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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1894-09-15 · Heft 22 (15.9.1894) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 22 (15.9.1894)
Date
1894-09-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 3. des ersten Jahrganges als Repetition theilnehmen und in Mischna unterrichtet werden. 4. Classe (1. Jahrgang.) Die andern sechs kleinen Propheten, Jeremias, Echa, Jesaias, Psalmen; hebr. Grammatik; Syntax mit hebr. Styl- Übungen; Stellen aus Targumim nüt den Grundzügen der aramäischen Grammatik; Auswahl aus den Comnientaren und Ritual-Compendien; einige Abschnitte aus der Mischna und thalmudischer Chresthomathie; Geschichte des Judenthums bis zum Ausgange des Mittelalters. 5. Classe (1. Jahrgang.) Hoh es Lied, Kvheleth, Ezechiel, Hiob, Daniel, Esra, Nehenüa, hebr. Grammatik; Mischna und talmudische Chretsthomathie fortgesetzt; Geschichte des Jndenthums bis aus unsere Zeit. In der 4. und 5. Classe 1te()11teu die Lehramtseandidateu an dem Unterrichte aus Bibel, Commentaren, Compendien und Geschichte theil und benützen sie die ausfallenden Lehrstunden zu praktischen Unterrichtsübnngeu in der Religionsschule, bezw. zur Ausbildung im liturgischen Gesänge. 7. Hausarbeiten dürfen den Zöglingen nur für eine längere Ferienzeit aufgegeben werden und sind überhaupt die Anforderungen an den häuslichen oder Prioatsleiß seitens dieses Fachunterrichtes aus ein möglichst geringes Maß zu beschränken." Der jüdische Gottesdienst. IX. Die beiden in stetem Gegensätze sich befindenden Jahres- Hälften: Winter und Sommer, nebst ihren Vorboten: Herbst und Frühling, durch deren regelmäßigen und naturgemäßen Wechsel aller Segen für die nahrungs- und lebensbedürftige Welt entsteht, können ebenfalls 11id)t ganz unbeachtet geblieben sein, ohne sie in der Synagoge durch einen Psalm ausgezeichnet und auch im Gebete kenntlich gemacht zu haben. Wir glauben daher ganz sicher, dass die zwei übrigen Psalmen 147 und 148 hiemit in Beziehung gebracht und dafür bestimmt worden sind, lind wahrlich, sie sprechen für sich selbst. Wie köstlich ist das Bild, welches der erstgenannte Psalm vom allmählig aber stets hereinbrechenden Winter entwirft, der sich zuerst durch anhaltende Regengüsse anmeldet, welche Zeit wir Herbst nennen. Nach einer Jntroduction von Soli und Chor, welche die Ergebenheit, Größe und Allgüte Gottes verherrlichen und verkünden, beginnt der Psalmist fein Bild folgendermaßen zu zeichnen: ״Der den Himmel mit Wolken bedeckt, der Erde Regen bereitend". Aber bevor noch der Winter mit allen seinen Schrecken völlig einzieht, hat dieser Regen eine sehr wichtige, wohlthuende Sendung zu erfüllen: ״Er lässt zuvor noch auf den Bergen (die sonst trocken sind) Gras hervorsprossen, das dem Thiere Futter giebt, den Rabenjungen, die darnach rufen." Ja die Hauptsache ist Futter für die Thiere. Wer den Schmerz nicht kennt, wenn das Vieh nach Futter schreit und man es ihm nicht zu geben vermag, weil es fehlt, der horche nur auf das herzzerreißende Geschrei der Rabenjungen, welche die Rabenmutter verlassen hat und nun vergebens nach Nahrung rufen, und dann wird er es empfinden. Allein, ist es denn nicht das Roß und sein Mann, deren Fleiß und Ausdauer Fülle und Ueberflus verschaffen? Nein! ״Nicht die Kraft des Rosses verlangt er, und nicht an den breiten Schultern des Mannes findet er Wohlgefallen. Gott will nur, die seiner fürchten, welche auf feine Gnade hoffen." Alle Arbeit und aller Fleiß nützen zu nichts, wenn nicht feine Gnade hinznkommt und wenn Gott nicht seinen Segen, der sich eben im Regen manisestirt, hinzuthut. Chor: ״Lobe Jerusalem den Ewigen, preise Zion, Deinen Gott! Denn er befestigt die Riegel Deiner Thore, er segnet Deine Söhne in Deiner Mitte. Er setzt den Frieden an Deine Grenzen, mit dem Fett des Weizens sättigt er Dich." Natürlich, ein Land, das solche gesegnete, kriegsstarke Söhne aufznweisen hat und auch solchen Wohlstandes sich erfreut, da sitzt der Frieden an der Grenze und lässt das Volk seinen Reichthnm in vollkommener Sicherheit und Ruhe genießen. Soweit der Herbst, nun kommt die Schilderung des Winters: Der seinen Befehl zur Erde schickt, sein Wort läuft schnell. Da fällt der Schnee wie Wolle, wie Asche streut er den Reis aus. Er wirft sein Eis wie Brocken herab; wer kann vor seiner Külte wohl Stand halten? Er schickt wieder sein Wort, und sie zerfließen, er lässt seinen Wind wehen — und da rinnen die Wässer". Schlußchor: ״Er verkündet seine Worte Jakob, seine Gesetze und seine Rechte Israel. Solches hat er keinem Volke gethan, und Rechte ließ er sie nicht wissen. Hallelujoh!" Wie reizend schön ist dieser Schlußchor, der, in voller Bewunderung über des Sängers eigenartige Gabe, die Wunder Gottes im Reiche der Natur anzuschauen und zu beurtheilen, nun ernstlich meint: dass solch tiefes Eindringen in die geheimnißvolle Natur nur dem Israeliten eigen ist, dem auch eine solche hohe Lehre zur Seite steht, welche ebenso wie jene das Werk Gottes ist; ein Nichtisraelit kann diese Einsicht nicht haben, weil ihm die Gesetze und Rechte der göttlichen Lehre gänzlich unbekannt sind. Und nun zum Frühliugspsalm. Wie Einer, der aus langer Nacht finstern Kerkers in's Helle Sonnenlicht der goldenen Freiheit mit einmal versetzt wird, vor Freude und Glück sich nicht fassen kann und die ganze Welt dann umarmen möchte, ebenso ruft der Psalmist des folgenden Kapitels beim ersten warmen Frühlingshauche Alles, was im Himmel und was auf Erden ist und ein Dasein fristet, zum Lobe Gottes auf, ob dieser Pracht der wiedererwachten Natur: ״Im Himmel, in den lichten Höhen, alle Himmelfchaaren, Sonne, Mond und Sterne, Alles, gar Alles soll das Lob Gottes anstimmen". ״Denn er ists ja, der gebot — und sie wurden erschaffen; er hat sie hingestellt auf immer nutz ewig; er gab Gesetz — und es wird nicht übertreten". Aber auch ״Alles auf Erden soll in dieses Lob einstimnien." ״Ungethüme und Untiefen, Feuer und Hagel, Schnee und Nebel, auch der Sturmwind, der Vollstrecker seines Wortes; sogar Männlein und Weiblein, Jung und Alt, alle müssen sie Gottes Namen Hochpreisen — denn gar groß ist sein Name — ob dieser seiner Pracht, die sich über Erde und Himmel ergoß". ״Ebenso aber wird er den Glanz seines Volkes strahlen lassen, dann wird ein Loblied erschallen aus dem Munde aller Frommen, der Kinder Israel, seines ihm nahen Volkes. Hallelujoh!" Betrachtungen über Schlaf u. Traum von Rabbiner L. Wollner. (Schluss.) XVI. Verschiedene Träume und ihre Deutungen. Rabbi Josef sagte: Wer im Traume eine Ziege sieht, der hoffe auf ein gesegnetes, ftuchtbares Jahr; mehere Ziegen deuten auf viele gute Jahre. Wer im Traume einen Myrthenstrauch sieht, der kann, wenn er Felder hat, hoffen, dass diese fruchtbar sein werden; besitzt er aber keine Grundstücke, so deutet es, dass ihm eine unerwartete Erbschaft zufallen wird. Ein Esrog im Traume deutet dahin, dass der betreffende geschützt und hochgeachtet vor dem Schöpfer ist. Wer im Traume einen Lulaw sieht,

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