles unerlässlich nöthig ist. Aber eben dieses Standesbewnsstsein ist es, welches, wenn wir" ehrlich sein wollen, leider noch so n: a n ch e u: unsere s Standes fehlt. Denn die Zahl der Lehrer und Cantoren, welche entweder allen derartigen Bestrebungen gleichgiltig gegenüberstehen, oder denselben vielleicht gar entgegen zu wirken suchen, ist nicht gering. Tief bektagenswerth sind daher alle Spaltungen und Sonderbestrebnngeu innerhalb des Cultusbeamtenstand es. Vielmehr sollte in: Hinblick auf unser gemeinsames Ziel keine Rücksicht gelten auf die Frage: ״Bist du Cantor und Religionslehrer, nennst du dich Prediger, oder bist du Volksschullehrer an einer Gemeindeschule. Sondern nur von dem Bewusstsein müsste jeder sich leiten lassen: ״Du bist Cantor und Lehrer, und darum Alle für Einen und Einer für Alle! Auf, als dienendes Glied schließ' an das Ganze dich an! Bedenke: ״Wie groß du für dich seiest, vorm Ganzen bist du nichtig, doch als des Ganzen Glied bist du als Kleinstes wichtig!" (Rückert.) Israel rin Sinne des Glaubensbekennntniffrs. Eine Studie von Julius Eis n er, Cantor und Religionsweiser, DrLLkow. Wo in aller Welt giebt es eine Nation, die aus ihren: Lande seit nahezu zwei Jahrtausenden vertrieben, über die ganze Erde zerstreut, ohne jedes äußere selbstständige Machtzeichen, ja seit vielen Jahrhunderten seine Sprache nicht mehr als Umgangssprache gebrauchend, noch immer ein Volk mit dem lebhaften Bewusstsein der Zusammengehörigkeit bilden könnte, wie das israelitische Volk? Aber ein mächtigeres Band als alle die genannten Factoren umfasst das israelitische Volk. Es hat kein Vaterland, das ihm eigen gehörte: mit der treuesten Hingebung widmet es sich dem Dienste eines jeden Landes, das ihm Schutz und Schirm gewährt; es hat hat keine nationalausschließenden Eigenheiten: mit der bewunderungswertesten Elasticität accomodiren sich die Juden überall der Nation, unter der sie leben und bilden wahrlich nicht ihre schlechtesten Söhne; die Sprache ihres neuen Vaterlandes ist den Inden längst ihre Muttersprache geworden und bei allen civilisirten Nationen finden wir unter den Helden der Sprache und Schrift Söhne unseres Stammes, auf die jene eben so stolz sind als wir. Das gemeinsame Band, das alle Juden umschlingt, ist ein geistiges und dieses macht sie zu einer idealen Einheit, ohne dass die patriotischen oder national-religiösen Gefühle einander beeinträchtigten.

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