Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 22 (15.9.1894)
- Date
- 1894-09-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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nicht. Eoaliren wir uns auch, -stellen wir ,als Mimmalgehalt 800 fl. und freie Wohnung auf, über das fei bindend' für Alle, dann sollen.-sich die Gemeinden ihre Funcüonäre wählen. ׳Wählet.. genau, überzeugt Euch, erkundigt Euch, aber stellet uns dauernd an, dann werden wir uns auch ganz und voll unserem Berufe hingeben. Jnsolange dies nicht der^--Fall ist, müssen die Gemeinden mit Functionären X^" Grades vorlieb nehmen. Blicket einmal, Ihr Herren Collegen, auf die Arbeiter hin, was haben die schon erreicht und was werden sie noch erreichen? Was hat sie aber von Erfolg Zu Erfolg geführt? Ihr strammes und einiges Vorgehen. Concordia res parvae crescunt, discordia maximae dilabuntur. Die einträchtig an den Pforten des Parlamentes klopfenden Arbeiterbataillone flößen den maßgebenden Factoren Respect ein, aber aus dem jüdischen Fuctionär macht man sich das Gelächter, und das mit Recht — sind wir doch die armseligsten Geschöpfe, über diejsich selbst der niedrigste Jude erhaben fühlt. Man ־tritt uns, und wir liegen ruhig da. Darum Cultusgemeinden tretet nur zu, behandelt den Functionär so, wie er es verdient. Der jüdische Lehrer in Böhmen ist ohnedies auf.dem Aussterbeetat, denn die neueste Mode der böhmischen Juden ist — ihre jüdischen Schulen auzuflösen. Sind bisher keine Gelehrten in Böhmen ausgewachsen, wie wird es erst dann sein, wenn die jüdischen Kinder wöchentlich 2 Religionsstunden, die Reichen vielleicht Privatunterricht, und die Armen — das Nachsehen haben. Hisoharu bibne anijim, ki mebem teze thoro, wird jetzt zur Persiphlage!! — n. Das Proseminar in Brünn. Am 1. November d. I. wird das Proseminar in Brünn, dessen Begründer und Leiter der mährische Landesrabbiner Dr. Placzek ist, seine Lehrthätigkeit beginnen. Es war ein ebenso glücklicher als praktischer Gedanke des Vorstandes, den Lehrplan dieser Anstalt nach der Richtung hin auszudehnen,' dass an derselben auch Cantoren herangebildet werden können. ' Hiermit wird einem dringenden Bedürfniße der Cultusgemeinden nach tüchtig ausgebildeten Cantoren, die zugleich Religionslehrer . sind, wenigstens zum Theile abgeholfen, und es ist gewiss zu bedauern, dass die Vorbildungsschule der jüdisch-theologischen Lehranstalt in Wien nicht die gleiche Ergänzung erfahren hat. Der cantorale und musikalische Unterricht ist dem Herrn Obercantor Heller in Brünn übertragen worden, der im Vereine mit Herrn Dr. Placzek auch bereits das Programm für diese Abtheilung des Proseminars, die eine förmliche Cantorenschule werden soll, entworfen hat. Nach dem Wortlaute des genehmigten Organisations- Statutes ist ״das israelitische Proseminar eine jüdisch-theologische Fachanstalt, an welcher Mittelschüler während der Jahre, in denen sie das Gymnasium oder die Realschule und die Lehrerbildungsanstalt besuchen, außer der Schulzeit Unterricht in der hebräischen Sprachwissenschaft und in biblisch-talmudischen Disciplinen in dem Maße genießen sollen, dass die einen der Zöglinge, die sich dem Seelsorgerberufe zuwenden oder Religionslehrer an den Mittelschulen werden wollen, die nöthige sachliche Grundlage und Vorbildung zum Eintritte in eine rabbritische Hochschule oder zur selbstständigen weiteren Ausbildung gewinnen, und dass die anderen Gelegenheit finden, die zu ihrer Befähigung als israelitische Religions-Lehramts-Candidaten für Volks- und Bürgerschulen nöthige berufliche Ausbildung sich anzueignen. Den Lehramts-Candidaten wird auch die Gelegenheit Beschlüssen des Vorstandes soll namentlich die Ausbildung von Cantor-Lehrern eine der Hauptaufgaben des Proseminars sein. Der fölgende Lehrplan dürfte auch für weitere Kreise von Interesse sein. 1. ״Der Lehrstoff an dieser theologischen Fachschule umfasst die v ollstündige Bibel hu Urtexte mit den durch verschiedene Rücksichten gebotenen Eliminirnngen, Auswahl aus Targumim, sowie aus den Commentären Jizchaki, Nachmani, Jbn Esra und Kimchi; hebr. Grammatik in praktischer Anknüpfung an den .־Wbelünterricht und in theoretischer Zusammenfassung; Grundelemente der aramäischen Grammatik, anknüpfend^ an Daniel und Targnmimstellen; Geschichte des Jndenthuins und seiner Litteratnr; Auswahl ans den Schriften jüd. Neligionsphilosophen und neu-hebr. Dichter; einige wichtige, den,Gottesdienst und die bedeutsamsten religiösen Observanzen berrefiende Capitel aus liturgischen und Ritnal-Compendien; hebr. Stylübungen; Methodik beim Religionsunterrichte und deren praktische Anr Wendung durch Theilnahme au dem jüd. Religionsunterrichte in den Volksschulen; liturgische Gesangs-Lehre und -Hebungen.. 2. Der Lehrstoff vertheilt sich auf 5 Classen, von denen die ersteren drei für je zwei .Jahrgänge berechnet sind, jede Classe hat wieder nur fünf Stunden wöchentlichen Unterricht. 3. In der 1. und 2. Classe ist der Unterricht vollständig, in der 3., 4. und 5. Classe theilweise gemeinschaftlich für alle Zöglinge. 4. Der sachliche Unterricht findet außer der allgemeinen Schulzeit statt. 5. Die Anstalt hat jene Mittelschüler im Auge, a) welche das Untergymnasium oder die Unterrealschule und die Lehrerbildungsanstalten absolviren und b) welche das Gymnasium vollenden — und verlangt' von den aufzunehmenden Zöglingen beim Eintritt in die - erste Classe geläufiges hebr. Lesen, Uebersetzen einzelner Capitel aus dem 1. Buch Moses und wichtiger Gebete. Die Aufnahmsprüsung hat der Lehrer der ersten Classe in Gegenwart des Leiters der Anstalt vorzunehmen. 6. Der gesammte Lehrstoff vertheilt sich auf die einzelnen Classen folgendermassen: 1. Classe (2 Jahrgänge.) Urtext 1., 2. und 3. Buch Mosis; hebr. Grammatik: Lautlehre, Verbum und Nomen (die einfachen Formen.) 2. C l a s s e (2 Jahrgänge.) 4. und 5. Buch Mosis, Josua und Richter, Auswahl aus den Haftarot als Vorbereitung zu den Propheten; hebr. Grammatik: Verbuni, Nomen, Laut- und Accentlehre vervollständigt. 3. Classe (2 Jahrgänge.) Samuel, Könige, Chronik, Ruth, Esther, die ersten sechs von den kleinen Propheten, Psalmen, (theilweise), Sprüche; hebr. Grammatik; die andern Wortarten; Stellen aus den Commentären; Mischna; Geschichte des Judenthums und seiner Litteratur: Von der Zestörung des zweiten Tempels bis zum Abschlüsse des Talmuds. Im zweiten Jahrgange hospitiren die Zöglinge der Kategorie 5a) bei dem Religionsunterrichte für isr. Volksschulen, wobei sie von dem betreffenden Religionslehrer methodische Anleitung erhalten. Diejenigen, die sich zum Cantorate vorbereiten, betheiligen sich an liturgischen Gesangsübungen; während die Zöglinge der Kategorie 5b) an dem Unterrichte Seite 2. Gesterreichisch-ungarifche Lcmtoren-Aeitung. Nr. 22. geboten, sich im Cantorfache anszuhilden." Nach den letzten