Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 22 (15.9.1894)
- Date
- 1894-09-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Nr. 22. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. bedeutet, dass er nur Herz und Sinn für den Ewigen hat- לו—לב Eine Gans im Traume bedeutet Weisheit; ein Hahn im Traume deutet auf die Geburt eines männlichen Kindes; eine Henne deutet auf eine schöne Gartenwohnung. Eier im Traume bedeuten, dass die Erfüllung eines Wunsches noch zweifelhaft ist; sieht man aber im Traume, dass die Eier gebrochen find, so ist es dahin zu deuten, dass dessen Gebet erhört und dessen Wunsch sicher in Erfüllung gehen wird. Ebenso deutet auch Alles, was gebrechlich ist, als Msse, Kürbiße, Glasgeräthe, wenn er sie im Traume gebrochen steht, dass das böse Verhängnis vernichtet ist. Wer da träumt, dass er eine Stadt besucht, kann erwarten, -ein etwaiges Ziel zu erreichen; denn so heißt es: ״Er führt sie an das gewünschte Ziel." (Pf. 107, 30.) Wer sich im Traume das Haar abschneiden lässt, dem bedeutet Glück, weil auch Josef sich das Haar schneiden ließ, bevor er zum Glücke gelangte. Wer im Traume sich auf einem Kahn im Wasser befindet, hat zu erwarten, dass fein guter Ruf sich weit verbreiten wird. Wer im Traume ein Dach besteigt, der wird eine hohe Stelle erlangen; wer aber träumt, dass er von demselben herabsteigt, der hat zu erwarten, dass man ihn feiner Würde entheben wird. Wer seine Kleider im Traume zerreißt, den! wird auch ein über ihn im himmlischen Rache ausgesprochenes Urtheil zerrissen und vernichtet werden. Wer im Traume von einem Polizeimann ergriffen wird, der kann versichert sein, dass das Gottesauge ihn bewacht; ist er aber im Traume gar ins Gefängnis geworfen und in Ketten geschmiedet worden, so kann er auf besondere Obhut von Seite der Vorsehung rechnen. Wer im Traume am Ufer eines Teiches geht, wo gewöhnlich hohes und niedriges Schilfrohr dicht nebeneinander wächst, der kann erwarten, dass er zum Oberhaupte einer Hochschule (Jefchiba) ernannt wird, wo größere und geringere Jünger der Wissenschaft bunt durcheinander sich versammeln; träumt chm aber, dass er durch einen Wald gieng, wo die Bäume zwar hoch aber nicht so dicht nebeneinander stehen, der hoffe, dass er der erste, vornehmste Schüler der Hochschule sein wird, um den sich nach dem Vortrage des Meisters' viele versammeln werden, dass er ihnen den Lehrstoff abermals erkläre und erläutere. Rabbi Papa und Rabbi Hunna hatten beide derartige Träume. Ersterer träumte, als ging er am Ufer eines Sees, und er wurde in Sura Oberhaupt einer Hochschule; der Zweite, welcher im Walde zu gehen träumte, wurde Prämiant, erster Schüler derselben Schule. Wer sich im Traume zur Ader lässt, kann hoffen, dass ihm seine Sünden verziehen werden; denn Roth ist das Symbol der Sünde, hier aber sieht er das rothe Blut von sich scheiden. Eine Schlange im Traume deutet dahin, dass man keine Nahrungssorgen haben wird; wie die Schlange überall chre Nahrung, die Erde findet; hat sie ihm in! Traume gebissen, so wird ihm sein Nahrungszweig verdoppelt; hat er sie aber im Traume getödtet, so deutet das auf den Verlust des Nahrungszweiges. XVli. Ernste und heitere Betrachtungen über Träume (Lesefrüchte.) Die Kinder des Schlafes und der Nacht sind die Träume. Morpheus führt sie aus dem Lande der Seligen, um uns in die Welt heiliger Schatten zu versetzen, oder in das weite Reich der Phantasie, wo wir nach Willkür schaffen, genießen und Dinge verstehen, die uns wachend durchaus fremd sind; die Genüsse der Einbildungskraft übertreffen weit die der Wirklichkeit. Im Traume sind wir Herr unserer Wünsche, reicher und glücklicher als Könige, bis das Gespenst der Wirklichkeit uns spottend aus dem süßen Schlummer rüttelt. Die Vorwelt schätzte die Träume als hohe, göttliche Eingebungen, wie die Chaldäer. Meister Daniel-wusste sogar den Traum anzugeben, den Nebukadnezar, König von Babylonien, vergessen hatte, und Josef, gehasst von seinen Brüdern, weil ihm ttäumte, dass seine Garbe stand, und die Garben der Brüder sich vor ihm neigten, so wie Sonne, Mond und eilf Sterne, wurde sogar durch seine Träume und Traumdeutungen Premierminister in Egypten und erster Geheimrath, den die Geschichte kennt. Träume wurden aber auch leider die Quelle der Magie, Gespensterteufeleien, Vorhersagungen und Ahnungen, die dann die Furcht manchmal wahr machte. Je größer unser Ideenvorrath, desto lebhafter sind die Träume; sie sind regelmäßig, wenn wir es selber sind, unregelniäßig, wen wir krank, oder mit überfülltem Magen oder in Leidenschaft zu Bette gehen. Ein Magen voll Speisen und Getränke, der Kopf voll Weindunst erzeugen teufelische Träume. Mit leerem, oder besser mäßig gefülltem Magen, mit leichteren und feineren Speisegattungen, träumen ätherische, himmlische Träume, wo Psyche oder die Menschenseele spielt. Das kann auch der Sinn des bereits oben angeführten Talmudspruches sein: ״Alle Träume gehen nach dem Munde", nach den Speisen, die der Mensch genießt. Temperament und Lebensweise haben begreiflich großen Einfluss auf Träume. Der Choleriker träumt gern von hohen Ehrenstellen oder Schlägereien; der Sanguiniker von Teufeln und Märchen; der Melancholiker füllt hin und bleibt irgendwo stecken oder stirbt; der Phlegmatiker träumt gar nicht; Gelehrte träumen von dem Meisterwerk, das sie gerade unter der Feder haben; der Hirte träumt vom Wolfe, der Kranke von Arzt und Apotheke, der Soldat vom Kriege, der Geschäftsmann von Waaren; der Tyrann träumt von Verschwörungen, der Poet von Büchern. Die Organe sind bei dem einen Menschen thätiger, als bei dem anderen, und so wie man Menschen findet, die im Traume den Mund bewegen, als ob sie Tabak schmauchten, oder die Hände, als ob sie schnupften, oder Kaffee und Thee einschenkten; so giebt es wieder welche, die diesen Mechanismus bis zum Nachtwandel treiben. Viele haben Predigten, Verse, Musik, Briefe und dergleichen im Traume niedergeschrieben, oft besser, als sie es wachend gethan hätten. Manche träumen so lebhaft, dass man ihnen nur eine Idee in die Ohren zu flüstern braucht, so träumen sie nach unserem Willen. Manche sprechen dabei laut, und mit solchen Träumen kann man sich viele komische Auftritte bereiten. Es ist ein Vorzug des Menschen,, dass er mit Bewusstsein träumt, von dem man noch nicht vollen Gebrauch zu machen scheint, ein sehr wichtiger Theil unserer Eristenz, und das echte Vorbild unseres Lebens. Was ist denn das längste Leben anders denn ein Traum und der Mensch ein Schatten? Das Leben ist ein Traum und der Tod der Augenblick des Erwachens in einem besseren Sein! Und was ist der schönste allerTräume? Ein vorwurffreies, glücklich und nützlich durchlebtes Leben! Heinrich Heinr's Abstammung. Von Professor Dr. David Kaufmann. Zum. Eintritt auf den Parnaß wird keine Ahnenprobe, gefordert. Aber nicht etwa darum, weil sie entbehrlich ist, sondern einfach deshalb, weil sie, sich von selbst versteht. Es hat noch nie einen großen Mann von gestern gegeben. So wenig wie ein Volk springt ein Genius ״aus Holz und Stein", wie viel auch immer an jeder ausnehmenden Begabung auf Rechnung